Hochwohlgeborner Herr Geheime Rath und Oberpresident!

Obwohl, wie mir bekannt ist, In Berlin wurden große Anstrengungen für den Verbleib des Danziger Bildes "Das jüngste Gericht" in der Hauptstadt unternommen. Das berühmte Bild war 1807 durch Denon von Danzig nach Paris verbracht worden und kam nach dem Sieg Preußens 1815 nach Berlin, wo es auf der Kunstausstellung ausgestellt wurde. Theodor Hirsch schreibt dazu: „Nach einer Restauration blieb das Bild „in diesem Zustande [...] bis 1807, in welchem Jahre nach der Besetzung Danzigs der Director des Musée Napoléon Denon im Namen des Kaisers am 3 Juli die Auslieferung des Bildes für das Pariser Museum verlangte und schon nach drei Tagen ins Werk setzte. Nach dem Einzuge der Verbündeten in Paris verwandte sich der neue Preußische Gouverneur von Massenbach bei dem Staatskanzler von Hardenberg um die Rückgabe des Bildes, welches darauf 1815 nach Berlin gebracht wurde. Hier wurde es vom Prof. Bock aufgefrischt und gereinigt und bildete eine Hauptzierde der Kunstausstellung, die in jenem Jahre mit den wiedererlangten Kunstwerken veranstaltet wurde. Das Bild gefiel so sehr, daß der damalige Künstlerverein in Berlin sich eifrig bemühte, es für das damals beabsichtigte Nationalmuseum zu erhalten; man erbot sich dagegen für den Hochaltar der Marienkirche eine ausgezeichnete Kopie der Sixtinischen Madonna zu Dresden zu liefern und auf Kosten der Academie, des Künstlervereins und des Cultusministeriums eine Stiftung zu begründen, um einem Maler, einem Bildhauer und einem Baukünstler aus Danzig freies Studium auf der Berliner Academie der Künste zu gewähren, und privatim ging man so weit, daß man einerseits den König zu einem unmittelbaren Einschreiten zu vermögen, andrerseits den damals bedeutendsten Künstler Danzigs, den Director der Kunstschule, Prof. A. Breysig, durch Anbietung persönlicher Vortheile im Falle seiner Verwendung, für die Sache zu gewinnen versuchte, beides indessen ohne Erfolg. Im December 1816 kam das jüngste Gericht nach Danzig zurück, wo es auf Veranlassung des Prof. Breysig, der es nochmals restaurierte, in der wegen ihres Lichtes dazu geeigneten Dorotheenkapelle zweckmäßig aufgestellt wurde; am Krönungs- und Friedensfeste 18. Jan. 1817 ward es bei einer kirchlichen Feier der Gemeinde wiedergegeben.“ („Die Ober-Pfarrkirche von St. Marien in Danzig in ihren Denkmälern und in ihren Beziehungen zum kirchlichen Leben Danzigs überhaupt: dargestellt von Dr. Theodor Hirsch, Professor am Gymnasium zu Danzig. Danzig 1843, S. 428 f. - Vgl. auch: Die Rückkehr des "Jüngsten Gerichts" nach Danzig. Von Prof. Dr. Paul Simson. Danzig 1916). - Das Altarbild „Das Jüngste Gericht“ (auch: „Triptychon des Weltgerichts“) stammt nicht, wie Hirt meinte, von van der Goes, sondern von Hans Memling. Das Original befindet sich heute im Nationalmuseum Danzig und eine Kopie in der Gemäldegalerie Berlin. - Im Juli 1816 verfassten Schadow und andere „Künstler und Kunstfreunde“, darunter Hirt, ein Schreiben an den Oberpräsidenten Theodor v. Schön, mit der Bitte, sich für den Verbleib des Bildes in Berlin einzusetzen. Theodor v. Schön war am 25. Mai 1815 zum Oberpräsidenten von Westpreußen und zum Regierungspräsidenten von Danzig ernannt worden und am 12. Juni 1816 zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Am 1. Juli 1816 trat er sein Amt als Oberpräsident an: „Sr. Exzellenz dem wirklichen Geheimen Rath Oberpräsidenten Herrn v. Schön, Ritter mehrerer Orden. / Die gesammten Künstler und Kunstfreunde dieser Hauptstadt wenden sich mit nachfolgendem Gesuch an Ew. Exzellenz: Der Besitz des Danziger Bildes für das Kunstleben der Hauptstadt und des ganzen Landes ist dadurch beschränkt, wenn die Stadt Danzig denselben sich allein