Anschreiben an den Staatsminister von Altenstein:

Ew. Hochwohlgeboren

haben mir in so manchen Fällen Ihre Güte erzeugt, daß ich es wage, Ihnen die Beylage zu übersenden, mit der gehorsamsten Bitte, die Schrift Ser königlichen Mayestät vorlegen zu wollen.

Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung verbleibe ich Ew. Hochwohlgeboren gehorsamster A. Hirt

Berlin / den 25 [?] Dec. 1827. | 2

Bericht an den König:

An Se Mayestät / den König.

Über die Inschrift auf dem königlichen Museum in Berlin

Der gegenwärtige Aufsatz hat keinen andern Zweck, als zu zeigen, wie die auf dem königlichen Museum gesezte Inschrift entstanden, und warum sie so, und nicht anders gefaßt worden ist.

Die Inschrift fordert: 1. den Namen des erhabenen Stifters, 2. die Benennung des Gestifteten, 3. die Andeutung des Zweckes der Stiftung: - zugleich mit Berücksichtigung des Raumes, wo die Inschrift stehen soll.

Nach dieser Ansicht entstanden mehrere Entwürfe, wovon der erste folgender war:

N° I. Fridericus Guilelmus III Antiquitati Artique museum erexit (Fried. Wilh. III hat für Alterthum und Kunst das Museum errichtet).

Hiezu ist zu bemerken: 1. Das Wort Museum: welches bey den Alten eine Anstalt bezeichnet, wo Gelehrte von verschiedenen Fächern zusammen wohnten, um die Wißenschaften mit Muße und unter gemeinsamer Mittheilung | 3 zu pflegen. Ein solches Institut, das Vorbild der heutigen gelehrten Gesellschaften, oder Akademien, war das der Ptolemäer zu Alexandria. Allda war mit der Residenz der Könige, und mit der großen Bibliothek ein weitläufiges Wohngebäude für die Mitglieder des gelehrten Vereins, ein großer Versammlungssaal, Säulengänge und Gärten verbunden. Dieses Institut unter dem Namen Museum dauerte allda auch unter den römischen Kaisern fort.

Museum hieß aber auch jedes den Musen geweihte Heiligthum, und später jede den Studien gewiedmete Anlage in einem Privatgebäude der Stadt, oder in einer Villa, verbunden zugleich mit reichen Bücher- und Kunstsammlungen.

In den neuern Zeiten hat man mit dem Namen Museum jede Anstalt belegt, wo sich Sammlungen befinden, die irgend zu einem wißenschaftlichen oder Kunstzweck bestimmt sind. Mit Recht trägt daher auch die hiesige große Sammlung für Kunst und Alterthum den Namen Museum, so wie die in Neapel, Rom, Paris, London u. s. w.

Aber eine andere Frage ist es: ob das Wort Museum in die Inschrift selbst aufzunehmen sey? - Ziehen wir hierüber den Vorgang der Alten zu Rath; so finden wir in solcher Hinsicht nichts Constantes. So steht | 4 z. B. auf den Triumphbögen gewöhnlich das Wort Arcus nicht; doch auf dem Bogen Constantin's lesen wir: - Arcum triumphis insignem dicavit. - Selbst in der alten Inschrift auf der Base der Säule des C. Duilius lieset man die Säule selbst genannt: - triompavet ob asceres S. P. Q. R. colomna in foro poseiveit. - Dagegen hat M. Agrippa auf das Pantheum das Wort selbst nicht gesetzt - auch wäre hiezu kein Raum gewesen -, wohl aber die Restauratoren die Kaiser Sept. Severus und Caracalla: - Pantheum vetustate corruptum cum omni cultu stiterunt. -

Man hat Beyspiele beider Arten vor sich. Hier haben wir aber geglaubt, den Namen Museum um so eher in die Inschrift aufnehmen zu müßen, da der Prachtbau den Namen Museum vorzugsweise führt. - Auch hat in der Inschrift auf dem Schauspielhause niemand anstößig gefunden, daß die Worte: Theatrum et Odeum darauf stehen.

