Gnädigster Herr!

Vergangenen Sonntag war in dem königlichen Restaurationlokale das ganze Ober- und Unterhaus versammelt, um über den neuen Ankömmling, Rüdiger van der Weyde, Gericht zu halten.

Erstlich: allgemeiner Beiyfall, und Freude über die herrliche Erscheinung in unsern Mauern.

Zweytens: nähere Untersuchung über den Zustand des Gemäldes. Man fand zwar, daß es in mancherley Rücksicht gelitten habe, doch keinesweges in einem wesentlichen Theile, so daß die vollkommene Heilung und Wiederherstellung keinem Zweifel unterworfen ist. Die Breter müßen sorgsam gefugt und auf eine vollkommnere Weise wiedergesichert werden. Die Farben haben sich an mehrern Stellen gehoben, und erfordern eine sorg- | 2same Niederlegung. Manche Stellen sind durch eine ungeschickte Hand restaurirt worden; diese müßen wieder abgenommen, und nach Maßgabe des Übels auf's neue gehörig restaurirt werden, so daß das Ganze wieder in sein früheres Leben zurücktritt.

Noch wurde die Frage erörtert: wie viel Zeit zur vollkommenen Wiederherstellung erforderlich seyn würde. Das Resultat fiel dahin aus, daß unter drey bis vier Monate Zeit die vollkommene Herstellung nicht möglich sey. - Da aber unsere Restauratoren Theuere Leute sind, die sich gut bezahlen laßen, so möchten sich leicht die Unkosten auf tausend Rth. und darüber belaufen.

Übrigens ist der allgemeine Wunsch, daß das herrliche Gemälde der großen Sammlung verbliebe, worin es eine wesentliche Lücke in der Claße der niederländischen Meister ausfüllen würde. | 3

Das Gemälde ist nun vor der Hand an einen sichern Ort zurück gestellt worden, weil doch iezt keine Zeit seyn würde, die Restauration sogleich vorzunehmen. Noch ist sehr viel für die königlichen Arbeiten zu thun, und die Commission wird iezt schon von der Militarbehörde gedrängt, so daß zu fürchten steht, neue Störungen möchten eintreten, und die Commission nicht weiß, wo sie mit ihren Schätzen hinflüchten soll.

Der unterthänigste / Berichterstatter A. Hirt

Berlin 17 März / 1829.