An / des Koeniglichen wirklichen Geheimen Staats / Minister, Minister der Geistlichen / Unterrichts und Medizinal Angelegen-/heiten pp / Herrn Freyherrn von Altenstein / Excellenz.

Gnädiger Herr!

Ich beeile mich bei der frohen Rückkunft Euer Excellenz pflichtmäßigen Bericht über den Fortgang und den Stand der Restauration gehorsamst im Namen der Commission abzustatten.

1) Das eigene Locale für Restauration in der Akademie bewährt sich sehr glücklich, was leider früher fehlte und daher die Gemaelde nicht ohne Schaden außer Haus gegeben werden mußten, wo die Arbeiten willkührlich, langsam, sehr oft übertheuert und selten wahrhaft befriedigend, ja manchmal mit dem Ruin der Bilder geschehen. Es ist daher bei der Commission als Gesetz angenommen worden, in Zukunft keine Gemaelde mehr außer Haus zu geben. Nur jenes Bild welches der flüchtig gewordene Horrack so unge- | 2schickt vom Holze auf Leinewand bringen wollte, und dann dem Restaurator Menschel zur Instandsetzung und Ausbeßerung übergeben ward, ist bis jezt noch außer Haus und noch nicht ganz wieder hergestellt. Es will derselbe, wenn dieses Gemaelde fertig ist, nicht ferner sich mit Restauriren abgeben, sondern für sich arbeiten.

2) Die beiden hieher berufenen Künstler, Schlesinger und Koester bewähren sich durch Kenntniß, Sorgsamkeit und Fleiß. Die sechs Monate, auf die sie engagirt wurden, sind aber bereits abgelaufen, und es muß daher das Weitere mit denenselben verabredet werden. Indessen habe ich dieselben unter denselben Bedingungen fortarbeiten laßen.

Als Gehilfen sind außer dem jungen Mahler Waagen seitdem noch Pelissier aus Hanau u Kromayer aus Trier hinzugekommen, mit deren Sorgsamkeit und Fleiß im Reinigen und Vorbereiten der Bilder, die beiden Meister, unter deren Aufsicht sie ihre Arbeiten machen, zufrieden sind. Sie erhalten bis jezt Diäten | 3 von Einem und Einem halben Thaler des Tages, allerdings nur ein mäßiges Honorar für angestrengte und schwierige Arbeit.

3) Ich habe mich bereits in der ersten Sitzung der Commission für das Koenigliche Museum erklärt: daß die Restauration, theils der antiken Marmor, theils der Gemaelde, ein Gegenstand großer Unkosten sei, und daß eine jährliche Summe von wenigstens 20,000 reichsthaler hiezu erforderlich wäre, jedoch die Zeit der Vollendung der Arbeiten zu bestimmen, wäre nicht gut möglich, weil eine solche Bestimmung an sich unmoeglich sei. Erst jezt bin ich, durch mehrere Erfahrung in Stand gesetzt, diesen Punct etwas näher zu beleuchten.

Die Sammlung unter der Aufsicht der Commission machet nahe an 1,200 Gemälde. Die bis jezt hergestellten Gemaelde belaufen sich ungefähr auf 100 Stücke; unter welchen die jezt fertigen von Schlesinger und Koester zu rechnen sind, deren Zahl sich ungefähr auf 50 Stücke beläuft. Es blieben also noch ungefähr 1,100 Stücke, welche, mehr oder weniger, eine Reinigung, | 4 Ausbeßerung und Befirnißung bedürfen.

Nimmt man nun an (was kaum anzunehmen ist) daß auf dem jezzigen Wege durch Schlesinger und Koester mit ihren drei Gehilfen halbjährig eine gleiche Zahl (Funfzig Stücke) fertig würden; so wären dies zusammen 100 Stück im Jahre.

Es würden demnach von jezt an, noch Eilf Jahre erfordert, zur Herstellung der ganzen Masse, und in diesem Falle dürfte bloß die Haelfte der Bilder zum Aufhängen fertig sein, wenn der Neubau etwa in sechs Jahren bezogen werden sollte.