vorbehalten will. In so fern das Landrecht und das Kirchenrecht dem Besitzrecht der Stadt Danzig einen äußeren Gehalt der Form nach giebt, sind wir angewiesen, Ew. Exzellenz Vermittlung bey der Gemeinde dieser Stadt in Anspruch zu nehmen. / Die Bitte der gesammten Künstler und Kunstfreunde ist demnach dahin gerichtet, daß Ew. Exzellenz es gütigst übernehmen möchten, nachfolgenden Vergleich des Berliner Künstlervereins dem Magistrat der Stadt Danzig und den Vorstehern und Predigern der Pfarrkirche zur Prüfung und Annahme vorzulegen: / Die vereinigten Künstler und Kunstfreunde wollen die gemeinschaftliche Obliegenheit über sich nehmen, der Danziger Pfarrkirche für ihren Hauptaltar ein demselben angemessenes Altarbild zu mahlen. Zu dem Bilde wird die Stadt Danzig die Aufgabe geben. Das Bild wird durch eine allgemeine Concurrenz des Künstlervereins bearbeitet. Unter den von Sachkennern geprüften Bildern wählen Deputirte der Stadt Danzig dasjenige, das verdient ausgeführt zu werden. / Dem Recht der Landesgesetze und dem Privatrecht der Kirche auf das Besitzthum des Danziger Bildes stehen entgegen auf der anderen Seite der Waage: Erstens das Recht, was das Vaterland hat an die Abtretung eines Privat-Kunstwerkes, wenn es das allgemeine beste fordert. Zweitens das Recht der Kunst selbst, wenn der Privatbesitz des einzelnen Kunstwerkes die freie Benutzung hindert. Drittens wenn das Recht des Besitzes, mit dem Blute des Volkes erkauft, jedem einzelnen ein gleiches Recht giebt. / Ew. Exzellenz als Vaterlandsfreund und Kunstbeförderer Antheil nehmend an den Forderungen der Zeit und das Ihnen durch Ihre früheren Handlungen bewahrte Vertrauen giebt den vereinten Künstlern die Versicherung, daß Sie mit Ueberzeugung und Liebe diese Angelegenheit leiten werden. Von dem Gelingen dieser Unterhandlung hängt die Erfüllung der Wünsche aller Künstler und Kunstfreunde ab, die an den Besitz dieses Bildes die Hoffnung eines neuen Kunstlebens anschließen. Ew. Exzellenz Bemühen wird das Vaterland und die Kunst dankbar anerkennen. / In beiliegendem Sendschreiben an die Gemeinde der Stadt Danzig haben die Künstler die Grundsätze aufgestellt, nach welchen der Vergleich einzuleiten und abzuschließen ist. / Berlin, den [ohne Tagesangabe] July 1816. / Ew. Exzellenz / ergebene / Künstler und Kunstfreunde der Stadt Berlin. / G. Schadow, erster Vorsteher des Künstler Vereins. / L. Catel, Schreiber. / F. G. Weitsch, zweiter Vorsteher. / Helm, zweiter Schreiber. / Mehden, Mitglied der Kgl. Akademie d. Künste. / A. Hirt, Mitglied des Senats d. k. Kunstakademie. / F. W. Rosenstiel, Mitglied d. Senats d. k. Kunstakademie. / F. W. Gubitz, Professor d. Kgl. Akademie d. Künste. / C. Basslig, Hofrat u. Mitglied d. Künstlervereins.“ - Das erwähnte Sendschreiben wurde vermutlich nicht abgeschickt. In einem zweiten Schreiben an Schön vom 22. Juli 1816 erhöhten sie das Gebot: „Sr. Exzellenz dem wirklichen Geheimen Rath Prädidenten Herrn v. Schön, Ritter mehrerer Orden. / Die bevorstehende nahe Entführung des Bildes, das Jüngste Gericht genannt, von Berlin und seine Zurückgabe an seinen früheren Besitzer, die Gemeinde der Stadt Danzig, hat das unbedingte Bedürfniß herbeygeführt, daß die vereinigten Künstler und Kunstfreunde des Vaterlandes zusammentraten, mit der Gemeinde dieser Stadt in Unterhandlung zu treten, dieses Kunst-Paladium dem allgemeinen Kunstleben zu erhalten. Durch diese Versetzung könnte dasselbe in Etwas gestöhrt werden. Zu diesem Zwekke haben die Künstler des Vereins und der Academie sowie die Kunstfreunde den Entschluß gefaßt, der Gemeinde der Stadt Danzig Vorschläge zu einem Vergleich zu machen, der die gemeinsamen Rechte auf den Besitz dieses Bildes abwägend die fernere Erhaltung des