Abschrift.

Zweite Hauptabtheilung Baukunst.

Wir übergehen, weitläufig von der Wichtigkeit, und dem ausgebreiteten Nutzen des architektonischen Unterrichtes zu sprechen; sein wohlthätiger Einfluß auf das bürgerliche Leben ist zu allgemein anerkannt. Gemäß unseres Auftrages wird hier unser Bemühen seyn, einen Überblick von dem zu geben, wie bisher dieser Unterricht an der Königlichen Academie betrieben ward, um dann näher zu detailliren, wie die Organisation dieses Unterrichtes eingerichtet werden müßte, wenn er seinen wohlthätigen Zweck erfüllen soll.

Bisher hat hierin auch die Königliche Academie das geleistet, was sie bei ihren beschränkten Umständen zu thun vermochte; wenigstens scheinet es an Wohlgemeintheit, und Eifer für die Sache nie gefehlt zu haben. Indeßen erhellet sowohl aus den Berichten verschiedener hiebei angestellter Mitglieder (wie man aus den Beilagen ersehen kann) | 2 als aus einer mündlichen Conferentz, die hier wegen der Direcktor dieses Unterrichtes mit uns hielt, hinlänglich, daß bisher kein bestimmter Plan des Unterrichtes statt hatte, und vielweniger eine ordentliche Classification der verschiedenen Objecte, welche zum gründlichen Unterricht des Architekten gelehrt werden müßen. Dabei hatte der Lehrer keinen bestimmten Umriß von dem Fache, in welchem er seinen Unterricht zu ertheilen hatte: und dem Schüler mangelte eine richtige Verzeichnung derjenigen Gegenstände, welche er zur vollkommenen Ausbildung in dieser Kunst bedarf. - Zugleich waren in der nemlichen Classe Lehrlinge der Architektur, und der Kunstschule mit einander vermischt, und dasjenige endlich, was gelehrt werden konnte, nur Stückwerk.

An guten Vorschriften und | 3 Modellen fehlt es auch noch wesentlich: daher die Lehrer selbst mehr oder weniger aus ihrem eigenen Vorrath von Zeichnungen, Büchern, Kupfern p suppliren mußten.

Das Mangelhafte, und Unzureichende eines solchen Institutes, sowohl um Architekten im ausgebreitestem Sinne des Wortes, als gute Landbaumeister anzuziehen, war deswegen auch anerkannt, um die Nothwendigkeit einer beßern Eingerichtung gefühlt. Daher entstand der neue uns vorgelegte Plan von Seiten der Mitglieder des Ober-Bau-Departements, eine besondere Bauschule, und zwar unabhängig von der Königlichen Kunstacademie, zu organisiren.

Da uns dieser Plan zugleich mit den Gutachten der Herren p Langhans, und Becherer von dem Hohen Curatorio zu dem Zwecke ist übergeben worden, um aus dem Ganzen die gehörige und nöthige Kenntniß der Lage zu schöpfen, | 4 damit wir mit mehr Bestimmtheit unsere Verbeßerungs-Vorschläge in diesem Fache angeben möchten: so sind wir, diesen wichtigen Gegenstand betreffend, in folgenden Punkten übereingekommen.

1.) Daß das Curatorium der Königlichen Academie wesentlich darauf bestehe, daß keine andere Bau-Anstalt außer ihrem Gremio existire, daher wesentlich darauf dringe, daß die vorzunehmende Vervollkomnung des gesammten Architektonischen Unterrichtes von ihr unmittelbar veranstatet werde.

2.) Daß man iezt die glükliche Gelegenheit und die allgemeine Gährung der Geister, welche die Nothwendigkeit einer solchen Einrichtung anerkennen, und insgesammt dafür gestimmt sind, benutze, und trachte, wie das verschiedene und getrennte zu einem wohl Fundirten Ganzen zusammen geschmolzen werden möge.

3.) Daß zu diesem Entzweck als Basis | 5 angenommen werde: kein Lehrobjekt, welches zu wesentlicher Bildung des vollkommenen Baumeisters beiträgt, von dieser Anstalt auszuschließen.

4.) Daß jede Lehrstelle der schon existirenden, oder noch zu erwählenden Profeßoren genau umgränzt, und eben so genau alles Erforderliche hinzubestimmt werde.