4) Diesen Umständen gemäß ist es also dringend, auf Mittel einer schleunigeren Restauration zu denken, als sie bisher geführt worden ist. Aber wie die Schwierigkeiten bestehen? - Denn hier kommen nicht bloß die großen hierzu erforderlichen Summen in Anschlag, sondern hauptsächlich die nöthige Anzahl geschickter Restauratoren; ich sage geschickter, denn dies ist erforderlich, wenn die Bilder nicht durch die Restauration selbst zu Grunde gehen sollen. - Aber woher die erprobten Leute hernehmen? Die | 5 Antwort ist wahrlich schwer; denn gute Restauratoren sind seltener als gute Mahler, und um keinen Preis zu finden.

Ich habe also gedacht: daß, so wie man gute Gehilfen anziehet, auch gute Restauratoren angezogen werden müßen. Aber hierzu koennen nur bereits geschickte Mahler genommen werden. Aber wo sind diese geschickten Mahler zu finden, welche sich freiwillig gleichsam in die Schule der Restauration - unter Schlesinger und Koester - begeben, um unter denenselben das Practische der Restauration sich anzueignen, und gleichsam unter der Aufsicht der erfahrnen Meister in diesem Fache zu arbeiten? - Diese Sache hat um so mehr Schwierigkeit, da natürlich Schlesinger und Koester scheu sind, jeden anderen Künstler neben und unter sich arbeiten zu laßen, und denselben ihre Vortheile zu zeigen.

Ich habe also versucht, die Sache mit Schlesinger, der zugleich auch ein sehr guter Mensch ist, dahin einzuleiten, daß er auch bereits erfahrnen Künstlern, die Vortheile der Restaura- | 6tion kennen lehren moechte. - und er hat sich auch geneigt hiezu erklärt, in so fern es Männer wären, mit deren Character er sich wohl verständigen koenne und daß unter diesen der Hr: Professor Hummel wäre, mit dem er gern arbeiten und ihm ohne Vorenthalt alles zeigen würde, wenn er sich zu einem solchen Geschäft entschließen wollte.

Hierauf befragte ich den p Hummel, der sich nicht abgeneigt zeigt, den Versuch zu machen, nämlich sich vorläufig auf sechs Monate zu engagiren, und sich selbst für solche Arbeiten, zu denen er Lust hat, zu prüfen. Da er aber zwei volle Tage in der Woche mit dem Unterricht in der Akademie beschäftigt ist, kann er nur die fünf anderen Tage sich hierzu widmen, und hierfür verlangt er monatlich den nicht unbilligen Gehalt von 100 reichsthaler. Da ich dies Arrangement als einen großen Gewinn ansehe, so darf ich nicht zweiflen, daß Euer Excellenz approbiren werden, daß der pp Hummel diese Arbeit mit dem Anfange Novembers beginne. | 7

Dies ist um so nöthiger, da der eine Restaurator pp Koester sich schon halb und halb erklärt hat, daß Familiengeschäfte ihn nach Hause riefen, und er nur ab und zu an der Restauration Antheil nehmen koenne, also ungefähr nur 6 oder 7 Monate des Jahres. - Ja er fordert außer dem großen monathlichen Gehalte, der jezt 250 reichsthaler beträgt, noch die Unkosten der jedesmaligen Hin und Herreise.

Ich bin also Euer Excellenz eine nähere Relation über unsere beiden Restauratoren schuldig.

In Hinsicht des p Koesters gehet schon aus dem Besagten hervor, daß sich auf ihn wenig zu verlaßen ist, wie viel er das Jahr und wie lang er arbeiten wolle; und dabei spannt er noch seine Forderungen sehr hoch. Ich bin also der Meinung, daß man keine Rechnung auf ihn mache, sondern ihn nach Belieben arbeiten laße, und ihm seine Arbeit monatlich in der Art bezahle, wie er bis jezt bezahlt worden ist, aber daß man ihn im Geringsten nicht für sein Hin und Herreisen entschaedige. | 8 Er ist ein geschickter und braver Arbeiter, aber was hilft es, wenn man nicht bestimmt auf ihn zählen kann? -

Der wesentlichste Mann ist Herr Schlesinger, und er will sich auch auf längere Zeit verbindlich machen, obwohl er es auch nicht gern thut, und ich ihn nicht dahin berden kann, daß er sein Engagement auf fünf Jahre setzen möchte. Gute Behandlung mag ihn indessen uns auf Jahre sichern; doch würde es gut sein, demselben außer seinem jezzigen Gehalt durch eine Remuneration einigermaßen zu binden, welche er zu erhalten hätte, wenn er durch eine Zeit von fünf Jahren gearbeitet, und wie jezt dem Restaurations-Wesen vorgestanden hätte. Er würde gleichsam der Director unter den Restauratoren sein.

