P. P.

Brief erschlossen: [1803-09-00x-v-Minutoli].
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So schmeichelhaft Ihr Zutrauen auch für mich ist, und so gern ich auch Ihren Wünschen entgegen käme
; so werde ich doch denselben nur auf eine sehr unvollkommne Weise genügen können.

DasMinutoli beschreibt die Schale, die er in einem Raritätenkabinett in der Stadtbibliothek in Genf (seiner Geburtsstadt) gesehen hatte, wie folgt: „In einem Zimmer des Gebäudes werden auch [...] mehrere Alterthümer gezeigt. Unter letztern, die besonders aus Vasen bestehen, befindet sich auch ein silberner Votiv-Schild, wenigstens giebt man die Sache dafür aus. / Dieser vermeintliche Schild wurde im Jahre 1721 am Ufer der Arve gefunden, und einem Goldschmid gebracht, der ihn bereits unter dem Hammer hatte, als ein Kunstverständiger ihn glücklicher Weise vom Verderben rettete. [...] Da dieser Schild meine Aufmerksamkeit sehr auf sich zog; so entwarf ich davon eine möglichst getreue Copie [...]. Sie erblicken nach derselben auf dem Schilde den Kaiser In lateinischer SchriftValentinian, der seine Truppen nach einem Siege anredet, und ihnen die bekannte In lateinischer SchriftLiberalitas anweiset. Oberhalb zeigt sich die Inschrift: In lateinischer SchriftLargitas Divi Valentiniani Augusti; das heisst: Freigebigkeit des göttlichen und erhabnen Valentinian. Der Durchmesser dieses Schildes, oder vielmehr dessen Chorde, beträgt zehn und ein Viertel pariser Zoll; das Gewicht desselben ist mir aber unbekannt. / Herr Prediger und Bibliothekar In lateinischer SchriftMartin meinte, dass hier von dem In lateinischer SchriftValentinian, der im vierten Jahrhundert Mitregent In lateinischer SchriftTheodors des Grossen war, die Rede sey. Dieser kam nämlich nach In lateinischer SchriftGallien, nachdem er den In lateinischer SchriftMaximus bei In lateinischer SchriftAquilea geschlagen hatte. / Durch Herrn In lateinischer SchriftMillin's scharfsinnigen Commentar über den vermeinten silbernen Schild des In lateinischer SchriftScipio in der pariser Antikensammlung aufmerksam gemacht, bin ich ebenfalls geneigt, den vorliegenden Schild für eine In lateinischer SchriftPatera zu halten. [...] Sonderbar ist es, dass diese beiden Gefässe in Flussbetten gefunden wurden; das Pariser nämlich In lateinischer Schrift1656 von Fischern in der Rhone; das Genfer aber am Ufer oder im eigentlichen Bette der Arve. Beide hatten gleiches Schicksal, das heisst, sie fielen Unwissenden, dann Goldschmieden in die Hände, aus denen sie jedoch zum Glücke gerettet wurden. Ersteres fand einen würdigen Commentator an [Aubin Louis] In lateinischer SchriftMillin: möchte dies bei dem zweiten jetzt von der gelehrten Welt noch nicht gewürdigten bald auch der Fall werden“. In einer Anmerkung dazu heisst es weiter: „Dies ist der Grund, warum ich benannte Zeichnung so treu als möglich nach dem Original verkleinert darstellte, und sind die Figuren nicht ganz so schön, als sie seyn sollten, so liegt die Schuld mehr an mir, dem Abzeichner, als an dem Verfertiger dieses Gefässes. / Herr Hofrath In lateinischer SchriftHirt zu In lateinischer SchriftBerlin, den ich hierzu schriftlich aufforderte, hatte die Güte, mir durch den unten folgenden Brief seine Meinung hierüber mitzutheilen, wofür ich demselben hiermit den ergebensten Dank sage.“ (Minutoli, 1804 (wie D1), S. 107-112). Zu der Schale erläutert Harry Nehls in D2, S. 264: „Bei der von Minutoli und Hirt disputierten Silberschale, die 1721 am Arveufer bei Genf zufällig entdeckt wurde, handelt es sich zweifellos um die bekannte Largitions- bzw. Valentiniansschale, die heute im dortigen Musée d'Art et d'Histoire aufbewahrt wird. [...] Beiden ist offensichtlich entgangen, dass diese bereits 1724 in der „Antiquité expliquée“ des Bernard de Montfaucon, also drei Jahre nach ihrer Auffindung publiziert worden war. Im Zentrum des stark abgeriebenen Reliefs der ursprünglich vergoldeten Silberschale steht - erhöht auf einer Basis - die Figur des mit Panzer und Chlamys bekleideten römischen Kaisers, dessen Haupt von einem monogrammatischen Nimbus mit A und Ω umgeben ist. In seiner Linken hält er - wie Hirt richtig erkannt hat - das „berühmte“ von Constantin dem Grossen eingeführte Labarum mit Christogramm, in der Rechten die Erdkugel mit der Victoria, die ihm den Siegeskranz reicht. Der Kaiser ist von sechs ranghohen Offizieren seines Heeres umgeben, die zufolge der Schildzeichen ihrer Ovalschilde (antithetische Wolfsköpfe - erkennbar bei der Figur am linken Schalenrand) Heeresabteilungen germanischer Söldner befehligten. Am Boden zerstreut liegen die Waffen des Kaisers: Schild, Schwert und Helm. Aus der von Minutoli nicht korrekt wiedergegebenen lateinischen Inschrift am oberen Schalenrand: „LARGITAS D[omini] N[ostr] VALENTINIANI AUGUSTI“ geht klar hervor, dass es sich bei der Silberschale um eine Schenkung des Kaisers Valentinian handelt. Welcher der drei Valentiniane der edle Schenker war, ist von der archäologischen Forschung bis auf den heutigen Tag nicht zweifelsfrei geklärt worden.“
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genfer Monument
, welches Sie meiner Beurtheilung vorlegen, scheint allerdings in mancher Rücksicht interessant zu seyn. Allein nach einer blossen Die von Minutoli angefertigte Zeichnung der Valentininansschale ist abgebildet in D1, S. 108, sowie in D2, S. 262.
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Zeichnung
zu urtheilen, ist zu gewagt, besonders da das Monument in manchen seiner Theile sehr gelitten zu haben scheint. Indessen will Ew. Wohlgeboren nicht vorenthalten, was mir die Ansicht der übersandten Zeichnung, und der von Ihnen beigefügte Commentar zu bemerken erlauben.

