An / des Koenigl: Wirklichen Geheimen Staats-/Minister, Minister der Geistlichen Un-/terrichts und Medizinal Angelegenheiten pp / Herrn Freyherrn von Altenstein / Excellenz

Euer Excellenz leiten uns durch die Zuschrift vom 22ten Februar currentis auf Berücksichtigungen des Koeniglichen Musei, worüber wir die nähern Beschlüsse der Commission schon lange gewünscht und deswegen auch nicht ermangelt haben, schon früher darauf aufmerksam zu machen. Wir danken daher Euer Excellenz sehr, daß Sie uns hiermit auffordern, unser Gutachten über eine Reihe von Puncten schriftlich aufzusetzen, welche alle dahin gehen, das wichtige und umfassende Geschäft des Museums zu fördern. Wir haben die Ehre darauf die Antwort zu ertheilen so genau, als wir dieselbe unter den obwaltenden Umständen geben koennen.

I. Gemaelde.
Zuerst wird es nöthig sein, Euer Excellenz in näherer Kenntniß zu setzen, was bis jetzt für die Sollysche Sammlung geschehen ist.
Hirt
brachte den ganzen vorigen Sommer bis spät in den Herbst damit zu, die gro- | 2ße Masse der Gemaelde nach Epochen, Schulen und Meistern (so viel es bei einer ersten Musterung möglich war) zu sondern, und darüber ein vorläufiges Verzeichniß zu machen. Auch sind diejenigen Gemaelde, die von keinem Gebrauch für das Museum sind, abgesondert und in ein eigenes Verzeichniß eingetragen worden.
Die ganze Masse beträgt einige Gemaelde über 3000: davon an 1300 Ausschuß (zum Verkauf bestimmte Bilder) und 1.700. Brauchbare. Von der letztern, der brauchbaren Classe, sind aber auch nicht alle für das Museum bestimmt, sondern hievon nur, ungefähr die Haelfte. Die andere Haelfte kann zum Theil für das Magazin, theils für die Koeniglichen Schloeßer dienen, zum Ersatz derjenigen Gemaelde, welche nach der Bestimmung Sr Majestät des Koeniges aus den Schlössern an das Museum abzugeben sind, theils könnten sie auch zu vortheilhaften Austauschungen benutzt und aufbewahrt werden.
Um nun die Bilder, welche definitiv in das Museum (aus der Sollyschen Sammlung näm- | 3lich) kommen sollen, zu bestimmen, war die Absicht von Hirt, eine Classe der Gemaelde nach der Andern nach den Sälen der Akademie überzubringen, und so dieselben classenweise neben einander aufzustellen, damit durch eine genaue Vergleichung man in den Stand gesetzt würde, reiflich zu beurtheilen, in welche der angegebenen Categorien jedes Gemaelde kommen sollte und hauptsächlich die für das Museum definitiv abzusondern. Diese Operation ist die Wichtigste; und daher ist vorläufig mit dem Herrn Geheimen Ober Bau Rath Schinkel, dessen Einschreiten und Mithülfe bei der ersten Sonderungsoperation nicht so nöthig war, die Abrede genommen worden, daß er bei der definitiven Auswahl zugleich mit Hirt arbeite, und damit kein einseitiges Urtheil statt finde, sind die drei Professoren, welche Euer Excellenz uns zur Beurtheilung der Restauration zugetheilt haben, nämlich die Herrn Hummel, Kubeil und Wach vorläufig ersucht worden, uns mit ihrem | 4 Urtheil, bei einem so wichtigen Geschäfte gleichfalls zu unterstützen.
Erst also wenn die definitive Auswahl der Gemaelde für das Museum auf besagte Weise getroffen ist; läßt sich die Masse der auserwählten Gemaelde übersehen und hiemit ist dann auch die Moeglichkeit da, einen Ueberschlag der Gesammtunkosten für die Restauration derselben zu machen und darnach auch die Zeit zu bestimmen, wann die Restauration zu ihrer Vollendung gehen würde. Doch über die Summe der Unkosten und die Zeit ließe sich auch dann nur ein Aproximations-Ueberschlag machen.