Danziger Bildes in den Mittelpunkt der vaterländischen Kunst, in das National Museum der Hauptstadt, bewirke. / Ew. Exzellenz als Verwalter des bürgerlichen Rechtes Danzigs bitten die Künstler und Kunstfreunde eines Vergleichs Unterhandlung zwischen beyden einzuleiten und zu vermitteln. / Zur Begründung dieses Vergleichs sey es den Künstlern erlaubt: Erstens die Gründe aufzustellen, die sie bewogen haben, die Erhaltung des Danziger Bildes in dem National Museo zu wünschen, und zweytens den Ersatz für diese Erhaltung anzubiethen. / Nachfolgendes sind die obigen Gründe: Dieses Bild, welches früher, ehe das deutsche Volk sich selbst erkannte, für jeden einzelnen nur einen sehr unbestimmten Werth hatte, erhält seinen jetzigen hohen Werth aus der Erhebung der Zeit. Durch sie ist dieses Bild das für die Kunst geworden, was die Heldenthaten des Volks für die Volksthümlichkeit sind. Aus dieser Ansicht muß dieses Bild ein National Eigenthum werden, das in dem National Museo aufgestellt vor den Augen des gesammten Volkes als Musterbild deutsche Kunst neu belebe und Denkmahl deutschen Waffen Ruhmes sey. / Von diesem Standpunkt aus hat das Danziger Bild ein zwiefaches Besitz-Recht: Für die Danziger hat es das gesetzliche Recht des früheren Besitzthums unter dem Schutz der bürgerlichen Gesetze, für die Künstler Welt hat es das Recht der Menschheit, des Vaterlandes und der Kunst. Die Menschheit fordert, den Privat-Besitz eines Kunstwerkes ihr aufzuopfern, wenn an den allgemeinen Besitz ihr Fortschreiten in Gegenwarth und Zukunft gebunden ist. Wenn das Vaterland den geraubten Kunst-Schatz mit dem Bluthe aller seiner Kinder zurückführt, dann tritt dasselbe in das Besitzrecht des Einzelnen ein. Wird dem Kunststudio durch äußere Verhältnisse die Localität gestöhrt, dann bedingt die Kunst eine Versetzung des Privat-Kunstwerkes in eine Örtlichkeit, die dem Ganzen zugänglich unter dem Schutz der Künstler steht. / Die vereinten Künstler des Vaterlandes bitten die Gemeinde Danzig, obige Gründe wohl prüfend die baldige Entscheidung ihnen zukommen zu lassen. Deutschland und die Künstler Welt erwartet mit Begirde [!] dieses Urtheil, das den Besitz des Kunst Palladiums dem Vaterlande auf seinen wahren Ort der Kunstanschauung sichern soll. / Für diese schöne und gute Aufopferung um das Vaterland und die Kunst wollen die Künstler und Kunstfreunde nachfolgendes erstatten: Erstens, das unbedingte Eigenthum bleibt auf ewige Zeiten den Danziger Bürgern an ihr Bild. Sie geben es mit vollständigem Rechte der Zurücknahme dem Künstler Verein, der Nation zur Aufstellung und Beschützung in der Hauptstadt dasselbe als Darlehn. / Zweytens, den Künstlern liegt der Schutz und die Verwahrung des Bildes ob. / Drittens, Danzigs Kunst Stolz und Kunst Zirde [!] war dieses Bild früher und ist es noch mehr geworden, da die Zeit es geendert [!] hat. Es muß ihm Ersatz werden. Ein anders Altar Blatt sey von den Künstlern ihm gegeben. Kunst kann nur mit Kunst entschädigt werden. Der Werth des Danziger Bildes muß von den gesamten Künstlern bestimmt seyn, um die Ausgleichung des Kunstwertes festzustellen und Überschätzung zu vermeiden. Wenn dieses Bild ein Original gewesen, kann eine gute Copie von einem ihm gleichen Meister Stükke der Kunst ihm entgegen gestellt werden. Denn dieses Bild ist nicht ein Werk von Danzigs Künstlern. Deutschen unbekannten Ursprungs kam es zufällig ein Geschenk der Vorsehung in Danzigs Mauern. Die Madonna Raphaels in Dresden in einer guten Copie könnte das vollkommenste Äquivalent dafür sein. / Viertens würde die Aufstellung dieses Bildes in Danzigs Kirche auf der alten Stelle seines Vorbildes dadurch reichlichen Ersatz geben, daß es der Representant des Ersteren mit diesem zugleich