In lateinischer SchriftDie Dilettanten
Eine Gesellschaft zur Belebung der Kunst in den Preussischen Staaten.

In lateinischer SchriftEingang
§. 1.
Der Staat hat durch Stiftung einer Kunst-Akademie in der Hauptstadt, und durch Errichtung einer Anzahl Zeichnungs-Schulen in den Provinzen den Grundsazz anerkannt, daß die Kunstpflege, so wie die der Wissenschaft, ein belebender Theil sey, ohne welchen kein Staat und kein Volk eine würdige Existenz haben könne.

§. 2.
Früher jedoch, (und zum Theil auch noch jetzt) war die Ansicht herrschend: die Kunst im höheren Sinne könne nur in reichen Staaten südlicher Gegenden gepflegt werden, in minder reichen Staaten aber müsse hauptsächlich dahin gesehen werden, daß Handel, Gewerbe und Fabriken blühen, und die zeichnenden Künste seyen nur insofern zu befördern, als sie einen wirksamen Einfluß darauf hätten. Nach dieser Ansicht sollten die freyen Künste wohl die | 2 Dienerinnen der Gewerbe seyn. So dachten vordem die Leiter der Finanzen, der Gewerbe und des Handels, unbekümmert, ob ein höheres Bedürffniß in dem Menschen wohne, und ob das Geringere selbst in der Kunst gehörig geleistet werden könne, wenn die höhere Pflege verabsäumt wird.

§. 3.
Dieses schlechte ökonomische Princip dehnte sich auch auf die Bau-Kunst aus, und beschränkte Ansicht glaubte alles zu leisten, wenn man neben einigen Studien der Mathematik und Mechanik das Land- und Strassen- und Wasser-Bauwesen in Schutz nähme. Doch fehlte es nicht an Bessern, welche die Baukunst aus ihrem höheren Stande betrachtet und studirt wissen wollten, weil jene Hülfswissenschaften und jene untergeordneten Zweige an ihren Ort gestellt, erst hiedurch gehörig erlernt werden würden. Doch ist hier nicht die Absicht über zwekkmässigere Einrichtung der Kunst- und Bau-Schulen zu sprechen, sondern wie ausserhalb dieser Schul-Einrichtungen das Treiben der Kunst in den höhern Beziehungen belebt und erhalten werden könnte.

§. 4.
Hiezu sollen Vorschläge gemacht werden, welche, wenn sie Beyfall und Unterstüzzung finden, von selbst auf den bessern Unterricht Einfluß haben | 3 werden. Denn da hier nur von der Belebung der höhern Kunst: der Historien-Malerey, Bildnerey und Bau-Kunst, die Rede seyn kann; so dürfen auch nur diejenigen Künstler berükksichtiget werden, welche, von einem gründlichen Elementar-Studium ausgehend, jene Techniken und Praktiken sich zu eigen gemacht haben, ohne welche auch die besten Köpfe und die schönsten Anlagen scheitern müssen. Da aber die Gesellschaft, welche zur Belebung der Kunst hier im Vorschlage ist, ihren Zwekk nur dann gehörig verfolgen kann, wenn sie genau mit den Studien der Künstler vertraut ist; können wir nicht umhin, erstlich einiges über den zwekkmässigen Unterricht in einer Kunst-Akademie beyzubringen, und zweytens anzudeuten, was ferner vom Staate als Staat zu fordern ist, wenn die Aufnahme der Kunst mit Ernst betrieben werden soll.

§. 5.
Die Fächer, in welchen der künftige Mahler gründlich unterrichtet werden muß, sind folgende:
1.) die Architektur-Zeichnung, die Schattenlehre und Perspective, (Fächer, die jetzt an der hiesigen Akademie auf’s gründlichste gelehrt werden)
2.) in der In lateinischer SchriftAnatomie und zwar nicht blos nach Zeichnungen und Gyps-Modellen, sondern nach Kadavern selbst, und in der Lehre der Verhältnisse;
3.) in der Zeichnung nach den Antiken; | 4
4.) in der Zeichnung, und in dem Mahlen nach dem Leben; (Hiezu sind die Abendstunden im Winter nicht hinreichend; die Morgenstunden im Sommer müssen vorzüglich hiezu benutzt werden, weil das Mahlen nur bey Tageslicht getrieben werrden kann)
5.) im Copiren klassischer Gemählde, und im Porträtiren nach dem Leben;
6.) die Lehre zur Uebung im Erfinden und Komponiren.

§. 6.
Die Fächer und der Gang der Studien für den Bildner ist derselbe, wie bey dem Mahler, nur sucht er durch Bilden (Bossiren und Modelliren) zu bezwekken, was der Mahler durch Zeichnen und den Gebrauch der Farben.

§. 7.
Die Fächer der zu bildenden Architekten sind:
1.) studirt er mit dem Mahler und Bildner die Architektur-Zeichnung, die Schattenlehre und Perspective,
2.) um einige Kenntniß in der Figuren-Zeichnung zu haben: die Lehre der Verhältnisse, und die Anatomie nach Zeichnungen;
3.) Die In lateinischer SchriftConstruction – die Verhältniße und Verzierungs-Lehre nach den Grundsäzzen der Alten;
4.) Die Lehre der Gebäude; (davon sind die Land- und Wasser-Baue nicht ausgeschlossen) in beyden letzteren Fächern mit anhaltenden Uebungen im Zeichnen | 5 dessen, wovon eben die Lehre handelt.

§. 8.
Der Künstler muß aber auch in einigem Betracht wissenschaftlich gebildet seyn:
1.) sind für den Architekten nothwendige Hülfswissenschaften, die Rechenkunst und Geometrie; und diese Kenntnisse dürfen bis auf einen gewissen Grad auch dem Mahler und Bildner nicht erlassen werden.
2.) Müssen sie Aufsäzze machen, welche von einer gebildeten Erziehung in der Muttersprache zeigen.
3.) ist nöthig die Lehre der Mythologie in Verbindung mit den bildlichen Denkmälern, und der allgemeinen Geschichte, besonders der Alten;
4.) die alte und neuere Kunst-Geschichte.

