[An Louise von Anhalt-Dessau. Wörlitz, 21. Juli 1797. Freitag]

Bezeugt in: Ingo Pfeifer, Uwe Quilitzsch, Kristina Schlansky (Bearbeiter): Die originalen Tagebücher der Fürstin Louise Henriette Wilhelmine von Anhalt-Dessau. Auszüge aus den Jahren 1795 bis 1811. Hrsg. von der Kulturstiftung DessauWörlitz, Bd. 1, Halle 2010, S. 308: Eintrag 21. Juli 1797: „bekam einen Brief von Olb[erg] [= Arzt in Dessau] nach 10, worin er EINE EINLAGE VON H[IRT], DIE MIR SAGTE, ER SEI GEBETEN, HIER ZU ESSEN; ICH SOLLE AUCH ERSCHEIN, VIEL REDEN, ER WOLLE MEHR SPAS ALS ERNST REDEN.“ - Über den weiteren Verlauf dieses Tages schreibt die Fürstin ebd.: "Ich kleidete mich und um 12 ging herüber. ICH SAHE IHN MIR, KEIN BLIK, KEIN WORT, und kaum konte ich's ihm sagen, daß, da er mich vormittag nicht mehr hier gefunden hatte, er nach die Promenade kommen könte. Hier bin ich nun seit 5 [...] und noch ist niemand da. O GOTT WIE VERLASSEN BIN ICH. Um 8 uhr kam er - mein Druck, die Entbehrung, meine Lage, das alles UND DAS VERLANGEN MIT IHM ZU LEBEN UND ZU STERBEN, MEINE LIEBE UND DOCH DAS SCHREKLICHE ENTBEHREN. - UND ÜBER DER ZUKUNFT DIE VOLLE REINE WAHRHEIT UND LIEBE HAUCHTE, WEINTE, SPRACH AUS MIR, UND ER WAR WIRKLICH GERÜHRT UND SEIN MUND SPRACH LIEBE AUS UND STELLTE DIE UMSTÄNDE DEUTLICH DAR, UND DARNACH FREILICH DIE MÖGLICHKEIT, UNS ZU SEHEN UND ZU GENIESSEN, VERSCHWAND. MEINE SCHEIDUNG HIELT ER FÜR UNMÖGLICH. KÖNTE ER AUCH JEZT VON BERLIN WEG SEIN, SO KÖNNE ER JA DOCH NICHT MIT MIR HIER SEIN - UND DAS ICH SO TROSTLOS UND LEIDEND WÄRE, KRÄNKE IHN DARUM, WEIL ER DENN MÜSSE BEREUEN, DAS WIR UNS LIEB GEWONNEN HÄTTEN. DOCH ER UND SEINE LIEBE BLEIBT MIR UND SEINE HERZLICHE MILDE, SEIN ZUREDEN UND SEIN VERSPRECHEN, MORGEN WIEDER MICH IN L[UISIUM] ZU BESUCHEN, UND DAS ER MEIN SEI, MIT ERNSTER EHRLICHKEIT UND HEISSER UMARMUNG MIR VERSICHERT. Das alles beruhigte mich wieder um Vieles. WIR MUSTEN WIEDER UNS TRENNEN. Es war bald 9 und so fuhr er wieder nach der Statt."