An den Staatskanzler Herrn Fürsten von Hardenberg.

Ich habe seit längerer Zeit die Absicht, die in der hiesigen und Meinen übrigen Residenzien befindlichen, Mir zugehörenden Gemählde, deren Zahl durch die aus Meiner Chatoulle vor Kurzem angekaufte Sammlung des Kaufmanns Solly bedeutend vergrößert worden ist, an Einem Orte hier zu vereinigen und sicher und zweckmäßig zum Nutzen und Vergnügen des Publikums aufzustellen.

Hierzu, so wie überhaupt zur Einrichtung eines Museums für alle Zweige der Kunst, war bisher das unter den Linden hier belegene Akademie-Gebäude, das nach seiner Lage in dem besuchtesten Theile der Stadt besonders geeignet schien, ausersehen und es sind auch darin dieserhalb bedeutende BauVeränderungen vorgenommen worden. Inzwischen ist Mir jetzt von mehrern Seiten angezeigt worden, daß das Gebäude weder nach seinem jetzigen Umfange noch nach seiner gegenwärtigen Construktion und Einrichtung zur Aufstellung aller Sammlungen tauglich sei.

Um nun über den Grund oder Ungrund dieser Anzeigen genaue Kenntniß zu erhalten, will Ich mit deren Prüfung eine besondere Commission, welche eventuell zugleich Vorschläge wegen anderweiter Anordnung des Museums zu machen hat, beauftragen.
Zu Mitgliedern dieser Commission ernenne Ich
den Geheimen KabinetsRath In lateinischer SchriftAlbrecht,
den General Major von In lateinischer SchriftWitzleben,
den Geheimen OberBaurath In lateinischer SchriftSchinkel, | 2
den Professor ordin: Hofrath In lateinischer SchriftHirt und
den Regierungsrath In lateinischer SchriftTzschoppe.

Sie werden diese Beamte von dem ihnen gewordenen Auftrage in Kenntniß setzen, und obere Leitung der Commission führen und Mir den an Mich zu erstattenden End-Bericht derselben mit den Kosten Anschlägen und Plänen zu den etwa vorzunehmenden baulichen Veränderungen vorlegen. Insbesondere wird sich die Commission darüber äussern, ob es möglich ist, die jetzt im Monbijou Palais befindlichen Abgüße von Statuen in dem genannten Gebäude ebenfalls unterzubringen und wenn dies nicht thunlich ist, ob solche vielleicht zweckmäßig im Erdgeschosse des Bibliothek Gebäudes, das jetzt, mit großer Gefährdung der Bibliothek zum Aufbewahrungs-Orte von leicht entzündbaren Charten:Utensilien dient, aufgestellt werden können. In jedem Falle will Ich, daß bei der jetzigen Veranlassung die Wegschaffung dieser Utensilien bewirkt werde, da wie die Erfahrung gelehrt hat, auch bei der größten Vorsicht Unglücksfällen nicht vorgebeugt werden kann, und beim etwanigen Brande der Bibliothek ein unersetzlicher Verlust entstehen würde. Die Commission hat wegen Räumung des Lokals mit dem GeneralIntendanten Grafen Brühl nähere Verabredung zu nehmen.

Sie haben für die größte Beschleunigung der Commissions Arbeiten, da die dem p Solly vordem zugehörige GemähldeSammlung contractmäßig mit dem ersten Mai 1823 aus | 3 ihrem jetzigen Locale gebracht seyn muß und dafür zu sorgen, daß der StaatsMinister Freiherr von In lateinischer SchriftAltenstein die über die vorstehenden Gegenstände bei seinem Ministerio bereits verhandelten Akten der Commission mittheile und von den Verhandlungen derselben fortdauernd Kenntniß erhalte.

Berlin, den 27ten März 1822.

[gez.] Friedrich Wilhelm