Bis jezt sind wir mit dem Restauriren noch sehr zurück. Selbst die frühern Restaurationen, die vor dem Ankauf der Sammlung gemacht worden sind, eingerechnet, sind nur 41 Nummern in unserm Verzeichniße, und davon sind noch mehrere in der Restauration begriffen, Andere sind noch nicht bezahlt, und Andere sind so schlecht ausgefallen, daß | 5 sie aufs neue zur Restauration zu geben sind.
Nach obiger Aeußerung die Gemaelde classenweise allmählig nach der Akademie zu transferiren, glaubte Hirt früher, diese Operation mit dem May dieses Jahres beendigen zu koennen, so daß also das Sollysche Local nicht länger bedürftig gewesen wäre. Diese Hofnung von Bewerkstelligung gründete sich auf den Gebrauch der neuen Saele in der Akademie, allein leider hat sich gezeigt, daß alle die Saele im Flügelbau nicht brauchbar sind, bis man sie nicht durch neue Bauvorkehrungen gesichert hat. Da aber hiezu noch kein Anfang gemacht ist, so läßt sich jezt an keine Versetzung der Gemaelde denken, und so giebt es kein anderes Mittel, als daß das Sollysche Locale noch wenigstens auf andere sechs Monate gemiethet werde.
Sollten aber die baufälligen Saele in der Akademie bis Ende Junius dieses Jahres gesichert und fertig sein, so ließe sich | 6 mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß mit Anfang oder Ende October das Sollysche Lokale ganz geleert werden koennte.
Im Falle aber die Saele nicht zur angegebenen Zeit fertig würden, und folglich der Transport bis October nicht vollständig geschehen könnte, so müßte das Sollysche Haus noch auf ein volles Jahr weiter gemiethet werden, weil man nicht in den Winter- sondern nur in den Sommermonaten die nöthigen Operationen zur Auswahl machen kann. Wie dringend also der Bau in den Akademiesaelen sey, läßt sich leicht entnehmen, wenn man das Geschäft nicht ins unendliche verzögern, und nicht Ausgaben ohne Nutzen häufen will.
Hiermit sehen wir auch die Antwort auf die Zuschrift Euer Excellenz vom 26ten Februar als erledigt an.
Die übrigens guten aber für das Museum nicht auszuwaehlenden Gemaelde würden bis weiteres reponirt werden, ohne daß die Commission die Restauration derselben und ihre | 7 Rahmen zu berücksichtigen hätte. Wahrscheinlich würde sich für das Reponiren derselben ein Locale in dem Koeniglichen Schloße ausmitteln lassen, so daß in der Akademie nur diejenigen Gemaelde verblieben, welche für das Museum ausgewählt worden sind.
Nur die 1300. zu verkaufenden Gemälde würden nicht nach der Akademie zu transportiren seyn, sondern sogleich nach einem Lokale, wo man sie so bald wie moeglich an den Meistbietenden verkaufen koennte, um diese unnütze Last los zu werden. Das Verzeichniß ist hiezu vorhanden, so daß darnach die Gemaelde an einen zu bestimmenden Licitator ausgeliefert, und der Catalog davon gedruckt werden koennte. Von solchen Geschäftsarbeiten würde man aber uns Commissarien dispensiren. Das darauf mehr oder weniger zu loesende Geld würde in die Casse für Restauration fließen.
Obwohl nun nach dem Gesagten der ganze | 8 Kostenbetrag für die Restauration der Gemaelde noch nicht angegeben werden kann; so koennen wir vorläufig doch auf nicht weniger als 10,000 reichsThaler jährlich antragen, wenn das Geschäft in gehoeriger Art gehen soll. Dieser Fonds dürfte aber durch keine andere Ausgaben belästiget werden, sondern rein für Restauration sein.

