Ich habe nun den zweyten Winterkurs meiner Vorlesungen an der königlichen Bauakademie vollendet: und da ich während dieser Zeit hinreichende Gelegenheit hatte, mir eine genaue Idee von dem Gange, und dem gemeinschaftlichen Unterrichte an derselben zu verschaffen, so sind mir natürlich die vielen wesentlichen Mängel u. Gebrechen ihrer Organisation nicht entgangen: und leider hat nun die Erfahrung erprobt, was ich im voraus von einer solchen Einrichtung theils an das Protocoll schriftlich gab, theils mündlich äußerte.

Ich sehe es daher, als meine Pflicht an, meine Ansicht der Sache auf's neue an die nächste Behörde gelangen zu laßen mit der Hoffnung, daß dieselbe iezt durch beßere Einsichten, und Erfahrung geleitet, sich werde angelegen seyn laßen, soviel möglich den bestehenden Gebrechen zu steuern.

Nach meiner Meinung sind die Mängel folgende:

1. Ein wesentlicher Fehler ist, daß keine bestimmte Classification eingeführt ist. Die jungen Leute frequentiren die Vorlesungen, welche sie wollen, und ihnen ist nichts in dieser Rücksicht vorgeschrieben. Der Bauunterricht machet aber ein Zusammenhängendes | 2 Ganze, und die verschiedenen Lehrfächer sind unter sich einander subordonirt, so daß es unmöglich ist gewiße Fächer zu verstehen, ehe nicht andere vorher gründlich erlernt sind. Da aber die jungen Leute dieß durch sich nicht wißen können, so muß eine feste Norm existiren, welche ihnen anzeiget, nach welcher sie die verschiedenen Fächer zu erlernen haben. Ich erkläre mich durch ein Beyspiel. Mein Fach hat die höhere Ausbildung des jungen Architekten zum Zweck. Ich lege den jungen Leuten die architektonischen Denkmäler aller Völker u. Zeiten dar, erläutere ihnen dieselben nach den Urgesezen der Kunst, wo dabey sowohl auf das mangelnde u. fehlerhafte, als auf das gute, zweckmäßige u. Schöne Rücksicht genommen wird. - Die Eleven können mich aber unmöglich verstehen, und den gehörigen Nutzen aus den Vorlesungen ziehen, wenn sie nicht vorher in folgenden Fächern gründlich unterrichtet sind. 1. in der Geometrie. 2. in der Fertigkeit aller Theile des Zeichnens, welche einem Architekten in seiner künftigen Praxi vorkommen können. 3. in der Perspectiv, und Optik. 4. in der Mechanik. 5. in der Lehre des Zimmermanns, des Mauers und Steinmezen, oder in der sogenannten Constructionslehre. - Alle diese Fächer gründlich | 3 erlernt muß ich bey meinen Schülern voraussezen, und nun - was für Schüler habe ich fast durchgehends bis iezt gehabt? - Antwort: Leute, wovon der eine keine Geometrie, der andere keine Perspektiv, der dritte keine Mechanik, der vierte keine Constructionslehre wußten; ja wo die meisten noch so weit zurück waren, daß sie nicht einmal nothdürftig, vielweniger fertig, und bestimmt zeichnen konnten. - Was ist nun die Folge? - Daß die jungen Leute mich nicht hinreichend verstehen, Langeweile bekommen, und anstatt die Vorlesungen zu frequentiren; ihre Zeit mit Spaziergehen verderben. Ohne eine feste Classification ist schlechterdings kein guter Erfolg für die Bauzöglinge denkbar. Ich habe die Classification der Baufächer in dem Plane, welchen ich zu seiner Zeit für den architektonischen Unterricht an ein hohes Curatorium überreichte, genau angegeben. Warum man davon abgieng, weiß ich eben so wenig als die ursache, warum man diesen Plan, der doch bey dem Committé, wo der verstorbene Kanzler v. Hoffmann presidirte, zu grund gelegt wurde, in der gedrukten Relation von der Errichtung der Bauakademie ganz zu ignoriren schien.

2. Das zweyte Übel, als eine Folge des Mangels einer bestimmten Classification, ist die willkührliche Frequentation. | 4 Den jungen Leuten ist frey gegeben, in jedem Semestre nicht nur die Fächer für ihr Studium selbst zu wählen, sondern auch so viele Fächer, als sie auf einmal zu erlernen Lust haben. Hat der junge Mensch seine Matrikel bezahlt, und erlegt er seine Collegiengelder, so wird er angenommen. Ich zum Beyspiel habe keine Autorität, den jungen Menschen, sey er noch so unwißend, abzuweisen, sobald er mir die Matrikel vorgezeigt hat. Was ist nun die Folge von einer solchen Einrichtung? Antwort: Die meisten jungen Leute eilen, so früh wie möglich von der Akademie los zu kommen, um so bald wie möglich angestellt zu werden. Dadurch geschieht es, daß sie auf einmal so viele Fächer zu erlernen über sich nehmen, daß sie sich unmöglich in einem einzigen gründlich unterrichten können. Es ist daher nicht nur eine feste Classification nöthig, sondern zugleich auch eine feste Vorschrift, welche, und wieviel Fächer sie in einem Semestre auf einmal erlernen sollen.

3. Dem Lehrer sind keine mittel gegeben: den Schüler zum Fleiß, und zur Frequentation anzuhalten. Es ist eine irrige Meinung, daß man die Bauschulen, weil das Institut Academie heißt, wie die Studenten an einer Universität behandeln müße. an dieser studiren in der Regel schon reife Leute, hinreichend gebildet, um sich in den weitern Studien ihres künftigen Berufes selbst zu führen. Hingegen an einer | 5 Bauakademie sind in der Regel nur junge Leute, welche einer schärfern Aufsicht, u. Leitung bedürfen. Eine Akademie in der Rücksicht ist mehr mit einem Gymnasium, als mit einer hohen Schule zu vergleichen. Es ist daher nöthig, daß jedem Lehrer mittel gegeben seyn: erstlich die Schüler zur Frequentation anzuhalten, zweytens ihn über das Vorgetragene zu examiniren, drittens bestimmte Arbeiten, die der Lehrer ihm überhause aufgiebt, an ihn zu fordern.