5.) Daß nebst der richtigen und vollständigen Angabe aller zu lehrenden Fächer eine feste Classification derselben eingeführt werde: nemlich wie die verschiedenen Lehrgegenstände sich folgen, und in welcher Ordnung und Zusammenhang sie gelehrt werden sollen.

6.) Daß für jede Lehrstelle sogleich ein festes, und hinlängliches Salarium fixirt werde.

7.) Daß nach und nach alle nöthigen Lehrbücher, Vorschriften und Modelle herbeigeschaft werden.

8.) Daß hiezu das Lokale vorzüglich erweitert, und zweckmäßig eingerichtet werde.

Wie nun diese Punkte am | 6 füglichsten in Ausübung gebracht werden mögen, wird eine nähere Auseinandersetzung erfordern.

Zuförderst wollen wir die nöthigen Bemerkungen über die Meinung derjenigen beifügen, welche glauben, daß es schicklicher wäre, wenn eine Bauschule getrennt von der Königlichen Kunstakademie exisitirte, und an dieser letztern nur die sogenannte höhere aesthetische Architektur gelehrt würde.

Eine weitläuftigere Widerlegung einer solchen Meinung kann hier freylich nicht statt haben: und wir begnügen uns daher, bloß die Hauptgründe, worauf unsere entgegengesetzte Meinung beruht, anzuzeigen.

1mo Fragen wir: wer kann die Linie angeben, welche die sogenannte aesthetische Baukunst von der Land-Baukunst trennet? - eine solche Scheidungs-Linie ist eine bloß willkührliche Annahme, und existirt im Grund der Sache nicht.

2do Sind die sämmtlichen Grund- | 7kenntniße nicht dieselben sowohl für den Schönheits-Baumeister - man erlaube uns dies lächerliche Wort - als für den Land-Baumeister? -

3o Beruhen nicht die Regeln nach welchen ein Wirthschaftsgebäude, oder das unbedeutenste Haus eines Landmannes richtig gebaut wird, auf den nehmlichen Fundamental Gesetzen, nach welchen der prachtvollste Pallast aufgeführt wird?

4to Das Feld der architektonischen Kenntniße ist zwar sehr ausgebreitet, und man kann sie daher in mehrere Branchen abtheilen, in welchen in's gesammt der fähigste Architekt nicht gleich stark sein kann. Allein diese Verschiedenheit, daß einer in diesem, der andere in jenem Fache mehr Geschicklichkeit besitzt, hängt nicht soviel von dem academischen Unterricht ab, als von den individuellen Fähigkeiten der Subjekte, und besonders von der praktischen Ausübung. Nachdem nemlich einer von den Umständen geleitet worden ist, in gemeinern Mate- | 8rialien, auch gemeineren Bauten zu führen, oder in der Stadt für die öffentliche Pracht und Luxus zu bauen.

Der Unterricht in allen möglichen Dingen gehet nur bis auf einen gewißen Punkt: und dann muß der Zögling seinen eigenen Fähigkeiten, Bestreben und Fleiße überlaßen werden. Uebung, Aufmerksamkeit und Scharfsinn wird bald den treflichen Stadt- oder Land- oder Waßer-Baumeister ausbilden: aber um in einem dieser Fächer geschickt zu werden, muß man den Unterricht genoßen haben, den für jedes dieser Fächer die nehmlichen Grundgesetze bestimmet. -

Doch über genannte Punkte möchte eben keine so große Verschiedenheit der Meinungen obwalten. Diejenigen, welche eine Bauschule, getrennt von dem architektonischen Unterrichte an der Königlichen Academie etablirt wünschen, beschränken ihre Meinung bloß dahin ein: daß alle allgemeinen Kenntniße | 9 und vorzüglich das Mechanische-Wißenschaftliche, deßen jeder Architekt bedarf, ins' besondere das heißt, in der Bauschule gelehrt werde: hingegen der sogenannte aesthetische Theil der Architektur blos an der Academie statt finde: doch auch nur für diejenigen Zöglinge welche hinlängliche Zeugniße aufweisen könnten, daß sie die Bauschule gehörig frequentirt hätten.

Hieße aber dies nicht Lehranstalten ohne Noth verdoppeln, und einen Körper auseinanderreißen, der gemäß seiner natürlichen Organisation zusammen gehört?

