An eine hochlöbl. Section des Cultus - in Sachen, die Kunstakademie betreffend.

Mir ist das Schreiben der Section an den academischen Senat vom 11ten November 1809 mitgetheilt worden, nach welchem für den mit der Kunstakademie zu verbindenden Unterricht in der Baukunst ein besonderer Ausschuß ernannt ist, wovon ich auch die Ehre haben soll, eines der Mitglieder zu seyn.

Ich gestehe, daß in diesem Rescript mir manches ganz unerwartet ist, und ich es mit frühern Anordnungen nicht zusammen reimen kann. Bevor ich mich also auf eine Funktion einlaße, deren Zweck und Umfang mir keinesweges klar ist, bitte ich mir zu erlauben, einige Bemerkungen unmittelbar zur Einsicht der Section bringen zu dürfen.

1) Nach frühern Rescripten der Section ward der academische Senat aufgefordert, über eine beßere Organisation des Kunstunterrichtes Vorschläge zu thun. Dies ist von Seite des akademischen Senats geschehen, und die Protocolle hierüber bereits der Section eingesendet worden. Der akademische Senat, der seine bisher sehr schwankende Zusammensezung, Rechte und Befugniße einsah, glaubte zugleich auch einen Plan vorlegen zu müßen, wie die Oberaufsicht über die Kunststudia, welche bis iezt der academische Senat hatte, in Zukunft zweckmäßiger eingerichtet werden könnte, wenn dieser Senat ganz aufhörte, und eine gewiße Anzahl Mitglieder desselben unter dem Namen der Kunstclasse mit der Akademie der Wißenschaften verbunden würden. Die wechselseitigen Vortheile, die hieraus sich ergeben könnten, sind im Plane selbst angedeutet, so wie auch die nähern Verhältniße, in welchen diese Kunstclasse einerseits zur Gesammt- | 2akademie, und anderseits zur Kunstschule stehen sollte. Enthielte nun dieser Plan Ideen, welche einer reifern Reflexion der Section würdig wären, so dürfte der Sinn des leztern Rescriptes leicht eine andere Anwendung erhalten, und die künftige Oberaufsicht über das Kunststudium zweckmäßiger eingerichtet werden.

2) Wird die Section aus dem neuen Organisationsplan des akademischen Senats ersehen, daß die Fächer, welche in Zukunft den Kunstunterricht constituiren sollten, einen ganz andern Gang und Einrichtung erhalten, daß die Lehrer in der Baukunst nur auf drey Mitglieder reducirt sind, und in's besondere die Hydrotechnik kein besonders LehrFach an der Kunstschule seyn würde. Alles, was hievon zur Baukunst gehört, würde theils in der Lehre der Baukunst, theils in der Lehre der Gebäude vorgetragen. Der physische und mathematische Theil der Hydrotechnik ist allgemein wißenschaftlich, und gehört, so wie jede Hülfswißenschaft, nicht mehr für die Kunstschule, sondern für die Universität. Hiernach würde Herr p. Eitelwein viel paßender als Lehrer der angewandten Mathematik, wovon die Mechanik und Hydraulik besondere Theile sind, zur Universität gezogen werden. Überhaupt haben sich die Mathematiker heut zu tage viel zu weit in die Kunst, und in's besondere in die Baukunst eingemischt. Man muß nie vergeßen, daß die Kenntniß der Mathematik bis auf einen gewißen Grad eine rein nüzliche Hülfswißenschaft für den praktischen Künstler ist. Physik und Mathematik sind allgemeine Lehren; sie greifen überall ein; also natürlich auch in die Kunstfächer. Aber warum solche Hülfswißenschaften in's besondere in die Kunstschulen einführen, da sie ohnedem an der Universität müßen gelehrt werden, und der Künstler, so wie jeder andere Student, sie an lezterer Anstalt hören kann? -

3) In Rücksicht der Gelder für die Matrikel, und des Honorariums für den Unterricht, wovon das Rescript Meldung | 3 thut, ist der academische Senat der Meinung, daß beide fortdauren sollten. Jedoch um allen Mißbrauch zu hindern, über den man häufig klagen hörte, sollten solche Gelder nicht von den Lehrern eingenommen werden, sondern unmittelbar in die allgemeine Casse fließen. Daher sollte es auch den Mitgliedern der technischen Oberbaudeputation für immer verboten seyn, unter irgend einem Vorwande Privatcollegia zu lesen.

