An / den Königl. Hofrath Herrn Hirt / Wohlgebohren / hier

Berlin den 12ten Januar 1821

Da die im vorigen Jahre auf Allerhöchsten Befehl durch die Königliche Oberbau-Deputation angeordnete Untersuchung des neu ausgebaueten AcademieGebäudes das Resultat ergeben hatte, daß die Construction(?) desselben manche Bedenken veranlasse, auf welche bey der Belastung des Gebäudes mit KunstGegenständen zwar Rüksicht zu nehmen seyn würde, so habe ich den mir von Er. Wohlgebohren unterm 6ten vorigen Monats vorgelegten Plan zur Aufstellung des Museum's der Kunst, den ich mit vielem Vergnügen empfangen und mit wahrem Interesse geprüft habe, Sr Königlichen Majestät doch nicht vorlegen können, ohne mich zuvor überzeugt zu haben, daß solches mit erforderlicher Sicherheit werde können ausgeführt werden. Ich habe daher dem H. Geheimen Ober Bau Rat Schinckel, welcher das Gebäude damals untersucht hatte, hierüber zum Gutachten aufgefordert, u hat derselbe mir gestern solches in beyfolgender Art erstattet, woraus hervorgehet, daß die von Ihnen vorgeschlagene Aufstellung der MarmorWerke nicht ausführbar ist, und in den dazu angenom- | 2menen Räumen vielleicht nur die Hälfte der dafür bestimmten Statuen und Büsten wird angebracht werden können.

Unter diesen Umständen würde in jedem Falle der Plan eine sehr wesentliche Modification erleiden müssen, indem entweder ein größerer Theil der vorhandenen Räume zur Aufstellung der MarmorWerke bestimmt, oder ein Theil dieser letzteren von der Aufstellung ausgeschloßen werden müßte, wenn es nicht vielleicht auch in Absicht der Gemählde zweckmäßg und überhaupt dem Sinne des Ew. Wohlgebohren nach der Allerhöchsten Cabinets Ordre vom 12ten October vorigen Jahres ertheilten Auftrages angemessen seyn möchte, sich für jetzt nur auf die Auswahl und Benennung der im Museum aufzustellenden Gegenstände zu beschränken, die Art der Aufstellung in dem vorhandenen Locale aber nur im Allgemeinen anzudeuten und dadurch die Nothwendigkeit einer Erweiterung des Baues anschaulich zu machen, auf welche, wenn die Aufstellung vollständig erfolgen | 3 soll, der Plan sogleich mitgerichtet werden müßte. Denn da nach dem Schinckelschen Gutachten soviel gewiß zu seyn scheint, daß in den bis jezt ausgebauten Räumen eine vollständige Aufstellung des dazu vorhandenen nicht möglich ist, so kann auch eine definitive Anordnung des Ganzen jezt wohl noch nicht stattfinden, sondern es dürfte der Plan vorläufig so einzurichten seyn, daß einstweilen nur die ausgezeichnetsten Kunstwerke jeder Art aufgestellt, und succesive, wie es der Raum erlaubt, mit der weitern Aufstellung fortgefahren werde, bis der vollendete Ausbau, im Fall Sr Königliche Majestät denselben zu genehmigen geruhen, hiernächst die Ausführung eines definitiven Planes der Anordnung des Museums's verstatten möchte.

Doch ein solches allmähliges Vorschreiten in der Entwikelung des Ganzen nach einem feststehenden Plane dürfte auch die Schwierigkeiten, welche sich dem Geschäfte in anderer Hinsicht bey einer zu raschen Ausführung entgegenstellen, ordnungsmäßig beseitigt werden können, und es möglich seyn, das Museum, während dasselbe noch im Werden begriffen ist, theilweise bald den Künstlern und dem Publicum | 4 auf geeignete Weise zu öffnen und so die Theilnahme an der Vollendung des allgemeinen Ganzen zu erhöhen.

Sollten Ew. Wohlgebohren hiemit einverstanden seyn, so ersuche ich Sie, mit dem Geheimen OberRegierungsRat Schultz gefälligst näher zu verabreden, wie hiernach der Plan anderweit einzurichten seyn möchte; sonst aber werde ich mich, wenn Sie glauben, daß die von Ihnen vorgeschlagene Aufstellung, ungeachtet der nach dem Gutachten des H. GeheimenOberBauRats Schinckel nothwendig werdenden Abänderung, in dem vorhandenen Locale ausführbar sey, mit Vergnügen Ihren diesfälligen näheren Äusserungen entgegensehen.

Berlin p

Namens Sr Excellenz [gez.] A[ltenstein]