4. Die zugroße Zerspaltung der Lehrfächer unter zu viele Lehrer. Nach meinem Urtheile ist es eine sehr irrige Meinung, als wenn der Lehrfächer, oder der Gegenstände, welche iezt gelehrt werden, zu viel wären. Ich kenne nicht ein einzelnes Fach, welches man entbehrlich nennen könnte. übrigens führt der Begriff einer Academie schon mit sich, daß die Lehranstalt, für welche sie sich bestimmt, so vollständig sey, wie möglich, damit brauchbare Männer in jedem Baufache daran gezogen, u. gebildet werden können. Da auch wirklich die königliche Akademie nach diesem Fuße fondirt ist, so muß es allerdings, besonders für ein unterrichtetes Ausland auffallend bleiben, daß in der Nachricht von Errichtung der königlichen Bauacademie - der besondere Zweck bloß auf die theoretische | 6 und praktische Bildung tüchtiger Feldmeßer, Land- und Waßerbaumeister; auch Bauhandwerker vermittelst der Kunstschulen, gehen soll - u. daß die Beförderung des reinen Geschmacks in der Baukunst nur gleichsam als Beysache (accessoire) angehängt ist. - Wie? laßen sich die Grundsäze u. Studien, nach welchen der Land- und Stadtbaumeister gebildet werden sollen, so scharf voneinander trennen? wo ist diese Scheidungslinie? - welche Art Gebäude gehören nur aufs Land? und welche nur in die Stadt? - Muß der Land- und der Stadtbaumeister die Constructionslehre nicht auf gleiche Weise inne haben? wird nicht zur Anordnung jedes Baues bey der Scheune, wie beym Pallaste Geschmack erfordert? - oder versteht man unter Geschmack eben bloß die Anbringung architektonischer Schnirkeleyen? - Der Endzweck der gesammten Architektur, also für den Land- wie für den Stadtbaumeister besteht darin, "in jeder art von material - in Lehmpazen, wie in Stein, in Holz, wie in Marmor - solid mit der höchsten œconomie, bequem für den Gebrauch, u. die Bestimmung des Baues, und wohlgefällig fürs Auge mit der höchsten Simplicität zu bauen." weiter: warum bey einer Bauakademie die Bildung des architektonischen Geschmackes als ein bloßes accessoire betrachten? - Geschmack | 7 erfordert jedes Werk: und nur die Architektur ist es, von deren festen Grundsäzen man die gründliche Verbeßerung der Handwerker und alles Technischen überhaupt erwarten kann, und muß. Der wahre Geschmack ist die höchste Zweckmäßigkeit verbunden mit wohlgefälligkeit in jedem Bauwerk, daher derselbe nie genug gelehrt, nie genug verbreitet, nie genug in allen Köpfen rege und lebendig gemacht werden kann. Die Bildung des Geschmackes muß der erste und lezte Zweck jeder Bauschule seyn. Denn nur dadurch bewirkt man die Verbeßerung des Bauwesens, u. der übrigen Gewerke in einem Staate.

Da eine Bauakademie nie anders richtig, als aus diesem Gesichtspunkt betrachtet werden kann, so erfolgt natürlich, daß alle iezt bestehenden Lehrfächer bey derselben als zweckmäßig, u. nothwendig zu betrachten sind - die einen nemlich als Hülfswißenschaften, ohne deren Kenntniß sich keine Architektur denken läßt, die andern als Fächer, die den Architekt unmittelbar bilden. Unter die ersten gehören Geometrie, Trigonometrie, Perspectiv, u. optik, Statik, Hydrostatik, mechanik, Hydraulik, Maschinenlehre, Bauphysik. Unter die zweyten: das praktische des Feldmeßens, u. Nivellirens. Die Zeichnungen der Situationskarten. der Maschinen, alles architektonische Zeichnen nebst den Verzierungen - weiter: die Constructionslehre, | 8 die Praktische Lehre des Waßerbaues, die Lehre der Landgebäude, die Lehre der Stadtgebäude, die Geschichte der Baukunst.

Wenn aber nach meinem Urtheile in allen den genannten Fächern der Unterricht an einer vollständigen Anstalt, oder an einer sogenannten Akademie statthaben muß, so bin ich anderseits keinesweges der Meinung, daß sie unter so viele Männer vertheilt seye, wie gegenwärtig der Fall ist. Im Gegentheil kann eine solche Zersplitterung in mancher Rücksicht nicht anders als schädlich seyn, wie bereits die Erfahrung gezeigt hat. Die Fehler einer solchen Zersplitterung sind folgende: 1. daß öfters der Unterricht über denselben Gegenstand mehrmal wiederholt wird: z. E. in der Bauphysik werden die Bestandtheile der Materialien gelehrt; und in der constructionslehre wird dieselbe materie wiederholt: Ein gleiches fürchte ich, mag zwischen der Statik u. der Constructionslehre statt haben, ein gleiches zwischen der Hydrostatik, u. dem Waßerbau. Ein gleiches zwischen dem[!] Waßerbaulehre, u. der Constructionslehre usw. 2. sind gewiße verwandte Wißenschaften, die nicht wohl getrennt werden können, oder wobey es doch immer beßer ist, wenn sie von einem Lehrer vorgetragen werden, z. B. geometrie, algebra, trigometrie Körperlehre, Curven - weiter Statik, Hydrostatik, mechanik, Hydraulik, maschinenlehre: weiter Strom-Deich-Schleusen-Hafen, Brunnen, Brücken u. wegbau. | 9 3tens sind die Fächer nicht unter so viele Männer zersplittert, und mehrere Fächer unter einem manne vereinigt; so können die Lehrer auch beßer besoldet werden. Duch eine beßere Besoldung gewinnt der Lehrer auch mehr Intereße für sein Amt, u. sieht es nicht bloß als ein Nebenverdienst an; welchem Nebenverdienst er daher auch nur glaubt, seine Nebenzeit schuldig zu seyn. - Es müßte überhaupt Regel seyn, keine anderwärts zu beschäftigten Männern als Lehrer bey der Akademie aufzunehmen. Mit dem besten Willen müßen solche nothwendig manches vernachläßigen. 4tens Bey der Vereinigung mehrerer Lehrfächer unter einen tüchtigen Mann könnten denn auch die Kosten für den Zöglinge erleichtert werden. Es ist iezt auffallend, wieviel der Zögling für so viele vereinzelte Fächer zu erlegen hat. Man hörte daher schon von Ausländern die Äußerung, alswenn diese Vereinzelung der Fächer bloß auf Geldschneiderey berechnet scheine.

