An ein hohes Departement / des öffentlichen Unterrichtes [mit Siegel]

Nach dem Befehle zu urtheilen, den ich so eben von Seite eines hohen Departements für den öffentlichen Unterricht erhalten: "daß ich die Zöglinge der Kunstakademie unentgeltlich zu dem Privatcollegium, das ich diesen Winter zu lesen gesonnen bin, zulaßen soll:" scheint es nicht, daß Hochdasselbe weder von meinen Verpflichtungen, noch von der Einrichtung meiner Vorlesungen gehörig unterrichtet worden sey.

Was erstlich meine Verpflichtungen betrift, so habe ich bey meiner Anstellung in Berlin, nebst meinen Arbeiten für die Akademie der Wißenschaften, zugleich übernommen, jeden Winter Vorträge nach meiner Wahl über irgend einen Gegenstand der Kunstarchaeologie an der Kunstakademie zu halten, woran Künstler, Kunstzöglinge und Freunde der Kunst frey Antheil nehmen könnten. -

Zweytens in Rücksicht der Einrichtung meiner Vorträge beobachtete ich von jeher die Ordnung, daß ich abwechselnd den einen Winter irgend einen Gegenstand der bildenden Künste, das ist: bald die Theorie der bildenden Künste, bald die Geschichte derselben bey den Alten, bald die Geschichte der Denkmäler, bald die Kunstgeschichte des Mittelalters und der neuern Zeit: - und dann den andern Winter irgend einen Gegenstand der Baukunst, das ist: bald die Theorie, bald die Geschichte der Construction, bald die Geschichte der Gebäude bey den Alten, bald die Geschichte der Baukunst des Mittelalters und der neuern Zeit: vortrug. Auf diese Weise und durch diese Abwechslung suchte ich sowohl den Baukünstlern, als den bildenden Künstlern durch meine Vorlesungen nüzlich zu werden. -

Als ich nun im vorigen Jahre zur Universität übertrat, übernahm ich gerade dieselben Verpflichtungen, die ich vorher hatte - nicht mehr und nicht weniger - wie dies die Akten bey einer hohen Section vollkommen ausweisen müßen. Hiernach blieb ich bey der Ordnung, jeden Winter abwechselnd ein öffentliches | 2 Collegium über die bildende[!] Künste, und dann über die Baukunst wie vorher zu lesen. Da ich nun dem gemäß verfloßenen Winter einen Gegenstand der bildenden Kunst abhandelte, so habe ich iezt für diesen Winter ein öffentliches Collegium für die Baukunst angekündigt. - Soviel über meine übernommene Verpflichtung, und über die bisher gehaltene Ordnung meiner Lehrvorträge.

Als öffentlicher Lehrer der Universität übernahm ich nun auch Privatvorträge zu halten gegen ein bestimmtes Honorarium, wie jeder andere Professor thut, und dies wird um so natürlicher scheinen, da ich mich durch den Übertritt zur Universität auch nicht um einen Groschen verbeßerte und ein solches auch nie nachsuchte. - Wenn ich also nebst meinem öffentlichen Pflichtcollegium noch andere Vorlesungen ankündige, die ich privatim lesen will, wie können die Zuhörer, sie mögen seyn, wer sie wollen fordern, und sogar durch die Autorität einer höhern Behörde fordern, daß ich sie frey und unentgeltlich zulaße. Wer mich hiezu zwingen könnte, würde mich ja dadurch nur verleiten, kein Privatcollegium anzukündigen. Überhaupt welcher Professor der Universität könnte es sich gefallen laßen, von seinen Zuhörern ähnliche Vorschriften anzunehmen? -

Übrigens darf ich wohl sagen, daß in Rücksicht des zu leistenden Honorarium vielleicht keiner meiner Collegen liberaler denkt, wie ich. Wahrlich bin ich weit entfernt, mir durch das Privatcollegium einen Gewinn zu machen und ich habe mich gegen den academischen Senat deutlich genug erklärt, daß ich jedem Zuhörer, und besonders den Zöglingen der Kunstakademie, das Honorarium gern erlaßen würde, wenn die Umstände sie irgend in Abtragung desselben hinderten. Aber ich bin es der gebotenen Ordnung der Universität, und meinen übrigen Collegen schuldig, daß ich strenge darauf halte, daß sich jeder zuvor bey dem Quaestor melde, und dann auf das Signum vom Quaestor erst eine Einlaßkarte, sey es des bezahlten Honorariums wegen, sey es Gratis, von mir erhalte. | 3

Nach dieser lautern und richtigen Information darf ich nicht zweifeln, daß ein hohes Departement gern geneigt seyn werde, in Hinsicht der in Klage schwebenden Sache das Gerechte zu verfügen.

Berlin den 20ten October 1811.

Der Hofrath u. Professor Hirt.