Der Zuschrift des hochlöblichen In lateinischer SchriftDirectorii der königlichen Akademie der Wißenschaften gemäß - das vom 21ten datirt ist, und ich den 24ten Mittags erhielt - Siehe dazu die grundlegende Arbeit von Bénédicte Savoy: Kunstraub. Napoleons Konfiszierungen in Deutschland und die europäischen Folgen. Mit einem Katalog der Kunstwerke aus deutschen Sammlungen im Musée Napoléon. Wien, Köln, Weimar 2011. - Weiterhin die zeitgenössischen Verzeichnisse: "Verzeichnis von den Kunstsachen, Münzen, Büchern und anderen Merkwürdigkeiten, welche in dem Kriege 1806-1807 durch die Franzosen aus unserem Lande genommen wurden"; handschriftlicher Bericht von Fr. Rabe, 12. Februar 1814. Berlin, Akademie der Künste, Historisches Archiv. - Verzeichnis von Gemälden und Kunstwerken, welche durch die Tapferkeit der vaterländischen Truppen wieder erobert worden und auf Verfügung eines Hohen Ministerii des Innern in den Sälen der Königl. akademie der Künste zu Gunsten der verwundeten Krieges des Vaterlandes ... öffentlich ausgestellt sind. Berlin 1815. - "Verzeichnis des objets d'art et de curiosité enlevés du Palais de Roi de Prusse à Berlin par ordre de S. M. l'Empereur pour être transportés à Paris, Potsdam, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Akte des Kgl. Hof- bzw. Obermarschallamtes n° 151, fol. 45-51.
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die von den Franzosen weggeführten Kunstsachen
betreffend - traten H. In lateinischer SchriftHenry, und ich sogleich zusammen, um das Benöthigte zu überlegen, und zu verabreden. - Der Eile wegen kamen wir überein, daß jeder für sich seinen Bericht - doch auf einer gemeinsamen Base - erstatten würde.

Mein Gutachten besteht im folgenden:

"Da Kunstmonumente keinen bestimmten Werth haben, sondern dabey alles auf Meinung, Liebhaberey, u. besondere Kenntniß ankomt; so bleibt es ganz unmöglich, das verhältniß ihres Werthes zu einer bestimmten Geldsumme festzusezen. Ein Stück, das in den Händen des Nicht-kenners heute kaum einige Thaler werth ist, kann morgen in den Händen eines andern den Werth von Tausenden erhalten. Aber auch dann wenn der innere Werth des Monumentes erkannt ist, so bleibt doch sein äußerer immer relativ. Indeßen um doch obenhin eine art Schäzung nach Geldeswerth zu geben; so erachte ich den Verlust an weggenommenen Antiken aus der Kunstkammer allein: als an In lateinischer SchriftMarmor, In lateinischer SchriftBronze, gebrannten Erden, In lateinischer SchriftGemmen und Münzen - auf die Summe von fünf und vierzig bis fünfzig tausend Reichsthaler. (über andere Gegenstände, die nicht zu dem Fache meines Studiums gehören, wird Herr In lateinischer SchriftHenry das Nähere angeben)

So viel zur Beantwortung deßen, wozu mich ein hochlöbliches In lateinischer SchriftDirectorium aufforderte.

Zugleich bitte ich hochdasselbe mir zu erlauben, einige Bemerkungen beyfügen zu dürfen, welche vielleicht als Fingerzeige dienen können, um irgend einen möglichen Ersaz für das Verlorene zu erhalten.

1mo bin ich der Meinung, daß alle Versuche vergeblich | 2 seyn würden, wenn man sich schmeichelte, irgend etwas von dem Weggenommenen wieder zu erhalten.

2do und ganz derselben Meinung bin ich, wenn man auf die unglückliche Idee verfiele, für einen solchen Verlust eine Art von Geldersaz zu fordern. Eine Anforderung dieser Art würde nicht bloß ganz unnüz und fruchtlos seyn, sondern auch der Gesellschaft, wie die Akademie ist, wenig Ehre machen. Es giebt gewiße Dinge (und unter diese gehören gerade die weggenommenen Kunstschäze) die durch kein Geld zu ersezen sind.

