Aus dem von der Wohllöblichen Deputation an mich erlaßenen Nicht bekannt.
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Rescript vom 13.ten dieses
- ersehe ich, daß in der von mir eingesandten Verzeichnungsliste meiner Zuhörer manche darunter seyn sollen, die nicht immatriculiret sind. Dieses, meint Eine Wohllöbliche Deputation, sey gegen die Verfaßung: und da die Lehrer hierwegen mehrmal erinnert worden seyen; soll ich über die Zulaßung jener nicht immatriculirten Zuhörer nähere Auskunft erstatten. Antwort: Es läuft allerdings der Verfaßung der Königlichen Academie der Baukunst nicht zuwider, daß ich auch Zuhörer zu meinen Vorlesungen zulaße, die nicht immatriculiert sind; denn ich lese nicht bloß für Bau-Eleven, sondern auch für Schüler der Kunst-Academie. Auf dieselbe Weise frequentiren Bauzöglinge meine Vorlesungen an der Kunst-Academie, ohne daß sie deswegen eine besondere Matricul bedürfen. - Doch dieses ist eine bekannte u mehrmals verhandelte Sache. Fast möchte man sich wundern, daß solche einem Wohllöblichen Directorium von Friedrich Becherer, Johann Albert Eytelwein, Heinrich August Riedel, David Gilly, Johann Peter Morgenländer.
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fünf Mitgliedern
nicht erinnerlich war. Damit aber Wohldasselbe sich in Zukunft keine unnützen Sorgen mache, so werde ich künftighin in meiner Verzeichnungs-Liste nur diejenigen aufführen, welche wirklich als Bau-Eleven bei der Bau-Academie immatriculiert sind. -

Weiter gibt mir eine Wohllöbliche Deputation zu erkennen, daß Sie meine eingesandte Verzeichnißliste nicht gebrauchen könne. Der Fleiß und die Fortschritte der Zöglinge müßten darin umständlich auseinandergesetzt werden: und Sie verlangt zu diesem Zweck eine andere Liste. Antwort: Mir ist die Anordnung solcher umständlichen Listen, wie das beigefügte Schema besagt, nicht unbekannt. Auch bin ich der Meinung, daß solche Conduiten-Listen eine erspriesliche Sache seyn könnten. Aber schon durch die ursprüngliche schlechte Organisation der Bau-Academie, und dann noch mehr durch die lahme Leitung derselben, so daß anstatt die ursprünglichen Gebrechen zu beßern, seitdem noch wesentlichere Fehler sich in die Verfaßung eingeschlichen haben, liegt es ganz außer der Gewalt des individuellen Lehrers, gehörig zu wirken. Daher auch solche umständliche Listen über den Fleiß und die Fortschritte der Bauzöglinge zu machen nicht möglich ist. | 2

1.) sind dem Lehrer weder Aufmunterungs- noch Strafmittel gegeben, die Zöglinge zur Frequentirung u Aufmerksamkeit anzuhalten. Keine Aufmunterungsmittel - denn es werden keine Prämien ertheilt, keine öffentlichen Examina gehalten, um die Schüler durch Ehre zu spornen. Es werden keine Reiseprämien gegeben, oder wenn sie gegeben werden, so weiß der Lehrer und der Zögling nicht an wen. Kurz solche Prämien werden willkürlich ertheilt, ohne einen öffentlichen Concursus von Examen und Probearbeiten. Daher auch solche Prämien nie als Sporn für die jungen Leute dienen können. Vielmehr müßen sie dadurch decouragirt werden, weil sie sehen, daß solche Beneficia nicht durch Fleiß u Talent, sondern nur auf Nebenwegen zu erhalten sind. Was mein individuelles Lehrfach angeht, so kann ich es auf keine Weise prævaliren machen, denn kein Zögling ist verbunden es zu hören, u es kann ihm bei seiner künftigen Anstellung weder schaden noch nützen, ob er meinen Vortrag gut, schlecht, oder gar nicht gehört hat. Keine Strafmittel: denn kein Lehrer ist befugt, einen Zögling über seine Vernachläßigung zur Rede zu stellen, ihn zu beschämen, oder vollends auszuschließen. Jeder kommt und bleibt aus, wie er will und mag. Das einzige Zwangmittel zum Fleiß ist bis jezt das jedesmalige Einschreiben in ein Buch, das ein Wohllöbliches Directorium angeordnet hat. In wie fern dies wirklich ein Mittel zum Fleiß sey, laße ich dahin gestellt seyn. Da übrigens ein Directorium durch solche Bücher den Fleiß der Zuhörer unmittelbar controlliren wollte; so ward ipso facto der Lehrer der eigenen Inspection enthoben. Eine Wohllöbliche Deputation mag also nachsehen, wer sich fleißig eingeschrieben hat, und wer nicht. Ich habe meinerseits nicht ermangelt, meinen Zuhörern einzuschärfen, das fleißige Einschreiben nicht zu unterlaßen.