§. 9.
Wesentlich ist ferner: daß die Kunstschüler nicht willkührlich ihre Fächer wählen, sondern daß sie nach Classen vorrükken. In jeder Classe sind am Ende des Jahres Probe-Arbeiten, welche zu diesem Zwekk aufgegeben werden, zu machen. Der Vorzüglichere nach dem Urtheil der Lehrer erhält ein In lateinischer SchriftPraemium, und die folgenden Fähigen werden nach einer höheren Classe versezzt.
Diese Prämien dürfen zur Aufmunterung nur klein seyn.

§. 10.
Noch wesentlicher ist, (was leider bis jetzt an der Königlichen Akademie ganz versäumt worden ist) der In lateinischer SchriftConcurs für die grossen, oder Reise-Prämien. Davon können aber nur diejenigen Zöglinge Theil nehmen, welche alle Fächer | 6 und Studien, die in den Umfang ihrer besondern Kunst gehören, zur Zufriedenheit der Lehrer, durchgegangen sind. DieAkademie giebt hiezu die Gegenstände auf, die nach einer unter der Aufsicht der Akademie gemachten Skizze auszuführen sind. Für die Maler ist es ein historisches Gemählde mit Figuren nicht unter zwey Fuß hoch; für die Bildner ein ähnlicher Gegenstand für eine Gruppe; und für die Baukunst die Zeichnung und Erfindung eines Baues mit Grund- Durchschnitts- und Aufrissen, zugleich mit einer perspectivischen Ansicht, und den Detail-Zeichnungen, wie sie der Bau-Handwerker bedarf, zugleich mit einer Berechnung des Kosten-Anschlages.

§. 11.
Die Länge der Zeit zur Bearbeitung eines solchen In lateinischer SchriftConcurs-Stükkes ist bestimmt. Die Beurtheiler sind die Mitglieder der Akademie. Strenge in jeder Beziehung und Unpartheylichkeit sind Hauptbedingungen. Der In lateinischer SchriftConcurs für den Mahler ist alle zwey Jahre, und für die Bildner und Architekten alle drey Jahre. Das Prämium ist für den Mahler eine Reise von vier Jahren, für den Bildner und Architekten von drey Jahren. Die jährliche Pension für Jeden das Jahr 500. Thaler in Golde, und dann 500. Thaler in Golde für Hin- und Herreise. Hiernach ist der jährliche Fonds leicht zu berechnen.

§. 12.
Die Reisenden bleiben mit der Akademie in Verbindung, und übersenden alle Jahre Arbeiten als Zeugnisse ihres | 7 Fleisses und ihrer Fortschritte. Für den Mahler wird bedingt, im 1.ten Jahre eine nakte nach dem Leben gemahlte Figur; im 2.ten die Copie nach einem Classischen Gemählde, im 3.ten ein Gemählde von eigner Erfindung von wenigstens zwey Figuren, und im 4.ten ein ähnliches von wenigstens drey Figuren. Die Grösse bey allen darf nicht unterhalbleben seyn.
Für den Bildner: im 1.ten Jahre eine Büste in Marmor, Porträt oder eigene Erfindung, im 2.ten ein In lateinischer SchriftRelief in Marmor, wenigstens von zwey Figuren, im 3.ten eine Statue in Marmor nicht unter Halbleben (der Marmor wird dem Künstler nach einer für immer zu bestimmenden Taxe vergütet)
Für den Architekten: im 1.ten Jahre drey ausgeführte Zeichnungen von schönen architektonischen Theilen; im 2.ten die Ausmessung irgend eines architektonischen Denkmales, im 3.ten die Risse eines Baues von eigner Erfindung mit den Details der Construction, und der Zierden mit Kosten-Anschlag.
Nachdem die Reisezeit verflossen und das Geld zur Rükkreise erhalten, treten die Pensionirten aus aller Pflichtung gegen die Akademie. Uebrigens kann nur notorische Krankheit von den jährlichen Probearbeiten dispensiren, sonst aber würde sogleich Suspension der Pension eintreten, wie dies auch der Fall seyn würde, wenn etwa kundig würde, daß einer nicht selbst seine Probe-Arbeit verfertigt habe, oder einer notorisch schlechten Aufführung sich schuldig machte. | 8
Die Arbeiten bleiben Eigenthum der Akademie, und auch diese trägt die Unkosten des Pakkens und der Fracht.
Auf andere als Historien-Mahler, Bildner und Architekten kann die akademische Pension nie ausgedehnt werden.

§. 13.
Durch eine gute Unterrichts-Anstallt in der Hauptstadt, und durch die Aufmunterung vermittelst Reise-Prämien an die vornehmsten Zöglinge vollzieht der Staat alles, was man von ihm in Rükksicht der Erziehung des Künstlers billig fordern kann. Aber es ist nicht genug Künstler zu erziehen; der Staat muß auch nach Kräften besorgt seyn, daß nun der gebildete Künstler auch Gelegenheit habe, seine erworbene Kenntnisse und seine Talente zu entwikkeln. Dies kann aber nur durch Bestellungen und die Uebertragung grösserer Arbeiten geschehen. Auch hier muß der Staat an der Spizze stehen, und das Beyspiel von Aufmunterung geben, so wie er es in Hinsicht der musikalischen und theatralischen Künste thut. Zwar nicht etwa durch jährliche Gehalte und Titel; letztere achtet der wahre Künstler wenig, und die erstern sind ihm keine Aufmunterung, sondern machen ihn nur träge.
Es könnte den Staat nicht beschweren, wenn er jährlich eine fixe Summe von 6,000. Thalern in Golde hiezu bestimmte. Der Preis für ein Gemählde, und für eine Bildhauer-Arbeit in Marmor, wäre gleich, nämlich 1000. Thaler, und so könnten hiemit jährlich vier | 9 Mahler und zwey Bildhauer Beschäftigung erhalten.

§. 14.
An diesen jährlich vom Staate ausgesetzten Arbeiten hätten nur das Recht Theil zu nehmen:
a.) die vaterländischen Künstler, welche Zöglinge der Akademie waren, und wegen ihrer Verdienste und durch ein Präsentations-Stükk als Mitglieder der Akademie aufgenommen wären.
b.) solche deutsche Künstler, welche nach einer Niederlassung von drey Jahren in den preussischen Staaten durch ihre Werke sich der Mitgliedschaft der Akademie würdig gezeigt hätten, oder als Professoren an die Akademie berufen worden wären.