Indessen je mißlicher es ist, gute Arbeiter zu verlieren, und in dem dringenden Unternehmen stecken zu bleiben, desto nothwendiger ist es zu trachten, daß aus unsern ansäßigen Künstlern, gute Restauratoren hervorgehen moegen. - An Hummel, | 9 von dem ich sprach, zweifle ich nicht, nur genießt er nicht jene feste Gesundheit, die vertrauen ließe, daß er ohne Unterbrechen werde arbeiten koennen.

Ich halte es daher aus mehreren Ursachen für dringend, daß irgend noch ein zweiter Künstler zugleich engagirt werde, und wäre es moeglich noch ein dritter; denn, wie ich schon sagte, wir dürfen es nicht verhehlen, daß die Masse der Arbeiten sehr groß ist, wenn man nur den groeßeren Theil der Gemaelde bis zur Zeit ihrer Aufstellung in gehoerigen guten Stand setzen will. - Diese viele und große Arbeit ist mir nie entgangen; aber ich glaubte nicht, daß es so schwierig sein würde, geschickte Restauratoren in gehoeriger Anzahl zu finden. Die Erprobungen haben uns das Gegentheil gelehrt.

Indessen habe ich mein Auge bereits auf einen zweiten unserer hiesigen Künstler geworfen, der mir hierzu alle Anlagen zu haben scheint, und zugleich auch ein Mann von ruhigem | 10 und freundlichem Character ist, so daß er sich wohl gut mit den Andern vertragen würde. Dieser Künstler ist Herr Professor Dæhling. - Ich habe aber bis jezt noch nicht mit ihm gesprochen, weil ich hierzu erst die Genehmigung Euer Excellenz zu haben wünschte. Ueberdem hat H Dæhling seine Lehrstunden an gewißen Tagen, so daß, wenn er sich auch zur Uebernahme bequemen würde, er auch nicht seine ganze Zeit dahin verwenden koennte. Im Falle Euer Excellenz es zufrieden wären, würde ich ihn befragen und ihm ungefähr dieselben Bedingungen, wie Herrn Professor Hummel vorschlagen.

Wären wir dann dahin gekommen ein paar tüchtige Restauratoren aus unsern ansäßigen Künstlern hier zu haben; so dürften wir wenigstens nicht bange sein, daß durch etwaniges Weggehen eines Fremden, die Arbeiten in Stocken geriethen. Vier Restauratoren halte ich unumgänglich | 11 nöthig, und wären deren noch mehrere, desto besser. Ich sage Restauratoren; das heißt: gemachte erfahrne Künstler.

Nach den Restauratoren kommen die Gehilfen, wozu nur jüngere Leute, die sich der Kunst befleißigen, zu nehmen sind. Es hat aber mit diesen ein besonderes Bewandniß. Sie finden nämlich bei dem streng anhaltenden Geschäfte des Reinigens, Stopfens, Gründens pp wenig Zeit für sich zu studiren, und sind übrigens noch zu unerfahren im Zeichnen und Mahlen, daß man hoffen könnte, auf diesem Wege selbst tüchtige Restauratoren zu ziehen. Sie müssen also Gehilfen bleiben und für solche sind nur mäßige Diaeten angenommen. Indessen ist es wichtig, daß der einmal Angelernte bei dem Geschäft verbleibe und nicht nach kurzer Zeit wieder davon gehe.

Jetzt giebt es deren drei: Aber bei der Vermehrung der Restauratoren müssen deren auch mehrere sein. Ein vierter hat sich bereits gemeldet, ein Preuße aus Gumbinnen Namens Wollburg, Eleve der Akade- | 12mie, der, wie es scheint, auch recht gut paßen moechte, und ich würde ihm schon das Wort gegeben haben, wenn ich nicht bevor die hohe Genehmigung Euer Excellenz hätte abwarten wollen. Es wäre gut, wenn er mit Anfang künftigen Monats auch eintreten könnte.