2.) In Rücksicht der Fortschritte der Zöglinge: was läßt sich darüber bey einer so mangelhaften Einrichtung der Academie sagen? - Ich will nur einen der Hauptfehler hier berühren. Es ist der, worüber ich schon mehr als einmal (freilich immer umsonst) sprach, | 3 nämlich der Mangel einer gehörigen Classification. Bei mir, zum Beispiel, laßen sich alle Jahre eine nicht geringe Anzahl Bau-Eleven einschreiben, die platterdings nicht reif sind, meinen Vortrag zu verstehen. Allein da sie mir als Bau-Eleven die Matricul weisen, kann ich denselben den Zutritt nicht versagen. Was ist die Folge davon? Sie bleiben nach u nach weg: oder wenn sie auch fortfahren zu frequentiren, so begreifen sie die Sache nur sehr einseitig. Andere, um mit dem Erlernen der Baukunst bald fertig zu werden, nehmen auf einmal so viele Fächer über sich, daß auch der Fähigste u Fleißigste darunter erliegen müßte. Daher wenn ich sie auffordere, diese oder jene Zeichnungen oder Aufsätze zu machen, oder auch wenn ich blos in der Unterredung prüfen will, sie mir antworten: "sie hätten keine Zeit hiezu, diese u jene andere Vorlesung u.s.w. hindere sie daran." Kann man deswegen solche junge Leute geradezu talentlos oder saumselig nennen? - Keinesweges! sie sind nur irregeleitet. Hätten sie die nöthigen Vorkenntniße gehabt, und wären sie im Erlernen nach einer richtigen Classification aufwärts gestiegen; so würden sie vielleicht nicht nur die Fleißigsten, sondern auch die gewesen seyn, welche die glänzendsten Fortschritte gemacht haben würden.

Nun bitte ich um himmelswillen, ob bei solchen mangelhaften Einrichtungen u Umständen es möglich ist, daß ein Lehrer über den Willen, den Fleiß, das Talent und die Fortschritte der Zöglinge aburtheile, und gültige Zeugniße aufstelle? - In Wahrheit ich kann es nicht: und dieses ist die Ursache, warum ich ein bloßes naktes Verzeichniß der Zuhörer, welche sich im Anfange einschreiben ließen, eingesandt habe.

Berlin den 22ten April 1805.