Nach meinem Urtheile (und ich weiß, daß dieses das Urtheil vieler vernünftiger und sachkundiger Männer ist) würde die Vereinigung der Fächer unter die Lehrer folgende seyn. a. Ein Lehrer für Geometrie, Algebra, Trigonometrie etc. b. Ein Lehrer für Statik, Hydrostatik, Mechanik, Hydraulik Maschinenlehre. Diese beyden Lehrer dürften eben keine praktischen Geschäftsleute seyn: sondern nur treffliche Theoretiker in ihrem Fache. | 10 c. Ein Lehrer für optik, Perspektiv u. Bauphysik. - Dieser muß außer einer gründlichen Theorie das Praktische der Perspektivzeichnung verstehen, und auch praktischer Baumeister seyn, damit er aus der Physik u. chemie diejenigen Materien gründlich zu behandeln wiße, was dem praktischen Baukünstler vorzüglich zu wißen obliegt. d. Ein Lehrer für die Kunst des Zimmermanns, des Mauers, u. Steinmezen, oder die sogenannte Construction. Hiezu wird ein Architekt erfordert, der zugleich das Praktische des Bauens inne hat. E. Ein Lehrer für den Strom-Deich-Schleusen-Hafen-Brunnen-Brücken- u. Wegbau. Dieser Lehrer muß ein erfahrner praktischer Waßerbaumeister, aber zugleich auch ein tüchtiger Theoretiker seyn. f. Ein Lehrer für Landwirthschafts-gewerbe- und Fabrik-Gebäude jeder Art. Ein solcher muß ein praktischer Baumeister, und besonders ein großer Techniker seyn. g. Ein Lehrer für die Stadtgebäude. Diese Lehre fordert einen in allen höhern Theilen der Kunst und des Geschmackes erfahrnen, und praktischen Architekten. Nb. Die drey leztern Lehrer würden jeder in seinem Fache auch die beste Art die Bauanschläge anzufertigen lehren. - | 11 H. Ein Lehrer für die Geschichte der Kunst. - Dieser Lehrer kann nur ein Gelehrter seyn, der sich mit allen Theilen der Kunst vertraut gemacht hat. J. Ein Lehrer für das Situations-Carten- und Maschinenzeichnen. Dieser muß zugleich praktischer Feldmeßer, u. Nivelleur seyn, um die Zöglinge auch in leztern praktisch zu unterrichten. K. Ein Lehrer - für das architektonische Zeichnen überhaupt - sowohl mit Zirkel und Lineal, als für Bauverzierungen aus freyer Hand. Man hat iezt noch einen Lehrer für den Stil. Es ist allerdings nothwendig, daß ein Bauverständiger orthographisch schreiben, und einen verständlichen Aufsaz zu machen verstehe. Dieß Schreibgeschäft komt ihm so häufig, wie das Zeichnen, vor, besonders in Praxi. Was aber mit diesem Fach noch sehr wesentlich zu verbinden wäre, ist - ein Auszug aller Verordnungen u. Geseze, welche sich auf das Bauwesen beziehen. Ein Baumeister kann aus Mangel dieser Kenntniße manchmal sehr unwillkührlich verstoßen. An der Anzahl dieser eilf Lehrer wäre es hinreichend: und dergestalt würde der Lehrgang für Lehrer, u. Schüler ungleich einfacher, als er iezt ist: wobey man einen Drittel der iezt angestellten Leute ersparte.

5. Ein wesentlicher Fehler ist, daß man gröstentheils Geschäftsleute zu Lehrern bestellte. Dieser Nachtheil ist viel größer, als man sich vielleicht denken mag. - Indeßen will ich nicht in Abrede seyn, daß man gleichsam zu einer solchen Wahl gedrungen war: denn woher sogleich andere beßer taugliche Männer finden? Ich habe schon oben bemerkt, wie in der Collision, wo Männer mit mehrern Ämtern beschäftigt sind, nothwendig eines darunter leiden müße. In dem vorliegenden | 12 Falle mit der Academie wird es in der Collision immer leztere seyn, denn viele der Mitglieder haben praktische Staatsgeschäfte, die keinen Aufschub erleiden; wogegen man die Lehrgeschäfte immer nachholen zu können glaubet. - Übrigens verhält es sich mit einem Lehrinstitute, und einem Geschäftsbureau, wie mit der gesezgebenden u. der ausübenden Macht in einem Staate. Das Lehrinstitut sezt die Geseze fest; der Geschäftsmann ist da, um sie in Ausübung zu bringen, u. gehörigen Orts anzuwenden. - Wenn aber der ausübende Geschäftsmann zugleich Lehrer ist, so ist erstlich zu fürchten, daß er seine einzeln, einseitigen Praktiken zum vollständigen Umfang seines ihm anvertrauten Lehrfaches wähle, und sich nicht hinreichend zu Allgemeinheit, und zu den grundelementen seiner vorzutragenden Wißenschaft erhebe. Dergestalt kann es geschehen, daß nur diejenigen Praktiken, welche, und wie sie im Lande üblich sind, gelehrt werden. Die academische Lehre muß aber nicht bloß dieses bezwecken; sie müßen auch Praktiken lehren, die im Lande noch nicht bekannt, und zweytens wie die schon bekannten zu verbeßern u. zu vervollkommnen sind. Geschieht lezteres nicht, so kann das praktische Bauwesen nicht vorwärts gehen. Dabey lehret die Erfahrung aller art Menschen zu allen Zeiten, daß bloße Praktiker eigen- | 13sinnig sind, und alles verwerfen, was sie nicht selbst erfahren, oder ausgeführt haben. - Zugleich mischet sich bey solchen GeschäftsLeuten nicht selten die falsche Idee ein - blos brauchbare Leute, wie sie es nennen, erziehen zu wollen. - Was heißt aber dieß, wenn man den Spruch entwickelt? - Antwort: nichts anders, als: wir haben bis iezt diese und diese Geschäfte gehabt, und dieselbe auf die und die Weise betrieben: folglich - was brauchen die jungen Zöglinge mehr zu wißen? - Allein können der neuen Fälle nicht unendliche vorkommen? und war euere Praktik in jedem Falle die beste, einfacheste, und weniger Kostbilligste? - Die Lehre muß allumfaßend seyn, damit dem künftigen Praktiker kein unerwarteter Fall sich darstelle: und sie muß gründlich seyn, damit der künftige Praktiker selbst über seine Geschäfte weiter zu rafiniren geschickt sey. In der Regel ist es daher nie gut, Männern, welche zugleich große, und überhäufte praktische Geschäfte haben, Lehrstellen anzutrauen[!]. Damit will ich aber nicht sagen, daß die Lehrstellen bloßen Theoretikern anzuvertrauen seyn: Nein! dieß würde bey manchen Fächern der Architektonik selbst sehr schädlich seyn. | 14 Ich habe oben die Fächer besonders angegeben, wo man Praktiker als Lehrer brauchet. Diese aber müßen ihr Lehramt als das wichtigste ansehen, und zugleich treffliche Theoretiker seyn.

