An / Seine Mayestät / den König / in / Sachen des königlichen / Museum's / von A. Hirt.

Großmächtigster / Allerdurchlauchtigster König / und Herr!

Wenn ich allerunterthänigst es wage, in Sachen der Anordnung des Königlichen Museum's mich unmittelbar an Ew. Königliche Mayestät zu wenden, so geschieht es, weil der Chef der Immediatcommission für das Museum, Se Excellenz der Minister v. Altenstein seit länger Zeit kränklich und zur Zeit abwesend ist.

Geehrt durch das allerhöchste Zutrauen habe ich im Jahre 1820 den Auftrag pünktlich vollzogen, der mir auferlegte, die Gegenstände alter und neuerer Kunst, die in den königlichen Sammlungen vorhanden sind, und sich zur Aufstellung in einem Museum eignen, aufzuzeichnen, und dieselben für eine künftige Aufstellung vorläufig in Classen zu ordnen. Ich darf mich hierwegen auf den Aufsatz berufen, den ich damals an ein hohes Ministerium des Cultus einreichte.

Später haben Ew. Konigliche Mayestät zu demselben Zweck die überaus wichtige Sammlung von Eduard Solly erstanden: eine Erwerbung, die in den Annalen Ew. Mayestät Epoche machen, und Allerhöchstdero Namen für immer unter die großmüthigsten Beschüzer wahrer Kunst stellen wird.

Auch ietzt rief das Zutrauen | 2 Ew. Königlichen Mayestät mich, als Mitglied, zu der Immediatcommission, die unter dem Vorstand des hochseeligen Staatskanzlers Durchlaucht mit den vorläufigen Anordnungen zu dem zu errichtenden Museum beauftragt wurde.

Ich legte dem Fürsten zu diesem Zwecke einen Aufsatz vor, welcher in der ersten Sitzung den Faden zur Deliberation gab. Hierauf erhielten der Geheime Oberbaurath Schinkel und ich den besondern Auftrag, zunächst über den zu führenden Bau, und über die Auswahl der Gemälde aus der großen Sollyschen Masse gemeinschaftlich mit einander zu berathen.

Auf diese Weise entstand der Entwurf zu dem Aus- und Neubau des königlichen Academielocals vollkommen in unserm Einverständniß.

In einer zweiten Session wurden die Risse vorgelegt, und dann mit einem vorläufigen Anschlag an Ew. Königliche Mayestät übergeben. Und wir hatten die Freude, unsere vorläufige Arbeit mit dem allerhöchsten Beyfall aufgenommen zu sehen.

Während nun Herr Schinkel sich weiter mit dem Detail des zu führenden Baues beschäftigte, hatte ich meine Arbeit in der Sollyschen Sammlung fortgesetzt, und im Verlaufe von zwei Sommern angestrengter Arbeit gelang es mir, nicht nur die große Masse von Gemälden zu sichtigen, die Verzeichniße davon zu entwerfen, und nach Classen zu ordnen, sondern auch im vorigen Sommer noch das Sollysche Haus zu räumen, die | 3 Gemälde nach ihrer Beschaffenheit vorläufig von einander zu trennen und hiernach in verschiedene Lokale zu vertheilen: worüber ich zur Zeit ausführlichen Bericht an Se Excellenz den Minister v. Altenstein erstattete.

Während genannter meiner Arbeiten ward die Immediatcommission bey Ser Excellenz dem Minister Grafen v. Bülow versammelt zur Ansicht eines neuen Museumbaues im Lustgarten.

Da mir früher hiervon nichts mitgetheilt ward; befremdete mich dieser Entwurf allerdings, und um so mehr, da er wesentlich von den Principien über die Einrichtung eines Museum's abwich, worüber p. Schinkel und ich früher übereingekommen waren.

Ich erhob dagegen, wie es mir scheint, sehr gegründete Einwürfe, und ließ Siehe Hirts Votum vom 4. Februar 1823.
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mein Gutachten
, doch nur über einzelne Punkte, dem Protocolle schriftlich beyfügen.

Seit jener Zeit vernahm ich auf offiziellem Wege nichts weiter hiervon, und bloß durch Hörensagen erfuhr ich, daß der Plan des Baues auf dem Lustgarten genehmigt sey; doch nicht: ob mit, oder ohne Modificationen desjenigen Planes, der damals der Immediatcommission vorgezeigt ward.