Allein hier bieten sich noch andere Betrachtungen an, die für unsern Fall hier nicht weniger wichtig sind.

Erstlich würde durch die Trennung der Anstalt, welche doch nur einen Hauptgegenstand - nemlich die Ausbildung des Architeckten - bezwecket, die so nützliche Verbindung, und Mittheilung unter dem Corpo | 10 der Lehre aufgehoben. Zweitens würde eine doppelte Aufsicht, und Direcktion erfordert, wodurch natürlich die Unkosten ohne Zweck vermehrt würden. Drittens entstünde durch die Verdoppelung des Lokals eine neue Vermehrung der Unkosten: und die zum allgemeinen Unterrichte nöthige Vorschriften und Modelle blieben von einander getrennt: folglich Mangel in der einen, oder andern Anstalt, oder unnütze und kostspielige Verdoppelung derselben. Viertens da die bildenden Künste, und die Architektur in einigen Fächern gemeinschaftlichen Unterricht erfodern, wie zum Beispiel in der Geometrie und Perspectiv, in der freien Handzeichnung, und in der Figuren-Zeichnung: so müßten entweder die Lehrstellen für diese Fächer verdoppelt werden, oder die Schüler von einem Institute zu dem andern laufen: und da kein gemeinschaftliches Direktorium statt fände, so würden | 11 immer nachtheilige Hinderniße entstehen. Fünftens. da bei der Errichtung der Königlichen Akademie der Entzweck beabsichtiget ward, nicht nur die schönen Künste in Aufnahme zu bringen, sondern auch die sogenannten mechanischen Wißenschaften zu cultiviren; so versteht es sich ja von selbst, daß auch alle hiezu nöthigen Lehrfächer mit der Königlichen Academie vereinigt sein müßen. Die Zeichnungs-Schule für Handwercker ist mit dem gesammten Unterricht in der Architektur in einer so genauen Verbindung, daß es die höchste Absurditaet sein würde, sie durch verschiedene Anstalten trennen zu wollen.

Ueberzeugt, daß diese Gründe hinreichend für eine einzige ungetrennte Anstalt der Architektur, und zwar verbunden mit der Königlichen Kunst-Academie, sprechen, ersparen wir fernere Gründe anzuführen, | 12 deren Entwikelung noch auffallender die entgegengesetzte Meinung bestreiten würde. - Als Basis dieser Anstalt setzen wir fest: daß alle Gegenstände, welche zur Bildung einer jeden Art von brauchbaren Subjekten in den verschiedenen Baufächern beitragen können daran gelehrt werden.

Und welche Gegenstände sind es? und in wie viele Classen laßen sie sich eintheilen? 1.) Geometrie und Perspectiv. 2.) Trigonometrie und höhere Rechnung 3.) Mechanik, und Hydrotechnick 4.) Bauphysik 5.) Lehre der Construction 6.) Lehre der Gebäude 7.) Theorie, und Geschichte der Architektur. 8.) Freye Handzeichnung. 9.) Figuren Zeichnung. | 13

Classification und nähere Umschreibung genannter Lehrobjekte - nebst den hiezu nöthigen Profeßoren. I. Klaße: erstes Jahr Geometrie, und Perspectiv, nebst dem Zeichnungsunterricht der architektonischen Ordnungen. Hiefür wird kein besonderer Professor erfordert, indem die nemlichen Fächer zugleich in der Abtheilung der bildenden Künste gelehrt werden. Zöglinge der Baukunst, und der bildenden Künste würden also in dieser Klaße gemeinschaftlich studiren.

II. Klaße: Zweites Jahr. Trigonometrie, und höhere Rechnung: verbunden mit dem Plan- und Landkartenzeichnen: im Sommer findet dabei praktische Anleitung des Feldmeßens, nivellirens u.s.w. statt. Die Academie müßte hiezu mit den nöthigen Instrumenten | 14 versehen seyn. In der nemlichen Klaße fienge der Zögling an die Figurenzeichnensklaße zu frequentiren, damit er auch eine Figur erträglich zu zeichnen lerne.