§. 15.
Die Gegenstände würde der Staat selbst bestimmen, oder der eignen Wahl der Künstler überlassen.
Es müßte dafür eine Grösse bestimmt seyn, unter der man nicht arbeiten dürfte. Im Falle aber eine Grösse und ein Umfang bestimmt würde, was man um die angenommenen Preise nicht billig fordern könnte, so würde der Staat ausserordentliche Zuschüsse machen. Auf keinen Fall dürfte aber ein Künstler genöthiget werden, um einen so bestimmten Preis zu arbeiten, sondern, wenn einer glauben sollte, anderswo bessere Preise zu erhalten, würde dies, wie natürlich, seiner Willkühr überlassen. Alle solche Werke blieben zur freyen Disposition des Staats. | 10

§. 16.
In einem andern Verhältniß als Mahler und Bildner stehen die Architekten zum Staate. Diese sind anstellig bey Hofe sowohl, als bey der Regierung, so wie auch als Lehrer bey der Akademie; und in solchen Fällen erhalten sie jährliche Gehalte. Indessen wäre doch für die Architekten, welche der Mitgliedschaft der Akademie würdig befunden würden, eine Auszeichnung zu wünschen. Diese bestände darinn:
erstlich, ohne weiteres Examen zu allen Anstellungen in ihrem Fache fähig zu seyn, und
zweytens, das Recht zu haben, bey allen bedeutenden Bauen, die der Staat führt, ihre Entwürfe und Risse einsenden zu können, und dessen Plan genehmigt würde, würde eine den Umständen gemässe ersehnliche Belohnung erhalten; gesetzt auch daß ein Anderer mit der Ausführung beauftragt würde. Ein solcher Fall träte jetzt ein bey dem Wiedererbau des Theaters.

§. 17.
Fixe Besoldungen bey der Akademie erhielten nur die Lehrer und Professoren, und solche, welche bestimmte Geschäfte mit einem bedeutenden Aufwande von Zeit bey derselben haben. Die Mitglieder als solche, haben nie Anspruch auf Gehalte, und überhaupt würde hiezu nie ein Fonds vorhanden seyn. Solche Fonds erzeugen nur Betteleyen von Seite der Halbkünstler, welche auf keine Weise unterstützt werden müssen. | 11

§. 18.
In dem bisher Gesagten, wird gewissermassen der Staat von Hof und König getrennt. Der Staat muß in seinen Anordnungen und Einrichtungen Gleichförmigkeit und Beständigung bezwekken. Ein Hof und König kann aber, wie jeder andere Particulier, eigene Neigungen und Liebhabereyen in der Kunst haben. Er mag der Historien-Malerey und Plastik, die Landschaft, Seestücke, Schlachten, Architektur- und Jagdstükke u. s. w. vorziehen. Eben so mag ein Fürst seine Lieblings-Mahler, seine Lieblingskünstler haben. Sehr mißverstanden würde es seyn, einem Fürsten solche Neigungen übel zu deuten. Nur muß der einmal festgesetzte Staats-Fonds der Akademie darunter nicht leiden, und zu jenen Lieblingszwekken (Sache oder Person) verwandt werden. König und Hof handeln in solchen Fällen für sich als In lateinischer SchriftParticuliers, und bezahlen ihre besondern Liebhabereyen aus eignem Beutel.

§. 19.
Bey solchen Einrichtungen dürfen die untergeordneten Kunstzweige nie einen Anspruch an die directe Unterstüzzung des Staats machen. Wenn Historien-Mahlerey, Plastik und Architektur unter dem aufmunternden Schuzze des Staats blühend erhalten werden, wird es nie an geschickten Leuten jener untergeordneten Kunstzweige, welche Namen sie auch haben mögen, fehlen, so wie es auch nie an geschikkten Bau-Handwerkern und ökonomischen Bauleuten gebrechen wird. Die untergeordneten Zwei- | 12ge in allen Künsten haben bey geringerm Talent und geringerer Kenntniß immer leichtere Mühe zu ihrem Fortkommen. Diese Ansichten hat man von jeher in allen Staaten gehabt, wo die Kunst einen gewissen höhern Grad von In lateinischer SchriftCelebritaet erstieg. Die höhere geistige Pflege hat das Eigene, daß sie mit Macht auf alles Untergeordnete wirkt; aber das Untergeordnete wegen seiner nähern Nützlichkeit auf Unkosten des höhern schüzzen, heißt nichts anders, als den Geist entfremden, und einem Kranken-Spital verdorbener Kunstmänner die Thore öffnen.