6. Ein Hauptfehler ist, daß die Lehrer der verschiedenen Lehrfächer nicht miteinander communiziren. Lehrer, welche auf einen, und denselben Zweck wirken, müßen sich kennen: müßen sich mit einander freundschaftlich, und offizialiter berathen: ein jeder muß des andern Lehrart, und den Umfang deßen, was er vorträgt, kennen. Nur auf diese weise können die verschiedenen Lehrfächer auf einander wirken, die Lehrfächer richtig getrennt werden, daß keine öftern Wiederholungen einer u. derselben Sache in den verschiedenen Collegiis geschehen. Ja bloß durch eine solche offizielle Communication kann man sich gegenseitig berathen, dem Mangelnden entgegen kommen: und selbst die Schüler unter einer genauern Aufsicht behalten. Iezt wird alles abgerißen, und vereinzelt getrieben: und an diesem langsamen, schweren, und dunkeln Gang ist hauptsächlich schuld -

7. Die Etablirung eines Directoriums. Wozu ein Directorium? Noch hat es keinen Nuzen geleistet; | 15 kann keinen leisten: aber hat im Gegentheil sehr viel nachtheiliges. Es versteht sich, daß ich nichts gegen die Personen habe, welche das Directorium constituiren. Diese sind gleichgiltig. Die Form der Organisation ist falsch, es mögen übrigens die Personen seyn, welche sie wollen. Wir wollen die Punkte, warum ein Directorium etablirt ward, durchgehen: 1. daß der Unterricht zweckmäßig ertheilt werde 2. daß die Schüler unter nöthiger Aufsicht stehen. 3. daß besonders für das Cameralbauwesen tüchtige, und geschickte Leute gezogen werden.

I. Punkt: auf was Weise will, und kann ein Direktorium bewerkstelligen, daß der Unterricht zweckmäßig ertheilt werde? Antwort: durch folgende Obliegenheiten: a. den Lehrern die nöthige Anweisung, u. Hülfe über die Art des Vortrages ertheilen. b. den Lehrern die Lehrbücher angeben, oder diese von ihnen ausarbeiten laßen. c. wichtige und verwickelte Abtheilungen, erforderlichen Falls selbst vortragen, und den Baueleven erläutern. d. die Collegia wöchentlich mehrmal revidiren, und für den nöthigen Zusammenhang des Unterrichts sorgen. Was mußte der aufgeklärte Ausländer dazu sagen, als er diese vier angaben - in der gedruckten Nachricht von Errichtung der königlichen Bauakademie las? Wie kann das Directorium auch nur einen dieser Punkte erfüllen? und man bedenke wohl: ein Directorium, deßen Mitglieder selbst Professoren sind? - | 16 von jedem Lehrer, eben deßwegen weil er als Lehrer eines gewißen Faches angesagt worden ist, wird presumirt, daß er die Kenntniß, u. den Willen zur Besorgung einer solchen Stelle habe. Welche Anweisung u. Hülfe also können ihm Directoren geben, die auch nichts anders, als Lehrer anderer Fächer sind? - von wem sollten etwa diese Hülfe, und Anweisung erhalten? oder wo ist der Beweis, daß diese es weniger bedürfen, als andere? - Man antwortet: sie sind Räthe von Baubureaux. gut! man kann ein trefflicher Rath, u. Geschäftsmann seyn; aber deßwegen ist man noch kein guter Lehrer: so wie sich die Sache viceverso verhalten kann. Welche Hülfe, und Anweisung hat etwa ein Directorium bis iezt andern Lehrern schon gegeben? -

"Das Directorium soll die Lehrbücher den Lehrern angeben, Grundriße ausarbeiten laßen, die es nöthigenfalls rektifiziert u.s.w." Folglich versteht ein Directorium jedes Lehrfach aus dem Grunde und beßer, als die Lehrer jedes einzelnen Faches! Wirklich so etwas träumt wohl Niemand: - Wie würde es wohl bey einer Universität aussehen, wo einige der Professoren das Privilegium hätten, den andern ihre Lehrbücher vorschreiben, ihre Cahiers u. Compendia zu corrigiren, und ihnen die methode des Vortrages zu lehren? - Wer müßte denn diesen Dienst den privilegirten Professoren thun? oder könnten sie desselben weniger bedürftig seyn? - Man sieht, daß ein solches Unternehmen eine reine Absurdität ist: und der deutlichste Beweis davon ist, daß die zwey Jahrgänge hindurch auch nicht das Mindeste von Seite des Directoriums in dieser Hinsicht gethan, und geleistet worden ist. - ja nicht einmal gethan haben, was sie gleich anfänglich höchstnöthig hätten besorgen sollen, nemlich taugliche, reine Vorschriften für die Zeichnungsclassen, an denen es noch gänzlich gebricht! welche Idee muß sich der Fremde von der Akademie denken, der diese | 17 Classen besucht, u. die Vorschriften sieht, nach welchen junge Leute gröstentheils arbeiten? -

"Wichtige, u. verwickelte Abtheilungen, erforderlichenfalls selbst vorzutragen, und den Baueleven zu erleichtern:" Man weiß bey diesem Artikel nicht, was man mehr bewundern soll - ob die Præsumption von den hohen Kenntnißen und Talenten eines Directoriums, oder aber die Supposition von der grassen Unwißenheit derjenigen Lehrer, welche nicht Mitglieder des Directoriums sind. Was muß jeder Denkende über einen solchen Punkt sich für Begriffe machen? Gewiß ist, daß das iezige Directorium bis zur Stunde noch keine solche schwierige und verwickelte Fälle für andere Lehrer den Baueleven erläutert hat: und wahrscheinlich auch nie eine solche Obliegenheit in Ausübung bringen wird.