III. Klaße. Drittes Jahr Im Winter halben Jahre. Mechanik: Hiezu werden erfodert Modelle aller Art, besonders wie sie der Baukünstler zu kennen bedarf, nebst den nöthigen Zeichnungen und Kupfern. Im Sommer halben Jahre: Hydrotechnik: im weitesten Verstande - alles was sich auf Wasserbau bezieht: als Kloaken, Strassenbau in der Stadt, und auf dem Lande: Canäle, Schleusen, gehörige Fundamente zum Brückenbau, und überhaupt Baufundamente unter dem Waßer, oder in Grundlosen, und morastigen Gegenden: Leitung und Verdammung der Flüße: Waßerleitungen unter und über der Erde: Waßerbe- | 15hälter und Brunnen jeder Art. Die nöthigen Modelle müßten auch hier wieder vorhanden sein. Das Specifische der Construction ist in dieser Classe nicht nöthig zu berühren, weil eine besondere Classe hiefür geeignet ist. In dem nehmlichen Jahre würde der Zögling zugleich die freye Handzeichnens-Classe frequentiren.

IV. Klaße. Vierte Jahr Lehre der Construction im weitesten Sinne. Darinn ist erstlich begriffen die Zimmermannskunst, die Steinmetzkunst, und die Mauerey. Zweitens die Construction jedes einzeln Theils an was immer einem Gebäude, und was immer einem Materiale. Drittens jeder Art von ganzer Construction von der Erdhütte an, bis zum Pallaste - von dem Fundamente bis auf die Firste des Daches. Das wesentliche dieses Unter- | 16richtes hängt theils von guten Vorschriften und Modellen ab: theils von der systematischen Ordnung sie den Schülern zum Nachzeichnen vorzulegen und richtig zu erklähren. Da im Sommer in der Stadt immer größere, oder kleinere Bauten geführt werden, so ist es gut, daß die Schüler zuweilen dahingeführt und überhaupt aufmercksam gemacht werden, auf jene Constructions arten in der Stadt, welche vorzüglich gut - oder auch fehlerhaft sind. Beides ist unterrichtend. In dem nemlichen Jahre frequentirt der Zögling noch die Bauphysik - man erlaube der Kürtze halber dieses Wort - hierunter verstehen wir nemlich den Unterricht in denjenigen Theilen der Physik, Chimie, und Naturgeschichte, welche dem Baukünstler wichtig sind. Dadurch würde der Zögling bekannter werden 1.) mit der Natur der Baumaterialien - als der Holzarten, Steinarten, des Kalks, Sandes und der | 17 Metalle. 2.) Mit der Einwirkung der Elemente, des verschiedenen Klima's und Lokals. 3.) Mit allem dem, was Beleuchtung, Akustik, Feuerung, elektrische Leiter, Ventilatoren u. s. w. betrift. Der Profeßor würde ein Architekt sein, der zugleich ein guer Physiker ist: und der sich bemühen würde in möglichst kurzer Zeit ein Compendium zum Gebrauch seiner Vorlesungen zu liefern.

V. Klaße. Fünftes Jahr. Die Lehre der Gebäude. Darunter verstehen wir: 1.) Die richtige Anlage, und Eintheilung eines Gebäudes - welchen Nahmen es immer habe - nach dem Bedürfniß und dem Gebrauche. 2.) Die äußere und inwendige Karakteristik, welche die Bestimmung eines Gebäudes dem Auge ankündiget. 3.) Die Kenntniß der gesammten | 18 zur Architektur gehörigen Verzierungen, und ihres richtigen und zweckmäßigen Gebrauches. So umfaßend auch dieses Lehrfach, so wie dasjenige der Construction zu sein scheint, so kann doch jedes füglich in einem Jahre absolvirt werden. Nur müßen die nöthigen Vorschriften, und Modelle vorhanden, und das ganze von einem geschikten Lehrer systematisirt seyn. Zum vollständigen architektonischen Kursus gehöret noch die Theorie, und Geschichte der Baukunst bei den ältern und neuern Völkern. Da aber dieses Lehrfach nur alle drey Jahre gegeben wird, so muß der Zögling dasselbe in der 3ten, 4ten oder 5ten Classe frequentiren. Sollte aber Ein Hohes Curatorium als nöthig erachten, daß dieses Lehrfach alle Jahre, oder jedes zweyte Jahr gegeben werde, so bietet sich der hiefür bestimmte Lehrer nebst seinen andern akademi- | 19schen Beschäftigungen gerne hiezu an.