§. 20.
Allein der Staat mag für sich die schönsten Strebungen haben, und die Aufnahme der Kunst durch Unterricht, Aufmunterung und Ehrenbezeugung aufs zwekkmässigste begünstigen; so vermag er doch nicht Alles. Die Kunst muß ins Leben übergehen, und das Volk mit ihrem Zauber beseelen. Ein solches Gedeihen ist aber in einem Staate wie der Preussische, schwer.
Die Hindernisse sind:
1. lich weil die Kunst in evangelischen Ländern von Seiten des religösen Cultus so geringe Aufmunterung genießt; und die Geschichte älterer und neuerer Zeiten lehrt, daß die Kunst hauptsächlich im Dienste der Religion zu jener wundervollen Grösse empor stieg. | 12
2. tens giebt es bey der grossen Vertheilung der Güther wenige, welche ein Bedeutendes für die Kunst aufwenden können. Dazu kommt der kleinliche Luxus in so viel andern Dingen, der, durch Gewohnheit gleichsam zum Bedürffniß geworden, auch bey den reichern Classen so erschöpfend wirkt, daß selbst bey gutem Willen und bey freundlicher Absicht für die Kunst wenig oder nichts zu ihrer Beförderung übrig bleibt. Dann begnügt man sich nicht gern mit Wenigem; man glaubt, um zu geniessen, müsse man gleich ein ganzes Haus mit Kunstwerken überfüllen.
3. tens sind so viele herrliche Neigungen früherer Zeiten fast ganz verschwunden, welche nicht blos bey Angesehenen und reichen Familien, sondern auch bey dem bemittelten Bürgersmann und Handwerker vortheilhaft für den Sinn der Kunst wirkten. Ich meyne jene freundlichen Ideen an Tod und Zukunft, worin sich die Familien-Verhältnisse so schön aussprachen, indem sie das Andenken bey den Nachkommen erhielten. Solche schöne Gebräuche waren im 15 ten und 16 ten Jahrhundert durch Deutschland allgemein, und noch sieht man in Kirchen auf Begräbniß-Höfen älterer Städte wirklich herzerhebende Ueberreste von Denkmälern. Der Bürgersmann, der Handwerker ließ von einem geschickten Künstler eine Gedächtniß-Tafel mahlen, oder auch in Marmor oder Erz anfertigen, bey geringerm Vermögen auch blos in | 13 gebranntem Thon, oder Sandstein, oder in bemaltem Holze. Eine solche Gedächtniß-Tafel, gemalt oder geschnitzt, enthielt gewöhnlich einen religiösen Gegenstand aus der Bibel, oder der Legende der Heiligen, und damit verbunden die Bildnisse der gesammten Familie, das Heilige auf der Tafel knieend verehrend; denn religiös wollten sich die Familien aussprechen, und so als Muster frommen Lebenswandels auf die Nachwelt kommen. Da sieht man einerseits den Vater mit den Söhnen, andererseits die Mutter mit den blühenden Töchtern bis zum Wiegen-Kinde. Eine kurze Innschrift unter der Tafel nannte die Namen und das Geschäft der Familie. Eine solche Tafel hieng man zum Andenken und zur Zierde an der Wand der Kirche auf, wo man eingepfarrt war, oder in einem hiezu bestimmten heiligen Gebäude des Begräbnißhofes. Die Gedächtnißtafel war im Schutz des Heiligen der Aufsicht der Gemeinde und der Geistlichkeit als ein zu erhaltendes Kleinod anvertraut. Reichern Familien, nicht zufrieden blos eine Tafel zu weihen, bauten zugleich besondere Kapellen, und darunter gewölbte Grüfte, theils verbunden mit den Kirchen, oder in dem Umring des Plazzes, der eine Kirche umgab, theils um den Begräbnißhof selbst. So fand auch die Baukunst Beschäftigung, und da manche Familie es hierinn an Pracht nicht fehlen ließ, eine schöne und mannigfache Ausbildung. Dazu traten die bildenden Künste, | 14 Statuen, In lateinischer SchriftReliefs, Büsten, Porträte, und gemahlte Tafeln, die das Fromme und Geschichtliche der Familie darstellten, zierten das Innere zur Verherrlichung dessen, was die Architektur für sich schon Edles darinn angebracht hatte. Es schien, als wenn kein Denkmal gehörig geheiligt wäre, als im Bunde mit der Religion, so wie die Frömmigkeit wieder das Zarte des Sinnes schärfte und weckte für das heilige Gedächtniß der Familien-Glieder.
Diese freundlichen Sitten, die der Kunst so vortheilhaft waren, haben sich verlohren, oder sich nur zum Theil, und in sehr untergeordnetem Zustande, wovon unsere offenen Begräbnißhöfe eben nicht sehr freundliche Beyspiele sind, erhalten.

§. 21.
Aber bey diesen veränderten Ansichten, Sitten und Umständen unserer Zeiten, sollten nicht noch andere Hülfsquellen zur Ermunterung der Kunst sich ausmitteln lassen? - ja sollte es nicht möglich seyn, allmählig den Geist auf manches Schöne veralteter Gebräuche zurükk zu führen? - Zwingen läßt sich der Zeitgeist nicht, aber anregen, und wenn die Edlergesinnten zu einem Streben zusammen treten, und darinn Beharrlichkeit zeigen, so kann ein schöner Erfolg nicht leicht entstehen.
Eine Gesellschaft von gebildeten Freunden der Kunst, wie wir solche Vereine nach ähnlichem Maasstabe in England und anderswo sehen, würde mit geringen Opfern | 15 der Einzelnen viel Ersprießliches bewirken können. Mehrere Wohldenkende haben mit mir dieselbe Gesinnung, und so wage ich es, hier einen Entwurf zur Organisirung einer solchen Gesellschaft vorzulegen.
Ein solcher Verein muß aber stark und streng organisirt seyn. Von keiner Seite darf Willkühr einwirken. Ganz sich dem Gesezz hingeben, und nur in dem Gesezze handeln ist das erste Erforderniß eines solchen Vereins, wenn er heilwirkend bestehen, und erfreuliche Früchte bringen soll. Auch muß man nicht verzweifeln, und gleich wegwerfend urtheilen, wenn bey dem Anbeginn der Erfolg nicht gleich glänzend wäre. Die Kunst ist eine zarte Pflanze, die nur allmählig in einem herben Boden Wurzel faßt, und zu jenem Baume heran wächst, in dessen Schatten man sich gerne niederläßt.

§. 22.
Wir haben in dem Vorstehenden angegeben, wie wir eine Kunst-Akademie organisirt wünschten, und hauptsächlich auf dasjenige aufmerksam gemacht, was vom Staate aus zur Unterstüzzung der Zöglinge auf Reisen, und zur Ermunterung gebildeter Künstler, welche die Ehre der Mitgliedschaft der Akademie erlangt haben, geschehen sollte. Dies ward hauptsächlich auch deswegen gesagt, um die Ansicht aufzustellen, nach welchen ein Verein von Kunstfreunden hinwirken müßte, wenn er seinen Zwekk nicht ver- | 16fehlen sollte. Ein solcher muß sich gleichsam dem Streben der Kunst-Akademie anschliessen, und nach denselben Grundsäzzen der Beförderung und die Blüthe der Kunst erstreben. Der Nuzzen davon ist vielseitig. Dadurch erhält der Staat bey seinem Wirken nicht nur eine kräftige Stüzze, sondern derselbe wird auch desto aufmerksamer, sein Ziel nach den festgesetzten Einrichtungen zu verfolgen, indem er in der Gesellschaft der Kunstfreunde aufmerksame Beobachter seiner In lateinischer SchriftMaximen und seines Handelns findet.
Der Verein, welcher nur in Beziehung auf die Kunst-Akademie handelt, kann nicht umhin, ein anhaltender Zeuge dessen zu seyn, was bey derselben vorgeht, um allda einzuschreiten, und zu befördern, wo der Staat mit seinen beschränkten Mitteln nicht ausreichen kann.
Auch auf den zwekkmässigern Unterricht hat der Verein seinen Einfluß, indem nur solche Zöglinge, die er unterstüzzen will, auf die Liste der Candidaten kommen können, welche den Erfordernissen in Hinsicht ihrer theoretischen und praktischen Studien genügen. Tritt also in irgend einem Fache ein bey den Lehrlingen bemerkbarer Mangel des Unterrichts ein; so wird es bald ausgemittelt, ob er von Unzulänglichkeit der Lehre, oder der Methode, oder der Lehrer herrühre. Durch dies unpartheiische Beobachten des Ganges der Studien wird die Behörde aufmerksam auf das Ganze des Unterrichts, und wachsam, | 17 daß weder Untaugliche zu Lehrstellen gelangen, noch daß Versäumung und ein unbeholfner Schlendrian eintritt. Die Lebendigkeit des Unterrichts erfordert Strenge sowohl in Hinsicht der Lehrer als der Schüler; und nichts ist unverantwortlicher, als wenn der junge Mensch nach Jahren von Unterricht, sich in seinen Studien, wie in seinen Anlagen getäuscht sieht. Man darf nie vergessen, daß es bey keinem Fache, wie bey der Kunst, so viel auf gründlichen Unterricht, so wie auf gute Anlagen und beharrlichen Fleiß ankommt.

