Berlin den 7 ten Dec. 98.

Brief erschlossen: [1798-12-vor7x-v-Böttiger].
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Ihr lezter Brief
war mir ein freundlicher Bote: und herzlich danke ich Ihnen, geliebter Freund, für das vielfältige, was Sie mir darin berichten. Niemand wünscht sehnlicher als ich, daß Sie aus der Vermutlich ist hier die Rede von einem Ruf Böttigers "zu Direction einer philologischen Anstalt" in Kopenhagen (Christian Gottlob Voigt; Amtliche Schriften 2/2, 585), "den er benutzen wollte, um sein Unterrichtspensum am Weimarer Gymnasium verkürzen und sein Gehalt aufbessern zu lassen; vgl. Amtliche Schriften 2/2, 585-591. Inwieweit Böttiger hierbei nur Beziehungen spielen ließ ("Freimäurer-Connexionen") [...] oder ernsthafte Berufungsaussichten hatte, ist ungeklärt. Jedenfalls blieb er unter unveränderten Konditionen noch bis 1804 in Weimar" (nach: Goethe Tagebücher, Bd. II,2, hrsg. von Wolfgang Albrecht und Edith Zehm, S. 640).
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jezigen Klemme
sich in eine Lage versetzen möchten, wo Sie mit Muße, und Wahl Ihren Studien leben könnten.

Ich bin zufrieden mit dem Gebrauch, den Sie von Vgl. den Passus über die Berliner Kunstausstellung in Hirts Brief an Böttiger vom 20.10.1798 ["Da Sie den Catalog ... Genüge thun soll"].
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meinem Geschriebs
im Novemberstück des deutschen Mercurs machten: und wohl haben Sie gethan, Böttiger hat einige der kritischen Kommentare Hirts weggelassen.
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die verse nicht hineingesezt zu haben
. Die Architekten Genz, und der junge Gilly, der iezt von Wien zurück ist, sind zwey unserer bravsten jungen Leute, obwohl sie auch nach wenig festen Grundsäzen arbeiten. – Schreibversehen statt: Ihr
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Über
Aufsaz im Modejournal Vgl. dazu Hirts Fragen in seinem Brief an Böttiger vom 24.11.1798.
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hat mich über manches verständigt
, worüber mich der Prolog, den ich von Goethe glaubte, im Zweifel ließ. Indeßen um ein Urtheil zu fällen, muß man doch eine solche Einrichtung selbst sehen, und die Sache seh mit eignen Ohren hören, und lesen.

Das No 3. in den Propylæen habe ich wieder gelesen; und noch weiß ich nicht, was der Verfasser damit bezielt. Mir scheint fast, daß damit zu viel, oder zu wenig gesagt sey. – Auch zweifle ich, ob Meyer in seinem Aufsaze über die Gegenstände eine bestimmte Idee vor sich liegen gehabt habe. Es ist etwas, und nichts gesagt, und überhaupt wenn es der Mühe werth wäre hierüber zu schreiben, glaube ich, müßte der Gegenstand in einer andern Darstellungsart, u. ordnung erscheinen. Mitunter kommen gute Nebenideen vor, aber dabey auch wieder ganz schiefe Ansichten. – Was Göthe über Mahlerey sagen wird, bin ich neugierig. Über Porsena's Grabmal Später gedruckt in Hirts "Geschichte der Baukunst bei den Alten", Bd. 1, 1821, S. 249f.
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habe ich auch einmal geabeitet
. – Ich werde noch ein paar Stücke mit ansehen, u. sollten mir dann die Sachen gefallen, und ich sehen, | 2 daß das Publikum Intereße daran nimmt, so bin ich gesonnen, an Göthe hierüber zu schreiben.

