Regest: Bezeugt in: Ingo Pfeifer, Uwe Quilitzsch, Kristina Schlansky (Bearbeiter): Die originalen Tagebücher der Fürstin Louise Henriette Wilhelmine von Anhalt-Dessau. Auszüge aus den Jahren 1795 bis 1811. Hrsg. von der Kulturstiftung DessauWörlitz, Bd. 1, Halle 2010, S. 313: Eintrag 10. August 1797: „DAS EINZIGE GUTE FAND ICH NOCH NEHMLICH EIN BRIEF VON H[IRT], DEN ER AM DIENSTAG GESCHRIEBEN.“

 

Anmerkung: Die in Versalien wiedergegebenen Textpassagen sind im Tagebuch der Fürstin chiffriert. - Hirt war zusammen mit Böttiger am 5. August 1797 von Wörlitz Richtung Potsdam/Berlin abgereist. Über den Abschied von Louise am 4. August, der sicher in Hirts Brief nachhallte, schreibt die Fürstin in ihr Tagebuch: Eintrag 4. August 1797: "[...] DAS WAR NUN DER LEZTE TAG DIESER EPOCHE, FÜR MICH SO ENTSCHEIDENT. ICH BIN UND BLEIBE SEIN WIEN. - ER SELBST ERKENNT UNSER SCHIKSAL UNZERTRENNLICH VERBUNDEN UND LIEBT MICH ÜBER ALLES DOCH IMMER MIT KLUGHEIT UND WÜRDE. ALSO VERGÖNT UNSERE LAGE SELTEN GENNUS UND MIR LAUTER ENTBEHRUNGEN. Ergebung, also Ergebung - Geduld! und Kraft! [...] Gegen 9 uhr kam H[irt]. Schon waren früh Rode und Böttcher [Böttiger] und Tischbein bey ihm gewesen. Nach 10 wolte Er sie wieder finden im Gothischen Hause UND DIESE STUNDE WAR! WELCHE WONNE UND SCHMERZ. [...] bald um 1 uhr, kam Er wieder, wir sprachen und aßen, und bald ging Er, als es 3 uhr war, um zu packen und noch mit die Fremden zu sein, [...] Ich muste mit Bücher cramen, mich die AUGEN TROKEN HALTEN, laß über Todt und Unsterblichkeit in Bonnstaedt und rastete ohne Ruhe [...] Nach 6 setzte mich auf mein balcon, ging hin und her. Und es war ein peinlicher Zustand, die Trennung, der Abschied so nahe kommen, MEHR SICH SEHEN, UND DOCH UM SEINETWILLEN SELBST DIE THRÄNE VERSCHLUKEN, NICHT AUS KÖNNTE, NICHTS THUN MÖGEN, ACH ES WAR SCHREKLICH. Nach 8 kam H[irt] wieder UND ES WAR DIE ZÄRTLICHSTE, WEHMÜTHIGSTE, ERNSTE ABSCHIEDS STUNDE, GOTT! Um 9 gingen wir herab zum Eßen, aßen, doch aber bald stand er auf UND EINE UMARMUNG UND SO FORT. Ich sahe ihn noch vom geschlossenen Fenster. Er bemerkte es und grüßte mich im vorüber gehen. UND SO WAR ICH DENN WIEDER GETRENNT VON MEIN LEBEN. - GOTT ERBARME DICH MEIN, GIEB UNS NOCH FROHE RUHIGE, GLÜKLICHE TAGE. Sehr übel war mir zumuthe und ein wenig KONNTE ICH WEINEN."