II. Einrahmung.
Eine fast eben so wichtige Angelegenheit für das Museum sind die Rahmen für die Bilder. Die Commission hat hiefür vorläufig zwar anständige, aber keinesweges sehr künstliche und verzierte Rahmen angenommen, und diese nach der verschiedenen Größe der Gemälde von drei Arten in Hinsicht der Breite der Rahmen. Ferner ist angenommen worden, die ganze Arbeit an die mindest fordernden Unternehmer zu übertragen, und nach dem Fuß zu bedingen. Wie viel aber die ganze Summe der Fuße und der Ausgabe hiefür betragen möchte, läßt sich aus den angegebenen Ursachen bei der Restau- | 9ration noch nicht angeben, sondern erst nach der Auswahl der Gemaelde für das Museum bestimmen. Dies hindert jedoch nicht, daß man die Arbeit nicht sobald vornehmen könnte, wenn vorläufig eine jahrliche Summe hiezu bewilligte [sic] würde. Diese dürfte aber nicht geringer als 4000 reichsThaler jährlich sein.

III. Antike Marmor.
Auch über die Restauration der antiken Marmor, über den Transport derselben, und über die dazu erforderlichen Piedestalle u.s.w. ist noch kein Ueberschlag vorhanden. Wir haben indessen HErrn Professor Rauch aufgefordert, seinen Ueberschlag uns einzureichen, der dann als Beilage folgen soll. Wir kommen hiebey aber auf das zurück, was wir auch schon früher andeuteten, nämlich: daß, wenn die Fonds es nicht vertrügen sogleich große Summen hiefür anzuweisen, das Geschäft der Marmorrestauration langsamer vor sich gehen koennte. Wir meinen nämlich: | 10
1. daß die meisten Antiken auch mit mangelhaften und schlechten Ergänzungen, die sie iezt haben, und mit ihren jetzigen Piedestallen im Museo aufgestellt werden koennten, und dann dieselben einzeln und allmählig in die Werkstatt des Restaurators wandern koennten, und eben so koennte man es mit den nöthigen Besserungen und Arbeiten der zweckmäßigern Piedestalle halten. Wir würden
2tens und vorerst jene Marmor zu berücksichtigen sein, welche lange im Freyen gestanden haben, und ohne Reinigung und Ergänzung nicht in das Museum zu bringen sind.
Wir hielten demnach für das Zweckmäßigste, daß man vor der Hand eine Summe hiefür, etwa 6 - 8000 reichsThaler jährlich bestimmte, und hiernach Herr Professor Rauch seine Arbeit anfinge.

IV. Laufende, und später eintretende Unkosten für die innere Leitung und Polizei des Musei.
Andere laufende Ausgaben sind für das Per- | 11sonale: Herrn Müller, Lamperi und Portier Koehler und dazu kommt einige Remuneration an den Kastellan Rietz, wegen Heitzung und anderer kleinen Dienste in der Akademie; ferner werden dahin zu nehmen sein, die Ausgaben für das Sollysche Lokale und vielleicht auch diejenigen für einige einzurichtenden Studien für die Restauratoren auf der Akademie, welche wir als sehr wesentlich erachten für die zweckmäßige Förderung der Restaurationen. Vielleicht koennten aber die Unkosten hiezu aus dem academischen Baufond genommen werden, nämlich aus dem woraus die baufälligen Saele herzustellen sind. Dazu kommen dann noch verschiedene kleine Unkosten: für Miethung er Moebel, Schreibmaterialien, Transporte der Gemaelde zu den Restauratoren und nach der Akademie, u.s.w.
Alle solche Unkosten müßten aber besonders berechnet werden, und keinesweges die vorgeschlagenen jährlichen Fonds | 12 für die Restaurationen und das Rahmenwesen belästigen. Auch möchten wir ferner nicht wieder mit den Unterschreibungen der Quittungen u.s.w. für die Casse incommodirt werden.

V. Vorläufige erforderliche Arbeiten für die verschiedenen Classen der Gegenstände welche das Museum umfassen sollen.
Allerdings ist es sehr nöthig, jezt schon und im Voraus an den Plan zu denken: wie das Museum eingerichtet, wie die innere Leitung und Benutzung und das Personale hiezu sein soll.
1) Was die erste Einrichtung des Musei betrift, kann diese nur zweckmäßig von der jezt niedergesetzten Commission geleitet werden. Diese wird bestimmen erstlich in Hinsicht der Gemaelde: welche Gemaelde darin aufgenommen, und in welcher Art und Ordnung dieselben aufgestellt wer- | 13den sollen. Hirt verpflichtet sich hierüber ein ausführliches räsonnirtes Verzeichniß zu schreiben, und mit Bewilligung Allerhoechsten Orts dann dem Druck zu übergeben. Keine Sammlung von Gemaelden bedarf einer so gründlichen und ausführlichen Beschreibung, wie die Unsrige, weil ihre Hauptbase das Historische ist, wodurch sie sich von allen bisherigen Sammlungen wesentlich unterscheidet. Die Arbeit ist sehr umfassend und kann nicht wohl ohne zwey Quartbände erledigt werden. Hiernach kann dann ein kurzer HandCatalog zum Dienst für die Besehenden verfertigt werden.
2) Wird eben so die Commission für die zweckmäßige Aufstellung und neben einander Reihung der Antiken Marmor sorgen. Auch hiefür verpflichtet sich Hirt das raesonnirte Verzeichniß zu besorgen.
3) Bedarf auch die Aufstellung der Gipsabgüsse einer zweckmäßigen Zusammen- | 14reihung; mit einer verworrenen Aufstellung dieser Art Gegenstände, wie man solche anderwärts sieht, ist es nicht gethan. Das Zweckmäßige kann hierin auch nur unter der Aufsicht der Commission geschehen.
Sollte Hirt nicht Zeit haben, hierzu das raesonnirte Verzeichniß zu verfertigen, so würde er wenigstens Sorge tragen, daß es von einem geschikten Manne unter seiner Leitung gemacht würde.
4) Auch darf die Commission sich nicht entgehen lassen, daß das sogenannte Antiken Cabinet unter ihrer Aufsicht organisirt und angeordnet werde. Vorerst würde dahin zu sehen sein, in wie weit die verschiedenen wichtigen Classen Alterthümlicher Gegenstände des Cabinets bereits von den Jean Henry und Konrad Levezow.
[Schließen]
zwey Vorstehern
beschrieben und catalogisirt sind, und welche Arbeiten zunächst vorzunehmen wären, um die Sicherheit zu haben, daß Alles in der besten Vorbereitung wäre, wenn die Dislocation | 15 in das neue Museum geschehen soll.
Für eine solche Inspection der Commission wäre es gut, bald möglichst die Zeit anzuberaumen.
5) Noch verbleibt die mit dem Cabinet noch verbundene sogenannte Kunstkammer, welche gleichfalls mit dem neuen Museum zu verbinden die Absicht ist. Auch diese commissarisch zu inspiciren, wäre sehr nöthig; erstlich um die verschiedenen Classen von Gegenständen dieser Art genau zu kennen, das wahrhaft Merkwürdige von dem Unbedeutenden zu trennen, genaue Verzeichniße von jeder Classe besorgen zu lassen; so daß auch alles hieher Gehoerige in erforderliche Vorbereitung wäre, wann es dann an die Dislocation käme.