"Das Directorium soll wöchentlich mehrmal die Collegia revidiren, und für den nöthigen Zusammenhang des Unterrichts sorgen." Was heißt das: die Collegia mehremal die Woche revidiren? - etwa zu sehen, ob Lehrer, u. Zöglinge die Stunden halten? - Nun wenn man nicht soviel Zutrauen zu den Lehrern hat, so wäre es wenigstens möglich, daß ein Directorium wozu nöthig seyn könnte. Soll aber das revidiren so viel heißen, als daß die Directoren wöchentlich mehrmal kämen, um für die Lehrer, wo sie etwa in verwickelte Fälle beym Vortrage geriethen, selbst das Wort zu nehmen, und sagen, so ist es? | 18 Übrigens weiß man, wie es bey diesen Classenbesuchen geht. Anstatt wöchentlich, u. mehrmals zu kommen; schleichen die Herrn im halben Jahre etwa zwey, oder dreymal auf etwa - 2. Minuten herbey, und nach dem Compliment entfernen sie sich wieder so geschwind, wie möglich. Diese vier genannten motiva von Etablirung eines Directoriums sind daher nicht nur absurd, sondern für eine Lehranstalt discreditirend.

Examiniren wir nun die andern motiva: "Das Directorium soll die Lehrfächer so leiten, damit vor allen Dingen die Bedürfniße des königlichen Cammeralbauwesens befriedigt, und auf die Eigenheiten der verschiedenen königlichen Provinzen Rücksicht genommen werde." Hier liegt der Knoten, hierauf legen Geschäftsleute die Wichtigkeit: Dadurch glauben sie zu imponiren. Aber eine kleine Betrachtung wird zeigen, daß die ganze Sache nur optische Täuschung ist. Was hat das königliche Cammeralwesen und die Eigenheiten der königlichen Provinzen, was hat ein königliches Baudepartement, oder ein königliches OberHof Bauamt mit der Lehranstalt für die Baukunst zu thun? - In Wahrheit nichts! Entweder ist die Lehranstalt gut, oder schlecht organisirt: Im leztern Falle kann sie freylich nur Stümper, u. für den künftigen Dienst unbrauchbare Leute | 19 ziehen. Ist sie aber gut: So wird sie fähige Zöglinge liefern, die nicht nur bey dem Examen, welches Ein Ober Bau Departement, oder ein OberHof Bauamt ihnen vorlegen wird, bestehen werden, sondern welche auch durch eine kurze Praxis beym Bauwesen die Cammeralbauten und die Eigenheiten der Provinzen sehr genau kennen, u. mit Verstand besorgen werden. Eine Academie, wie sie immer organisirt sey, kann nichts weiter thun, als den jungen Leuten die Kenntniße lehren, welche zur künftigen Praxi erfordert werden. Die Praxis selbst ist Erfahrung bey eigenen Handanlegen. Dieß aber muß erst auf den Unterricht folgen. Sonst machet man Praktiker ohne Kenntniße: und wie es mit solchen beschaffen sey, zeiget die Erfahrung in jedem Geschäfte des Lebens hinlänglich. Überhaupt fordert der Staat von einer Bauanstalt vier Arten von Eleven zu seinem künftigen Gebrauch. 1.lich tüchtige Feldmeßer. Diejenigen Zöglinge demnach, die sich diesem Geschäfte ausschließlich wiedmen wollen, erlernen die hiezu erforderlichen Kenntniße, nemlich die Geometrie, Algebra, Trigonometrie - das praktische Meßen und Nivelliren, nebst der Zeichnung der topographischen, und geographischen Karten. Haben die Zöglinge diese | 20 Kenntniße inne, u. sind sie von der Academie darin hinlänglich geprüft: so ertheile ihnen die Akademie ein Attestate, als absolvirte, u. Examinirte Feldmeßer oder meinetwegen als Doctores in der Feldmeßkunst. Mit diesem Attestat versehen mögen sie sich dann bey andern Behörden anfragen, und ihr Recht auf Anstellung geltend machen. ob dann diese Behörden auf das bloße Attestat solche Zöglinge aufnehmen, oder noch vorher examiniren wollen, das geht die Bauakademie nichts an. Nur so viel müßte von Seite des Staats der Akademie zugesichert werden; daß erstlich kein Feldmeßer angestellt werden dürfte, der das Attestat der Academie nicht vorzeigen könnte, u. zweytens daß man keinen mit dem Attestat der Academie versehenen verweigerte, auf die Beförderungsliste der Candidaten zu sezen. 2tens tüchtige Waßerbaumeister. Außer den Kenntnißen, welche wir schon für den Feldmeßer angegeben haben, müßen die Zöglinge zur Fähigkeit in diesem Fache noch folgende Kenntniße inne haben: Statik, Hydrostatik, Mechanik, Hydraulik, Maschinenlehre, und die praktische Lehre vom Strom- Deich, schleusen- Hafen, Brücken, Brunnen und Wegebau, die Constructionslehre, die Bauphysik, nebst dem architektonischen Zeichnen mit Zirkel und Lineal einer(?) Maschinenzeichnung. | 21 Ist der Zögling in diesen Kenntnißen fest, examinirt, und mit Attestatis versehen: so ist er als ein absolvirter Waßerbaumeister oder als ein Candidat der Waßerbaukunst zu betrachten: und als solcher muß er Anspruch auf die Beförderungsliste der Waßerbaumeister haben, auch kann er sonst für Particuliers im Lande seine Kenntniße benuzen. 3tens tüchtige so genannte Land- oder oeconomische Baumeister: Nach der Ordnung des Staats, der gerne die Landbaukunst mit der Waßerbaukunst in einer Person vereinigt wünschet, müßte derjenige Zögling der Bauakademie, welcher Anspruch auf eine künftige Anstellung des Staates machet, und nicht bloß privatisieren, das heißt für Privatleute arbeiten will, vorher alle die Kenntniße erworben haben, welche wir bereits für den Feldmeßer, u. den Waßerbaumeister in's besondere angaben: nebstdem hat er die Lehre der sogenannten oeconomischen Gebäude noch in's besondere zu studiren. Ist der Zögling hierin gehörig examinirt, und durch das academische Zeugniß, als fähig erklärt: so muß ihm der Weg offen seyn auf die Beförderungsliste der Candidaten der Waßer- u. Landbaumeister zu kommen; und nach Fähigkeit, und Fleiß promovirt werden. 4tens tüchtige Architekten: das heißt: solche Leute, welche in allen Theilen, die die Baukunst umfaßt, gründlich unterrichtet sind. Diese, die Architekten nemlich, | 22 müßen alle Fächer ohne Ausnahme, welche an der Academie gelehrt werden, gründlich studirt haben. Außer den genannten Fächern müßen sie noch inne haben: optik u. Perspektiv, die richtige Zeichnung aller Art von Bauverzierungen, die Lehre aller Pracht- und Stadtgebäude, die kritische Geschichte der Baukunst. In allen Theilen also gehörig geprüft, u. mit Zeugnißen versehen sind diese als absolvirte Architekten zu betrachten, u. als solchen steht jede Bauunternehmung frey. Sie sollen allein das ausschließende Recht haben bey OberHof Bauamt angestellt zu werden; hingegen muß sie aber auf gleiche Weise, das Ober Bau Departement als seine Candidaten erkennen.