in die Ewigkeit übergeht. / Der Gemeinde würde für den realen Verlust des Bildes ein Stipendium für 3 Künstler-Schüler der Stadt bey der Academie zur Entschädigung dienen. / Die vereinten Künstler und Kunstfreunde übergeben diese Angelegenheit in die Hände eines Mannes, von dem sie das vollkommene Vertrauen haben, daß er den Standpunkt des deutschen Kunstbestrebens für die Bildung des Volksthümlichen erfaßt, mit aller Wärme und Eifer betreiben, welche die Hoffnung des gesamten Künstler Vereins ist. / In der steten Überzeugung, daß Ew. Exzellenz Ihr Bemühen gelingen wird, muß Ihnen der ewige Dank des Vaterlandes, der Kunst werden und auch derjenige der hier unterschriebenen Künstler und Kunstfreunde. / Berlin, den 22. July 1816. / Ew. Exzellenz ergebene / Im Nahmen der Künstler und Kunstfreunde / die Beamten des Berlinischen Künstler-Vereins. / G. Schadow, Director der königlichen Academie der Künste u. Erster Vorsteher des Künstler Vereins in Berlin. / F. G. Weitsch, Rektor der königlichen Academie und Hofmaler Sr. Majestät. / L. Catel, Schreiber des Künstler Vereins, Baumeister und academischer Künstler. / Helm, zweiter Schreiber, Prediger an der St. Petri-Kirche. / Schumann, Professor bei der königl. Academie der Künste und Mitglied des academischen Senats.“ (Beide Schreiben zitiert nach: Paul Simson: Die Rückkehr des „Jüngsten Gerichts“ nach Danzig. In: Schriften der Stadt Danzig, Heft 2, Danzig 1916, S. S. 9-12; dort auch Ausführlicheres zu dieser Thematik). - Hirts vorliegendes Schreiben, der das Bild für das zu gründende Berliner Kunstmuseum in der Stadt behalten wollte, ergänzt und verstärkt die beiden vorigen.
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auch von andern Seiten an Ew. Excellenz geschrieben worden ist, um Ihren mächtigen Einfluß dahin zu verwenden, daß das Danziger Gemälde, das jüngste Gericht von Hugo van der Goes vorstellend, hier verbleibe
, und eine Zierde der Nationalkunstanstalt werde, welche der König für die Hauptstadt des Reiches anordnet; so kann ich doch nicht umhin, auch von meiner Seite bey Ew. Excellenz hierwegen einzukommen, in der Überzeugung, daß Sie meinem Urtheile in solchen Angelegenheiten einiges zutrauen, und daß ich ganz ohne Nebenabsicht dabey bin, mich einzig für die wahre Aufnahme der Kunst in unsern Staaten intereßirend.

Über die Vortrefflichkeit des Bildes ist so viel gesagt, daß es hierüber keiner fernern Worte bedarf. Aber bey allem dem muß gesagt und wiederholt werden, daß diese Vortrefflichkeit nur relativ ist, das heißt: das Gemälde ist an und für sich kein Musterbild zur Nachahmung, und es zeiget, als Fehler des Zeitalters und des Landes, worin es gemacht wurde, noch so viele schwache Partien, selbst in wesentlichen Theilen, wie in der Zeichnung und vorzüglich im Nakten, daß es für Studirende, wenn sie nicht auf fehlerhafte Ansichten und Abwege gerathen sollen, nur in Verbindung mit den Gemälden anderer großer | 2 Meister wahrhaft nüzen kann. Es ist ein Gemälde mehr zuinnerhalb der Zeilem Vergleichen mit andern Werken, als zum Nachahmen. - Isolirt, wie ehedem in Danzig, kann das Bild Niemanden wahrhaft erfreuen; nur durch das Vergleichen hebt sich sein wahrer Werth hervor. Ich zweifle zwar nicht, daß in Danzig einzelne Kenner seyn werden, die das Gute darin auch so herausfinden würden; aber im ganzen bliebe es dort ein todter Kunstschaz; und ich habe die Überzeugung, daß kein Kenner in Danzig ist, der nicht eben so, wie ich, urtheilt, und wünschen muß, daß das Gemälde, um seinen wahren Kunstwerth zu zeigen, in einer großen Sammlung aufgestellt werde. Dies ist der Gesichtspunkt, aus dem das Bild angesehen werden muß, und jeder andere ist eine ist wahre Versündigung gegen den ächten Kunstgeist.