Überhaupt da mir das Beste der Kunst sowohl in der Theorie als in der Ausübung am Herzen liegt, kann ich nicht umhin, eine Anmerkung über die Einrichtung der neuen technischen Oberbaudeputation zu machen. Diese soll nämlich unter anderm auch die für die Baukunst anzustellenden Subjecte prüfen. Wie soll aber dies geschehen, wenn die Mitglieder derselben bloß aus so genannten Land- und Waßerbaumeistern bestehen? - Die wahre Kunst und Kunstrichtung muß von dem Höhern und Gesammten ausgehen. Dies umfaßt aber allein der Architekt in dem wahren Sinne des Wortes, aber nicht solche, welche nur einzelne Hülfswißenschaften und Praktiken hievon verstehen. Übrigens ist aus der Erfahrung bekannt, daß solche Examinatoren und Censoren nur zu vielen Einfluß sowohl auf das Studium der Zöglinge, als auf die Ausübung der angestellten Bauleute haben, indem die ersten nichts studiren, als den Examinatoren in den Fächern, wovon sie selbst etwas verstehen, zu genügen und die zweyten nicht die wirkliche Verbeßerung des Bauwesens zum Zweck haben, sondern bey Führung ihrer Werke einzig trachten, gewiße vorgeschriebene Formeln zu erfüllen. Ich darf hierüber frey sprechen, da kein Verdacht auf mir ruhen kann, als wenn ich selbst eine solche Stelle ambitionirte.

4) Nach dem Rescript sollen die bißherigen | 4 Büchersammelungen der Bau- und Kunstakademien auch mit der künftigen Akademie (doch ohne Vermischung der Bücher) verbunden bleiben. Allein ich muß gestehen, daß ich dies nicht zweckmäßig finde, und ich es für beßer hielte, daß alle Bücher mit der großen königlichen Bibliotek vereinigt würden. Erstlich wäre es dann nicht nöthig, so viele kostbare Werke doppelt und dreyfach anzuschaffen, wo dann aus Mangel an Fond gewiße sehr wichtige Werke gar nicht, oder doch nur sehr spät angekauft werden können. Zweytens werden bey mehrern Büchersammlungen auch mehrere Lokale und Aufseher erforderlich. Drittens weiß ich aus Erfahrung, daß es sehr umständlich ist, und man immer mehrmal hin- und her schicken muß, bis man aus diesen beiden Sammlungen der Kunst- und Bauakademie ein Buch haben kann. Daher dann das ewige Klagen über die Unordnung dieser Biblioteken. Sind hingegen alle Werke auf der großen königlichen Bibliotek versammelt, wo die Aufseher alle Tage zu gesezten Stunden gegenwärtig sind, so verursachet weder das Holenlaßen der Bücher, noch das Lesen oder Nachschlagen auf der Bibliotek selbst die geringste Umständlichkeit.

5) Am Ende des Rescriptes redet die Section auch von einem ähnlichen mit dem akademischen Senate zu verbindenden Ausschuße für die Musik. In dem neuen von dem Senate eingereichten Plan ist auch dieser Zweig der schönen Künste nicht vergeßen, doch zugleich in Verbindung mit der Mimik. Es wäre zu wünschen, daß die Section auch auf leztere Rücksicht nähme.

Überhaupt wäre zu wünschen, daß die neue Organisation der Akademien der Wißenschaften und Kunst, so wie die Universität mit allen dem, was dazu gehört, nicht stückweise vor sich gienge, sondern jedes bevor genau in Beziehung auf das andere gesezt würde, so daß alle Theile in genauer Harmonie zu einander zu stehen kämen.

Berlin den 2ten Jan. 1810.

Hirt.