3io Wenn sich deßen ungeachtet die Akademie darauf einlaßen will, einen Schadenersaz für den Verlust ihrer Kunstschäze zu fordern; so kann diese Forderung einzig u. allein dahin gehen, sich dadurch wieder ähnliche In lateinischer SchriftSubsidia für ihre Studien zu verschaffen, wie diejenigen waren, welche das französische Gouvernement für gut fand, ihr wegzunehmen.

4to Diese können aber meines Erachtens keine andern seyn, als die Abgüße, und Abdrücke in Gyps und Schwefel von allen alterthümlichen Gegenständen des In lateinischer SchriftMuseum Napoleon - sowohl in In lateinischer SchriftMarmor, als in Klein- und Groß-In lateinischer SchriftBronze, gebrannten Erden, In lateinischer SchriftGemmen und Münzen.

5to Der Besiz von solchen Abgüßen u. Abdrücken würde für die königlichen Akademien der Wißenschaften, und der Künste, so wie für das ganze Land, von unendlichem Werth, und Nuzen seyn. Man könnte durch diesen Ersaz leicht den gehabten Verlust verschmerzen, denn die In lateinischer SchriftSubsidien zum allseitigen Studium würden sich dadurch eher vermehrt, als verringert haben.

6o Eine solche Anforderung von In lateinischer SchriftSubsidien als Ersaz für das verlorene, würde nebst seiner | 3 höchsten Zweckmäßigkeit, däucht mich, auch allein ehrenvoll, und eines In lateinischer SchriftInsitutes, wie die Akademie ist, würdig seyn. - Und

7mo wenn es irgend denkbar ist, daß sich die Franzosen gefallen ließen, einen Ersaz zu geben, so dürfte der Vorgeschlagene der einzige seyn, wobey man sich eines glücklichen Erfolges schmeicheln dürfte. Denn erstlich kostet er sie nichts - weil selbst das Geld, das der Kaiser für solche Abgüße und Abdrücke zu bezahlen hätte, in Frankreich bliebe, und das In lateinischer SchriftMuseum dadurch selbst im Auslande an In lateinischer SchriftCelebrität gewänne. Zweytens dürfte ein solches Verlangen auch einzig u. allein die Ruhmbegierde der Nation und ihres In lateinischer SchriftChef's kitzeln. - Kurz die königlichen Akademien würden dadurch unendlich an In lateinischer SchriftSubsidien für ihre Studien gewinnen; und man würde den Franzosen allein auf der Seite beykommen, wo man vernünftige Hoffnung haben könnte, etwas zu erhalten.

8vo Diese In lateinischer SchriftPetition müßte aber nicht von der Akademie der Wißenschaften allein, sondern gemeinschaftlich mit der Kunstakademie geschehen. Dieß gieng nun in gegenwärtiger Lage um so leichter an, da der In lateinischer SchriftPresident der ImmediatCommission In lateinischer SchriftSack zugleich auch die In lateinischer SchriftVices von dem In lateinischer SchriftCuratorium der Kunstakademie verwaltet, und folglich um so lieber und kräftiger in die Sache eingreiffen würde.

9o Könnte auf diesem Wege etwas von dem französischen In lateinischer SchriftGouvernement erhandelt werden, so würde es nöthig seyn, einen Sachverständigen als In lateinischer SchriftCommissionär von Seiten beyder Akademien nach In lateinischer SchriftParis zu senden; erstlich um die abzuformenden Gegenstände jeder Art zu bezeichnen, | 4 zweytens die Arbeit zu betreiben, und über die Güte der zu machenden Abgüße zu wachen, u. drittens die allmählige Einpackung und Absendung zu befördern.