§. 23.
Nach diesem langen Vorworte schreitet der Kunstfreund zu dem Entwurf der Gesezze, welche er zur Errichtung und Aufrechthaltung eines Vereins kunstliebender Männer zwekkdienlich glaubt.
Da der Beytrag ganz aus freyem Gemüth hervorgehen soll, und kein Motiv zu der Theilnahme lokket, als das, die Kunst ganz uneigennüzzig zu befördern; so müssen diese Gesezze auch um so bestimmter und strenge seyn. Wer in seiner Brust den edlen Hang zu einer solchen Theilnahme nicht fühlt, für den ist dieser Entwurf nicht geschrieben. | 18

In lateinischer SchriftEntwurf
zur In lateinischer SchriftOrganisirung einer Gesellschaft patriotisch
Gesinnter, zur Belebung der Kunst
in den Preussischen Staaten.
___________________________

§. 1.
Unter dem Namen: In lateinischer SchriftDilettanten bildet sich ein Verein kunstliebender Männer, deren Zwekk es ist, die Aufnahme der Kunst in dem Vaterlande zu befördern. (Von dieser Theilnahme sind auch Frauen nicht ausgeschlossen) imgleichen könnten auch moralische Personen, Städte und Gemeinden der Gesellschaft als Mitglieder beytreten.

§. 2.
Diese Aufnahme suchen die In lateinischer SchriftDilettanten auf zwey Weisen zu bewirken: erstlich durch Unterstüzzung fähiger Zöglinge auf Reisen, die ihre Bidlung auf der vaterländischen Kunst-Akademie empfangen haben, und zweytens durch Bestellung von Arbeiten an die schon gebildeten Künstler.

§. 3.
Anspruch auf die Unterstüzzung zum Reisen können in der Regel nur die Zöglinge haben, die als geborene Preussen auf der vaterländischen Akademie gebildet sind, und unter diesen nur solche, welche sich eines der drey | 19 höhern Kunstfächer befleissigen, das ist, die sich zu Historien-Mahlern, oder Bildnern, oder Architekten ausbilden wollen.

§. 4.
Von einem solchen Anspruche also werden ein für allemal ausgeschlossen:
a.) alle Mahler, die sich blos mit Porträt, Miniatur, Thier, Landschaft, See, Architektur, und Dekorations-Mahlerey beschäftigen;
b.) die Mosaiker und Sticker;
c.) die blossen Zeichner, Kupferstecher und Holzschneider;
d.) die Verzierungs-Bildhauer, Gemmen- und Stempel-Schneider;
e.) solche, die sich blos mit ökonomischen und Wasser-Bauen beschäftigen.
Diese untergeordnete Kunstbetriebe können bey der Gesellschaft nie in Vorschlag gebracht werden.

§. 5.
Ausser den fähigen eingebornen Kunst-Zöglingen können ferner in Vorschlag kommen Andere aus den über der Zeiledeutschen Bundeslanden, die durch drey Jahre ihre letzte Ausbildung auf der vaterländischen Akademie empfangen haben: doch nur dann, wenn keine fähigen Einländer vorhanden sind. Diese haben in der Regel den Vorzug.

§. 6.
Jene vaterländische oder jene in den Bundes-Staaten geborne Deutsche auf unserer Akademie gebildete Zög- | 20linge müssen, um auf die Candidaten-Liste für die Reise-Prämien zu kommen, Beweise ihres Talentes und ihrer Geschikklichkeit in folgenden Theilen abgelegt haben:
Der Mahler:
a.) in der Architektur-Zeichnung, in der Schattenlehre und Perspective,
b.) in der Anatomie und in der Lehre der Verhältnisse,
c.) in der Zeichnung nach den Antiken,
d.) im Zeichnen und Mahlen nach dem lebendigen Modell,
e.) im Copiren irgend eines classischen Gemähldes,
f.) er muß in einem von der Akademie aufgegebenen historischen In lateinischer SchriftConcursstükk mitgearbeitet haben.
Der Bildner:
die Fächer a. und b. wie der Mahler;
c.) im Modelliren nach den Antiken,
d.) im Modelliren nach der Natur, sowohl nackte als Gewand-Figuren
e.) und solche theils in runden Figuren, theils im In lateinischer SchriftRelief,
f.) er muß im In lateinischer SchriftConcurs um den grossen Preis mitgearbeitet haben.
Der Architekt:
Die Fächer a. und b. wie der Mahler und Bildner.
c.) in der Lehre der Construction, der Verhältnisse und Verzierungen, nach den Grundsäzzen der Alten,
d.) in der Lehre der Gebäude, | 21
e.) in der Zeichnung eines Baues von eigner Erfindung, zugleich mit den besondern Zeichnungen dazu, wie sie die Bauhandwerker bedürfen, und einem genauen Anschlage der Bau-Kosten;
f.) er muß um den grossen Preis bey der Akademie mitgearbeitet haben.
Ferner muß der Candidat sich einer Prüfung unterzogen haben:
a.) in der Mithologie [!] und der Völkergeschichte,
b.) in der alten und neuern Kunst-Geschichte,
c.) durch einen in der Muttersprache verfertigten Aufsatz zeigen, daß er eine gebildete Erziehung erhalten hat.
d.) für den Architekten sind die Zeugnisse insbesondere nöthig, daß er in der Geometrie und höhern Rechenkunst erfahren ist.
Ferner muß der Candidat beybringen:
a.) seinen Taufschein, und
b.) ausser dem Zeugniß der erforderlichen Studien zugleich dasjenige seines sittlichen Wohlverhaltens. Ferner muß der Candidat in einem Alter seyn, wo die Liebe zum Lernen und weiter-Fortschreiten noch lebendig ist, das heißt, nicht über 24. höchstens 25. Jahre.