Von dem Sachverhalt unklar. Möglicherweise ist hier Friedrich Ernst Ballhorn (1774-1855) gemeint. Dieser studierte von 1793 bis 1798 Theologie und dann vor allem Philosophie an der Universität Göttingen. Sein Philologiestudium schloss er im März 1798 mit der Promotion zum Magister ab mit einem Beitrag zur Geschichte des älteren Naturrechts. Er untersuchte die Frage, ob die Griechen und Römer im Gegensatz zum positiven Recht auch eine Idee vom Naturrecht besaßen. Dies könnte für Böttiger wie auch für Hirt von Interesse gewesen sein. 1800 wurde Ballhorn Hauslehrer in Amsterdam, studierte Jura in Amsterdam und Göttingen und wirkte später als Kanzler des Fürstentums Lippe-Detmold (nach: Johannes Tütken: Privatdozenten im Schatten der Georgia Augusta. Zur älteren Privatdozentur (1734 bis 1831). Teil II: Biographische Materialien zu den Privatdozenten des Sommersemester 1812. Göttingen 2005, S. 535-549, hier S. 537). - Sein Vater, Ludwig Wilhelm Ballhorn (1730-1777), war Direktor des Lyzeums in Hannover und fand in Moritz' "Anton Reiser" Erwähnung. Nach seinem Tod wurden seine Söhne zunächst zusammen mit Friedrich Schlegel von einem Hauslehrer in Hannover unterrichtet.
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Ballhorn
weiß ich gar nichts. Die Schlegel kommen hier immer mehr in Mißkredit. öffentlich und in Schriften nemlich – und in Gesellschaft werden sie zum Gespött, vielleicht mehr, als sie verdienen.

Den Ernst Ludwig Posselt??? Neueste WeltKunde?
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Poßillianirenden
Gerning hielt sich 1798 bis 1800 mehrfach in Weimar auf. Am 25. November 1798 vermerkt Goethe in seinem Tagebuch: "Nachmittags H. Gerning, der mir seine geschnittne Steine zeigte", und am 1. Dezember 1798: "Früh Gr: Fries. Lerse, Hofr. Wieland Gernings Münzen" (Goethe Tagebücher, Bd. II,1, hrsg. von Edith Zehm, S. 267, 268).
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Gerning
kenne ich: wenn er des Pater Die Münzsammlung des Bischofs Anton Gürtler aus Neapel, die von dem königlich-neapolitanischen Legationsrat J. J. Gerning aus Frankfurt am Main erworben worden war. Vgl. dazu: August Beck: Ernst der Zweite, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg, als Pfleger und Beschützer der Wissenschaft und Kunst. Gotha 1854, S. 221-222: Im Dezember 1799 "bot der königlich-neapolitanische Legationsrath J. J. Gerning aus Frankfurt a./M. sein Münzcabinet, bestehend aus 1881 Stücken – darunter 1600 griechische Münzen – zum Verkaufe an. Dasselbe, dem Range nach die dritte Sammlung in Neapel, stammte von dem Bischofe Anton Gürtler, Beichtvater der Königin von Neapel, der 16 Jahre daran gesammelt hatte. [Fussnote: Vgl. Rasche, Lexicon T. VII. Praefatio pag. 2. T. VIII. San-SSS.]. Herzog Ernst ließ die Sammlung durch Schlichtegroll für 350 Louisd'or ankaufen. Gerning hatte an diesen Kauf nur die Bedingung geknüpft, daß ihm als Kunstsammler in billigem Tausche dienen könnende Doubletten des herzoglichen Münzcabinettes abgelassen werden möchten."
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Gürtlers ganze Münzsammlung
erhaschte, so that er einen guten Fang. Graf Moritz von Fries hatte in Begleitung seines Hofmeisters Franz Christian Lerse (Lersé) von 1794 bis 1797 an der Universität Leipzig die Rechte studiert. Graf Fries, der die Kunstsammlung seines frühverstorbenen Bruders Joseph von Fries fortführte und über enorme finanzielle Mittel für Kunstankäufe und Mäzenatentum verfügte, reiste zusammen mit Lerse u.a. nach Dresden, Berlin und Weimar.. Weimar besuchte er 1797 und 1798. Den letzten Besuch von Fries und Lerse erwähnt Goethe in seinen Tagebüchern am 30. November und am 1. Dezember 1798. An Schiller schreibt Goethe am 1. Dezember 1798: "Graf Fries hat unter andern ein Duzend alte Kupfer von Martin Schön [Schongauer] mitgebracht an denen ich zuerst das Verdienst und Unverdienst dieses Künstlers schematisiren könnte es ist uns höchst wahrscheinlich ob gleich Freund Lerse die entgegengesetzte Hypothese hat daß die Deutschen in einer frühern Connexion mit Italien gestanden" (Goethe WA, IV, Bd. 13, S. 324).
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Fries u. Lerset sind zwey liebe Leute
, und ihr Urtheil über die Münchnergallerie ist richtig, obwohl sie nicht mit der kaiserlichen in Wien zu vergleichen ist. Wo reisen sie iezt hin?

