Auf das Schreiben eines hohen In lateinischer SchriftMinisterii, die Gemäldesammlung von Herrn In lateinischer SchriftSolly betreffend, habe ich folgendes Gutachten gehorsamst zu geben:

1. Die Sammlung des Herrn In lateinischer SchriftSolly ist von der Art, daß ich in Beziehung auf das Ganze weder in Deutschland, noch in Italien eine ähnliche kenne.

2. Sie enthält eine Menge der seltensten Stücke, die für sich einzeln den bedeutendsten Kunstwerth haben, und die Ehre jeder Gallerie machen würden. aber

3. die weit vorzüglichste Seite dieser Sammlung ist die historische und dadurch eignet sie sich mehr als irgend eine andere für das Studium und den Unterricht sowohl für angehende Künstler, als für über der Zeiledie Freunde der Kunst.

4. Herr In lateinischer SchriftSolly sammelte vornehmlich für die drey ersten Epochen der neuen Kunst aus dem 14ten, 15ten, und 16ten Jahrhundert; aber dies sind gerade bey weitem die wichtigsten. und

5. wenn ich die Beziehung zu den Gemälden, welche der König bereits besizt, angeben soll; so sind die besten Stücke die leztern aus einer Periode, wo die Sollysche Sammlung aufhört. Man könnte also die königliche als eine Ergänzung der Sollyschen ansehen.

6. Ich darf kaum erinnern, daß die Genuität der Sollyschen Gemälde daraus hervorgeht, daß sie noch nicht gereinigt sind. Dadurch erscheinen sie zwar dem Auge iezt unvortheilhaft. Das Auge wird iezt durch nichts bestochen, als durch den innern Werth. In einem ganz andren Glanze erscheint die Sammlung, wenn die Gemälde gereinigt sind über der Zeileund mit ihren R[ahmen?] haben und in einem gebührlichen Lokale und Licht erscheinen unter der Zeileaufgestellt wären.

7. Ich würde daher die Solly In lateinischer Schriftacquisition der Sollyschen Sammlung für das königliche In lateinischer SchriftMuseum weit wichtiger, als irgend eine andere halten. Hiedurch könnte In lateinischer SchriftBerlin nicht nur in Die Kunstsammlungen von Dresden, von Wien und von München.
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den Rang
von In lateinischer SchriftDresden, In lateinischer SchriftWien und In lateinischer SchriftMünchen treten, sondern in mancher Beziehung noch den Vorrang behaupten. Kurz In lateinischer SchriftBerlin erhielte dadurch eine ausgezeichnete Bildersammlung gleich andern Hauptstädten von In lateinischer SchriftEuropa. Mit- und Nachwelt müßen sich daran erfreuen. Nie ist die Gelegenheit zu einer so außerordentlichen In lateinischer Schriftacquisition so schön geboten worden, und ewige Reue möchte folgen, wenn die Gelegenheit vorübergienge, eine Gelegenheit die nie wieder so kommen dürfte. | 2

8. Was die zweyte Frage: den Gesammtwerth in Geld: betrift; so ist zwar schwer darauf zu antworten. Herrn In lateinischer SchriftSolly kostet die Sammlung ein schweres Geld, und mehr, als er je hoffen darf, dafür wieder zu erhalten. Aber ich glaube nicht, daß er auf vollständigen Ersaz der gemachten Auslagen rechne. Wollte er aber auch einzelne verkaufen, so dürfte er bey dem ietzigen Stande der Kunstpreise - die in Zukunft immer mehr steigen, als fallen müßen - immer auf einen Erlös von drey bis viermal hundert tausend Thaler rechnen. Ich fürchte nicht, daß irgend ein Kenner meinen Ansaz zu hoch finden wird; wohl aber möchte es solche geben, welche meine Schäzung sehr mäßig taxiren dürften. Im Vertrauen darf ich beysezen: daß, wie ich die Gesinnung des Herrn In lateinischer SchriftSolly kenne, er sich gegen unsern König nachgiebiger finden würde, als sonst irgend für einen andern Käufer. Besonders auch deswegen, weil die Gemälde für immer vereinigt blieben und nicht zu fürchten wäre, daß sie in der Folge vereinzelt und zerstreut würden.

Ich wiederhole noch einmal mit der lautesten Stimme, und aus dem tiefsten Gefühl meiner Überzeugung, daß eine solche Gelegenheit sich nicht wieder darbietet, daß auf einmal einem der ehrenvollsten Bedürfniße eines großen Staates - eines Staates, der so viele ruhmvolle Ansprüche auf höhere Kultur hat - begegnet wäre, einem Bedürfniße, welches bey dem Stande unserer Bildung täglich mehr gefühlt wird. Ein solcher Schaz ist wahrhaft eines großen Königes würdig, und ein Nationalgut, auf das jeder Einwohner stolz seyn dürfte. Man könnte dann jedem Fremden entgegen treten, und zeigen, daß man in Beziehung auf die Mittel der höhern Kultur gegen keinen andern Staat zurückgeblieben ist.

Ich finde keine Ausdrücke, eine solche Angelegenheit einem hohen und erlauchten In lateinischer SchriftMinisterium genug an's Herz zu legen. Indeßen freue ich mich, daß Hochdasselbe mir Gelegenheit gegeben hat, die Wichtigkeit der in Rede stehenden Sache für König u. Staat einiger Maßen darzulegen.

In lateinischer SchriftBerlin den 8ten September 1819.

Hirt

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Nach Aufstellung der Sollysche Sammlung im Museum schreibt Edward Solly an Altenstein, L[ondon], 8. Oktober [1830]:

"[...] Ich freue mich daß die Samlung aufgestellt ist, und will wünschen daß es gefallen möge; feindliche angriffe werden nicht fehlen. Es ist nicht gantz nach meinem wunsch gegangen, es fehlte mir aber an mittel in der letzten zeit, und ich hatte es gerne pequtiere gemacht als es durch den einfluß von Hirt geworden war. Ich kan nur sagen daß ich den besten willen hatte, daß es mich viel sorgen verursacht hat, und daß ich nur einen bedeutenden verlust dabey erndtete - [...]" (GStA PK, I. HA, Rep. 76 Kultusministerium Ve Sekt. 15 Abt. I Nr. 3 Bd. 6, unpaginiert).