1) Die Grösse von etwa zehn Zoll [27 cm] im Durchmesser, und die Form des Monuments lässt nicht wohl zweifeln, dass es was anders, als eine Art In lateinischer SchriftPatera (Opferschale) gewesen sey.
2) Man nimmt darauf einen römischen Imperator wahr, der von seinen Truppen umgeben ist. Die Kugel auf der Rechten, über welche eine geflügelte In lateinischer SchriftVictoria mit dem Kranze sich erhebt, zeigt auf die durch Tapferkeit erlangte Oberherrschaft der Welt: und die Fahne in der Linken deutet auf einen Imperator nach den Zeiten In lateinischer SchriftConstantin des Grossen . Denn die Fahne hat ganz die Form des berühmten In lateinischer SchriftLabarum, auf welchen wahrscheinlich das Zeichen ☧ - In lateinischer SchriftPax Christi - eingegraben war: jetzt aber durch die Zeit verwischt seyn mag.
3) Merkwürdig ist der Kreis mit den Strahlen um das Haupt. Dieser In lateinischer SchriftNimbus oder Lichtwolke - was man gewöhnlich einen In lateinischer SchriftHeiligen-Schein zu nennen pflegt, deutet auf einen christlichen, aber bereits verstorbenen Kaiser. Wir nehmen diese Art In lateinischer SchriftNimbus, so wie auch das In lateinischer SchriftLabarum erst in den Zeiten In lateinischer SchriftConstantins , als des ersten christlichen Kaisers wahr.
Indessen ist der Strahlenschein in den heidnischen Denkmälern viel älter, und derselbe ist von dem Haupte des In lateinischer SchriftHelios in die christlichen Denkmäler übergegangen.
4) Der Kaiser steht auf einer Art Plinthe, oder In lateinischer SchriftPiedestal: und zu dessen Füssen sieht man seine kriegerische In lateinischer SchriftIsignien, den Helm, das Schwert, den Schild. Man sollte durch diesen Umstand, so wie durch das übrige der Darstellung vermuthen, dass hier nicht der Kaiser, sondern die Statue des Kaisers dargestellt sey, welche ihm das Heer als ein Denkmal errichtete.
5) Die Zeit und die Person in der Figur des Kaisers lässt uns endlich die Inschrift um den Rand des Monuments errathen. Nur möchte nicht leicht auszumachen seyn, welcher In lateinischer SchriftValentinian - ob Vater oder Sohn - hier gemeint sey. Wenn indessen die In lateinischer SchriftVictoria auf der Kugel nicht bloss ein Compliment wäre, sondern einen In lateinischer Schriftwirklichen Helden und Sieger bezeichnete; so wäre dieser Umstand allerdings für den ältern Valentinian entscheidend. Der Vater war bekanntlich ein tapferer Krieger; der Sohn hingegen, von Weibern erzogen, und das Spiel seiner Oberofficiere, ward in der Blüthe seiner Jugend ermordet. Doch frühzeitig Regent mit seinem ältern Bruder In lateinischer SchriftGratian , und dann mit seinem Schwager In lateinischer Schrift Theodosius dem Grossen , hatte er allerdings den Titel: In lateinischer SchriftAugustus eben so gut, wie sein Vater. In lateinischer Schrift
Divus
heisst nicht der göttliche, sondern der vergötterte: und diesen Titel erhielten die Kaiser erst nach ihrem Tode. Sowohl das Wort In lateinischer SchriftDivus, als der In lateinischer SchriftNimbus um's Haupt zeigen auf einen bereits verstorbenen Kaiser.
6) In dieser spätern Zeit In lateinischer SchriftLargitas im Sinne von In lateinischer SchriftLiberalitas genommen zu sehen, darf nicht befremden; aber wie passt ein freigebiges Ausspenden auf einen bereits verstorbenen Kaiser? Ueberdem zeigt in der ganzen Darstellung nichts auf ein solches Ausspenden. Auch war In lateinischer SchriftValentinian mehr als ein strenger, als freigebiger Kaiser bekannt. Wage ich zu viel, wenn ich die Inschrift an der Stelle des Wortes In lateinischer SchriftLargitas zum Theil verwischt glaube, und dass die jetzige Leseart bloss Conjectur sey? -
Könnte nicht anstatt LARGITAS - EXERCITUS - zu lesen seyn? wäre letzteres, so dürften wohl über das Dargestellte keine weitere Zweifel obwalten.
Es stellte die Statue des ältern VALENTINIAN'S nach seinem Tode vor, welche Statue ihm sein Heer errichten liess.

Ihr -

HIRT.