Ich weiß seit einiger zeit wenig über von unserm Hirt war zusammen mit Meierotto im Mai 1798 die Aufsicht über die königliche Münz- und Medaillensammlung übertragen worden. Er plädierte für eine Zusammenlegung aller dieser Bestände und schlug dafür die königliche Bibliothek vor. An das Direktorium der Akademie der Wissenschaften schreibt er am 28. Mai 1798: "Es wird [...] den Herrn Direktoren nicht unbekannt seyn, daß ein Theil der königl. Münzsammlung sich auf dem Schlosse in Berlin, und ein anderer nicht weniger beträchtlicher theil im Antikentempel zu Potsdam befindet. Im Falle nun ein gründliches arrangement dieses wichtigen Zweiges der ältern und neuen Litteratur, und Kunst statt haben sollte; so wäre vor der Hand wesentlich nöthig, daß diese Sammlungen vereiniget würden. Ein Gleiches sollte mit der königl. Gemmensammlung geschehen, in Verbindung mit den kleinern Bronzen, und andern antiken Geräthschaften, welche iezt Pêle-mêle auf einer Bank in dem Antikentempel umher liegen. Alle genannte Gegenstände gehören zusammen, weil sie gleichsam ein- und dasselbe Studium ausmachen" (Archiv der BBAW, PAW (1700-1810), I-XV-3, Bl. 6r-v).
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Münz u. gemmencabinet
. Wir haben allda keine Heizung, und also ist für den Winter wenig zu thun. Sollten indeßen Sie, oder Herder – dem Sie mich bestens empfehlen werden – einzelne Abdrucke bald wünschen, so würde dieß keine Schwierigkeit machen. Ich denke im Frühjahr mich selbst ex officio daran zu machen.

Die Düsseldorfer Gemäldesammlung umfasste mehr als 1000 Exponate vor allem italienischer, flämischer und niederländischer Malerei der Renaissance und des Barock und galt als eine der bedeutendsten Gemäldegalerien Europas. 1795 wurde sie vor der vorrückenden französischen Armee nach Mannheim in Sicherheit gebracht. Später gelangten große Teile der Kunstsammlung nach München.
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Die Düßeldorfer Gallerie
sah ich nie: ich habe aber just Nicolas de Pigage: La Galerie électorale de Dusseldorff ou catalogue raisonné et figuré de ses tableaux: dans lequel on donne une connoissance exacte de cette fameuse collection, & de son local, par des descriptions détaillées, & par une suite de 30 planches, contenant 365 petites estampes rédigées & gravées d'après ces même tableaux. Basle: du Mechel [u.a.], 1778. - Tafelband u.d.T.: Estampes du catalogue raisonné et figuré des tableaux de la Galérie électorale de Dusseldorf. - Die Kupferstiche stammen von Christian von Mechel. Die Gemälde sind dabei nach Sälen und Wänden geordnet.
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die Kupfer davon
auf meiner Stube, u. sehe, daß sie an italienischen Sachen arm ist. Im oben genannten Prachtkatalog von 1778 sind zwei Raphaels verzeichnet, die im dritten Saal aufgehängt waren: Nr. 122 "Une sainte famille" ["Die Heilige Familie mit der Heiligen Elisabeth und Johannes dem Täufer" (ca. 1506)] und Nr. 165 "Saint Jean Baptiste dans le désert" [beschrieben von Wilhelm Heinse in den "Düsseldorfer Gemäldebriefen", Kap. 9). Das Gemälde stammt von Daniela da Volterra.
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Die so getauften Raphaels
sind weit entfernt es zu seyn. Indeßen wäre es immer eine herrliche acquisition, ebenso wie die Münzsammlung –