Für den Feldmeßer seze ich den Kurs - wenigstens auf zwey Jahre, für den Waßerbaumeister wenigstens auf vier Jahre: für den Landbaumeister wenigstens auf fünf Jahre: und für den Architekten wenigstens auf sechs bis sieben Jahre fest. - Ich frage nun: wenn diese Ordnung, Lehr- und examinationsmethode, so wie diese Classification und Bestimmung der verschiedenen Zöglinge bey der königlichen Bauakademie eingeführt ist: wozu bedarf es | 23 einer Direction, welche den Unterricht nach den Bedürfnißen des königlichen Cammeralwesens u.s.w. leiten soll? - Eine solche Direction kann nur einseitig, und dem Gange der Akademie nur hinderlich seyn. Kein Directorium, u. besonders kein Directorium von Geschäftsmännern; dieß muß das Losungswort seyn, wenn je aus einem Lehrinstitut etwas werden soll.

"Das Directorium soll die Anstellung der Zöglinge zum Praktischen Unterrichte besorgen, und dieselben nach ihren Fähigkeiten vertheilen." Ein sonderbares Amt für ein Directorium! - Anstellungen zum praktischen Unterricht ist überdem zweydeutig. Zur Praxi, nemlich zum praktischen Ausführen müßen die Zöglinge doch vorher die erforderlichen Schulkenntniße besizen: und dann können sie allerdings zur Ausführung vermittelst des Attestats zugelaßen werden, hiefür müßen aber andere Behörden, und nicht das Directorium sorgen. Zweytens die Zöglinge nach den Fähigkeiten vertheilen: In wie weit der absolvirte Candidat Fähigkeiten oder vielmehr Tauglichkeit besitze, muß wieder das Attestat der academie ausweisen; und laut desselben hat der Candidat auch Anspruch auf die Beförderungsliste.

"Das Directorium soll den öffentlichen Prüfungen beywohnen, u. dann den Eleven das Fähigkeitsattestat ertheilen." | 24Zum Examiniren der Zöglinge so wohl privatim, als öffentlich ist kein Directorium nöthig: Die Lehrer können dieß eben so gut ohne Directorium verrichten: und auf gleiche Weise Fähigkeitsattestate ausstellen, u. zwar mit mehr Recht, als Directoren, welche nur bey einem öffentlichen Examen assistiren. übrigens sieht man auch, daß bis iezt nicht einmal Examina statt gehabt haben: ja bis zur Zeit noch nicht einmal ein Modus examinationis festgesezt ist: obwohl dieser sehr nöthig, und streng zu beobachten wäre.

Endliches und leztes motiv. "Die Directoren, Mitglieder des Ober Bau Departements, sollen bey ihren Baubereisungen die Provinzial-Kunstschulen - doch nur in Hinsicht auf Baugewerke revidiren." Aus diesem Artikel erhellte, daß wesentlich nur die Mitglieder des Ober Bau Departements Directoren seyn könnten und folglich das Directorium in diesen Personen perpetuirt werde. Wahrlich ein sonderbares privilegium. - Aber was für ein motiv ein Directorium bey der Bauakademie zu etabliren, weil die Kunstschulen für Baugewerke in den Provinzen zu revidiren sind? - Könnte allenfalls diese Revision nicht geschehen, wenn eben die Mitglieder des Ober Bau Departements keine Directoren wären? Weiter: existiren ja bis iezt solche Schulen für Baugewerke noch nicht und wenn sie einmal existiren, bedürfen nur die Anstalten für Baugewerke des revidirens? ist die Zeichnungsschule für alle übrigen Gewerke nicht eben so wichtig? | 25 Aber möchte sich ein Director der Bauakademie blos durch diese Qualität, auch zur revision der übrigen Branchen der Kunstschule, und ihres Betriebes eignen? -

Aus dem bißher gesagten leuchtet der totale Unnuzen eines Directoriums hervor. Aber es ist nicht blos unnüz, es ist auch schädlich - nemlich hauptsächlich dadurch schädlich, weil keine gemeinschaftliche offizielle Versammlungen unter den gesammten Lehrern statt haben: sie daher ihre Ideen über so manches wichtige sowohl den Unterricht, als die Polizey der Academie betreffend, nicht wechseln können, und dadurch so manches Wichtige nicht zur Sprache kommen kann.