Diese Winke einem hochlöblichen In lateinischer SchriftDirectorio zu geben, habe ich als meine Schuldigkeit erachtet. Zugleich füge ich noch die Bitte bey, diesen Aufsaz auch an den Herrn Geheimen FinanzRath In lateinischer SchriftSack als In lateinischer SchriftVicecurator der Kunstakademie gelangen zu laßen.

In lateinischer SchriftBerlin den 25ten In lateinischer SchriftAug. 1807.

Hirt

Schreiben Henrys an das Direktorium der Akademie der Wissenschaften, Berlin, 25. August 1807:

In Gemäßheit der von dem Königlichen Directorium der Wißenschaften erhaltnen Ordre vom 21. Aug. welche mir gestern den 24. zugekommen, habe ich sogleich mit Herrn HofRath Hirt, über den mir gegebenen Auftrag berathschlaget. Wir sind zwar einstimmig der Meynung, daß es eigentlich unmöglich ist Kunst Sachen die einzig in Ihrer Art sind, zu taxiren, und nach Geldes Werth zu schätzen, was unschätzbar ist, und wofür man jeden beliebigen Preiß fordern kann. Indessen um einigermaßen dem erhaltenen Auftrage Genüge zu leisten, sind Wir, nach genauer Durchsicht des Verzeichnißes der entführten Schätze, übereingekommen, den Verlust wenigstens auf 50000 reichstaler zu schätzen. Die Special-Schätzung kann ohngefähr folgendermaßen angegeben werden:
1o Samlung der Statuen, Busten, Bas-Reliefs in Marmor und in Terra Cotta (unter welchen ganz unschätzbare Sachen, als das Bas-Relief des Jupiter in einer Schmiede, Wohl die Statue eines jungen Faun, der einen Lederschlauch schultert, aus der Kunstkammer.
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der Faun
, Vermutlich das mit verschiedenen Farben kolorierte Relief "Antefix mit Kopf der Juno Sospita", gebrannter bemalter Ton, H: 29 cm, B: 21,9 cm.
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die Juno Lanuvina
, die Lampen etc 9 - 10,000 reichstaler
2o Die Bronzen und Anticaglien, nebst den Ægyptischen höchst seltenen oder einzigen antiken als die Möglicherweise die im Verzeichnis Kunstkammer (siehe unten zu 6.) unter den ägyptischen Objekten verzeichnete "un buste d'Isis" "en basalte".
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Isis Masque
2 - 2500 reichstaler
3o An 500 Camies, obgleich bis auf 2 - 3, moderne, doch das Stück 1 oder 2 Dukaten an Werth, und den große Antike von
sehr hohen Werth 2 - 2500 reichstaler
4o Eine vollständige Suite von Römischen Münzen in Bronze an 6700 St. als Suite wenigstens 7 - 8000 reichstaler
Andere Münzen 300 moderne von Kupfer vergoldet nebst eine große Spanische von Gold 400 reichstaler
1280 kleine brandenburgische Münzen von Pfennig bis zum Gulden, von den ältesten Zeiten bis hieher 200 reichstaler
die große Bracteaten Samlung 4 - 5000 reichstaler
5. Die Bernstein-Samlung, in welcher wenigstens 8 St. die nicht weniger als 1000 reichstaler können gekostet haben:
in allen 30 St. 10 - 11000 reichstaler
4 St. rohen Bernstein, unter welchen das größte von einem Kenner, zu wenigstens 200 Dukaten ist geschätzt worden 1000
___________________________
40600 reichstaler | 2
6. 21 KunstSachen in Elfenbein, unter welchen Im Verzeichnis der im November 1806 durch Denon beschlagnahmten Kunstobjekte aus der Kunstkammer ("Inventaire des objets d'art et de curiosité enlevées du Palais du Roi de Prusse à Berlin par ordre de S. M. l'Empereur pour être transportés à Paris") ist unter "Objets en Ivoire sculpté" aufgeführt: "2. un grand Willkommen avec son couvercle, monté en argent doré composé d'un seul morceau d'ivoire avec sculpture, représentant une reine qui couronne un héros et autour une scène bachique". - Weitere "Willkommen" sind unter Nr. 5 und 6 verzeichnet.
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die großen Willkommen
2000 reichstaler
7. Chinesische AußerEuropäische Kleidungen, Waffen, von des Königs Majestät gekauft zu 1200 reichstaler
Ein außerordentlich großer Nephrit, 12 Zoll im DurchMeßer auf welchen Alt-Indische Gottheiten sculpirt 400 reichstaler