Die Sammlung des Prinzen August ist zerrißen, so daß er selbst nicht weiß, wie es damit gehen wird. Der Prinz war ein geschätzter Gemmensammler und -kenner. Johann Heinrich Meyer, der in Rom mit dem Prinzen August bekannt geworden war, berichtet von einer "Sammlung von geschnittenen Steinen von drey- bis vierhundert Stück, worunter einige vortreffliche sind" (Meyer an Goethe, 12. Dezember 1795, in: Goethes Briefwechsel mit Meyer, 1917, S. 160).
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Einiges weniges von geschnittenen Steinen
hat er bey sich - anderes in Neapel, anderes auf der Reise nach TriestDer Prinz hatte u.a. in der Gegend des alten Ostia graben lassen, wo die dann nach ihm benannten Statue der "Venus Augustea" gefunden wurde.
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die Statuen
etc. noch gröstentheils verborgen in Rom.

Ich würde sehr bedauern, wenn das Vasenwerk liegen bleiben sollte. | 3

Gestern hatte ich einen langen Brief erschlossen: [1798-12-vor07x-v-Bury].
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Brief
vom Mahler Bury aus Rom: der aber gröstentheils mit seinen eigenen kläglichen Umständen angefüllt ist. Er würde gern seine Über seine mehrfache Beschäftigung mit Rubens geben die Briefe Burys an Goethe Auskunft. So schreibt er am 9. August 1788 an Goethe: "{...[ ich hab einen sehr Schönen Rubens im Hauß gehabt welcher jemand in Neapel gehört, hab eine Gruppe draus copirt weil die farben so schön daran waren, Ihre Neue Binzel hab ich darzu gebraucht es war mir wieter ganz wohl mit öhlfarben Umzugehen" (Martin Dönike: Friedrich Bury, Briefe aus Italien an Goethe und Anna Amalia. Göttingen 2007, S. 20). - Bury an Goethe, Rom, 11. Dezember 1788: "Ich zittere aller Liebster; daß ich einen Schritt gethan ohne Ihre Einwilligung, [...] nemlich, die Gelegenheit einen Quercino, Paulo Veronesse, Gerhardo della Notta, und 2 Rubens gekauft zu haben, alles was man sehen kann von diesen leuthen, letzteren sind Lebens grosse Bilder, Die scizzen welche ich Ihnen bald schiken, werden Ihnen grosses Vergnügen machen" (ebd., S. 33). - Bury an Goethe, Florenz, 21. September 1790: um seine Schulden zu begleichen, möchte er "die Rubensen" verkaufen, "welche in einem palaste recht sehr gut thun werden, denken Sie hierüber auf mich, eines, oder das andere kann man aber unter 100 Zecchinen nicht geben" (ebd., S. 60). Mit letzteren scheinen die beiden im vorliegenden Brief erwähnten "Cartons von Rubens" gemeint zu sein, die er offensichtlich bis dahin noch nicht verkaufen konnte. Die zwei "nicht näher identifizierbare[n] Kartons" (Martin Dönike, ebd., S. 138) wurden im Januar-Heft des NTM 1799, S. 61, angeboten: "Auszug eines Briefes aus Rom. / Rom, d. 4. Novembr. 98. / Der Mahler Bury in Rom möchte gern seine zwey großen Kartons von Rubens - jedes für 100 Dukaten - verkaufen, um sich zu helfen. Dabey hat er verschiedene Aquarellzeichnungen, Copieen nach vortrefflichen Gemählden fertig, die er auch anzubringen wünschte."
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zwei großen Cartons von Rubens
– jedes Stück – für 100. Dukaten verkaufen, um sich zu helfen. Meyer kennet sie, und folglich würde ich Sie bitten es dort bekannt zu machen. Es wäre etwas für den Grafen Fries. Dabey hat er verschiedene Acquarellzeichnungen, Copien nach vortrefflichen Gemälden, fertig, die er auch anzubringen wünschte.