Wegen der geringen Diaeten und vielen Arbeiten sind Waagen und Pelissier mit der Empfehlung von Schlesinger und Koester eingekommen, um Verbeßerung zu erhalten. Ich bin aber nicht dafür, daß man ihnen dieselbe gebe; wohl aber daß eine Einrichtung getroffen werde, ihren Fleiß auf einem anderen Wege zu lohnen, der für sie, und für das RestaurationsWesen ersprießlicher sein moechte. Diese ist: jedem derselben außer ihren Diaeten ein Praemium von Tausend Thaler in Golde zuzusichern, wenn sie fünf Jahre hindurch mit der Zufriedenheit der Restauratoren und der Commission bei dem Geschäft ausgehalten haben. Sollten sie aber früher abgehen, so | 13 bekommen sie von einem solchen Praemium nichts. Dergestallt moechte sich die Commission das Bleiben und den Fleiß der Gehilfen sichern, indem sie die Aussicht hätten, nach fünf Jahren auf einmal ein Stück Geld zu erhalten, womit sie etwa auf Reisen in Italien ihren Unterhalt auf ein paar Jahr sichern koennten.

Ich wünschte selbst, daß auch in Hinsicht der Restauratoren eine ähnliche Einrichtung, um sie desto eher auf längere Zeit zu verpflichten, getroffen werden koennte, nämlich, daß es zwar bei ihrer resp: monatlichen Bezahlung verbliebe, daß sie aber außerdem eine Gratification von fünfzehnhundert Thaler erhielten, wenn sie fünf Jahre consecutiv, und zur Zufriedenheit der Commission gearbeitet hätten.

Bey Versäumungen und Nachläßigkeiten müßten aber schon die Restauratoren für sich die Gehilfen zu jeder Zeit entlaßen koennen; die Commission aber die Restauratoren. Ohne eine gewisse Bestimmtheit und strenge Ordnung kann das | 14 Geschäft nicht folgerecht betrieben werden. Es koennten zwar Fälle eintreten, wo ein Restaurator oder Gehilfe auf kurze Zeit zu arbeiten abgehalten würde. Solche Fälle würde die Commission beurtheilen. Aber natürlich fiele der Gehalt für eine solche Zeit weg, und dann müßte diese verlorne Zeit zu den fünf Jahren nachgeholt werden, um das festgesetzte Praemium zu erhalten.

Das Locale für Restauration im 3ten Stockwerke der Koeniglichen Akademie bestehet jezt in drey Säelen oder großen Zimmern. Wir sind glücklich, dieses Lokale zu haben, obwohl es für den Zweck nicht hinreicht, und manche andere Unbequemlichkeiten hat. Im Winter giebt es Schwierigkeit in Hinsicht der Erheitzung; im Sommer ist es zum Erstiken heiß, da die dünne Verdachung nur wenig abhält. Auch ist das Licht oben nicht vortheilhaft, indem die Fenster theils nach Morgen theils nach Abend gehen, und also die Sonne in die Zimmer tritt, und Widerscheine entstehen. Auch kön- | 15nen groeßere Bilder aus den unteren Saelen nicht nach denen der Restauration hinaufgebracht werden, wegen der schmalen Treppe.

Noch mehr; sind mehrere Restauratoren und Gehilfen als jezt, so wäre der Raum überhaupt oben zu klein und ein Restaurator würde den Andern nothwendig hindern.

Dazu tritt ferner der Umstand, daß ein Gemaelde nicht auf einmal herzustellen ist, sondern nur allmählig und nach Zwischenräumen. Ist nämlich ein Gemaelde gehoerig gereinigt, die Tafeln, wo es nöthig ist, wieder gehoerig gefugt und gesichert, die schadhaften Stellen mit Kreide wieder ausgestopft und mit den Grundfarben übergangen; so muß ein solches Gemaelde seine erforderliche Zeit ruhen, bis der eigentliche Restaurator darüber kommen, und nun die Hand an die eigentliche Restauration legen kann. Dieß muß aber nach dem Grade der Beschaedigung manchmal mehrmal übergangen oder mit Farben | 16 überdeckt werden, bis der wahre Ton und die Haltung gehoerig besorgt ist; und so muß das Bild mehrmal ruhen. Läßt sich aber dasselbe als vollendet betrachten, so muß es längere Zeit - selbst mehrere Monate - stehen, ehe man einen Firniß darüber ziehen kann, weil dieser, zu früh gegeben, dem Bilde sehr schaden kann, weil die restaurirten Stellen ungebührlich nachdunkeln koennten. Solche Bilder aber nehmen, da sie gegen das Licht gestellt sein müssen, ein großes Lokal ein, was leider mangelt, um so mehr, da sie auch vor dem Staube geschützt sein müßen.

