An / Herrn Hofrath und Ritter / Hirt / Wohlgebohren / in / Berlin

Tegel den 20 Mai 1829

Des Königs Majestät haben geruhet, mir ganz unerwartet die Leitung einer für die Einrichtung des Museums ernannten Commission zu übertragen. Diese Bestimmung überraschte mich um so mehr, als ich von dem bisherigen Gange dieser Angelegenheit nicht die mindeste genauere Kenntniß hatte, und als, wie ich wohl hinzusetzen kann, ich grade jetzt, mehr als je, in der Stimmung bin, Freiheit von allen Geschäften angelegentlichst zu wünschen.

Es wird mir gesagt, daß einige Papiere oder Aktenstücke welche zu dem Geschäfts- | 2kreis meiner Commission gehören, vermuthlich noch sich in Ew pp Händen befinden. Es wird mir unter denselben besonders eine Verfügung nahmhaft gemacht, welche sich auf die von des Königs Majestät ertheilte Befugniß bezieht, Bilder aus den königlichen Schlössern dem Museum einzuverleiben. Ich sehe mich hierdurch veranlaßt, Ew pp ergebenst zu befragen, ob Sie vielleicht diese Papiere, wenn sie sich bei Ihnen befanden, schon an die Registratur des Herrn Ministers von Altenstein Excellenz abgegeben haben? oder wenn dies nicht | 3 der Fall sein sollte Ihnen anheim zu stellen, mir dieselben zu überschicken.

Ich freue mich ungemein, zugleich diese Gelegenheit benutzen zu können, um Ew pp die Versicherung meiner ausgezeichnetesten Hochachtung und Freundschaftlichsten Ergebenheit zu erneuern.

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[Im Aktenkonvolut I. HA, Rep. 137 Generaldirektion der Staatlichen Museen II D Nr. 6, Bd. 1, Bl. 43r-44r, befindet sich ein nicht gezeichnetes Konzept von Schreiberhand an den König vom 25. Mai 1829. Es enthält einen Bericht über den vorgefundenen Stand der Museumsarbeiten und ist vermutlich von Humboldt kurz nach seinem Antritt als Leiter der Museumskommission verfasst. Hirt wird darin nicht erwähnt:]

An / des Koenigs Majestät.

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König, / Allergnädigster König u. Herr,

Euer Koeniglichen Majestät wage ich in Betreff der von Allerhoechstdenselben für die Einrichtung des Museums bestellten Commission ehrfurchtsvoll nachfolgenden Bericht zu erstatten.
Ich habe das Geschäft der Auswahl der Gemaelde und Sculpturen, welche sich für das Museum eignen, durch die einsichtsvolle Sorgfalt des Geheimen Ober Bauraths Schinkel[,] des Professors Wach und des Doctors Waagen dergestalt vorbereitet gefunden, daß dasselbe in kurzem wird zu Ende gebracht werden koennen.
Die Restauration der größesten Anzahl der Bilder ist geschehen, es werden am Ende des Jahres nur wenige zu restauriren übrig bleiben, an welchen die Arbeit wird im Gebäude des Museums selbst vorgenommen werden koennen, und es wird hoffentlich möglich sein, das dabei angestellte Personal schon früher zu vermindern.
Die Anfertigung neuer Rahmen und die Herstellung der beibehaltenen alten ist so weit gediehen, daß davon kein Aufenthalt bei der Aufstellung, welche im August dieses Jahres wird beginnen koennen, zu befürchten ist.
Nur für einen Gegenstand ist bisher noch durchaus nichts // geschehen, und ich sehe mich daher veranlaßt, mir darüber Euer Koeniglichen Majestät Allerhoechste Entscheidung allerunterthänigst zu erbitten. Es ist dies nämlich die Anfertigung der Fußgestelle für die Statuen und Büsten.
Es scheint der Commission nothwendig, marmorne Bildwerke auch auf marmorne Fußgestelle zu setzen. Hoelzerne würden gleichfalls eine bedeutende Ausgabe verursachen, und dabei doch von geringer Dauer sein. Fußgestelle von Stuckmarmor würden nur eine geringe Ersparung ergeben, und so wie hölzernen, häufigen Reparaturen ausgesetzt sein. Dies würde fortlaufende Kosten veranlaßen, und es ist dabei noch außerdem zu bemerken, daß antike, großentheils vielfach restaurirte Bildwerke sich nicht oft, ohne zu besorgende Beschaedigung, von einem Postamente auf ein anderes bringen laßen. Indem aber die Commission geglaubt hat, hiervon ausgehen zu müssen, hat sie sich an die wohlfeilste Marmorart, welche hier zu beschaffen ist, gehalten, und bringt schlesischen Grosskunzendorffer Marmor in Vorschlag. Die Fußgestelle in diesem ausführen zu laßen, gewährt noch den Vortheil, daß die angenehme graue Farbe desselben besonders gut zu dem Tone der antiken Bildwerke stimmt.
Das verschiedene Verhältniß der Bildwrke erfordert verschiedene Größe der Fußgestelle, und wir haben daher zum Ueberschlage drei Dimensionen angenommen, welche Euer Koeniglichen Majestät in den beifolgenden drei Zeichnungen A. B. C. dar-//gestellt zu finden geruhen werden. Die Formen sind so einfach gewählt, als es diese Gegenstände nur irgend zulaßen, und es ist daher nach den mit den besten hiesigen Steinmetzmeistern genommenen Besprechungen der Preis dahin ausgemittelt worden, daß ein Fußgestell der kleinern Gattung für Büsten auf dem Blatte A. 56 reichsthaler, der mittleren Gattung auf dem Blatte B. 70 reichsthaler und der groeßeren Gattung auf dem Blatte C. 115 reichsthaler kosten würde. Bei diesen Preisen ist zugleich darauf Rücksicht genommen, daß keine Nachforderungen gemacht werden dürfen, wenn auch, wie es nicht selten der Fall sein wird, die Größe eines Fußgestelles über die bei der Gattung, zu der es gehört, angenommene Dimension hinausgeht.
Ich wage es daher bei Euer Koeniglichen Majestät ehrfurchtsvoll darauf anzutragen:
mich Allergnädigst zu autorisiren, die für die Bildwerke des Museums nothwendigen Fußgestelle auf die hier in Vorschlag gebrachte Art und für die hier angegebene Preise anfertigen zu laßen.
Diese Anfertigung erfordert zwar bedeutende und lange Vorbereitungen in den Steinbrüchen von Grosskunzendorff, wird aber dennoch, wofern nur die Bestellung durch die Commission im Anfange des nächsten Monats geschehen kann, bis zum Anfange des kommenden Sommers ohnfehlbar vollendet sein.
Ich ersterbe in tiefster Ehrfurcht
Berlin den 29.ten Mai 1829.