2. Die Worte: Antiquitati et Arti: sind beygefügt, um die eigenthümliche Bestimmung des Baues zu bezeichnen. Das Wort Antiquitas ist vielleicht in diesem beschränktern Sinne ungewöhnlich, aber deßen Sinn in Verbindung mit Ars und Museum ist nicht zweifelhaft. Auch wird das Wort so von Nepos gebraucht, welcher von Augustus, der ein Freund des Alterthümlichen in der Kunst war, bemerkt, daß er den Atticus öfters über Alterthümliches befragte - de antiquitate requireret -. | 5

Indeßen wenn gleich dieser erste Entwurf das Wesentliche zu enthalten schien; so kam er mir doch mager und nicht bezeichnend genug vor. Daher entstand ein zweiter Versuch.

N° II. Fridericus Guilelmus III Antiquitatis et Artium Operibus Museum condidit (Fried. Wilh. III erbaute das Museum für die Werke des Alterthums und der Kunst).

Durch den Beysatz des Wortes - Operibus - schien sich zwar die Bestimmung des Baues beßer zu erklären. Aber auch auf diese Weise schien der Entwurf noch mager, und besonders für den langen Fries zu kurz. Es gab also ein dritter Versuch, wie folgt:

N° III. Fridericus Guilelmus III monumentis artium antiqui et recentioris aevi museum Dicavit (Fried. Wilh. III hat das Museum für die Kunst-Denkmäler der alten und der neuern Zeit geweiht).

Dieser dritte Versuch schien befriedigender, indem er außer der Klarheit mehr Fülle und Körper hatte, als die beiden erstern. Doch war hiedurch die innere Bestimmung und das mannigfaltige der Gegenstände noch nicht hinreichend bezeichnet. - es entstand | 6 demnach noch ein vierter Versuch, der dem großen Entzweck des Instituts vollkommen zu entsprechen schien, und ich daher denselben, mit Verwerfung der frühern drey, allerhöchsten Ortes vorzulegen wagte. Es ist die Inschrift, wie sie iezt mit allerhöchster Genehmigung auf dem Museum steht, und heißt:

N° IV. Frid. Guilelmus III Studio antiquitatis omnigenae et artium liberalium museum constituit (Fried. Wilh. III vollbrachte das Museum für das Studium alterthümlicher Gegenstände jeder Gattung, und der freyen Künste).

Ich erkläre mich: 1. Durch das Wort Studio sollte angedeutet werden, daß die Anstalt vermöge des Reichthums der Gegenstände und vermöge der innern Anordnung nicht bloß zum Vergnügen, sondern wesentlich auch zur Belehrung errichtet sey.

2. Durch die Worte: antiquitatis omnigenae - sollte der vielseitige Reichthum von allen Gattungen antiker Gegenstände in jeder Art von Material und Technik, und von den verschiedensten Völkern und Zeiten - bezeichnet werden. - Das Wort omnigenae kann nicht befremden, da es der Latinität der besten Zeit angehört, und hier das Bezeichnende hat, was sich auf eine andere Weise nur durch | 7 Umschreibungen - für Inschriften ein nicht gut zu heißendes Verfahren - hätte geben laßen.

3. Artium liberalium: Die Beyfügung des Adjectiv's hier schien nicht unpaßend. Die Alten bezeichnen die Künste, welche die Neuern durch den Beynamen der Schönen unterscheiden, durch den Beysatz der Freyen - artes ingenuae et liberales (vergl. Plin.[ius] 35, 36. 8.). Unter den Künsten, welche nebst einer höhern Geistesbildung zugleich ein Handgeschick erfordern, waren die zeichnenden Künste, die einzigen, welche nur Freygeborne übten. Darin lag das Unterscheidende von andern Manualkünsten, die jeder auch Nichtfreye treiben konnte.

4. Das Wort constituit ist hier anstatt erexit, condidit, dicavit - gewählt mit dem Vorbedacht dadurch zu bezeichnen, daß der königliche Stifter nicht bloß den Bau führte, sondern auch die innere Anordnung aufs zweckmäßigste berücksichtigte.

In der letztern Inschrift ergab sich endlich jene Anzahl von Buchstaben, welche die Länge des Frieses zu verlangen schien.

Möge diese Auseinandersetzung hinreichend seyn, zu zeigen, daß der Verfaßer nicht verwegen | 8 und leichtsinnig, sondern mit Vorbedacht verfahren sey.

Berlin den 21 December / 1827.

