Das Lehrfach unter dem Namen "Kritische Geschiche der Baukunst" zerfällt in drey Hauptabtheilungen: 1. In die kritische Geschichte der Construction. 2. In den kronologischen, und geschichtlichen Theil der Baukunst bey den verschiedenen ältern, und neuern Völkern. 3. In die Geschichte der Gebäude.

Die erste Abtheilung begreift unter sich alle Theile der Construction. Nach einer allgemeinen Einleitung über die Entstehung und Zwecke der Baukunst, die Festigkeit, Bequemlichkeit, und Schönheit ausmachen - werden folgende Abschnitte abgehandelt. a. alle Arten von Säulenstämmen. b. der Basen. c. der Kapitäler. d. alle Theile der verschiedenen Arten von Gebälken. e. die Fundamente, Basamente, und Fußgestelle. f. Halbsäulen, Pfeiler und Wandpfeiler - antæ(?) - g. alle Arten von Baumaterialien. H. alle Arten von Wänden, Mauern, Anwürfen, Verkleidungen, u. Verzierungen. J. alle Arten von Bogen und Wölbungen. K. alle Arten von Decken, Dachungen im Innern u. Äußern, acroterii und Geländer. L. alle Arten von Fußboden. m. alle Arten von Treppen. n. alle Arten von Ordnungen, und Stokwerken übereinander, attiken, mezzaninen, und Mansarden. o. alle Arten von Fenstern, und andern Licht und Luftöffnungen. P. alle Arten Thüren, Thore und ihre Flügel. q. alle Arten von Feuerungen, Ofen, Kaminen.

Diese erste Abtheilung enthält demnach eine raisonnirte Encyclopedie der Constructionsarten in allen Theilen seit den ältesten Zeiten bis auf uns. | 2

Die zweyte Abtheilung behandelt näher den kronologischen und geschichtlichen Theil der Baukunst - erstlich bey den alten Völkern, als den Aegyptern, Phœniziern, Juden, Assyrern, Medern, Persern, Griechen, Hetruskern und Römern. Zweytens des Mittelalters als a die bisantinisch-italische Baukunst, b die italisch-fränkische und sächsische, c die arabische. d die arabischeuropäische, oder sogenannte gothische, drittens die neuere Baukunst seit dem Anfang des 15ten Jahrhunderts.

Diese Abtheilung enthält demnach in kronologischer Ordnung a die Constructionsart jedes Volkes in's besondere, b. die allmähligen Erfindungen u. Verbeßerungen, nebst den Ursachen des Verfalles, und der Abwege c. die Gebäude, welche noch ganz oder theilweise existiren mit Angabe der Werke, wo man sie gemeßen und gestochen findet. d. die Hauptgebäude, die nicht mehr sind, von denen aber in Schriftstellern Meldung geschieht, e. die architektonischen Schriftsteller, und Werth ihrer Schriften.

Die dritte Abtheilung beschäftigt sich mit der Geschichte der Gebäude für sich. Erstlich mit den Gebäuden der alten Völker unter folgenden Rubriken: 1. Tempel. 2. Theater. 3. Odeen. 4. Stadia. 5. Hippodromos. 6. Circus. 7. Amphitheater. 8. Gymnasien oder Palestro. 9. Portiken, Propylæen, u. Septa(?). 10. Biblioteken u. Exedræ. 11. Bäder. 12. Thermæ. 13. Fora, Windthürme, und Uhren. 14. Basiliken. 15. Senatula oder Curiæ. 16. Stelæ, Ehrensäulen, Obelisken, Triumphbogen u. andere Ehrendenkmäler. 17. Grabmäler über und unter der Erde, Pyramiden, Thürme, Labyrinthe, und Catacomben. 18. Gefängniße. 19 Stadtthore, Stadt und Festungsmauern, Castra. 20. Speisemärkte. 21. Waßerleitungen, Waßer- | 3behälter, Waßercastelle, Nymphæa, Lacus, und Brunnen. 22. Brücken. 23. Cloaken, Emissarien, und andere wichtige Waßerbauwerke. 24. Straßen in der Stadt, u. Als Janus wurde jeder öffentliche Durchgang in der Stadt bezeichnet, auch Portal.
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Janus
, Heerstraßen. 25. Anlage der Städte und Rücksicht auf die Himmelsgegenden, dominirenden Winden, Anhöhen - Abtheilung der Quartiere, und Inseln, Breite der Straßen, Situationen öffentlicher Gebäude. 26. Wohngebäude in der Stadt für den Reichen, für den Gewerbetreibenden. 27. auf dem Lande Prachtgebäude, und Landwirthschaftliche Gebäude. 28. Seehafen, Leuchtthürme, Schiffsmagazzine. u.s.w.