Auch dieser genauen Angabe der zum architektonischen vollkommenen Studium nöthigen Lehrfächer, und ihrer Classification erhellet also, daß Fünf volle Jahre erfordert werden, um den vollständigen Cursus durchzugehen. Auch wird kein Sachverständiger diese Zeit für eine so umfaßende und wichtige Kunst zu lang finden: vielmehr wird es nöthig seyn, daß ein Zögling sich mit unermüdetem Fleiße verwende, um binnen der angegebenen Frist das Erforderliche zu erlernen.

Der Plan des Ober Bau-Departements erfordert nur drey Jahre: freylich ist derselbe weniger umfaßend, als der unsrige. Allein die Zeit ist offenbar zu beschränkt, wenn man auch nur einen mittelmäßigen Baugehilfen anziehen wollte.

Ein anderer Hauptfehler die- | 20ses Planes ist, daß die Classification der Lehrobjekte zu verworren angegeben ist, und daß man ein Lehramt gut zu versehen für etwas so leichtes hält, daß die verschiedenen Lehrfächer jeden Jahrgang von den Mitgliedern des Ober Bau-Departements nach Belieben zu wählen wären. Wir sind über diesen Punkt etwas schwieriger, und glauben, daß auch der fähigste Kopf in seinem Fache nicht ohne längere Uebung ein guter Lehrer abgeben könne. Wenn man dabei bedenkt, daß die meisten hieher gehörigen Lehrfächer - Handbücher, Vorschriften und Modelle, welche doch von den verschiedenen Profeßoren anzugeben sind, erfordern, so wird das Umwechselen in den Lehrämtern noch schwieriger, wo nicht unmöglich.

Ueber die Profeßoren, das Lokale, die Lehrstunden, Besoldung der Lehre und Lehrgeld | 21 der Schüler - in Rücksicht des architektonischen Unterrichtes. __________________________________________________________________________________ Man wird uns keiner Partheilichkeit beschuldigen, wenn wir hier über die Profeßoren selbst sprechen, und Ein Hohes Curatorium aufmerksam auf Subjekte machen, die zu gewißen Lehrstellen vorzüglich brauchbar sein möchten.

Für den Unterricht in der Bauphysik hat sich Herr Bau-Conducteur Simon schon so vortheilhaft sowohl durch seine Kenntniße, als vortrefliche Methode bekannt gemacht, daß Ein Hohes Curatorium gewiß vorzügliche Rücksicht auf diesen Mann nehmen wird. Es wäre aber auch zugleich zu wünschen, daß eben diesem Manne das wichtige Fach der Geometrie, und Perspectiv zugleich könnte übertragen werden. Er würde gewiß beiden Lehrämtern mit | 22 Zufriedenheit und Ehre der gesammten Academie vorstehen, und dabei könnte für beide Stellen eine Besoldung festgesetzt werden, daß ein Mann mit Liebe seine Fächer betreiben könnte. Vielleicht wenn auch Herr Profeßor Wagner seines Alters wegen ietzt außer Thätigkeit gesetzt, und ihm übrigens sein Gehalt gelaßen würde, Herr Simon doch zufrieden wäre, wenn er nur in der Folge in deßen Gehalt eintreten könnte. Er hätte dann wöchentlich dreymal in der Bauphysik und dreymal in Geometrie und Perspectiv - und zwar immer zwey Stunden nacheinander zu lehren. Folglich dürfte ein Gehalt von 7 bis 800 reichsthaler jährlich nicht zu viel seyn. Indeßen da derselbe noch seine Carriere bei dem Ober Hof-Bau-Amt machen kann, so würde er sich wahrscheinlich jetzt mit | 23 dem jährlichen Gehalt von 500 reichsthaler begnügen, wenn ihm dann noch 200 reichsthaler nach dem Tode des Herrn Professor Wagner zugelegt würden.

