Zwischen Herrn Hofrath Hirt und dem Buchhändler Reimer, ist folgender Zum Vertragsentwurf von Hirt siehe 1820-10-01-a-Reimer.
[Schließen]
Vertrag
über den Verlag eines Werkes, die Geschichte der Baukunst betreffend, verabredet und abgeschlossen worden:

1.) Das Werk wird in Quarto gedruckt, in der Größe und mit den Lettern, wie die Schriften der königlichen Akademie der Wissenschaften erscheinen.

2.) 1825 kam es wegen des größeren Umfangs der beiden Bände und der Honorarzahlung zu „Differenzen“ zwischen Hirt und Reimer. Ein Schreiben von Reimers Schwager, Justizkommissar Reinhardt, an seinen Kollegen Justizrat Kunowski vom 21. November 1825 vermittelt einen Eindruck davon, den Streit juristisch begründet, dennoch aber gütlich zu schlichten. „Nach dem vom H. Hirt unterzeichneten Contract, welcher vor mir liegt, sollte das Werk desselben, die Geschichte der Baukunst, 2 mäßige Bände von etwa 50 bis 60 Bogen für beide ausmachen, u der Druck sogleich nach Vollziehung des Vertrags beginnen. An Honorar sollte nach § 4 u 9 gzahlt werden 1 Friedr.d'or für den gedruckten Bogen sofort nach Beendigung des Drucks jedes Bandes. Würde sich hiernächst bis zur Ostermesse 1823 ein Absatz von wenigstens 200 Exemplaren ergeben haben, so sollte der H. Verfasser noch 1 Frd'or für den Bogen, sonst aber u. wenn der Absatz bis zu dem gedachten Termine geringer ausfiele, nur ½ Frd'or erhalten, u hiehmit jede weitere Verbindlichkeit des Verlegers getilgt sein. / Das Werk hat während des Drucks eine Ausdehnung von 19 Bogen erhalten; es sind davon nach Angabe meines Schwagers nicht 150 Exemplare abgesetzt u die Kosten des Drucks bis jetzt nicht gedeckt worden. Mein Schwager hat dem H. Verfasser ⅓ Friedr.d'or gezahlt. / Hätte der H. Verfasser die Veränderung in Ansehung des Umfangs seines Werks noch vor dem Druck gemacht u. angezeigt, so würde nach LandRecht Theil I Titel 11 § 1008 mein Schwager die Wahl gehabt haben, sich dieselbe gefallen zu lassen oder von dem Vertrage wieder abzugehen. Allein die Aenderung wurde gemacht im Fortgange des Drucks, der contractmäßig sogleich anfieng; u hier tritt also der folgende § 1009 l. c. ein. Nach diesem haftet der Schriftsteller für eine solche ohne die Einwilligung des Verlegers (hier gegen den Inhalt eines schriftlichen Vertrags) gemachte Aenderung dem letzteren für allen daraus entstehenden Schaden, u kann also am wenigsten Vortheil für sich selbst daraus ziehen wollen. / H. p Hirt hatte contractmäßig zu fordern das Honorar für 60 Bogen à ½ Frd'or, u ist mithin durch die empfangenen 92 Frd'or mehr als befriedigt. Er würde sogar meinem Schwager zum Schadenserssatz verbunden sein wegen der nicht gedeckten Druckkosten u. wegen des durch den Umfang des Werks verminderten Absatzes wenn dieser deshalb Ansprüche machen wollte. / Ich kann wie gesagt in Sachen meines Schwagers nicht eigentlich Schiedsrichter sein. Hast du aber dieser Ansicht in Facto oder jure etwas entgegenzusetzen, so theile es mit u. mein Schwager wird Gründen Gehör geben. Willst du eine Conferenz, so bin ich zu jeder Zeit bereit. Vielleicht könnten wir die Sache in der nächsten juridica besprechen (die der Reihe nach künftigen Montag bei dir sein wird) u hierbei die Meinung der Collegen hören“. Kunowski schreibt am 19. November 1825: „Auf Deine gefällige Erwiderung meines Schreibens in Betreff der zwischen Deinem Schwager Reimer und dem Professor Hirth obwaltenden Differenzen, beehre ich mich zu antworten, daß unter diesen Umständen die von mir in Vorschlag gebrachte Conferenz heute wohl nicht Statt finden wird. Ich bitte Dich zugleich aber wenn Dich Dein Schwager noch zum Schiedsrichter in dieser Sache wählen solte mir dies bald bekannt zu machen“ (beide Schreiben im Verlagsarchiv Walter de Gruyter, SBB PK, Handschriftenabteilung, Dep. 42 R 1: Hirt, Aloys vgl. Doris Reimer: Passion und Kalkül, 1999, S. 216f.: „Hirt bekam also, obgleich sein Werk fast doppelt so umfangreich wie geplant ausfiel, wie vereinbart 1 Frd'or für den Bogen. Erst als Hirt auch noch Anspruch auf den Nachschuß erhob, weigerte sich Reimer zu zahlen.“ Dort auch die Schlussfolgerung, dass Hirt sich mit Reimer gütlich geeinigt zu haben scheint, da sonst der Vertrag vom 2.1.1827 wohl nicht zustande gekommen wäre).
[Schließen]
Das Ganze wird zwei mäßige Bände, von etwa 50 bis 60 Bogen beide ausmachen.

