Ich habe mich bereits in der Sizung erklärt, daß ich gegen die Redaktion unseres sehr schäzbaren Collegen in Hinsicht der Sache nichts einzuwenden habe, wohl aber gegen den Ton, den ich dem Standpunkte deßen, der hier sprechen soll, nicht angemeßen glaube. Ich will daher versuchen, ungefähr anzudeuten, wie mir scheint, daß die Sache zu faßen wäre.

"In Erwägung, daß die Wohlfahrt , der Ruhm, und das Hochgefühl einer Nation auf's engste mit ihrer fortschreitenden geistigen Bildung verbunden ist; und diese von der freyen und allseitigen Kultur der Wißenschaften abhängt;

In Betrachtung, daß die Wißenschaften Ein innen zusammenhängendes Ganze bilden, keine isolirt ist, und sie untereinander in Wechselwirkung stehen: folglich die höhern wißenschaftlichen Zwecke bloß durch das vereinte Bemühen einer Gesellschaft von Männern, welche sich den Wißenschaften theils ausschließlich, theils hauptsächlich widmen, erhalten werden kann;

In Betrachtung, daß von dem eigentlich wißenschaftlichen, , erst jene Kenntniße , welche das Nüzliche für das menschliche Leben, und den Staat in näherer Beziehung bezwecken, ihre feste Begründung und ihre wahre Anwendbarkeit erhalten; - (so) haben wir beschloßen:

1) Es soll in dem Geiste, in welchem Unsere erlauchteten Vorfahren, Friedrich I nach Leibnizens Plan eine Societät der Wissenschaften stiftete, und Friedrich II unter dem Namen einer Akademie erneuerte und erweiterte, auch ferner ein Verein von Gelehrten in unsern Staaten bestehen . | 2

2) Dieser Verein soll auch künftig den Namen einer königlichen Akademie der Wißenschaften führen, unter Unserm unmittelbaren Schuz stehen, in allen Angelegenheiten, die Verfaßung und innere Einrichtung betreffend, sich nur an Uns wenden, und einzig von Uns Befehle annehmen.

3) Die gegenwärtige Akademie wird hiemit nicht aufgehoben; sondern in Anerkennung des Vielfältignüzlichen und Mühevollen, welches für die Wißenschaften überhaupt, und für meine Völker in's besondere daraus hervorgieng, haben wir uns vielmehr bewogen gefunden, unsern längst gehegten Wünschen gemäß ihr einen freyern, dem iezigen Zustande der Wißenschaften überhaupt, und dem Zustande der vaterländischen Kultur in's besondere angemeßnern Wirkungskreis zu geben. Daher weshalb Wir Uns, so wie bisher, zum Protektor dieser (der) Akademie erklären.

4) Indem wir uns auch zum Protektor dieser erneuerten Akademie erklären beschließen und heiligen wir für dieselbe folgende streng zu bewahrende Verfaßung, nach dem wir zuvor das Nöthige über ihren Zweck vorausgeschikt haben werden.

I. Abschnitt. Endzweck der (königl.) Akademie, und Unterschied von andern gelehrten Institutionen.

§ 1. Die Akademie bildet einen Verein von Männern, deren Hauptendzweck (die Erhaltung, und) die Erweiterung des menschlichen Wißens ist. Die Mitglieder sollen nicht los[!] nebeneinander dastehen, sondern sich wechselweise aneifern, aufmuntern, und unterstüzen.

& 2) Die Akademie beschränkt nach den natürlichen Kreisen, oder Stufen, welche die Wißenschaften bilden, ihre Studien, und ihren Wirkungskreis hauptsächlich auf das Reinwißenschaftliche, das ist: auf jene Fächer, welche theils die höhern Prinzipien des Wißens, theils das Geschichtliche derselben zum Grunde haben. Denn durch die höhern Prinzipien wird das menschliche Wißen allein wahrhaft erweitert, und durch die geschichtliche Kenntniß allen wahrhaft erhalten.

§ 3) Mit der eigentlichen Fortpflanzung der Wißenschaften durch Unterricht | 3 befaßt sich die Akademie nicht. Dazu sind die Universitäten, und anderntheils höhere, theils niedrige Lehranstalten. (Anmerkung 1.)

§ 4.) Auch mit der unmittelbaren Anwendung der Wißenschaften auf irgend ein bürgerliches Geschäft, und auf eine bestimmte Nüzlichkeit befaßen sich die Akademiker, als solche, nicht. (Anmerk. 2.)