8. In Denons Verzeichnis vom 5. April 1807 über die im November 1806 aus der Kunstkammer beschlagnahmten Objekte ist aufgeführt: "la Suisse en relief en 5 parties. NB. Le grand Relief en quatre parties, et un Relief du Mont St Gothard et des environs, d'après une plus grande echelle, que celle du grand morceau" (zitiert nach: Savoy 2011).- Das von Joachim Eugen Müller geschaffene topographische Relief der Schweizer Alpen war eines der größten Ausstellungsstücke in der Kunstkammer und dominierte den Raum. Jean Henry beschreibt es in seinem "Allgemeinen Verzeichniss des Königlichen Kunst-, Naturhistorischen und Antiken-Museums" (Berlin 1805): "Topographisches Relief (8 Fuß lang und 7 Fuß breit) eines Theils der Schweiz, nämlich der vier kleinen Kantone und der angränzenden, auf welchem alle Städte, Dörfer, Häuser, Wälder, Straßen, Flüsse, Seen und die Gebirge in ihrer wahren Form nach der Natur vorgestellt sind. Von den Gletschern sieht man die Glariden, den Rhein-Gletscher, den Titlis, den Rhone-Gletscher, den Gotthard. Der höchste Berg auf diesem Relief ist der Galenstock im Rhone-Gletscher, welcher 9930 Fuß über den Vierwaldstädter See erhoben ist. Die Französische Lieue ist auf 4½ Zoll reducirt. Dieses Relief, welches aus einer Composition besteht, ist, wie das Pfyffersche, von Ingenieur Eugen Müller in Lucern verfertiget. Es ist vielumfassender als das letztere, aber in einem kleinern Maßstabe. Seine Majestät der König hat es für 10.000 Thaler in Golde angekauft" (S. 15, zitiert nach: Eva Dolezel: Der Traum vom Museum. Die Kunstkammer im Berliner Schloss um 1800 - eine museumsgeschichtliche Verortung. Berlin 2019, S. 162; Weiteres siehe ebd., S. 162 ff.).
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Das Relief der Schweiz
, nebst des kleinern in größeren Maßstab, von des Königs Majestät gekauft à 12000 reichstaler
9. Die Nach Bénédicte Savoy, Kunstraub, Kat. 278, "schwer mit Sicherheit zu identifizieren". Sie zieht eine Marmorbüste von Jean-Pierre-Antoine Tassaert, um 1775(?), vormals Potsdam, preußische Schlösser und Gärten [GK III 1153] in Erwägung wie auch eine Marmorbüste von Johann Christoph Döbel, vormals Berlin, Staatliche Museen, heute verschollen. Für letztere spricht die Beschreibung von Franz Kugler: "eine lebensgroße Marmorbüste. [...] Sie ist zwischen den Jahren 1705 und 1709 auf die Kunstkammer gekommen und rührt vermutlich von der Hand des damaligen Hofbildhauers Joh. Christoph Döbel her" ("Beschreibung der königl. Kunstkammer zu Berlin, Berlin 1938, S. 251, Nr. 397) (nach: Savoy, Ausstellungskatalog, a.a.O., S.152).
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Busten Friedrich-Wilhelms des Großen
, Bénédicte Savoy, Kunstraub, Kat. 276: "Den Beschlagnahmungsverzeichnissen folgend wurden zwei Büsten von Friedrich dem Großen anlässlich der Kampagne von 1806-1807 in Berlin konfisziert. Eine in der Kunstkammer des Berliner Schlosses [...] 'Eine Büste Friedrichs II. von weißem Marmor von [Jean-Pierre-Antoine] Tassaert'. Die andere in den 'petits appartements' des Berliner Schlosses [...] 'Eine Büste Friedrichs II., von [Christian Friedrich Heinrich] Bettkober ausgeführt in weißem Marmor'."
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Friedrichs des Großen
, das In Denons Verzeichnis vom 5. April 1807 über die im November 1806 aus der Kunstkammer beschlagnahmten Objekte ist das Bronzemodell des Reiterstandbildes des Großen Kurfürsten aufgeführt: "la petite modèle en bronze du monument représentant la statue équestre du grand electeur placée sur le pont de Berlin" (zitiert nach: Savoy 2011).
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Modell der Statue équestre
1500 reichstaler
10. Der Schaden an den ruinirten Toiletten, von welchen alle Edelsteine und Cameen abgebrochen - wenigstens 1500 reichstaler
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68,800 reichstaler

