Extraordinaire Conferenz, / des academischen Senats, unterm Vorsitz des Herrn Ober Præsidenten und Geheimen Staatsrath Herrn Sack.

Berlin d. 10ten May. 1809.

GegenwärtigHerr Geheimer Staatsrath Sack. Herr Director Frisch Herr Vice Direct: Schadow.Herr Hofrath Hirt. Herr Professor Darbes. Herr Professor Niedlich. Herr Rector Berger. Herr Rector Weitsch. Herr Professor Schumann. Herr Professor Burnat. Herr Professor Eckert. Herr Professor Freidhof.

1.) Wurde ein Exemplar des Großen Werckes über die Baukunst vom Hofrath Hirt der Academie vom Verfasser selbst zum Geschenk überreicht, welches als eine wahre und wesentliche Bereicherung unseres wissenschaftlichen Schatzes mit Danck, und hier, mit ehrenvoller Erwehnung angenommen wurde.

2.) Theilte Herr Geheimer Staatsrath Sack dem Senate Folgendes mit: Seit der Stiftung der Academie und deren Reglement gemäß habe die Academie immer einen Koniglichen Etats-Minister zum Curator an ihrer Spitze gehabt; auch bei der neuen Organisation des Staates worann er mit gearbeitet, sey ausdrücklich bestimt, daß mit Ausnahme der übrigen öffentlichen Lehranstalten der beyden Academien, die der bildenden Künste und die der Wissenschaften ihre eigene Curatoren haben solten; nun fände sich in der Person Sr Königl. Hoheit des Prinzen Willhelm alle hiezu erforderliche Eigenschaften: die großen Vortheile für die Kunst waren so einleuchtend, wenn dieser Printz sich unsern Institute an die Spitze stelte, daß Er ohne Bedencken Sr Königlichen Hoheit den mündlichen Antrag gemacht hätte, und Hochdieselbe solches anzunehmen keines weges abgeneigt geschienen hätten, die Ausführung dieser Idée sey bis zur Ankunft Sr Majestät des Königs verschoben worden; da diese sich verzögere, so wäre die Frage: ob der Senat es nicht für rathsam halte die Academie bey dem Könige einen eigenen Curator zu erbitten: Hierauf erwiederte der Hofrath Hirt:

3.) in der Person eines Prinzen wie des Printz Willhelm vereinige sich ein so be- | 2deutender Einfluß daß die Academie bei dessen Curatele schwerlich immer diejenige Freyheit erhalten könne, welche den wahren Gedeyen der Künste und Wissenschaften zukommen und angemessen wäre, mit unter würde doch wohl auf das, was man Fürsprache nennt als dann Rücksicht genommen werden müssen; und es wäre zu wünschen, wir verwalteten uns nach einem ähnlichen Plane wie die Academie der Wissenschaften entworfen hätte, nach welchem unter den Mitgliedern selbst das Præsidium gewählt und jahrlich alterniren solle; Dieser Plan sey zwar noch nicht genehmigt, aber bey einem solchen kann nur die Academie der bildenden Künste die völlige Freyheit erhalten, so wohl in Aufnahme neuer Mitglieder, in Besetzung der Lehrstellen, in Austheilung von Preisen: sie bestehen nun in Medaillen, Versendung auf Reisen von Eleven, oder Uebertragung von Kunstarbeiten für den Staat et. et: Die neue Organisation erfordere daß die Academie der Künste sich als öffentliche Lehr anstalt der dahin gehörigen Section des Cultus anschließe, aber ausser dem sey die Academie als eine Verbindung und Gesellschaft ausgewählet und anerkandt aus gebildeten Künstlern; ein Institut höherer Art. Hiebei kam auch die Nothwendigkeit zur Sprache die Bau-Academie mit der Academie der bildenden Künste zu vereinigen.

Nach hierüber gepflogenen Debatten war folgendes das Resultat. Die Academie der Bildenden Künste stehe da, Einmahl als öffentliche Lehranstalt, zum Unterrichte so wohl für die sich zu den eigentlichen | 3Kunstfächern bestimmenden, für Liebhabern als auch für jeden der in seinem Gewerbe-Zweige des Unterrichtes im Zeichnen, Modelliren, Holzschneiden etc: bedarf; als solche sey sie wie alle übrige öffentliche Lehranstalten dem Ministerium des Innern untergeordnet, und werde Speciel von derjenigen Section desselben geleitet, zu welcher sie gehört; ihre Oeconomie, die Etats ihrer Einnahme und Ausgabe; das gantze Rechnungs wesen, die Genehmigung der von ihr vorgeschlagenen Sujets zu Besetzungen von Lehrstellen, oder sonstiger Emolumente für der Academie geleistete Dienste etc: gehören zum Ministerium des Innern.

Zweytens stehe sie da gleich der Academie der Wissenschaften, als eine Gesellschaft ausgebildeter Künstler, die Wercke hervor bringen deren einziger Zweck ist, solcher nach Masgabe ihres Talentes den höchst möglichen Grad von Vollkommenheit zu geben. Ihre Aufgaben, Preisaugaben geben demselben Zweck zu erkennen. Da nun theils ihre eigene Beschräncktheit, theils die Beschräncktheit der Privat-Kunst-Freunde, diese höhern Zwecke zu erreichen hindert, so muß der Staat hinzutreten, und hier wäre es nun wo ein Curator von Hoher Geburt erfordert würde, um die besondere Königliche Gnade auszuwürcken, um vorzügliche Künstler durch Theilnahme und Unterstützung zu ermuntern, den Preißaustheilungen Anstand und Würde zu geben, die Patente neuer Mitglieder zu vollziehen, den ausgezeichnesten Eleven die Mittel zu einer Kunstreise zu verschaffen etc: etc: jedoch alles nach den freyen und | 4unbeschränckten Vorschlägen des Senates in pleno. Hiernach hätte der Curator mit den sonstigen Academischen Geschäften, den Etats und Rechnungswesen, der Besetzung der Lehrstellen u. d. g. nichts zu thun, und so wurden die von dem Hofrath Hirt gemachte Einwürfe beseitiget; indem derselbe zu folgendem Beschlüssen selbst seine Zustimmung gab.

4.) Beschloßen: Bey Sr Majestät dem Könige eine unterthänige Bittschrift einzureichen der hier vorhergehenden Auseinandersetzung gemäß, der Academie einen eigenen Curator zu geben.

5.) Ein Schreiben, vom vorhergehenden unterrichtend, an Se Königliche Hoheit den Prinzen Willhelm.

6.) Ein Schreiben an das Ministerium des Innern, damit solches in Stande gesetzt werde, im Fall eines zu erfordernden Gutachtens seine Meinung hierüber Höhern Ortes, gehörig unterrichtet geben zu können.

Hiemit wurde die Conferenz geschlossen. [gez.] Frisch G: Schadow / qua Secretær.