Doch wollen wir uns vorbehalten, in jenen besondern Fällen und Fächern, worin wir die Akademie vorzüglich fähig, erachten, uns ihres Rathes, und Gutachtens zu bedienen. auch machen wir es derselben zur Pflicht, von jeder wichtigern und dem Staate nüzlichen Entdeckung, oder Erfindung, welche sie entweder selbst machet, oder die ihr früher, als sonst einer Staatsbehörde bekannt würde, uns sogleich Anzeige zu geben. (Anmerk. 3.)

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Anmerkung I. Eine Akademie unterscheidet sich von der Universität hauptsächlich, daß jene die Erweiterung, das höhere Begründen, das Ausfüllen der Lücken, und diese die Fortpflanzung der Wißenschaften durch den Unterricht der Jugend zur Absicht hat. Das Lehren schließt freylich das Weiterforschen nicht aus, aber lezteres liegt nicht in der Bestimmung des Lehrers, so wie in der des Akademikers. Auch trift man treffliche Lehrer, die aber das Talent des Weiterforschens keinesweges besizen; so wie es anderseits wieder vorzügliche Forscher giebt, denen die Gabe eines geschickten Lehrers durch eine leichte Mittheilung gänzlich gebricht.

Anmerkung II. Das bürgerliche Leben bedarf einer nicht geringen Anzahl praktischer Gelehrten, welche, indem sie ihr Wißen und Weiterforschen in einem bestimmten Fache zum Nuzen des Staates anwenden, der Gesellschaft von umfaßenden Werth sind. Dahin zählen wir den Militar-Civil-Waßer- und Schiffsbaumeister, den Schifffahrt- | 4kundigen, und Feldmeßer, den Apotheker, Technologen und Mechaniker, den Bergmann, den Forstmann, den Gärtner, und Landwirth, den Arzt und Wundarzt, den Gesezgeber, Statistiker, Juristen, und Kammeralisten, den Morallehrer und Prediger u.s.w. Nur haben alle diese, als solche, noch nicht die Qualitäten eines akademischen Forschers; sondern nur diejenigen unter ihnen, welche sich zu den höhern Prinzipien erheben, und die Wißenschaft tiefer begründen, können als akademische Kandidaten vorgeschlagen werden. Eben so giebt es Männer, welche durch ein ausgezeichnetes Talent, durch eine besondere Übung, und Virtuosität die Zierden einer Nation seyn können, wie der Redner, der Dichter, der Mahler und Bildhauer, der Musiker - ohne daß sie sich deswegen - bloß als solche, zu der Klasse der Gelehrten eignen, wie sie die Akademie erfordert.

Anmerkung III. Das Gutachten der Akademie kann dem Staate allerdings in manchen Fällen sehr nützlich seyn: z. B. bey Entdeckungen im technologischen, oder landwirthschaftlichen Fache, welche der Prüfung der höhern Prinzipien der Physick, Chemie, u.s.w. bedarf; bey mechanischen Erfindungen, bey wichtigen Vermeßungen und Nivellirungen, bey schwierigen Berechnungen, bey Regulirung von Maaß und Gewicht, bey besonders schwierigen Land- und Waßerbauen; weiter: Bey höhern Fragen über die Gesezgebung, bey Studien- und Erziehungsprojekten, bey Besezung wichtiger Lehrfächer; bey Untersuchung wichtiger vaterländerischen Dokumente, und anderer Monumente, bey der Angabe paßender Ideen zu Münzen, zu Inschriften, zu öffentlichen Denkmälern, wo der Akademiker dem Baukünstler, dem Mahler, dem Bildhauer, und den übrigen Bildenden Künsten die Hand bieten kann." —

NB) Übrigens bitte ich meine Herrn Kollegen, was ich niederschrieb, nicht als eine Redaktion, sondern bloß als ein Schema anzusehen, wie ich glaube, daß der Ton und die Sprache zu nehmen wären. Ich wollte hiedurch zugleich angeben, wie gewiße Dinge nothwendig in die Paragraphen des Reglement's kommen müßen; und wie andere bloß als Erläuterungen in die Beylagen, oder Anmerkungen zu werfen sind - theils für unser Committenten, theils für den König, oder den Minister selbst.

den 3ten Aug. 8.

Hirt