Aus diesen Gründen wird es durchaus nothwendig, daß auch der untere Theil, nämlich der lange und der Quadrat-Saal, wo jezt die Ausstellung ist, zur Restauration eingerichtet worden, nicht für diesen Winter, aber doch aufs Frühjahr, besonders da die großen Bilder jezt vorzugsweise zur Restauration kommen müssen. Das Schlimme | 17 aber dabei ist, daß in dem langen Saal die Fenster zu hoch sind, und, um ihn für die Restauration tauglich zu machen, Fenster in der untern Wand durchgebrochen werden müssen, wie es auf der Seite der Akademie der Wißenschaften geschehen ist. Dazu wäre die Veranstaltung frühzeitig nöthig, denn - Periculum in mora - Hierdurch würde allerdings nicht nur ein nöthiger, sondern auch ein großer Raum gewonnen, doch in der Wahrheit nicht so groß, wie man ihn wünschen muß. Die Commission zittert, wenn sie den ganzen Umfang der Restaurations-Geschäfte überdenkt, und welche Vorkehrungen es noch erheischt, um so betrieben zu werden, daß man nicht Gefahr läuft, den großen kostbaren Bau vollendet zu sehen, ohne daß man noch im Stande ist, die Gemaelde darin aufzustellen, das heißt: nicht in dem Zusammenhange und in der Zahl, wie eine solche Sammlung es erfordert, wenn ihr Sinn hervortreten und gehoerig ergriffen werden soll.

Um Sr Majestät den Koenig für solche unvermeidliche Ausgaben bereiter zu finden, habe ich daher nicht ermangelt, als der Koenig vor ungefähr ein paar Monaten | 18 zum erstenmal die Sammlung sah, und mit derselben sehr zufrieden schien, Sr Majestät auch zugleich mit den Königlichen Prinzen und Prinzeßinnen nach den Restaurationsälen zu führen, um durch Ansicht einen nähern Begriff von einem solchen Geschäft zu gewinnen. Gewiß werden Euer Excellenz nicht unterlaßen, die Geneigtheit des Koenigs für die schöne Sache mit Ihrer gewohnten Liebe und Fürsorge so zu unterstützen, daß wir einen glücklichen Erfolg ersehen koennen, und die Commission aus der peinlichen Lage gerissen wird, worin sie sich noch zur Zeit befindet. Man glaube ja nicht daß ich übertreibe. Es ist wirklich kein Punct, wovon ich bisher sprach, außer Acht zu laßen. Eines muß in das Andere eingreifen; wenn das Geschäft nicht wesentlich leiden soll.

Es ist noch ein Punct, was ich zur Ordnung und Foerderung des Geschäfts wesentlich erachte; nämlich die Feststellung der Stunden, wo Restauratoren und Gehilfen gegenwärtig sein müssen. Ich setze die Arbeitszeit im Durchschnitt auf 7 Stunden des Tages; da aber im Winter die Tage zu kurz sind, so müssen sie im Sommer compensirt werden. In den sechs Wintermonaten wären 6 consecutive Stunden | 19 von 9 Uhr bis 3 Uhr zu bestimmen; im Sommer aber acht Stunden, nämlich fünf des Morgens von 8 bis 1 Uhr, und 3 des Nachmittags von 3 bis 6 Uhr. Diese Stunden wären von Restauratoren und Gehilfen genau zu halten, und die Fehlenden von dem Director Schlesinger in einem Buche genau zu notiren, erstlich um den Fleiß zu controlliren und auch der Zahlung wegen am Ende des Monats, um die erforderlichen Abzüge zu machen.