Bey einem Lehrinstitut, wie bey gegenwärtigem, muß vollkommene Gleichheit unter den Lehrern herrschen. Daher würde ich an die Stelle des Directoriums ein ProRektorat vorschlagen, daß alle 6. Monate unter den gesammten Lehrern nach der tour alternirte. Dieser ProRektor hätte den Vorsiz in den Versammlungen, besorgte die Aufnahme der Eleven, führte das Geschäft der immediaten communication mit dem Curatorium unterschriebe die Attestate nebst zwey andern Mitgliedern, nemlich demjenigen, welcher ihm im ProRektorat vorgieng, u. demjenigen, der auf ihn folgte - und besorgte überhaupt das Polizeywesen der Anstalt. Da zu all diesem kein besonderes Talent erforderlich ist, so ist keine Ursache da, daß nicht jeder Lehrer nach der tour dieses Amt verwalten könnte. Ein solches ProRektorat wäre um so mehr hinreichend, da ohnedem die Academie unter einem Curatorio steht: und ohne Mittheilung an dasselbe nichts Erhebliches vorgenommen, und verändert werden darf. | 26 Da auf diese Weise die Besoldungen von 4. Directoren wieder in die Casse der Akademie zurückflössen, so könnte diese Summe vor der Hand sehr zweckmäßig, zu Anschafung von Vorschriften, Büchern, u.s.w. woran es noch so wesentlich gebricht, verwendet werden. Auch etwa zur beßern Aufmunterung der Zöglinge für Præmieen, Preise, Aufgaben u.s.w. auch etwa zur beßern Besoldung der Lehrer.

8. Ein Hauptmangel ist: daß bey der Academie theils keine bestimmte Zeit zum absolviren angesezt, theils daß in der Nachricht von der Etablirung der Bauakademie diese Zeit weit zu kurz angesezt ist. Wir haben oben die Lehrfächer aufgezählt, in denen der Feldmeßer, der Waßerbaumeister, der Landbaumeister, u. der Architekt zu unterrichten sind. Wie ist es aber möglich, daß man in 1½ Jahr Feldmeßer, in 2½ Jahr Waßer- u. Landbaumeister, und in 4. Jahren Architekt werden könne? - Würde man es glauben, wenn es nicht mit klaren Lettern gedruckt wäre, daß es Leute giebt, welche glauben, einen tüchtigen Baumeister in kürzerer Zeit zu bilden, als selbst zu den Lehrjahren des einfachesten Handwerks erfordert wird? Die Griechen verstanden unter Baukunst - die Wißenschaft aller Technik, wie das Wort selbst anzeiget. -

Ich habe oben die kürzeste Zeit angegeben, welche für jede der 4. Classen von Zöglingen erfordert wird: und gewiß wenn die Zöglinge jedes Fach, was ihnen nöthig ist, erlernen wollen, so können sie unter dieser Zeit unmöglich reif werden, und gehörig im Examen bestehen. Ich habe z. B. mehrere der jungen Leute kennen lernen, welche, wie sie mir sagten, sich zum Examen | 27 für das Ober Bau Department als Waßer- und Landbaumeister præparirten; und bey denen ich wahrnahm, daß sie noch nicht hinreichend zeichnen konnten. Was soll dann aus solchen unreifen Leuten in Praxi werden? gewiß nicht anders, als Pfuscher ihr Lebelang. Dabey wird immer von allen Seiten geklagt, theils daß die jungen Leute so unvorbereitet zum Examen kämen, theils daß eine solche Menge von Bauzöglingen, die angestellt zu werden verlangten, vorhanden wären, daß man nicht wißen würde, was am Ende mit sovielen würde anzufangen seyn. Die Klage ist gründlich, u. ich glaube sie gern: aber wo ist das Mittel diese Anzahl zu vermindern? Antwort: kein anderes: als daß dem Ober Bau Departement nicht erlaubt sey, einen jungen Menschen anzunehmen, bis er nicht das Attestat der Absolvirung von der Bauakademie mitbringt, und daß diese ihm kein Attestat giebt, bis er nicht die gehörige Zeit der oben von mir angezeigten Lehrjahre ausgehalten, und in jedem Fache beym Examen gründlich bestanden hat. - Dergestalt wenn die jungen Leute sehen, daß es nicht so leicht ist, ein Baumeister zu werden, wie ein Schuster; und daß man vorher gründliche Kenntniße erlernt haben müße, so wird sich die Überzahl, über welche iezt mit Recht geklagt wird, von selbst vermindern.

9. Aber bis iezt hat noch keine Examination bey der Academie statt gehabt: ja es existirt bis iezt noch nicht einmal ein modus Examinationis. Dieser muß aber festgesezt seyn, streng, u. unveränderlich beobachtet werden. | 28 Es giebt examinationen, die bloß zur Schau sind, wie z. B. die iezt gewöhnlichen öffentlichen Examina bey den hiesigen Gymnasien. Ein solches SpektakelExamen ist wohl ein amusement für's Publikum, aber nicht eine Prüfung, wobey man sehen kann, ob die Zöglinge etwas gelernt haben. Der Modus Examinationis würde nach meinem Urtheile auf folgende Weise einzurichten seyn. 1. Die lezten acht Tage von jedem Semestre würde zum Examiniren bestimmt seyn. 2. Jede Classe würde für sich examinirt, und zwar wenigstens durch drey Stunden nacheinander. 3. Die Examinatoren wären nicht der Lehrer der Classe selbst - sondern drey andere Lehrer der Academie; doch in Gegenwart des Lehrers der Classe. Das Curatorium könnte assistiren, und auch besondere Freunde der Architektur: doch müßte kein willkührlicher allgemeiner Zutritt verstattet werden. 4. Die Examinatoren zugleich mit dem respective Lehrer der Classe würden in der allgemeinen Versammlung bestimmen: 1. welche von den Zöglingen reif wären, von einer Classe in die andere überzugehen: oder welche verbunden wären, durch ein anderes Semestre in derselben Classe sitzen zu bleiben. 2. welche man als absolvirte Geometer, oder Waßerbaumeister, oder Landbaumeister, oder Architekten betrachten, u. ihnen als solche das attestat ausliefern könne. Außer der Unterschrift vom zeitigen Prorektor, u. den respect. Lehrern | 29 könnte ein solches Absolutions attestat auch vom Curatorium contrasignirt seyn. - Auch würde in dieser Versammlung entschieden werden über die Preisfähigen, wenn anders Preise zu ertheilen wären. Die Liste der Preisfähigen, der promovirten, u. der Versezungen von einer Classe in die andere würde jedesmal gedruckt, und ausgetheilt werden.

