Bei dem dringenden Bedürfniß nach Restauratoren, um die Gemaelde der ehemaligen Sollyschen Sammlung in den gehoerigen Stand zu setzen, waren die Mitglieder der Commission unabläßig bemüht, sich nach solchen umzuthun, wenngleich bei der Seltenheit zuverläßiger Leute in diesem Fache, bis jetzt ihre Bemühungen nicht immer den hinlänglich erwünschten Erfolg hatten. Desto erfreulicher muß es daher derselben sein, zwei in Heidelberg ansäßige Männer, Herrn Schlesinger und Herr Köster, welche sich durch die Restauration der vorzüglichsten Gemaelde in der Sammlung der Herrn Boisseren [!] als hoechst ausgezeichnet in dieser Kunst bewährt haben, überdem auch als Leute von achtbarem Character bekannt sind, den Aufforderungen, welche die Commission an sie durch Herrn Professor Wach und Doctor Waagen ergehen lassen, willfährig zu finden. Die Commission beeilt sich demnach einem hohen Ministerio die Bedingungen, unter welchen jene Herrn Restaurationen übernehmen wollen, so wie ihr eigenes Gutachten darüber ganz gehorsamst vorzulegen.

Es erbieten dieselben sich uns vors erste auf ein halbes Jahr, und zwar von Weihnachten dieses Jahres an, zu verpflichten, und verlangt ein jeder von ihnen bei gewissenhafter, treulicher Arbeit, für diese Zeit die Summe von 1,500 reichsthaler außerdem das Reisegeld von Heidelberg hieher für jeden besonders, endlich wo möglich freies Logis und Feuerung. In Rücksicht der Bedingungen, auf welche man sich nach diesem Antrage mit den Herrn einlaßen koennte, kamen die Mitglieder der Commission, in einer deshalb am 5ten dieses gehaltenen Sitzung dahin überein: daß bei der wahrhaft | 2 dringenden Noth um eine groeßere Anzahl zuverläßiger Restauratoren bei der Ueberzeugung, daß diese beiden zu den geschicktesten jetzt lebenden gehoeren, man ihnen demnach sogleich Hauptbilder der Sammlung anvertrauen koennte, in der Erwägung endlich, daß durch dieselben eine förmliche Werkstatt für Restauration zu gründen und zu dirigiren wäre, als dem einzigen Mittel, um bei der großen Anzahl von Gemaelden zum erwünschten Ziel zu gelangen, man ihnen: a) Die Forderung von 1500 reichsthalern für die Person, welches also für beide die Summe von 3000 reichsthaler machen würde, b) jedem zu der Reise von Heidelberg 150 reichsthaler also beiden die Summe von 300 reichsthalern zugestehen koenne. c) Wie ihnen ferner ein für ihre Arbeiten hinlänglich geräumiges Local anzuweisen und zu heitzen sei. Zu welchem Behuf der Geheime Ober Bau Rath Schinckel bis Weihnachten mehrere Zimmer in dem obersten Stock des jetzt umgebauten Flügels im Akademiegebäude in Bereitschaft stellen würde.

Gegen diese Leistungen von unserer Seite wären die Herrn zu folgendem zu verpflichten. a) Das Material zu ihren Restaurationen aus ihren Mitteln zu bestreiten. b) für ihr Privatquartier und Heitzung desselben ebenfalls zu sorgen c) für ihre Rückreise nach Heidelberg sich durch oben bewil- | 3ligte 300 reichsthaler zugleich entschädigt anzusehen. d) Andere Restauratoren unter ihrer Aufsicht arbeiten zu lassen, so wie auch junge Leute anzuleiten, theils die nöthigen Vorarbeiten zu machen, theils selbst minder bedeutende Sachen zu restauriren, um so den Gang des Geschäfts zu beschleunigen, und eine Schule für Restauration zu bilden.

Indem die Commission Vorstehendes einem hohen Ministerio zur Beurtheilung übergiebt, erlaubt sich dieselbe die ganz gehorsamste Bitte um eine baldige Befoerderung desselben, da, auch abgesehen, wie sehr wir jener Leute bedürfen, und wie auch sie einer beschleunigten Antwort entgegen sehen, um ihre Maaßregeln danach zu nehmen, Herr Schlesinger, der ausgezeichneteste von beiden, von mehreren Seiten, namentlich auch von Dresden aus, zu ähnlicher Beschäftigung dringend verlangt wird, so daß derselbe bei längerer Zoegerung sich leicht entschließen könnte, einer solchen anderen Einladung Folge zu leisten, wodurch wir dann einen für das Beste unserer Sammlung kaum zu ersetzenden Verlust erleiden würden.

Berlin den 7ten October 1823.

[gez.] Schinkel. [gez.] Hirt