Nach meiner Ueberzeugung ist hier keine Ueberschätzung, und Ein Königliches Directorium könnte noch nöthigenfalls die Meynungen der Herren Sestini und Uhden, die den Werth der verlohrnen Sachen kennen, einhohlen. Durch eine Entschädigung in Gelde, würde zwar der eigentliche Verlust nicht ersetzt werden; doch könnte man mit dieser Summe in der Folge wieder ähnliche Samlungen allmählich anschaffen, und in so fern ist es gewiß der Wunsch jedes Patrioten daß die preiswürdigen Bemühungen des Königlichen Directoriums glücken mögen.

Wenn aber auch, wie leider! zu fürchten ist, die Immediat-Commission nichts ausrichten und erhalten sollte, so könnte dennoch die abschlägige Antwort Selbst dem Königlichen Directorium Anlaß geben, noch einen directen Versuch zu wagen, die Kunst Sachen Selbst, wenigstens zum Theil wieder zu erhalten. Der Kayser hat solche nur als Königliches Eigenthum in Beschlag genommen. Es käme also nur darauf an, daß man bey jetziger Herstellung der Freundschaftlichen Verhältniße, Mittel fände durch unsere Gesandschaft dem | 3 Kayser vorzustellen und begreiflich zu machen, daß diese Samlungen Eigenthum der Academie seyen, daß die Anstalt eine oeffentliche, nationale ist, welcher der König Seine Kostbarkeiten geschenkt hat, die aber von der Academie unterhalten und bereichert wird, und dessen Vorsteher verpflichtet ist den Studirenden Anweisung in der Numismatik und Archæologie zu geben; daß der König der Anstalt schon ein größeres Locale und die Antike Statuen Seiner Schlößer versprochen hatte: daß jetzt die Academie aller Bildungs-Mittel beraubt sey, wenn der Kayser Sich nicht gegen Berlin, eben so großmüthig beweißt als gegen Wien, wo alle KunstSamlungen unversehrt geblieben sind; daß bey der Armuth an Kunst-Sachen in Nord Deutschland und Preußen, der Verlust für die Künste und die Wißenschaften, nicht zu berechnen wäre etc. Es wäre doch möglich daß eine solche Vorstellung, wenn sie gehörig unterstützt würde, wirksam würde.

Sollte sie aber keinen Eingang finden, dann erst könnte, nach meiner ohnmaßgeblichen Meynung, der Vorschlag des Herrn HofRath Hirt, noch auszuführen seyn, nehmlich den Kayser zu ersuchen, als Entschädigung, der Academie die Abdrucke aller Münzen und Steine, und die Abgüße der besten Statuen des Musée Napoleon zu schenken. Diese Abdrücke und Abgüße würden zwar sehr nützlich seyn, wären aber doch nur eine armselige Entschädigung gegen die Originale, und wären auch gewiß, bey Erweiterung der Anstalt, von dem Könige oder einer der beyden Academien angeschaft worden, da man solche sämtlich für 6 - 7000 reichstaler haben kann.
Henry
Berlin den 25 Aug. 1807.