VI. Benutzung des Museums
Um die Gegenstände des Museums zu besehen und gehoerig zu benutzen, sind wir der Meinung, daß aner- | 16kannten Künstlern und den im Museo Arbeitenden, Karten gegeben würden, das Museum täglich zu bestimmten Stunden besuchen zu koennen. Für das Publicum wären in jeder Woche bestimmte (etwa drey) Tage und Stunden (von 10 bis 3 Uhr) zu besehen festzusetzen, doch dies immer gegen distribuirende Einlaßkarten, damit die Saele nicht überfüllt und die gehoerige Aufsicht nicht erschwert würde. An Fremde und an angesehene Freunde und Liebhaber der Kunst (wie für Gesandtschaftspersonale u.s.w.) könnten gleichfalls Charten für jeden Tag abgegeben werden. Auf jeden Fall scheint uns, sollte nie ein sogenanntes Honorar oder Trinkgeld von den Besehenden gezahlt werden.

VII Personal des Museums
In Rücksicht des Personals für das Museum erachten wir folgendes als zweckmäßig.
1) würde sein: ein General Director, | 17 oder Intendant über alle Abtheilungen des Museums in der Art wie über das Theaterwesen. Hierzu würde am Besten ein Mann vom Stande passen, der sich als ein Freund und Kenner der Kunst und des Alterthums beurkundigt hätte, und überhaupt würde die Oberaufsicht eine Hofcharge sein, die mit Seiner Majestät dem Koenige und Seinem Cabinette unmittelbar verhandelte.
2) Würde jede Abtheilung seinen besonderen Director haben. Diese Directoren würden
a) für die Marmor und antiken Abgüsse
b) für das Antiken Cabinet
bekannte Alterthums und Kunstforscher,
c) für die Gemaelde
ein Kunstgelehrter, der nämlich außer der Kenntniß der Kunst an sich, zugleich die neuere Kunstgeschichte wohl inne hätte.
In dieser Beziehung koennen wir nicht umhin, auf einen seltenen jungen Mann, den Dr Waagen, Sohn eines schlesischen | 18 Mahlers aufmerksam zu machen, der sich bereits durch zwei vortreffliche Schriften bekannt machte; die erste über die Mumien in der Koeniglichen Sammlung zu München, und die zweite, die jezt eben erschienen ist, über die Brüder Hubert & Johann van Eyck.
d) für die eigentliche Kunstkammer könnte ein weniger gelehrter, doch mit mancherley Kenntnißen versehener Mann als Director passen.
Außer den Directoren bei jeder der vier Abtheilungen des Museums müßte wenigstens bei den größern Abtheilungen nämlich bei denen der Marmor und Abgüsse, dann bei den Gemaelden je ein Inspector sowie bei den erstern etwa ein Bildhauer, und bei der andern ein Mahler. Auch bedürfte der Director des Antiken Cabinets auch eines Adjunctus.
Dann wären eine Anzahl Unterbediente erforderlich; bei den Bildern nicht weniger als drei, und eben so viel bei den Mar- | 19mor und Abgüssen; einer bei dem Antiken-Cabinet, und einer bei der Kunstkammer. Besonders sind noch zu rechnen ein Portier und ein Hausknecht.
Die Besoldungen für ein solches Personal dürfte nicht dürftig, sondern anständig und der Qualification angemessen sein.
Dem Secretair Herrn Müller haben wir aufgegeben für ein Verzeichniß der bisher für das Museum gemachten Unkosten zu sorgen, was wir dann als Beylage nachsenden werden.

Berlin den 1ten Maerz 1823

[gez.] Schinkel [gez.] Hirt.

[Zum Gutachten gehört eine Beilage]