A. Hirt.

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Der Erklärung Hirts waren folgende Schreiben und kritische Einwendungen vorausgegangen:

1. Bericht Schinkels an den König vom [?] Mai 1827 [alle Schreiben zitiert nach: Wolzogen, 1863, Bd. 3, S. 271, 272-274, 274-275, 275-276, 276, 281-283]

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster, Allergnädigster König und Herr! Ew. Königliche Majestät wage ich allerunterthänigst um die Gnade zu bitten, daß der ewig denkwürdigen Stiftung des neuen Museums durch eine Inschrift an dem Gebäude öffentlich und für alle Zeiten gedacht werden dürfe. Auf mein Ersuchen hat der Hofrath Hirt eine Inschrift ersonnen und solche mehreren unserer größten Philologen zur Begutachtung mitgetheilt; sie lautet hiernach: FRIDERICUS . GUILELMUS. III . STUDIO ANTIQVITATIS . OMNIGENAE . ET . ARTIUM . LIBERALIUM . MVSEVM - CONSTITVIT . MDCCCXXVIII . Friedrich Wilhelm III. hat dem Studium jeder Art Alterthümer und der freien Künste diesen Ruheort gestiftet 1828. Auf der hier allerunterthänigst beygefügten Zeichnung von der Hauptfaçade des neuen Museums ist die Inschrift in den Fries des Gebäudes eingetragen worden. Ew. Königlichen Majestät Allergnädigsten Bestimmungen hierüber entgegensehend, ersterbe in tiefster Ehrfurcht Ew. Königlichen Majestät allerunterthänigster Schinkel.

2. Gutachten des Staatsrats Süvern über die Inschrift am Museum vom 15. Oktober 1827 [aufgesetzt für den Geheimen Kabinettsrat Albrecht]

Die Inschrift ist: Fridericus Guilelmus III Studio antiquitatis omnigenae et liberalium artium Museum constituit MDCCCXXVIII. Gegen dieselbe, sowohl im Einzelnen als im Ganzen, lassen sich erhebliche Erinnerungen machen. Die Stiftung ist darin Museum genannt. Mit diesem Namen werden im ganzen Alterthume nur Orte, welche der Wissenschaft und der Beschäftigung mit derselben gewidmet sind, bezeichnet; solche, die zur Aufbewahrung von archäologischen und Kunstgegenständen bestimmt sind, niemals. Das älteste und größte öffentliche Institut, welches diesen Namen führte, das Alexandrinische, war eine Anstalt einzig in ihrer Art, in welcher eine bestimmte Anzahl von Gelehrten wohnte und auf öffentliche Kosten unterhalten wurde, um, durch eine dort befindliche große Bibliothek unterstützt, ungestört den Wissenschaften leben zu können - also eine Art Academie. Eine ähnliche Bestimmung hatte das Museum, welches der Kaiser Claudius in Rom anlegte, außer daß in demselben die Gelehrten nur zusammen kamen, nicht unterhalten wurden. In den Palästen gebildeter Römer wurde die Partie so genannt, wo die Bibliothek des Besitzers aufgestellt war, und wohin er sich zu wissenschaftlichen Beschäftigungen zurückzog. Eine solche Bestimmung ist der neuen Stiftung Sr. Majestät fremd, der Name Museum in seiner alten Bedeutung daher für dieselbe nicht passend. Der populäre Sprachgebrauch legt ihn nun zwar Sammlungen von Alterthums- und Kunstgegenständen auch bei, und dabei kann es im täglichen Leben und selbst im Geschäftsstile füglich bleiben. Allein eine klassisch sein sollende Inschrift darf den populären Sprachgebrauch nicht berücksichtigen. Die ganze Inschrift, so wie sie ist, würde auch an Einheit gewonnen und eine große Zweideutigkeit verloren haben, wenn das Wort Museum ganz weggelassen, und an seine Stelle das jetzt im Anfange befindliche Studio gesetzt wäre. Denn indem man sie jetzt liest, verbindet man natürlich die Genitiven antiquitatis omnigenae et liberalium artium Studio, wird aber sehr überrascht, wenn man hinterher noch das nachgesetzte Museum antrifft, und ungewiß, ob jene Genitiven zu ihnen oder zu Studio gehören, oder zwischen beide getheilt werden sollen, oder ob, wie es gemeint zu sein scheint, das anfängliche Studio erst von dem nachkommenden Museum abhängig sein soll. So ist die Inschrift zweideutig, und ihr Sinn spricht sich, wie man jetzt zu sagen pflegt, nicht klar aus. Dies würde nicht der Fall sein, wenn Studio an der Stelle, wo jetzt Museum steht, gesetzt wäre. Der Sinn wäre dadurch nicht verändert worden. Soll ferner antiquitatis hier das Alterthum selbst bedeuten, so konnte omnigenae nicht dazu gesetzt werden. Hat man aber alterthümliche Gegenstände darunter verstanden, so war der Singular antiquitas unrichtig, ja auch den Plural antiquitates mußte man in diesem Sinne zu gebrauchen Bedenken tragen. Das erstere ist wohl die Meinung gewesen, dann aber mußte omnigenae um so mehr wegfallen, als es überflüssig, als es kein Wort von reiner Latinität ist und in eine Inschrift auch um deswillen nicht paßt, weil es sie schwerfällig und schleppend macht. Durch liberalium artium sollen schöne Künste angedeutet werden. Allein Sculptur und Malerei rechnet der Alte gerade nicht unter die artes liberales, weil ihre Werke durch mühsame Handarbeit zu Stande kommen. Artes liberales nannte er nur Philosophie im ausgedehntesten Sinne, Redekunst, Musik und Gymnastik, weil sie den Menschen an sich bilden und keine Thätigkeit, wie die des Tagelöhners oder Handwerkers, erfordern. Liberalium ist also hier unrichtig gebraucht und in der That überflüssig. Die Inschrift hat überhaupt keinen Wohlklang und Rhythmus, und diese werden besonders durch das dreimalige ium und eum hintereinander und durch den schlechten Ausgang, welcher das keinen Fall habende, vielmehr aufschlagende constituit macht, verletzt. Eine wesentliche Eigenschaft einer Inschrift ist gedrungene, vielsagende Kürze, wie sie den schönen Inschriften "Martis et Minervae alumnis" über dem Kadettenhause und "Apollini et Musis" über dem Opernhause eigen ist. Die Weitläuftigkeit, schleppende Schwerfälligkeit und Mattheit der dem neuen Gebäude angesetzten sticht unangenehm dagegen ab. Und doch ist es so sehr wichtig und wünschenswerth, daß diese neue schöne Stiftung Sr. Majestät auch von dieser Seite tadelfrei vor Mit- und Nachwelt dastehe!