Rom besizt noch seine Privatgallerien: nur der Prinz Aldobrandini Dasselbe teilt Bury auch Goethe in einem Brief aus Rom vom 22. November 1798 mit: "Rom besitzt noch alle seine prifat gallerien, ausgenommen Aldombrandini hat das Gemählt des Christus von da Vinci mit seiner ganzen Gallerie für 6000 Scuti an zwey Englische Künstlern verkauft, wie auch Altieri seine zwey Clautio an dieselben verkauft hat, von dem Christus, und der Eitelkeit, in Barbarini von Leonhart habe ich 2 gute kopien, welche ich Ihnen für Liebhaber empfählen kann. 60 Zecch. ist der genauste preiß für beyde" (Martin Dönike: Friedrich Bury, Briefe aus Italien an Goethe und Anna Amalia. Göttingen 2007, S. 97-98). Über den Verkauf der Gemälde berichtet ebenso Karl Ludwig Fernow im NTM 1798: "Kunstnachrichten. Ueber den gegenwärtigen Zustand der Kunst in Rom. / Rom, den 1. Okt. 1798": "Die Gemähldesammlung der Villa Aldobrandini, die zwar nur klein war, aber mehrere schöne und merkwürdige Gemählde alter Meister, eines Mantegna, Mazzuoli, Bellini, Tizian u.a. enthielt, ist unter der Hand verkauft worden; einige dieser Gemählde sah ich neulich bey einigen italienischen Mahlern. Zwey der schönsten Claude Lorrains des Pallasts Altieri sind für 10,000 Pezzi duri nach Neapel gewandert; denn zur Kontribuzion mußte Geld aufgetrieben werden" (NTM, Bd. 3, S. 284); siehe auch den bereits oben zitierten "Auszug eines Briefes aus Rom" im NTM 1799, Bd. 1, S. 61. - "Das damals irrtümlich Leonardo da Vinci zugeschriebene, tatsächlich aber von Bernardino Luini stammende Gemälde "Christus unter den Pharisäern" gelangte nach seinem Verkauf zunächst in die Sammlung Alexander Days (um 1800)" (Martin Dönike, ebd., S. 200).
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verkaufte seinen Cristus
von Leonardo mit der gesammten Gallerie an zwey englische Maler Day, und Fagen um 5000. Scudi. Auch hat lezterer Es handelt sich um die beiden Bilder von Claude Lorrain "Psyches Vater opfert am Tempel des Apollo in Milet" (1663) und "Landschaft mit der Landung des Aeneas in Latium" (1675), die sich seit dem 17. Jahrhundert im Palazzo Altieri in Rom befanden. Sie wurden 1798 "von den englischen Malern Charles Grignion und Robert Fagan für die Summe von 10000 Scudi gekauft und über Neapel und Palermo nach England geschmuggelt, wo sie zunächst in den Besitz William Beckfords gelangten; sie befinden sich heute in der Fairhaven Collection, National Trust, Anglesey Abbey, Cambridgeshire" (Martin Dönike, a.a.O., S. 200-201).
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die zwey schönen
Claude Lorrain vom Prinzen Altieri erstanden.