§. 7.
Nur der Zögling der obgenannten Bedingungen Genüge thut, kann auf die Liste der Candidaten für das | 22 Reise-Prämium kommen. Aus dieser Liste wird dann die Gesellschaft den - oder diejenigen bestimmen, welche das Reise-Prämium erhalten sollen. Dieses besteht in einer jährlichen Summe von 500. Thalern in Golde, und wird dem Mahler auf 4. dem Bildner auf 3. und dem Architekten gleichfalls auf 3. Jahre ertheilt. Darüber erhält jeder noch 500. Thaler in Golde als Reisegeld, nämlich 250. Thaler zur Hin- und 250. Thaler zur Rükkreise. Auf eine grössere Summe, und auf eine Verlängerung der Zeit darf in der Gesellschaft nie ein Antrag geschehen.

§. 8.
Die Bedingungen für die auf Reisen begriffenen Zöglinge sind:
Erstlich für den Mahler:
im 1. ten Jahre (welches drey Monathe nach seiner Abreise anfängt) eine nackte nach dem Leben gemahlte Figur;
im zweyten, eine Copie nach einem classischen Gemählde,
im 3. ten ein Gemählde von eigner Erfindung und wenigstens von zwey Figuren;
im 4. ten ein Gleiches von wenigstens drey Figuren.
Die Figuren dürfen nie unter Halbleben, und müssen Farbig und in Oel gemalt seyn.
Zweytens für den Bildner:
im 1. ten Jahre eine Büste in Marmor, Porträt oder eigene Erfindung; | 23
im 2. ten Jahre, eine Copie in Marmor nach einem antiken In lateinischer SchriftRelief von wenigstens zwey Figuren;
im 3. ten eine In lateinischer SchriftStatue in Marmor nicht unter Halbleben von eigner Erfindung. (Der Marmor wird dem Künstler nach einer für immer zu bestimmenden Taxe vergütet)
Drittens für den Architekten:
im 1. ten Jahre drey vollendete Zeichnungen verschiedener architektonischer VerzierungsTheile nach alten Denkmälern;
im 2. ten die Ausmessung irgend eines alten Gebäudes mit den nöthigen Angaben des Materials, und der Construction sowohl in Zeichnung, als durch Beschreibung;
im 3. ten die Erfindung eines Gebäudes mit allen erforderlichen Rissen, und perspectivischer Ansicht, zugleich mit den Zeichnungen, wie dieselben für die Bau-Handwerker nöthig sind, und dem Anschlage der Unkosten nach bestimmten Annahmen der Preise der verschiedenen Materiale, und des Handlohns.

§. 9.
Von solchen Arbeiten kann kein Zögling dispensirt werden. Nur notorische Krankheit kann hievon eine Ausnahme machen. Sonst würde | 24 sogleich Beschlag auf die Auszahlung der Gelder verfügt werden. Eben so würde der Zögling der Unterstüzzung verlustig gehen, wenn notorisch schlechte Aufführung einträte, oder ein solcher sogar als schuldig in Criminal-Fälle verwikkelt würde; ferner, wenn erwiesen wäre, daß ein solcher nicht selbst, sondern ein Anderer an seiner Stelle die übersandten Arbeiten verfertigt habe.
Die übersandten Arbeiten der Zöglinge gehören der Gesellschaft als Eigenthum; werden aber nicht veräussert, sondern sie bleiben aufbewahrt als Denkmäler des Fleisses und Talentes der jungen Männer, auch damit die Gesellschaft einen Maasstaab haben möge, das allmählige Fortschreiten in der Kunst überhaupt zu beurtheilen. Die auferlegten Probearbeiten müssen die Zöglinge nothwendig am Ablauf jeden Jahres an den Commissionär abgeliefert haben.
Das Pakken und die Fracht geht auf Unkosten der Gesellschaft.
Die Pension wird von dem bestimmten Wechsler vierteljährig im Voraus gezahlt, und nach Ablauf der Reisezeit wird dem Künstler sogleich das Geld zur Rükkreise eingehändigt.
Hiemit hören die Verhältnisse zwischen der Gesellschaft und dem Zöglinge auf, und jene kann an diesen | 25 nie andere Ansprüche machen und umgekehrt. - Auch ist der in Pension stehende, ausser den bedungenen Probe-Arbeiten, in seinen übrigen Verhältnissen ganz unabhängig, und selbst zu keiner Correspondenz, als der über seinen Aufenthaltsort, verpflichtet, obwohl es die Gesellschaft gerne sehen wird, wenn einer über wichtige Gegenstände der Kunst mit ihr correspondiren will.

§. 10.
Die zweyte Art, wodurch die Gesellschaft die Kunst in dem Vaterlande zu begünstigen sucht, ist die, an bereits gebildete Künstler Arbeiten zu bestellen. Es kann aber hiezu nicht jeder in Vorschlag gebracht werden, sondern nur solche, bey welchen sich folgende Bedingungen erfüllt finden.
Erstlich müssen die Vorzuschlagenden entweder Historien-Maler, oder Bildner seyn.
(Auf die gebildeten Architekten kann die Gesellschaft, da sie als solche keine Baue führt, in der Regel keine Rükksicht nehmen. Uebrigens ist der Architekt derjenige Künstler, welcher am leichtesten in Staatsverhältnisse tritt, und durch Besoldungen gleich andern Beamten unterstützt wird)
Zweytens müssen sie in der Regel geborne Preussen, und auf der vaterländischen Akademie gebildet seyn. | 26
Drittens müssen sie zu Mitgliedern der Akademie aufgenommen seyn, und zwar in gehöriger Form, das heißt: sie müssen nicht blos als Mitglieder im Verzeichnisse der Akademie stehen, sondern auf ein wirkliches Präsentationsstükk, was zu diesem Zwekk einige Zeit in der Akademie öffentlich ausgestellt war.
Viertens können auch andere Künstler aus den deutschen Bundes-Landen, und zwar auch solche, die nicht an der vaterländischen Akademie gebildet sind, auf Bestellung Anspruch bey der Gesellschaft haben.
a.) wenn sie ihre Taufscheine einsenden,
b.) drey Jahre in unsern Staaten gelebt haben, und
c.) auf ein Präsentations-Stükk zur Mitgliedschaft der Akademie würdig befunden worden sind.
Ohne diese Bedingungen kann in der Gesellschaft nie ein Vorschlag zu Bestellung von Arbeiten eingebracht werden.