Darunter folgt das Votum von Castillon:
Nach reiflicher Uberlegung gestehe ich daß ich der Meynung des Hn. Hofrats Hirt bin, und daß ich es für weit anständiger halte auf die Abdrücke aller Münzen(?) u.s.w. als Entschädigung zu dringen; überdies kömmt es mir auch vor als ob wir dieses gewiß erhalten würden, dahingegen ich glaube | 4 daß wir die Geldentschädigung nicht hoffen dürfen. Ich würde also das Anschreiben ändern, nur bloß im Vorbeygehn den Werth von 50,000 reichstaler für die uns weggenommenen Sachen mit dem Beyfügen daß ihr Werth im Eigentlichen nicht zu bestimmen sey, bemerken, und dann die erwähnte Entschädigung vorschlagen. Ob wir aber hierinn gemeinschaftliche Sache mit der Kunst Academie machen müssen weiß ich nicht, denn diese hat im eigentlichen mit der ganzen Sache nichts zu thun; nicht ihr sondern der Academie der Wissenschaften sind die Sache[n] entwendet worden nicht erstere also sondern nur zweytere kann um Entschädigung anhalten. Ich glaube also daß wir vor der Hand nur die Entschädigung im Nahmen der Academie der Wissenschaften fordern müssen. Sollte vielleicht der President der Imediat Comission Sack auch als Vicepresident der Kunstacademie uns vorschlagen diese hinzuzuziehen(?), so wäre es eine andere Sache. vCastillon den 26ten August.
Mit Vermerk darunter: Cell do(?)[dito?] / Gerhard / 26

Schreiben von Frentzel an das Direktorium, Berlin, 27. August 1807 (Bl. 22r; mit Vermerk Castillons alR von Bl. 22r-v):
Einem Hochlöblichen Directorio übersende ich das Concept des Schreibens an Hn: Sack mit der nach Hrn: Hirt vorgeschlagenen Abänderung, und erlaube mir vier Bemerkung, weshalb ich zugleich um Entschuldigung bitte.
Wenn Hn: Hirt's Meinung angenommen wird, so begiebt sich die Academie dadurch schon an sich ihrer gerechten Anforderung an die Kunst-Sachen, oder an den Ersatz deren Werths. Kann sie dies wohl? u. kann alsdann die zweite Forderung wegen der Kupferplatten, oder der Erstattung deren Werths à 25,000 reichstaler in der Art bleiben? Ist nicht das eine so, wie das andere von gleicher Beschaffenheit? Ich glaube daher, Hn: Henry's Meinung wäre vorzuziehen, u. es bliebe das an Hn: Sack entworfene Schreiben so, wie es jezt ist. Wird die Forderung abgeschlagen u. keine Geldentschädigung bewilliget; so dünkt mich ist es immer noch Zeit, mit der zweiten Forderung hervor zukommen u. dann nach Hn: Hirts Vorschlage zu verfahren, der, meines Erachtens mit nicht wenigen Schwierigkeiten, wenn er wirklich realisiert werden solte, verbunden ist. Und dann - ist man der Genehmigung Seiner Majestät des Königs auch fest versichert?
Es sind noch weit mehrere Gründe, die mir den Vorschlag des Hn: Hirt zu widerrathen scheinen.
Berlin den 27 Aug: 1807.
Frentzel

Dazu der Vermerk Castillons:
Die zweyte Forderung in Ansehung der Kupferplatten ist eine ganz andere Sache; geographische Kupferplatten sind keine Kunstsachen: was aber weiter unten in Ansehung der Genehmigung Seiner Majestät des Königs gesagt wird, paßt aber nicht mehr hieher als bey verschiedenen anderen Gelegenheiten, wo wir wohl gezwungen gewesen zu handeln, ohne zu wissen, ob es werde genehmigt werden. Ich meines theils finde keine Ursache mein Votum zu änderen; sollte aber der Herr Geheime FinanzRat Gerhard ein Bedenken bey | 2 der Sache finden, so könten wir den Comitté zusammen beufen und ihm alsdann die Sache vortragen.
vCastillon
den 27ten