Für die Fächer der Trigonometrie, des höhern Kalküls, der Mechanik, und Hydrotechnick bedürfte man zwey Lehrer. Hiebei erdreisten wir uns besonders auf den Herrn Geheimen Rath Eitelwein aufmerksam zu machen. Vielleicht fände sich auch der zweyte Lehrer unter den Mitgliedern des Ober-Bau-Departements. Herr Assessor Zietelmann soll bereits in der Trigonometrie und den Berechnungen p mit vollem Beifall Privatunterricht ertheilen. Beide müßten tüchtige Männer seyn: ein jeder dreymahl in der Woche, und zwar das ganze Jahr durch lehren. Auch die Besoldungen müßen ihren Stellen angemeßen seyn. | 24

Für die Lehre der Construction dürfte man vielleicht ein taugliches Subject bei dem Ober Hof Bau-Amt finden. Allein es wäre hiebei scharf zu wählen, indem die Klaße äußerst wichtig ist.

Herr Bau-Inspektor Meinecke, der zugleich schon Profeßor an der Königlichen Akademie ist, soll vorzüglich dieser hiezu tauglicher Mann seyn. Er hat dreymahl in der Woche das ganze Jahr durch zu lehren. Die Besoldung müßte wenigstens den vorigen zwey Profeßoren gleich sein.

Für die Lehre der Gebäude würde der schon bestellte Professor, und Ober Hof-Bau-Inspektor Gentz, gewiß der wünschenswerthe Mann sein. Er hätte auch das ganze Jahr dreymahl in der Woche zu lehren, und die Wichtigkeit seiner Stelle erforderte allerdings eine etwas erhöhtere Besoldung; als bei den genannten Lehrämtern. | 25

Für die Klassen der Figuren-Zeichnung und der freien Handzeichnungen bedarf es keiner besondern Lehrer und Besoldung, da diese Fächer schon in der Abtheilung der bildenden Künste gelehrt werden.

Die Theorie und Geschichte der Baukunst bei den ältern und neuern Völkerschaften, welche von dem hiezu bestellten Professor Hirt gelehrt wird, bedarf es auch keines besondern Gehaltes, indem er im Ganzen für sein academisches Lehramt bezahlt wird.

In dem Plane des Ober-Bau-Departements wird angegeben, wie man die nöthigen Fonds zur gründlichen Einrichtung des architektonischen Unterrichtes erhalten könnte und wenn diese zu den schon hiezu existirenden Fonds geschlagen würden, so dürften sie ohne Zweifel hinreichend sein, besonders da der größte Theil der dabei angestellten Profeßoren sich um | 26 so eher mit einem mäßigen Gehalt begnügen könnten, weil sie nicht gehindert würden, dabei ihre fernere Carriere bei dem Ober Hof-Bau-Amt, oder Hof-Bau-Departement zu machen.

Die Schüler, welche nie unter dem zwölften Jahre angenommen werden sollten, müßten billig für jedes Fach des Unterrichtes ein festzusetzendes mäßiges Honorar erlegen: und so viel möglich die nicht bezahlenden ganz ausgeschloßen werden. Indeßen scheinet der Vorschlag des Herrn p Becherer sehr gründlich, diese Gelder nicht in die Hände der Professoren, sondern in die Kasse der Academie einzuliefern.

Das Lokale bedürfte hiebei einer ansehnlichen Erweiterung: nämlich zwey neue Sääle für den Unterricht, und einen andern, der als Modellkammer diente. Jede Klasse hätte darinn ihre geschloßene Abtheilung, | 27 erstlich um Unordnung in Aufstellung der Maschinerien und Modelle zu vermeiden, zweitens um sie eher vor Beschädigung zu sichern. - Jeder respective Professor, und der Castellan hätten die Schlüssel dazu.

Der Vorschlag des Herrn p Becherer wäre auch in dieser Rücksicht sehr annehmlich - daß nemlich das Lokale auf Unkosten des Ober Hof-Bau-Amtes erweitert würde: etwa durch Aufsetzung eines Stockwerckes über demjenigen Theil, wo jetzt die Gips-Abgüße stehen. Allein da nicht nur für den architektonischen Unterricht ein beßeres und erweitertes Lokal nöthig ist, sondern auch für die Gipsklasse, und für die Zeichnungsschule für Handwercker, so muß hierüber ein gemeinschaftlicher Verbeßerungs-Plan gemacht werden, damit die Academie auf einmahl das Benöthigte für ihre gesammte | 28 beßere Einrichtung von dem Könige erhalte. pp

Berlin den 30ten Junius 1798.

[gez.] Berger. [gez.] H. Chr: Genelli. [gez.] Hirt.