§. 11.
Die Aufgaben für die Mahler werden zu drey Arten ertheilt: kleinere, mittlere und grössere. Die kleinern haben das Maaß von 3. zu 2. Fuß, und erhalten den Preiß von 500. Thalern in Golde; die mittlern die Grösse von 4.½. zu 3.½. Fuß, mit dem Werthe von 750. Thalern in Golde; die grössern von 6.½. zu 5.½. Fuß, wofür der Preis von 1,000. Thalern in Golde.
Drey ähnlich verschiedene Preise sind auch für die Bild- | 27ner bestimmt, nämlich 500. Thaler für eine Büste, 750. Thaler für ein In lateinischer SchriftRelief, und 1,000. Thaler für eine Statue.
Ein Viertel des Preises erhält der Künstler bey der Bestellung; das zweyte Viertel, wenn das Gemählde untermalt, oder der Marmor In lateinischer Schriftabbozzirt ist; und die andere Hälfte bey Ablieferung des Gemähldes oder des Marmor-Bildes.
Die Gegenstände werden entweder selbst von der Gesellschaft aufgegeben, oder der Wahl des Künstlers überlassen; doch muß derselbe den Gegenstand im Voraus bey der Gesellschaft anzeigen. Ferner muß sich der Künstler verbindlich machen, das bestellte Werk in Jahresfrist abzuliefern. Wo Kosten des Pakkens und der Fracht nöthig sind, trägt diese die Gesellschaft, denn in der Regel macht die Residenz des Künstlers keinen Unterschied, obwohl die Gesellschaft besondere Rükksicht auf die im Staate Anwesenden nehmen wird.

§. 12.
Die so verfertigten Arbeiten können als Eigenthum der Gesellschaft entweder aufbewahrt, oder verschenkt oder veräussert werden; im letztern Falle wird das Kunstwerk geschätzt, und die Mitglieder des Vereins haben den Verkauf um den höchst gebothnen Preis. Solche Gelder treten wie- | 28der in den Allgemeinen Fonds für die festgesetzten Zwekke der Gesellschaft.

§. 13.
Um den Fonds für die angegebnen Zwekke zusammen zu bringen werden Actien gemacht: jede Actie zu 25. Thalern in Golde jährlich. Sehr zwekkmässig würde es seyn, die Actie auf 30. Thaler in Gold zu sezzen; aber so, daß Fünf Thaler hievon für einen bleibenden Fonds gesammelt würden. Zu diesem Fonds könnte man auch die Gelder schlagen, die aus dem Erlöß der Kunstwerke eingiengen; ferner alle Arten von Geschenken, und Stiftungen, die der Gesellschaft von Wohlgesinnten zukommen könnten.
Erst wenn der gesammelte Fonds 10,000. Thaler betrüge, könnte man die Hälfte der jährlichen Zinsen davon zur Unterstüzzung verwenden, die andere Hälfte würde aber zur Vermehrung des Fonds dienen, bis wieder auf die Summe von 10,000. Thalern.

§. 14.
Die Theilnehmer können sich zu einer oder mehreren Aktien verbindlich machen.

§. 15.
Ein jeder Theilnehmer für eine oder mehrere Actien verbindet sich auf drey Jahre.

§. 16.
Jede Aktie wird sogleich bey dem Eintritt in die Gesellschaft bezahlt, und so alle Jahre dieselbe immer wieder In lateinischer Schriftpraenu- | 29merando entrichtet.

§. 17.
Alle Beschlüsse der Gesellschaft werden durch das In lateinischer SchriftVotiren In lateinischer Schriftper majora genommen. Jede Aktie hat dabey eine Stimme, und also so viele Actien so viele Stimmen.

§. 18.
Alles Berathen und jede Beschlußnahme geschiehet in einer dazu vorher bestimmten Versammlung. Nur die dabey Anwesenden haben Stimme. Die Stimme kann nie einem andern übertragen werden; und die nicht Anwesenden begeben sich aller Einwendungen gegen die Beschlüsse der Gesellschaft.

§. 19.
Das Austreten aus der Gesellschaft kann nur nach drey Jahren geschehen; man muß aber dies ein Vierteljahr zuvor der Gesellschaft schriftlich angezeigt haben; sonst bleibt man wieder auf die nächsten drey Jahre gebunden. Derselbe Fall ist für den, der mehrere Aktien hat, aber sich für die Folge für wenigere verbindlich machen möchte. Das natürliche Austreten geschieht durch Absterben, oder notorische Unfähigkeit den fernern Beytrag zu leisten.

§. 20.
Niemand von unbescholtnem bürgerlichen Rufe kann von der Theilnahme und Mitgliedschaft ausgeschlossen werden, so wie von den Rechten, welche eine oder mehrere Aktien geben. Selbst Frauen können daran Theil nehmen; doch werden sie von den Versamm- | 30lungen dispensirt. In demselben Falle würden moralische Personen seyn.

§. 21.
Um die Gesellschaft zu constituiren und in Thätigkeit zu sezzen sind 100. Aktien nöthig. Sobald diese durch Subscription beysammen sind, treten die Aktionäre zusammen und machen aus ihrer Mitte die Wahlen zur Leitung der Geschäfte.

§. 22.
Hiezu sind nöthig:
1.) der Meister,
2.) der Untermeister,
3.) der Schatzmeister,
4.) der Schreiber,
5.) zwey Gehülfen des Schazzmeisters, und
6.) ein Gehülfe des Schreibers.