Indeßen ist das Eigenthumsrecht, wie billig, für Danzig anerkannt. Der wahre Zweck für das Gemälde könnte also nur erreicht werden: entweder daß die Stadt aus eigner Erwägung der neuen großen Nationalkunstanstalt ein Geschenk damit machte, ein Akt, der vielleicht einer so ansehnlichen Stadt, wie Danzig, hauptsächlich würdig wäre, und der sowohl beym Könige, als bey der ganzen Nation den vortrefflichsten Eindruck machen würde. oder aber, wenn dies die Umstände nicht erlaubten, daß hiefür sich eine paßende Entschädigung finden ließe. Diese ist, wie ich weiß, einerseits von Kunstfreunden angeboten worden, und gewiß ist der gute Sinn derselben gegen die Stadt Danzig darin nicht zu verkennen. Indeßen wäre es möglich, daß diesen Vorschlägen besondere Privatrechte entgegen stünden, und die angebotene Entschädigung | 3 nicht diejenigen träfe, welche darauf den nächsten Anspruch hätten: ich verstehe darunter: Die Danziger Marienkirche. - Die Prediger der Marienkirche hatten am 28. Mai 1816 eine Bittschrift an den König gerichtet "mit dem Hinweis auf das Recht der Kirche an das Bild und den Anruf an seine Gerechtigkeit". Der König sagte daraufhin bereits am 8. Juni die Rückgabe zu: "Ich habe bereits vor dem Eingang Ihrer Vorstellung vom 28ten v. M. beschlossen, der Oberpfarr-Kirche zu St. Marien in Danzig das ihr gehörige Gemählde des jüngsten Gerichts zurückgeben zu lassen, und habe dem gemäß das Ministerium des Innern beauftragt, das Weitere dieserhalb anzuordnen." (zitiert nach: Paul Simson, a.a.O., S. 7).
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die Kirche
selbst, und die dazu gehörige Gemeinde. Aber auch hiefür würde eine vermittlung zu treffen seyn. - Sollte man von dem Anerbieten der Kunstfreunde abstrahiren wollen, und einen Geldersaz vorziehen; so habe ich Kenntniß, daß, wenn dies mit eininnerhalb der Zeileer jährlichen Rente zu machen wäre, es von Seite des Königes selbst gerne geschehen würde. Diese Rente würde dem Kapitalwerthe des Bildes (nach wahrer Schäzung) entsprechen; und so könnte diese jährliche Rente zum besten der Kirche, der Geistlichkeit, oder für die Schule der Gemeinde (kurz für das, was am meisten Noth thäte und beliebt würde) verwendet werden. - Nur an eine Kapitalauslage selbst ist in jezigen Zeitumständen von Seite des Königes nicht zu denken.

Indem ich nun meine Ansichten und Anträge zutrauungsvoll in die Hände Ew. Excellenz niederlege, muß ich noch einen Umstand bemerklich machen: der, wenn das Bild weiter transportirt werden sollte, von höchster Wichtigkeit ist. Dasselbe hat schon früher in Danzig durch einen Stümper, der es reinigen wollte, in einigen Theilen sehr gelitten, und durch den Transport nach und von Paris droht noch ein bedeutenderer Schaden. Die Tafeln, worauf es gemalt, haben die Fugen geöffnet, und da das Holz mit einem Gypsgrund überzogen ist, so bröckelt dieser durch die Fugenöffnung des Holzes vom Grunde ab. So Dergestalt kann ein neuer In lateinischer Schrifttransport dem Gemälde sehr gefährlich werden. Leider hat man in der neuesten Zeit mehrere Beyspiele, wo die schönsten Gemälde auf diese Weise,
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wie ich dies bestimmt von einem großen Bilde In lateinischer SchriftRaphaels weiß
, gänzlich verdorben wurden. | 4

Ich bin so frey, Darunter möglicherweise Hirts 24-seitige Schrift "Ueber die diesjährige Kunstausstellung auf der Königl. Akademie" (Berlin 1815), in der auch das Danziger Bild erwähnt ist.
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zwey kleine Schriften
, die mit meiner Petition zunächst in Verbindung über der Zeilestehen, hier beyzulegen, und Ew. Excellenz gehorsamst zu bitten, mein Schreiben und die beiden Büchlein mit dem Wohlwollen aufzunehmen, das ich vordem persönlich von Ihnen zu empfangen die Ehre hatte, indem ich mit der ausgezeichnetesten Hochachtung verbleibe
Ew. Excellenz
ganz gehorsamster

Hirt.

Berlin den 29 Jul. 1816.