Der [!] Die Römische Republik (Repubblica Romana) von 1798-1799 war eine durch das revolutionäre Frankreich errichtete italienische Tochterrepublik. Sie wurde am 15. Februar 1798 ausgerufen und im September 1799 aufgelöst. Die Republik erhielt eine Verfassung nach dem Vorbild des französischen Direktoriums. Dazu ausführlich: Wikipedia.
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Römische Republik
sammelt iezt die noch übrigen beßern Kirchengemälde, um eine Gallerie zu formiren – zu diesem Zweck ist die Kreuzabnehmung von Daniel da Volterra auf Trinità de' monti schon Mit dem Frieden von Tolentino, den Pius VI. am 19. Februar 1797 unterzeichnen musste, war die Plünderung der römischen Kirchen und der päpstlichen Sammlungen verbunden. Die Kunstwerke sollten für das Museé Napoleon nach Paris verbracht werden. Das Augenmerk der Franzosen war dabei schon frühzeitig auf die berühmte "Kreuzabnahme" gefallen. Von den Plünderungen in Trinitá de' monti berichtet u.a. Fernow im NTM: "Die Kreuzabnehmung von Daniel di Volterra in der Kirche auf Trinita de' Monti hat man, nebst den Seitengemählden, sammt der Mauer ausgesägt um sie nach Frankreich zu transportiren." ("Über den gegenwärtigen Zustand der Kunst in Rom", NTM 1798, Bd. 3, S. 285). Schwere Anklagen gegen die Kunstraub der Franzosen in Italien und insbesondere über die Art, wie von den Eroberern die Fresken Ricciarellis in S. Trinità de' Monti behandelt worden waren, finden sich in der anonym erschienenen Schrift "Der Kampf um Europens Stiefel. Ein Gemälde aus der Bildergalerie unserer Tage (Erfurt 1800, S. 7): "Das erhabene al fresco-Gemälde des Daniel da Volterra, die Kreuzabnehmung, wo besonders die herrliche Gruppe des Vordergrundes, die Mutter des Erlösers in Ohnmacht liegend, unübertrefflich schön dargestellt war, sägten die Franzosen aus der Wand heraus - und, ach, zerbrachen es - und auf diese Art gingen unzähliche Gemälde, Statuen und andere Kostbarkeiten unter ihren ungeschickten Händen zugrunde, deren Verlust unschätzbar ist." Zehn Jahre später schreibt der römische Restaurator Pietro Palmaroli über die Behandlung der Fresken: "An ein Werk von so hoher Verantwortung war man herangetreten, ohne auch nur die Anfangsgründe der Kunst zu kennen, ohne auch nur einen Funken von Genie zu besitzen. Da man die ganze Sache auf eine lächerliche und für das ganze Bauwerk höchst gefährliche Art und Weise begann, so ereignete sich das, was sich ereignen mußte. Es wurde nämlich eine Seitenwand der Kapelle in der ganzen Dicke der Mauer einfach ausgesägt. Der Pfeiler, der das Gewölbe trug und nicht genügend durch Stützen gesichert war, brach zusammen, das Gewölbe der Kapelle stürzte ein und infolgedessen auch ein Teil des Hauptgewölbes. Und da man sich nicht die Mühe gab, die Kapelle wenigstens sofort auf andere Weise zu bedecken und vor den Unbilden der Witterung und dem hereinströmenden Regen zu schützen, da überdies die Soldaten, die im Kloster untergebracht waren, den Trümmerhaufen benutzten, um dort ihre Bedürfnisse zu verrichten, so wurde auch der Kreuzabnahme solcher Schaden zugefügt, daß dies herrliche Werk in kurzem zu sein aufgehört haben würde, wenn ich nicht das Geheimnis gefunden hätte, seine Farben wieder herzustellen" ((Guattani), Memorie encyclopediche Romane sulle Belle Arti. Tomo V, 1810, S. 127; zitiert nach:. Ernst Steinmann: Das Schicksal der Kreuzlegende des Daniello da Volterra, in: Monatshefte für Kunstwissenschaft, hrsg. von Georg Biermann, Bd. 12, Nr. 8/9 (1919), S. 193-212, hier S. 204). - Während die Seiten- und Deckengemälde verloren gingen, blieb die "Kreuzabnahme" erhalten und verblieb in Rom. Sie wurde 1809 von Palmaroli von der ausgesägten Wand auf Leinwand übertragen und später für Santa Trinità de' Monti zurückgekauft (vgl. Ernst Steinmann: Die Plünderung Roms, URL: http://edoc.biblhertz.it/editionen/steinmann/kunstraub/)
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ausgesägt worden
.