§. 23.
Der Meister übernimmt die Pflicht der Gesammtleitung, hält den Vorsitz bey den Versammlungen, trägt die Arbeiten und Beschlüsse vor, oder trägt dies unter seinem Vorsitz einem andern auf. Er unterzeichnet jede Art von Beschlüssen, und die Vollmacht zu Zahlleistungen über 50. Thaler. Er eröffnet alle an die Gesellschaft eingehenden Papiere und unterschreibt die Antworten.

§. 24.
Der Untermeister ist dem Meister als Gehülfe zugegeben, und tritt bey Hinderungen in alle Rechte und Verpflichtungen des Meisters ein. | 30

§. 25.
Der Schazzmeister hat die Verpflichtung alle Gelder zu gehöriger Zeit in Empfang zu nehmen, und die Zahlungen nach den Stipulationen der Gesellschaft zu leisten. Kleinere nicht im Voraus zu bestimmende Zahlungen unter 50. Thalern, leistet er auf seine Verantwortung. Er hat das Recht mit Zuziehung seiner Gehülfen die säumigen Zahler zu mahnen, ja selbst, was Rechtens ist, zu verfügen. Er legt jährlich Rechnung über Empfang, Oeconomisirung und Verwendung der Gelder. Die Gehülfen mit dem Meister oder Untermeister haben das Recht der Visitation der Casse.

§. 26.
Der Schreiber übernimmt das Protokoll bey den Versammlungen; er bearbeitet die Berichte, und führt die Correspondenz, doch bey jeder wichtigern Sache durch Mittheilung an den Meister oder dessen Stellvertreter. Er hält das Archiv in Ordnung, so wie die Verzeichnisse über die der Gesellschaft gehörigen Kunstwerke. Er besorgt zugleich alle zum Drukke bestimmten Aufsäzze. Der Gehülfe ist dem Schreiber zur Hand, und übernimmt bey Hinderungen dessen Geschäft ganz.

§. 27.
Die Beamten bleiben durch drey Jahre in ihrer Verrichtung. Nach dieser Zeit geschehen neue Wahlen. Die Austretenden sind wieder wählbar. | 32

§. 28.
Ist die Gesellschaft constituirt durch die Wahl der Beamten, beginnen die Berathungen und Beschlüsse über die zunächst liegenden Verfolgungen des Zwekkes.

§. 29.
Neue Aktionäre können dann nicht mehr willkührlich hinzutreten, sondern die Vorgeschlagnen werden ballottirt, und durch Mehrheit der Beytritt bewilligt, oder verweigert. Es muß eine Ehre seyn, Mitglied der Gesellschaft zu heissen, daher kann kein unbedingtes Zutreten statt finden.

§. 30.
Der neu Hinzutretende zahlt bey der Aufnahme die Aktie oder Aktien, wozu er sich verbindet, sogleich für das laufende Geschäfts-Jahr, sey es auch, daß es bald abgelaufen sey; tritt aber sogleich auch in alle Rechte der Gesellschaft.

§. 31.
Die Gesezze mit der Liste der Mitglieder wird gedruckt und jedem ein Exemplar zugefertigt. Dies geschieht alle drey Jahre mit Eintragung der neuen Mitglieder, der neuen Beamten, und der etwanigen Zusäzze und Veränderungen, welche die Verfassung erheischte.

§. 32.
In Rükksicht des Lokals, theils zu den Versammlungen, theils zur Aufbewahrung der Kunstwerke, würde der Verein sich an das Ministerium wenden, das der | 33 Kunst-Akademie und den gelehrten Instituten vorsteht, bis die Folge vielleicht ein eignes Lokal ausmitteln liesse.

§. 33.
In lateinischer SchriftPetitionen, seyen sie von Künstlern oder Andern, werden nie angenommen. Das Recht Vorschläge zu thun kommt allein den Mitgliedern zu, und zwar in den Versammlungen selbst, weil sich die Gesellschaft nie in lange Correspondenz einlassen kann.
Auch dürfen die Mitglieder blos mit Berükksichtigung der Gesezze ihre Vorschläge machen; und damit hierüber streng gehalten werde, muß das Mitglied, das einen gesezzwidrigen Vorschlag macht, oder einen nicht qualificirten Candidaten vorschlägt, der Strafe von einer jährlichen Aktie unterliegen.

§. 34.
Da bis jetzt bey der Akademie die Einrichtungen in Hinsicht des Unterrichts der Zöglinge, und der Mitglieder nicht so sind, wie die Gesellschaft nach dem Entwurff ihrer Gesezze es wünschen muß, und doch bald eine würdige Wahl sowohl für Bestellungen an tüchtige Künstler, als zur Unterstüzzung fähiger Zöglinge zu treffen seyn möchte; so würde man sich vorläufig an die Ober-Behörde der Akademie wenden, und ein Verzeichniß fordern: erstlich von denjenigen vaterländischen Künstlern (hier oder auswärts wohnend) | 34 welchen nach den In lateinischer SchriftStatuta Arbeiten übertragen werden könnten; zweytens von denjenigen Zöglingen, welche die nöthigen elementarischen Kenntnisse und Fertigkeiten besässen, um mit Erfolg auswärts studiren zu können. Wären jetzt von letztern keine Fähigen vorhanden, so dürfte zu erwarten seyn, daß schon die Aussicht, ein solches Reise-Prämium von der Gesellschaft zu erhalten, ein grosser Sporn seyn würde, um sich allmählig zu In lateinischer Schrifthabilitiren. Nur darf die Gesellschaft nie antragen, halb erzogene und nicht hinreichend unterrichtete Zöglinge in Schuzz zu nehmen, weil das Reisen den Mangel an elementarischem Unterrichte nie ersetzt, und so die jungen Leute im Fortschreiten zur höheren Ausbildung dadurch immer gelähmt bleiben. Lieber keinen, als einen nicht hinreichend unterrichteten Zögling unterstüzzen. Dies muß immer Haupt-Grundsazz des Vereins seyn.

§. 35.
Ein jedes Mitglied unterschreibt die Gesezze, oder in dessen Namen ein Stellvertreter, und begiebt sich dadurch aller Einwendungen, auch selbst wenn gerichtliches Verfahren eintreten sollte.

§. 36.
Die Gesezze werden zur Bekräftigung der Staatsbehörde vorgelegt, um ihnen volle Gültigkeit zu geben.

Gegeben In lateinischer SchriftBerlin den [ ] ten

Die In lateinischer SchriftDilettanten