3. Gutachten Ludwig Tiecks über die Inschrift (undatiert)

Bei den Griechen waren die Kunstsammlungen in den Tempeln und in ihren heiligen Umgebungen aufgestellt, wie uns noch die späten Reisen des Pausanias beweisen. Bei den Römern schon mehr zum Luxusartikel herabgesunken, legte Titus, sehr sinnig, die Sammlung eroberter Kunstwerke im Tempel des Friedens nieder. Wenn etwas Aehnliches eine Inschrift des Kunst-Museums andeuten könnte, so erschiene dies wohl wünschenswerth. Das Wort Museum war den Alten in der Bedeutung einer Kunstsammlung fremd; außerdem müßte es auch wohl vermieden werden, da dieser Name im Inlande sowohl als im Auslande schon anderen Sammlungen und zu anderen Zwecken errichteten Gebäuden gegeben worden ist. Die lateinische Inschrift des Museums ist, wie solche jetzt besteht, von allen Gelehrten getadelt worden; zugleich ist im Publicum vielfach der Wunsch ausgesprochen, daß dies schöne Gebäude durch eine deutsche Inschrift möchte verziert sein. Ich wage daher die beifolgende vorzuschlagen, welche auf ähnliche Art, wie die von Sr. Majestät an den Monumenten der Feldherren gebilligten, gebildet ist. Da dieselbe gewiß allgemein verständlich ist, so darf es nicht als Vorwurf gerechnet werden, wenn darin ein Anklang lateinischer Wortbildung vernehmbar wäre. Alle lebenden Sprachen sind der Fortbildung unterworfen, und was vor wenigen Jahren bei unseren Dichtern noch als gewagt erschien, ist jetzt allgemeiner Sprachgebrauch. Auch haben die Römer gewiß auch in ihren Inschriften in anderen Sprachformen als im gemeinen Leben gesprochen, das heißt, die Sprache nach den verschiedenen Zwecken gemodelt, wie schon ihre Dichter beweisen, welche in der blühendsten Periode, in künstlichen Versmaaßen, die Sprache anders behandeln, wie die gleichzeitigen gebildetsten Prosaiker. Die Inschrift, welche vorgeschlagen wird, ist folgende: Friedrich Wilhelm III., denen Werken bildender Kuenste, ein Denkmal des Friedens, erbauet im Jahre 1829. Diese Inschrift hat ohne die Jahreszahl einundachtzig Buchstaben, die jetzt bestehende lateinische zählt deren dreiundachtzig. Bei einer Aenderung könnte also ohne Schwierigkeit die Jahreszahl, sowie die ersten Buchstaben des Namens Sr. Majestät stehen bleiben, und der ausgefüllte Raum bliebe derselbe. L. Tieck.