10. Mangel an Aufgaben zu Præmien. Mangel öffentlicher Ausstellungen. Mangel an öffentlichen Versammlungen. Ich sehe es als ein wesentliches Vehikul bey jeder Lehranstalt, besonders aber bey einem Kunstinstitut an, daß die Zöglinge durch Ehre gespornt werden. Bey der Bauakademie würden daher alle Jahre Preisaufgaben für die Zöglinge statt haben: und zwar 1mo für die Classe der Feldmeßkunst irgendeine Zeichnung von einer Situationcarte. 2do für die Klasse der Waßerbaukunst - Zeichnungen von irgend einer Anlage, den Waßerbau betrefend. 3. für die Klaße der Landbaukunst - Die Riße zu irgend einem oeconomischen Gebäude 4. für die Classe der Architektur irgend ein Riße zu einem Stadtgebäude. Die Aufgabe wäre für jede besondere Classe dieselbe: und es versteht sich, daß die Schüler dieselben ohne | 30 Beystand irgend eines Lehrers machten. Die Aufgaben würden vom Corps der Professoren gegeben, und die fertigen Stücke auch vom gesammten Corps beurtheilt, und der Preis zuerkannt. Die Preise könnten gering seyn zum Beyspiel - für Feldmeßkunst eine medaille von 3. Dukaten: für Waßerbaukunst eine von 6. Dukaten - für Landbaukunst eine von 9. Dukaten für Architektur eine von 12. Dukaten.Dieß machte jährlich eine Preissumme von 30. Dukaten zusammen. Die Zeichnungen, welche den Preis erhielten, blieben der Academie. Diese aber sowohl, als die nicht gekrönten würden wenigstens durch drey Tage in dem Saale der Akademie für das Publikum ausgestellt. Diese Ausstellung würde mit einer feyerlichen Versammlung unter dem Vorsiz des Curatoriums eröffnet werden. Der zeitige Prorektor würde die Verhandlungen des ganzen Jahres etc.(?) ablesen, und dann die gekrönten Zöglinge aufrufen, um aus der Hand der Curatoren die Preise zu empfangen. - Zugleich könnten andere Mitglieder zwey, oder drey - zweckmäßige die gesammte Baukunst betreffende Reden ablesen.Etwas Musik würde eine solche Feyerlichkeit erhöhen. | 31 Aber außer diesen jährlichen Præmien für die Zöglinge würden noch alle zwey, oder drey Jahre - besondere Aufgaben für die absolvirten Landbaumeister - und absolvirten Architekten gegeben werden. - Jeder, der einmal das Attestat, als ehemaliger Zögling der Akademie aufweisen kann, u. ein Einländer ist, oder sich im Lande zu bleiben engagiren will, kann hier concurriren, u. der Preis ist ein Stipendium zu einer dreyjährigen Reise, welches aber nie in weniger als 500 Reichsthaler jährlich ohne Reisegeld, oder in 4(?)00. Reichsthaler mit Reisegeld bestehen müßte. Die Aufgabe würde, wie natürlich, vom Corps der Profeßoren gegeben: und auch die Entscheidung des Preises gehörte dem Corps an. - Die gekrönten Zeichnungen blieben der Akademie, nachdem alle eingekommenen Preiszeichnungen eine bestimmte Zeit dem publico ausgestellt geblieben wären, damit es von der Gerechtigkeit, u. Unpartheylichkeit der Richter urtheilen und zeugen könnte.

11. Verhältniß des Corps der Profeßoren zum Curatorium u. zweckmäßige Obliegenheit des Leztern. Ein Curatorium würde vorzüglich darüber zu wachen haben, daß der einmal durch ein Reglement etablirte Gang der Bauakademie fest- | 32beybehalten würde. Der zeitige Prorector würde daher alle Monate, oder wenn nichts wichtiges vorkäme, alle Vierteljahre eine Relation über alles, was vorgekommen ist, in der Regel(?) geben. Sollten aber unvermuthete Fälle eintreffen, die nicht vom Ressort des Corps der Professoren wären, so müßte ein solcher Rapport ricontinenter statt haben, u. der Prorector responsable seyn. Ein Curatorium führt die Rechnung der Akademie: - Es müßte also alle Semestre vor der Wideröffnung[!] des neuen Cursus vom Corps der Lehrer ein gemeinschaftlicher Etat ausgefertigt werden, von allem dem, was die Academie überhaupt, oder eine Classe in's besondere bedürfen könnte - als in Vorschriften, Modellen, Büchern u. dergleichen. - Die Sachen, welche unter die urgenta gehörten, würden in dem Rapport besonders specificirt seyn. Ein Curatorium würde dann nach dem Cassenbestand entscheiden, was sogleich, was in der Folge vorgesehen werden könnte und in Zeit das Prorektorat davon benachrichtigen. Überhaupt müßte das Verhältniß des Curatoriums, zu dem Prorectorat, und des Prorektorats zum Corps der Lehrer u.s.w. genau im Reglement angegeben, und bestimmt seyn, um der Willkühr, und folglich den Klagen und der Unordnung so wenig Raum zu laßen, wie möglich. __________________________________________________________________________________________________

So sehe ich den Zustand der Academie an; so wünschte ich ihn gebeßert: übrigens überlaße ich gerne das weitere denjenigen, welche eine nähere Obliegenheit, und Responsabilität in der Sache haben. Ich habe meine Pflicht erfüllt, u. mein Gewißen befreyet —

Hirt den 6ten April 1801.