Die Franzosen besetzten und beschlagnahmten im Sommer 1798 die deutsche Kirche (so wie die meisten Kirchen, Klöster und geistlichen Institute zum französischen Nationaleigentum erklärt wurden) und plünderten und versteigerten deren gesamte Kunstschätze. Das Gemälde von Giulio Romano im Hochaltar, das die Heilige Familie vor einer antiken Architekturruine zeigt, flankiert von den knienden Aposteln Markus und Jakobus, wurde zuerst in die Französische Akademie am Corso gebracht und sollte dann nach Paris abtransportiert werden. Die Kirche diente in der Folge als Heumagazin und Pferdestall. Nach dem Zusammenbruch der Römischen Republik 1799 konnten die beschlagnahmten Kunstwerke zurückerworben werden und kehrten in die Kirche zurück.
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Das schönste Oelgemälde
von Julio Romano – in der Deutschen Kirche – Santa Maria dell'anima – unter dem Vorwande daß es eine Flammlandische Kirche sey – ist von den Franzosen genommen worden.

Leben Sie wohl, empfehlen Sie mich allen, auch der niedlichen Jagemann – und laßen Sie sich bald wieder etwas von sich hören –
Ihr
Hirt.

Mad. Sander ist immer noch nicht wohl – hofft aber Beßerung durch ihre baldige Im Februar 1799 wird der jüngste Sohn der Familie Sander, Karl Wilhelm Heinrich Ferdinand, geboren.
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Niederkunft
. Hier ist wohl der Prinz August von England gemeint, der von Feßler am 20. Dezember 1798 in die Loge "Zur siegenden Wahrheit", eine Berliner Tochterloge der "Royal York de l'Amitié", aufgenommen und im Juni 1799 zum ersten Aufseher der Loge gewählt wurde. Vor seiner Abreise aus Berlin 1800 ernannte ihn die "Royal York" zum Repräsentanten bei der Londoner Großloge.
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Feßler hat wieder einen neuen Schüler
, Zu Feßlers Logenreform siehe ausführlich: Florian Maurice: Freimaurerei um 1800. Ignaz Aurelius Feßler und die Reform der Großloge Royal York in Berlin.. Tübingen 1997.
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und arbeitet immer fort in Freymaurer Sachen
: besonders da die Die Große National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln" (gegründet 1740), die Große Loge der Freimaurer von Deutschland (1770 als Großloge konstituiert) und die Großloge Royal York (gegründet um 1752; 1798 Aufteilung in vier Berliner Tochterlogen). 1810 vereinigen sie sich zum Freimaurerverein der drei Großlogen zu Berlin; vgl. dazu ausführlich: Karlheinz Gerlach: Freimaurerlogen in Berlin, in: Uta Motschmann (Hrsg.): Handbuch der Berliner Vereine und Gesellschaften 1786-1815. Berlin 2015, S. 258-399.
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drey Mutterlogen
hier sich immer noch nicht recht verständigen wollen. Johann Daniel Sander schreibt dazu an Böttiger, Berlin, 22. Dezember 1798: "Wie Sie wissen, ist unser Feßler Mit-Redacteur des Berl. Archivs geworden. Das ist ein kleiner Zuschuß zu der Bezahlung der beiden Pensionäre, die er jetzt wieder hat. Aber - zu meiner Freude bekommt er jetzt einen größeren. Gestern, als ich gerade in meiner Handlung gewesen bin, hat Hirt uns besucht u. meiner Frau erzählt: Feßler sey Mitglied (Assessor?) des Ober-Schul-Collegiums geworden, u. solle, weil er den Katholicismus kenne, das Fach der katholischen Schulen, besonders in Südpreußen unter seiner Aufsicht haben. Morgen spreche ich Feßler, u. bringe ihm noch eine gute Nachricht. Ich habe ihn der Voßischen Buchhandl. an meiner Stelle vorgeschlagen. Sie wird ihm zwar nicht geben, was ich bekam; indeß kann ich ihn für das Correspondiren mit Gelehrten; für Durchlesen der einlaufenden Mscrpte u. dergleiche, doch wenigstens, vorläufig, 300 thaler versprechen. Ueberhaupt scheint sich des guten Feßlers Glücksstern nun auf einmal zu wenden. Denken Sie nur! Dieser Tage hat er den Englischen Prinzen August in seine Loge aufgenommen!" (Bernd Maurach (Hrsg.): Die Briefe Johann Daniel Sanders an Carl August Böttiger, Bd. 2, Bern [u.a.] 1990, S. 263).
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Er ist iezt mitredacteur vom Archiv der Zeit etc