Ew. Wohlgeb.

haben mir durch die Uebersendung Ihrer schätzbaren Abhandlungen eine wahre Freude gemacht. Sie werden nicht geringen Nutzen stiften wenn Sie das nach und nach dem Publikum mittheilen, was Sie mit so vielem Nachdenken und Fleiß ausgearbeitet haben.

Mich verlangt sehr Ihr Werk über die Construction, als Grundlage dessen, was in der Baukunst zuletzt blos Zierrath geworden ist, vollendet zu sehen. Wie sich die organische Natur zur bildenden Kunst verhält, so verhält sich der Begriff zu der Construction zur Architectur und es ist nothwendig und löblich beyde Fundamente recht fest zu gründen, wenn das darauf gebaute nicht schwanken soll.

Ich wünsche daß Sie immer ein günstiger Leser unserer Propyläen bleiben mögen, in welchem wir nicht aufhören werden auf solide Kunst zu denken dringen . Es giebt wirklich unter unsern Zeitgenossen sehr schöne Talente, denen nichts fehlt als daß sie in ihrer frühern Zeit nicht sind veranlaßt worden, die Sache ernsthafter zu tractiren. | 2

Was das theoretische betrifft, so möchte wohl jedem die Art, wie er die Dinge nachsieht, angebohren seyn, und wir können über der Zeileuns meistens nur von dem, wie andere die Sache nehmen historisch unterrichten, wir können andere in auf ihrem Felde besuchen; aber wir kehren geschwind auf unsern eignen Standpunct zurück. Doch giebt es noch, wie Sie ganz richtig bemerken, Mißverständnisse zwischen denen, welche sehr nahe beysammen stehen und die muß man so viel als möglich zu heben bemüht seyn.

Fast möchte ich Sie um Ihre Reise nach Niederdeutschland beneiden. Schon lange habe ich mir gewünscht die daselbst aufbewahrten Kunstwerke Vgl. 1799-08-22-a-Goethe: Sachanmerkung
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auch einmal zu sehen
.

Bury blieb ca. neun Monate in Weimar und ist in Goethes Tagebuch ab 1. November 1799 mehrfach verzeichnet. Im Februar 1800 begann er mit Goethes Porträt, einem Brustbild in Lebensgröße , Zeichnung mit schwarzer Kreide, woran bis 9. März gearbeitet wurde. Ab Juni 1800 entstand ein Aquarell-Porträt von Goethe "mit Attributen des Theaters, sitzend in Lebensgröße; nach einer Kreidezeichnung auf Papier". Goethe hätte Bury gern in Weimar behalten und ihn zum Schloßbau hinzugezogen; doch es kam zu keiner dauerhaften Anstellung. Am 4. August 1800 reiste Bury nach Berlin ab (Goethe Tagebücher, Bd, II,1 und II,2, besonders II, 2, S. 721f.)
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H. Bury ist gegenwärtig bey uns
und erinnert mich an die guten, leider in mehr als Einem Sinne, verschwundenen römischen Zeiten.

Der ich recht wohl zu leben wünsche, W. d. und mich geneigtem Andenken empfehle.

W. d. 4 Nov. 99.