Allerdurchlauchtigster,
Allergnädigster König und Herr!

In der allerunterthänigsten Eingabe in den letzten Monaten des verfloßenen Jahres, haben wir treuen Siehe das Schreiben vom 31.10.1825.
[Schließen]
Bericht
über den Zustand und den Fortgang der Arbeiten für das Königliche Museum abgestattet, und zugleich die Wünsche zu erkennen gegeben, welche dahin zielen, für die Zukunft werkthätiger verfahren zu können, damit zur Zeit der Aufstellung in dem Museo alles in der erforderlichen Bereitschaft sey. | 2

Ein Theil dieser Wünsche betraf auch das jetzige Locale in der Königlichen Akademie, nämlich wie unmöglich es sey, die diesjährige Ausstellung in dem Akademie Gebäude zu halten, wenn nicht alle Arbeiten der Commißion gehemmt, und das Manche durch die Restauration schon vorbereitete, nicht auf's neue der Gefahr ausgesetzt werden sollte, beschädigt zu werden.

Mit wahrhaft großer Bemühung, und nicht mit geringem Geldaufwande war es der Commißion gelungen, in dem, für die große Masse der Gemälde nur sehr dürftig, Lokale des Akademie-Gebäudes, eine Werkstatt für die Restauration einzurichten, wodurch wir hoffen konnten, die vielen und großen Arbeiten glücklich und ehrenvoll zu fördern.

Nichts konnte uns daher also schmerzlicher treffen, als der in diesen Tagen durch des Herrn Geheimen Staatsministers Freiherrn von Altenstein Excellenz an uns eingegangene Befehl: daß das Akademie-Gebäude geräumt, und die Gemälde in verschiedene andere Orte, des Schloßes und des Anspachischen Palais in der Wilhelmsstraße, vertheilt werden sollten. | 3

Wir würden es vergeblich versuchen, mit Worten diesen unsern trostlosen Zustand zu schildern. Auf einmal sehen wir uns in der von Eurer Majestät uns übertragenen so ehrenvollen Thätigkeit gelähmt, und uns außer Stande gesetzt, unsere Bemühungen zweckmäßigen Erfolg zu geben.

Eure Königliche Majestät sind aber zu einsichtsvoll, zu gnädig und gerecht, um zu befehlen, was mit der Ausführung im Widerspruch steht, und Eure Majestät sind bei dem großen Unternehmen zu sehr selbst intereßirt, um eine Arbeit in Stocken gerathen zu laßen, an welcher die Ehre des preussischen Nahmens für In- und Ausland hängt. Wir sehen es also als unsere Pflicht an, zu sagen, und umständlicher zu wiederholen, was wir früher über die Natur unseres so schwierigen Geschäfts an Eure Königliche Majestät einberichtet haben.

Es ist eine unabläßigliche Bedingung für unsere Thätigkeit, daß die Gemälde alle bis zur definitiven Aufstellung in dem Museum zusammen bleiben, und zwar in einem hiezu schicklichen und hinreichend großen Locale, und dies aus zwey Ursachen: einmal wegen der nothwendigen Classificirung der Werke, und zweitens wegen der einzig zweckmäßigen, | 4 und so viel möglich expeditiven, und weniger kostspieligen Restaurationsweise.

In Rücksicht der Restauration geben wir nur Folgendes zu erkennen:
1) Die Gemälde können nicht etwa einzeln zur Restauration kommen und einzeln vollendet werden, dies würde einen ganz unverhältnißmäßigen Zeit-Aufwand veranlassen, sondern hundert und mehr sind auf einmal in der Arbeit begriffen. Hier werden die Tafeln, die sich geworfen oder Riße haben, wieder eingerichtet und gefügt, dort werden andere gereinigt. Aber das Reinigen selbst kann nicht immer auf dieselbe Weise, und nicht auf einmal geschehen, sondern oft zu wiederholten malen und nachdem Zeit dazwischen verstrichen ist. Dann sind
2) die Wurmlöcher auszustopfen, schadhafte Stellen in dem Holze auszustechen, der Kreidengrund, wo es noth thut, zu beßern. Dann müssen die Stellen, wo der Kreidegrund und die Farben sich [vermischt] haben und abzufallen drohen, sorgsam niedergelegt und wieder befestigt werden, was nicht selten sehr umständlich und schwierig ist.
3) Sind die Gemälde auf diese Weise vorbereitet, so kommen sie in solche Hände, welche den beschädigten Stellen die erste Grundfarbe geben, welche dann zurückge- | 5stellt und nach längerer Austrocknung das zweite mal auf ähnliche Weise übergangen werden.
4) Nach der Gründung übernimmt erst der eigentliche Meister die Vollendung. Aber auch diese Vollendung kann auch nur allmählig und nach Pausen vor sich gehen. Endlich kann die letztere Retouche nur nach langem Ruhen vorgenommen werden.
Firniße haben die bis jetzt in verschiedenem Grade fertigen Bilder noch gar nicht erhalten, denn je länger die Bilder ruhen, desto weniger ist zu befürchten, daß die restaurirten Stellen nachdunkeln, oder einen unharmonischen Ton annehmen.

Aber außer der zweckmäßigen Restauration, welche das Zusammenseyn der Gemälde erfordert, ist solches eben so unbedingt nöthig für die Classificirung und das Ordnen der Gemälde, wie sie im Museo aufgestellt werden sollen. Dies machet eine sehr große und schwierige Arbeit, bei deren nähern Beschreibung wir aber mit Recht fürchten müßten, die Geduld Eurer Königlichen Majestät zu ermüden.

Wenn demnach die Commißion das Akademie-Gebäude aufgeben soll; so sieht dieselbe als unerläßliche Bedingung für ihre fernere Thätigkeit an, daß ihr ein Lokal eingeräumt werde, welches wo möglich | 6 noch größer und umfaßender ist, als das bisherige Lokale in der Akademie, und hiezu benennt sie das einzig hiezu geeignete Gebäude, nämlich das Haus in der Behrenstraße, welches früher das Handelsministerium inne hatte.

Wir sind daher gedrungen, Eure Majestät aufs allerunterthänigste und flehendlichste zu bitten, mit der Sache und mit uns die Barmherzigkeit zu haben, dem bis dahin so glücklich fortgesetzten Geschäfte die Allergnädigste Fürsorge auch fernerhin nicht zu entziehen, und die Möglichkeit eines glücklichen Erfolgs der höchst mühsamen und schwierigen Operationen, dadurch Allergnädigst herbeizuführen, daß das oben gedachte Gebäude bis zur Vollendung des Geschäfts, für dasselbe ganz zur Disposition gestellt werde.

Berlin, den [ ]ten April 1826.

[gez.] Schinkel [gez.] Hirt