4. Schreiben Alexanders von Humboldt an den Geheimen Kabinettsrat Albrecht vom 20. Oktober 1827.

Ew. Hochwohlgeboren gütigst geäußertem Wunsche habe ich erst gestern entsprechen können. Unser großer Philologe, Herr Professor Böckh, ist von selbst zuvorgekommen, um sich, wie er sagt, von dem Verdachte zu reinigen, als habe er seine Zustimmung "zu einer so überaus sprachwidrigen abgeschmackten Inschrift geben können". Hofrath Hirt, sagt er, habe ihm allerdings die Inschrift gezeigt. Er aber habe ihm sogleich sehr nachdrücklich geäußert, jedes Wort der Inschrift müsse geändert werden: Studium! antiquitas, omnigenae artes liberales, die in der wahren Latinität nie Künste, sondern Literatur bedeuten, das kahle Museum constituit! Hirt habe, wie gewöhnlich, tenaciter geleugnet, aber mit sehr schlechten Gründen, und da Böckh die Jahreszahl 1830 oder 1829 darauf gesehen, so habe er geglaubt, es sei keine Eile; der Verfasser der Inschrift würde sich fügen, und es sei besser, für jetzt abzubrechen. Mit Schrecken habe er nach seiner Rückkunft aus Göttingen, am Ende der Ferien, gesehen, daß die ungeänderte Inschrift in ihrer großen, von ganz Deutschland erkannten Lächerlichkeit ausgeführt sei. Mit der ausgezeichnetsten und freundschaftlichsten Hochachtung / Ew. Hochwohlgeboren / gehorsamster A. v. Humboldt. Confidentialiter, wie man latine barbare sagt.

5. Kabinetsordre des Königs an den Minister Freiherrn von Altenstein vom 25. Oktober 1827.

Ich vernehme, daß gegen die Inschrift des Museumsgebäudes Ausstellungen gemacht werden, und will daher das Gutachten der historisch-philologischen Klasse der Academie der Wissenschaften darüber erwarten, welche, wenn die jetzige Inschrift getadelt wird, eine andere sobald als möglich in Vorschlag zu bringen hat. Sie werden hiernach das Erforderliche verfügen und das Gutachten der genannten Klasse der Academie der Wissenschaften mit Ihrem gutachtlichen Bericht einreichen. Friedrich Wilhelm.

6. Gutachten der historisch-philologischen Klasse der Akademie der Wissenschaften vom 21. Dezember 1827 zur Inschrift am Museum.