3.) Die Zeichnungen werden entweder radirt oder lithografirt.

4.) Für den Druckbogen beträgt der Preis zwei vollwichtige Friedrichsd'or unter nochbenannter Modification.

5.) Die Zeichnungen insgesammt liefert der Herr Verfasser frey und der Verleger hat nur die Unkosten des Stechens u.s.w. zu tragen.

6.) Der Druck muß mit der Vollziehung des Contraktes beginnen, und dann unausgesetzt fortgehen, so daß wenigstens alle 14 Tage drei Bogen fertig werden. | 2

7.) Gleichzeitig und anhaltend muß auch der Kupferstich betrieben werden, so daß die Kupfer zu jedem Bande gleichzeitig fertig werden.

8.) Der erste Band muß Vgl. 1820-10-01-a-Reimer
[Schließen]
auf Ostern
und der zweite Vgl. 1820-10-01-a-Reimer
[Schließen]
auf Michaelis
1821 erscheinen. Im Fall (unvorhergesehener Unfälle abgerechnet) durch Schuld eines der beiden contrahirenden Theile die Zeit der Erscheinung nicht erfüllt würde, so zahlt der schuldige Theil dem andern für jde 3 Monate Verzug, über die im Contrakt bestimmten Termine 50 reichstaler Gold.

9.) Die Zahlung des Honorars erfolgt gleich nach Beendigung des Drucks jedes Bandes mit 1 Friedrichsd'or für den gedruckten Bogen. Falls sich jedoch bis zur Ostermesse 1823 ein Absatz von wenigstens 200 Exemplaren ergeben hätte, so erhält der Hr. Verfasser für jeden gedruckten Bogen annoch 1 Friedrichsd'or und zwar die darnach ausgemittelte Summe halb zur Ostermesse 1823, halb zur Ostermesse 1824. Im Fall jedoch bis zu dem gedachten Termin der Absatz minder reichlich ausgefallen wäre, so wird nur ½ Friedrichsd'or pro Bogen Nachschuß gezahlt, und zwar Ostermesse 1824, womit in beiden Fällen alle Verbindlichkeit zu fernerer Nachzahlung von Seiten des Verlegers erlischt.

10) Jede zu stechende Platte muß vor dem Abdruck die Billigung des Hrn. Verfassers erhalten. | 3

11.) Außer dem bezeichneten Honorar erhält der Herr Verfasser dreißig Freiexemplare, und darunter sechs auf Velinpapier.

Hirt
den 9 ten October 1820.