zweytens mit den Gebäuden der neueren christlichen und mohametanischen Welt.1. Kirchen, Kapellen, Baptisteria. 2. Moscheen. 3. Begräbnißhöfe, Leichenhäuser. 4. Kirchthürme. 5. Klöster. 6. Rathshäuser, und Dicasteria. 7. Marktpläze. 8. Universitäten, und Gymnasien. 9. Kunstmusæn, Bildergallerien, Biblioteken. 10. Spitäler, Lazarethe, Armen-, Arbeits- und Zuchthäuser. 11. Theater. 12. Tanz- und Musiksäle. 13. Börsen. 14. Waarenlager. 15. Kornmagazzine. 16. Waßerleitungen und Brunnen. 17. Brücken, Cloaken, Straßenplaster[!], u. Heerstraßen. 18. Denkmäler. 19. Stadtthore, Stadt- und Festungsmauern. 20. Wohngebäude des Orient, der Europæer in der Stadt - Prachtgebäude, und Bürgerhäuser. 21. auf dem Lande Lusthäuser, und Wirthschaftsgebäude nach den verschiedenen europæischen Ländern. 22. Anlage ganzer Städte, und der Landcolonien. 23. Einteichungen der Ströme, schiffbare Canäle, Emissarien, Austroknungen: Einfaßungen der Flüße, u. Kanäle, Ausschiffungsorte an Flüßen - Seehafen, Schiffsarsenale. 24. Kriegsarsenale, Casernen, Marschställe. 25. besondere Fabriken und Manufakturgebäude. | 4

Diese dritte Hauptabtheilung enthält also eine raisonnirte Encyclopedie der ältern und neuern Gebäude. Ich glaube daher, daß es überflüßig sey, in der Klasse der Construction eine encyclopedische Übersicht der Constructionsarten und der Gebäude vorauszuschicken, da mir scheint, daß das Lehrfach der kritischen Geschichte dieß hinlänglich leisten würde.

PS. Sollte der schöne Plan, den das Die Planungsarbeiten und erste Leitung der am 18. März 1799 mit Order Friedrich Wilhelm III. genehmigten Bauakademie oblag den Geheimen Oberbauräten Friedrich Becherer, Johann Albert Eytelwein, David Gilly und Heinrich August Riedel sen., die sich im Direktoriumsvorsitz jährlich abwechselten. Der Unterricht begann am 21. April 1799. Im ersten Unterrichtsjahr war Becherer Präsident des Direktoriums. - Dem Commissorium zur Einrichtung einer Bauakademie, die eine Erweiterung und Neuausrichtung der bereits an der Akademie der Künste bestehenden architektonischen Lehranstalt sein sollte, gehörte auch Hirt an. In einem Schreiben des Kuratoriums der Akademie der Künste, gezeichnet von Heynitz, an das Commissorium vom 16. Dezember 1798 werden als Adressaten namentlich aufgeführt: Kanzler von Hoffmann, Geh. Finanzrat Boumann, Geh. Kriegsrat Langhans, die Geh. Oberbauräte Riedel, Gilly und Eytelwein, der Oberhofbaurat Becherer, Hofrat Hirt, Rektor und Hofbildhauer Schadow sowie der Architekt Genelli (GStA PK, I. HA, Rep. 76 alt IV Nr. 2, fol. 4v).
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Commissarium
bereits in seinen Haupttheilen genehmigt hat, zur Wirklichkeit kommen; und ich vom Commissario in dem historischen Fache Hirt wurde mit Gründung der Bauakademie als Lehrer für Geschichte der Baukunst eingestellt.
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als Lehrer
bestätigt werden, so schlüge ich vor, daß ich das ganze zur Geschichte gehörige material auf zwey Winterkurse - von Anfang November bis Ende April - vertheile, und wöchentlich dreymal - meinen übrigen Hirt hielt seit 1796/97 architektonische Vorlesungen an der Akademie der Künste. 1797/98 las er "Theorie der bildenden Künste verbunden mit der Geschichte derselben bei den alten Völkerschaften, bis auf den Verfall des römischen Reiches" (Montag und Freitag 12-13 Uhr); 1798/99 "Kritische Geschichte der neuern Kunst seit ihrer Wiederauflebung bis auf unsere Zeiten" (Montag und Freitag) und 1799/1800 "Theorie der bildenden Künste und Geschichte derselben" (Montag und Donnerstag 16-17 Uhr) (vgl. Claudia Sedlarz: Morgenröte der Berliner Kunstgeschichte. Aloys Hirt an der Berliner Akademie der Künste und seine Zusammenarbeit mit Karl Philipp Moritz und Friedrich Rambach, in: Hirt-Bd. II, S. 175).
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Vorlesungen
an der Königlichen Academie unbeschadet - darüber lese. Ich schlage deswegen bloß Winter-Collegia hierüber vor, weil ich glaube, daß kein Fach wie dieses so geschickt sey, den Geschmack nicht nur des architekten, sondern auch der Liebhaber, und des Publikums auszubilden. Man weiß aber, daß die Liebhaberey, Collegia zu hören, bloß des Winters statt hat. Weiter erböte ich mich bis auf künftigen November das Compendium der ersten Abtheilung Hirt veröffentlichte 1799 "Ueber die toscanische Bauart und nach Vitruv". Nach Publikationen über die Malerei bei den Alten erschien sein großes Buch "Die Baukunst nach den Grundsätzen der Alten" erst 1809.
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gedruckt zu liefern
, und die Compendia der zwey folgenden Abtheilungen verspräche ich auf das Jahr nachher. Berlin den 28ten Januar 1799. Hirt.