Ietzt da bey eintretender Frühlingswitterung ich eine neue Arbeit unter dem Gemälden in der Akademie beginnen wollte, welche darin bestehen sollte, auf einer Reihe von Blättern alle Bilder nach ihren | 4Maaßen so zu zeichnen, wie sie dereinst neben einander auf jeder Wand aufgehangen werden sollten, um dann das ganze Tableau des Museums Ew. Königlichen Mayestät allerunterthänigst vorzulegen; so war ich genöthigt, mir von dem Architekten eine Notiz über die Anlage und Größe der Räume zu erbitten. Dies geschah. - Aber sehr unerfreulich wurde für mich die Überzeugung, daß in der Disposition der Räume zur Aufstellung der Bilder ein Plan befolgt worden ist, der nicht nur von unserer frühern Übereinkunft abweicht, sondern wobey das System der Aufstellung, wodurch das Wesentliche und Eigenthümliche der Sammlung hervorgehoben werden soll, hautsächlich leiden würde. Ich machte daher dem Architekten hierwegen Vorstellungen. Allein die Antwort war: "Der Plan des Baues sey allerhöchsten Orts approbirt, und leide nicht die geringste Abänderung."

Ungern mußte ich also meine Arbeit einstellen, indem ich unter solchen Umstanden keine Hoffnung haben könnte, dem Allerhöchsten Zutrauen bey der Aufstellung der Gemälde zu entsprechen. In diese trostlose Lage versetzt verblieb mir also kein anderer Rath, als mich allerunterthänigst an Ew. Königliche Mayestät selbst zu wenden, und Allerhöchstdero Gnade zu imploriren.

Ich habe mein ganzes Leben mit dem Studium der Künste hingebracht, und diesen meinen | 5 Bemühungen verdanke ich das huldvolle Zutrauen, mit welchem Ew. Königliche Mayestät mich bisher beehrten. Ich kann aber diese gnadenvolle Huld, das Schätzbarste, was ich auf dieser Welt habe, nicht einer Nachgiebigkeit aufopfern, die meine Überzeugung, so wie meine Ehre auf das Spiel setzen würde.

Ich bitte also, was ich bitten kann: Geruhen Ew. Königliche Mayestät noch eine Revision des Baues allergnädigst vornehmen zu laßen, iezt da es noch Zeit ist, und die begonnenen Arbeiten bey dem Bau dadurch noch keinen Aufschub erleiden.

Auf das Äußere des Baues will ich mich dabey nicht einlaßen (was ich zwar nach meinen Grundsätzen nie gutheißen kann, eben so wenig als die Rotonda in der Mitte des Hofes). Mein gerechter Wunsch geht lediglich dahin, daß die Räume jene Einrichtungen erhalten, daß die verschiedenen Classen der Gegenstände, welche das Museum ausmachen sollen, gehörig aufgestellt werden können. Denn die Gegenstände sind nicht des Baues wegen da; sondern der Bau hat sich nach den Gegenständen zu richten. Diese allein geben den Maaßstab, den Bau richtig anzuordnen.

Wenn ich es also wage, zu Ew. Königlichen Mayestät mit Zuversicht zu sprechen; so gründet sich dies auf meine innere Überzeugung, die keine öffentliche | 6 Kritik scheuet, und auf die Pflichtgebühr, die seit den 28 Jahren, die ich in Ew. Mayestät Diensten bin, immer meine Richtschnur war.

Ich achte den Geheimen Oberbaurath Schinkel als einen talentvollen und gewandten Architekten, und ich habe keinen Anstand mit ihm zu conferiren, wenn es unter der Leitung einer höhern Person geschieht: welche ich, wenn es nicht zu kühn wäre, in der Person des Kronprinzen Königlicher Hoheit vorschlagen würde, etwa noch im Beysein des Herrn p. Ancillon.

Ich weiß zwar wohl, daß des Kronprinzen Königliche Hoheit eine Vorneigung für die anscheinende Pracht der Schinkelschen Risse haben. Deßen ungeachtet halte ich mich überzeugt, daß die besonnenen Einsichten Ser Königlichen Hoheit nur das Zweckmäßige und Rechte wollen können.

Ich bitte allerunterthänigst um Verzeihung, wenn diese meine Vorstellung zu kühn scheinen möchte. Sie hat wahrhaft den lautersten Quell zur Absicht; und mit tiefester Ehrfurcht gegen meinen allergnädigsten Monarchen geharre ich

Ew. Königlichen Mayestät allerunterthänigster Hirt

Berlin 15 May / 1824.