Die historisch-philologische Klasse, im Auftrage Sr. Majestät von dem vorgesetzten hohen Ministerio durch die Academie aufgefordert, über die an dem Museum befindliche Inschrift ihr Gutachten abzugeben, kann sich nur erklären, daß, wenngleich an den gegen dieselbe in öffentlichen Blättern gemachten Ausstellungen manches nicht genug begründet erscheint, und im gesellschaftlichen Gespräch manches vielleicht mehr scherzhaft als im Ernst dagegen gesagt sein mag, sie dennoch Veranlassung genug giebt zu wohl begründetem Tadel. Theils nämlich sind einzelne Ausdrücke, wie museum, artes liberales, nicht dem echt römischen Sprachgebrauch gemäß angewendet, omnigenus aber ist ein obsoletes Wort, ursprünglich wohl nur dichterisch gewesen, und erst von späteren Schriftstellern, wie mehrere dergleichen Ausdrücke, in die Prosa übertragen; theils fehlt es dem Ausdrucke, "der König habe das Museum dem Studio errichtet", an der gehörigen Bündigkeit, und der ganze Satz bekommt durch unbequeme Wortstellung etwas Unklares und Schwerfälliges. Uebrigens ist die Inschrift rhythmisch zu wenig ansprechend und durch einen sich wiederholenden Gleichklang dem Ohre zu wenig schmeichelnd, als daß etwa ihre Vorzüglichkeit von dieser Seite die übrigen Mängel bedecken könnte. Aus allen diesen Gründen ist daher sehr zu wünschen, daß eine bessere Inschrift die Stelle derselben möge einnehmen können. Dieser Wunsch ist der einstimmige der Klasse, und es hat in dieser Hinsicht auch nicht der mindeste Zwiespalt in derselben obgewaltet. Der andere Theil der Allerhöchsten Aufforderung aber, daß nämlich die Klasse, wenn ihr Gutachten in diesem Sinne ausfiele, selbst Vorschläge zu einer anderen Inschrift und zwar baldmöglichst einreichen möge, hat sie in große Verlegenheit gesetzt. Denn es ist nicht nur weit leichter, an etwas Gegebenem in dieser Art die Mängel auffinden, als selbst etwas tadelsfreies hervorbringen, sondern auch weit leichter, eine Inschrift vorschlagen, gegen welche keine bedeutende Ausstellungen zu besorgen sind, als eine solche, welche mehreren gemeinschaftlich ein Gefühl vollkommener Befriedigung gewährte. Dies erfuhr die Klasse bei ihren mündlichen Berathungen; denn wenn mehrere Mitglieder Vorschläge eingereicht hatten, und zwar manche mehr als einen, und zum Theil sehr verschiedene, so trat im Gespräch, was gegen dieses und jenes einzuwenden war, sehr lebhaft und bestimmt hervor; die Zustimmung gab sich hingegen weit lauer zu erkennen und war fast immer mehr ein bloßes Geltenlassen, als ein lebhafter Beifall. So daß wir fast in Versuchung waren, es dem Urheber der jetzigen Inschrift weniger zu verargen, daß er nicht von vielen Seiten her sachkundigen Rath zusammengeholt hatte, wenn er doch etwas ihn selbst Befriedigendes zu Stande bringen wollte. Von den eingegangenen Vorschlägen waren einige dedicatorisch, überwiegend aber die meisten historisch, und die Klasse kam bald dahin überein, daß eine dedicatorische Inschrift nur zulässig sei, wenn eine Person, wäre es auch eine moralische, namhaft gemacht würde. Eine solche aber war schwer aufzufinden, da das kunstliebende Publicum, welchem das Gebäude bestimmt ist, ein zu unbestimmter Begriff zu sein schien. Die Klasse blieb daher bei der Gattung der historischen Inschriften, der auch die gegenwärtige angehört, stehen, und hat sich über folgenden Vorschlag vereinigt. Fridericus Guilelmus III. Rex signis. tabulisque arte. vetustate. eximiis, collocandis thesaurum exstruxit. A. MDCCCXXVIII. Was zuerst hingegen eingewendet werden könnte, scheint dieses zu sein, daß die Inschrift mit Aufzählung der in dem Gebäude enthaltenen Gegenstände anfängt, diese Aufzählung aber doch nicht vollständig ist. Da indeß die lateinische Sprache keinen Ausdruck darbietet, welcher dem unsrigen "Werke der bildenden Künste" (worunter jedoch auch nicht immer sogleich die Malerei mit verstanden wird) entspräche, so war, wenn nicht etwas gar zu unbestimmtes gesagt werden sollte, nicht anders als durch einzelne Bezeichnungen zu helfen, auf der anderen Seite ist doch das Gebäude überwiegend und vorzüglich den Gemälden und Bildwerken gewidmet, und für die letzteren signum gerade der allgemeinste, nicht minder auf kleinere als größere Werke anwendbare Ausdruck. Der zwiefache Zweck solcher Sammlungen, theils Werke aufzustellen, die an und für sich als Kunstwerke sich auszeichnen, theils solche, die für die Geschichte der Kunst merkwürdig sind, ist durch arte vetustate ausgedrückt; das Wort thesaurus endlich für Bezeichnung eines solchen Gebäudes ist weit mehr dem echten Sprachgebrauch gemäß, als Museum, und daß es hier in keiner anderen Bedeutung genommen werden dürfte, dafür birgt das exstruxit auf das vollkommenste. Wenn daher die Klasse auch nicht in Abrede stellen will, daß jemand in einem glücklichen Augenblick eine vorzüglichere Inschrift hervorbringen könne, so glaubt sie doch behaupten zu dürfen, daß gegen diese von ihr in Vorschlag gebrachte keine bedeutende Ausstellung von Seiten der Sachkundigen zu besorgen stehe. Schleiermacher.