Hirt. _________________________________________________________________________________________________

Das Schreiben Hirts wurde zusammen mit folgendem Reskript der Akademischen Deputation vom 6. Mai 1805 an das Kuratorium der Bauakademie weitergeleitet (GStA PK, HA I, Rep. 76 alt IV Nr. 30, fol. 19r-v; mit den Sichtungsvermerken: "prs. 16 May 1805. / Schrötter(?)"; "Sack. / pro May c BauAcad". - Dasselbe Schreiben als Abschrift ebd., fol. 30r-v):

An / Ein Hohes Curatorium / der Königl: Bau-Academie

Der Hofrath Hirt reichte unterm Schreiben nicht bekannt.
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27ten Mærz ejusdem
eine Conduiten-Liste seiner, im verfloßenen Winterhalbenjahre auf der Königlichen Bau-Academie bei den Vorlesungen der Geschichte der Baukunst gehabten Zuhörer, bei uns ein, welche ein bloßes Namensverzeichniß, ohne Angabe des Fleißes und der Fortschritte derselben, war, und worin über dies noch vier Zuhörer aufgeführet standen, welche bei der Academie nicht immatriculiret sind. Da wir nun diese Liste zur Anfertigung des bei Einem Hohen Curatorio einzureichenden General-Tableaux und zur Ausfüllung der darin vorgeschriebenen Rubriquen nicht benutzen konnten, zugleich aber auch darauf achten müßen, daß der Verfaßung gemäß von den Lehrern keine andere als immatriculirte Zuhörer auf der p Academie zugelaßen werden; so waren wir veranlaßt, den p Hirt Schreiben nicht bekannt.
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unterm 13.ten vorigen Monats aufzufordern
, uns nach einem ihm dabei mitgetheilten Schema, eine ordnungsmäßige andere Liste einzusenden, als auch über die zugelaßenen nicht immatriculirten Zuhörer sich zu erklären. Wir erhielten hierauf nun das abschriftlich anliegende, vom 22.ten vorigen Monats datirte Schreiben des p Hirt, und bitten ganz gehorsamst, Ein Hohes Curatorium wolle daraus, und mit Rücksicht auf die schon vormals eingereichte mit demselben geführte Correspondenz, Höchstselbst zu entnehmen geruhen, daß wir die Hofnung aufgeben müßen, den p Hirt zu der bei der Bau-Academie nöthigen Form und Ordnung, so wie zu einer zweckmäßigen und zu den übrigen Vorlesungen paßlichen Einrichtung des seinigen, zu disponiren. Dem erlauchtetern Ermeßen Eines Hohen Curatorii submittiren wir daher, was Hochdasselbe dieserhalb Selbst zu verfügen geruhen wolle; müßen | 2jedoch zugleich gehorsamst bemerken, daß, obgleich wir das Collegium des p Hirt sehr schätzen, wir es bei seiner jezzigen Einrichtung doch nur als Dessert der Architectur für diejenigen Zöglinge, welche sich über den ästetischen Theil der Architektur aus der Geschichte derselben nähere Kenntniß verschaffen wollen, nützlich, keinesweges aber, - und am allerwenigsten für Cameral-Baumeister, - unumgänglich nöthig halten, indem die eigentliche Kunst zu bauen in den übrigen Vorlesungen der Academie schon weit zweckmäßiger und gründlicher gelehret wird. Wir glauben daher, daß es genug seyn wird, in der Folge jedem Zöglinge zu überlaßen, ob er das Hirtsche Collegium hören wolle, allenfalls ihn mit dazu anzumahnen, keinesweges aber durch Prämien und noch weniger durch Srafen dazu zu zwingen, am wenigsten durch dem Hirt zu überlaßende Strafen, da sonst die Zöglinge genöthigt werden würden, mit Versäumung des Nothwendigen, das blos Nützliche zu hören. Ob übrigens auch in der Art Zöglinge ohne Matricul zur Anhörung dieses Collegii zugelaßen werden können, müßen wir gleichfalls höherem Ermeßen überlaßen, so wie, wenn der p Hirt Zöglinge prämiirt oder bestraft haben will, obwohl auch daraus wiederum natürlich folgt, daß er die Conduiten-Listen gehörig und mit Anzeige von der Frequenz und dem Benehmen der Zöglinge, liefern müßte. Berlin den 6.ten May 1805. Akademische Ober-Bau-Deputation. [gez.] Morgenlander [gez.] Riedel [gez.] FBecherer [gez.] Gilly [gez.] Eytelwein