Eine solche Bestimmung der Stunden, und der Controlle halte ich für unumgänglich nothwendig, wenn das Geschäft nicht läßig gehen soll, und muß ich daher um Bestätigung einer solchen Ordnung bitten.

Ich wiederhole also: 1) daß das Lokale der Restauration durch den viereckigen und langen Saal zu erweitern sein würde, [Bleistiftnotiz des Empfängers alR: "Von S. E. genehmigt - xxxxxxxx"] und daß die Restauratoren hierzu fordern, daß im langen Saale Fenster durchgebrochen werden, [Bleistiftnotiz des Empfängers alR: "ist nach der Meinung von Sachverständigen, wegen schlechter Beschaffenheit der Mauer, durchaus unausführbar"] um das gehoerige Licht zu haben. Dies mit der frühesten Zeit des kommenden Frühjahrs. 2) Daß wenigstens vier tüchtige Restauratoren vorhanden seyen, und | 20 daß man sich derer außer dem monatlichen fixen Gehalte, durch Praemium - nach fünf Jahren zahlbar - zu versichern sucht. 3) Daß man ein Aehnliches in Hinsicht der Gehilfen thue, wovon nicht weniger als fünf in Thätigkeit zu halten sind, doch nur gegen Diaeten und dann mit einem Praemium von 1000 reichstaler Gold nach der Zeit von fünf Jahren Arbeit. 4) Daß unter den Commissarien einer sey, der eine anhaltende, so zu sagen, tägliche Aufsicht über das Ganze führe; Hierzu eignet sich der bereits engagirte Waagen vorzüglich. Uebrigens werde ich und so gewiß die übrigen Commissarien dabey nichts verabsäumen, und überall nachsehen und ordnen, wo es Noth thut, damit die Arbeit gehoerig fortschreite. 5) Daß hierfür die erforderlichen jährlichen Gelder besorgt werden, wovon die Summe nicht gering ist, so wohl für laufende und bestimmte Ausgaben als für kleinere unbestimmte, die aber doch das Jahr hindurch auf ein nicht Geringes belaufen koennen: als für Tischler, Vergolder, Arbeiter zum Bilder schleppen und tragen, für den | 21 Castellan des Kgl: Akademie Gebäudes, für Aufwartung, für Feuerung, für manche nöthige Meubel pp; für Farbenmaterial pp. sorgen die Künstler selbst. Diese Summe könnte sich an bestimmten Ausgaben - ohne den Bau - jährlich belaufen: a) für Schlesinger und Koester, im Falle nämlich, daß dieser hierbleibe auf .............................................................................................................. Rtlr. 6000. - . b) für zwei andere Restauratoren, wofür ich vorläufig die beiden akademischen Professoren Hummel & Dæhling in Vorschlag gebracht habe, zusammen .................................................................................................................. " 2400. - . c) für fünf Gehilfen, wovon drey vorhanden sind, ein jeder 1½ reichstaler täglich Diaeten, machet die jährliche Summe von ............................................." 2737. 15 sgr. d) an den Commissarius, Doctor Waagen, zwei Thaler täglicher Diaeten ... " 730. - . e) für andere nicht vorher zu bestimmende Ausgaben als ein Pauschquantum ......................................................................................................................" 600. - . f) dazu kommt der Gehalt für den Sekretair Müller mit .............................. " 365. - . ---------------------------------------------------------------------------------............................................................................... also in Summa Rtlr 12,832. 15 sgr.

Ich muß aber wünschen, daß eine runde | 22 Summe von Funfzehntausend Thaler Courant - 15,000. r - . durch eine Zeit von fünf Jahren festgesetzt werde, damit man nicht im Rückstande bleibe, wenn etwa noch ein fünfter Restaurator und ein sechster Gehilfe nöthig wäre.

Im sechsten Jahre träte demnach die Auszahlung der Praemien ein.

Dies ist das Wesentlichste, was ich für jezt zu berichten habe, und ich muß sehr wünschen, bald eine beifällige Antwort zu erhalten, da hiervon so viel für die thätige Förderung des Geschäfts abhängt.

Berlin den 18ten October 1824.

Im Namen der Commission. [gez.] Hirt