den 2ten März -9.

Ihrem Wunsche gemäß habe ich Der König hatte in einer Kabinettsordre an den Geh. Staatsrat und Oberpräsidenten Sack, datiert "Königsberg, den 17. December 1808", mitgeteilt: "[...] so ist es am Besten, die Erleuchtung selbst dadurch ganz abzulehnen, daß Ich den Armen die Kosten zu ersparen, bey den Wohlhabenden aber solche zum Besten der Armuth verwendet zu sehen wünsche. [...] Nur ein geräuschloser Ausdruck der Gefühle Meiner guten Berliner im kindlich frommen Sinn wird meinem Wunsche entsprechen und selbst das beabsichtigte Te Deum wird ein allgemeines Landesfest werden, wenn es nicht gerade bloß für Berlin und für den Tag Meiner dortigen Rückkehr statt hat" (Paul Hoffmann, H. v. Kleists Ode "An Friedrich Wilhelm den Dritten", 1926; zitiert nach: Brandenburger Kleist-Ausgabe, Dokumente und Zeugnisse). - Die Illumination Berlins fand statt. Die Majestäten "geruhten" dieselbe "den vornehmsten Straßen nach, in Augenschein zu nehmen" (ebd.).
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in Rücksicht der Beleuchtung
die Sache dahin geleitet, daß vor der Hand kein fernerer Schritt, oder weitere In lateinischer Schriftpetition geschehen wird. Ich konnte nicht umhin, Ihre bey der Verhandlung zu erwähnen, doch bloß in so fern, um zu zeigen, welche Ansicht Sie sich von der Sache machten. Indeßen wollen weder die Herrn der Akademie der Wißenschaften, noch die der Kunstakademie Ihre Wünsche diesfalls ganz aufgeben, und man wünscht, daß nach der Friedrich Wilhelm III., der sich mit seinem Hof im Exil in Königsberg aufhielt, erhielt von Napoleon 1809 die Genehmigung zur Rückkehr nach Berlin. Am 15. Dezember 1809 verließ der König mit 36 Kutschen Ostpreußen und ritt an der Spitze seiner Truppen am 23. Dezember 1809 feierlich in Berlin ein, wo er am Bernauer Tor vom Berliner Oberbürgermeister begrüßt wurde. Beim Dejeuner der Stadt trug die Königin ein "altdeutsches hermelinbesetztes Kleid von dunkelblauem Samt" (Voß). Am Abend Illumination und Fahrt durch die Stadt; vgl. Gaby Huch: Kalendarium des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. 1797-1813: Eintrag vom 23.12.1809). - Das Journal des Luxus und der Moden berichtet im Februarheft 1810 über den Einzug der Königlichen Familie in Berlin. Darin heißt es u.a.: "Unbeschreiblich war der Jubel, mit welchem eine Menge von gewiß 150,000 Menschen das verehrte Königspaar begrüßte. Straßen, Fenster und Dächer waren mit eben so vielen Menschen als Kehlen besetzt, die unaufhörlich: Willkommen riefen. Mehrere liefen herbei, dem Könige, der zu Pferde war, die Füße zu küssen. Die Königin erhielt einen wunderschönen Wagen und Pferdegeschirr, alles in Lilla Sammt verziert mit massivem Silber von der Stadt zum Geschenk. In demselben hielt sie auch ihren Einzug. Das königliche Paar hatte sich durchaus alle feierlichen und kostbaren Anstalten verbeten; aber alles wurde durch den unverkennbaren Ausdruck der Herzlichkeit und Anhänglichkeit ersetzt. Die nicht befohlene, sondern vielmehr erbetene Erleuchtung erstreckte sich bis auf die Dachfenster und Kellerlöcher" (S. 125).
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Ankunft
des Königs Willensmeinung sondirt werden möchte, um zu erforschen, ob er nicht erlaubte, daß eine solche Erleuchtung am Tage, wo die Akademie die erfreuliche Ankunft Sr Mayestät feiern würde, statt haben könnte. - Man wünscht selbst, daß von Ihrer Seite ein solcher Antrag entweder mittel- oder unmittelbar geschehen möchte - Ja beyde Akademien scheinen auf diese Gunst zu rechnen, und Sie würden sich durch diesen Schritt dieselben sehr verbinden. Besonders ist es die Kunstakademie, welche ihre Arbeiten nicht verfertigt haben möchte, ohne sie dem Publikum zu zeigen.

Sie vergeben, daß ich Ihnen nur eine durch viele Hände gegangene, beschmuzte Abschrift meines Aufsazes vorlegen konnte.

Hirt. | 2

Beilage:
Die Idee der Illumination von Seiten beider Akademien besteht in der Erleuchtung des obern Stockwerkes des Akademiegebäudes, welches gegen die Linden 21. Fenster Fronte hat. Das ganze soll in transparenten Gemälden seyn, und äußerlich gar keine Lampen angebracht werden. Die dargestellten Gegenstände beziehen sich auf den Wirkungskreis und die Beschäftigungen, denen das Gebäude bestimmt ist - mit Rücksicht auf die erfreuliche Rückkunft Ihrer königlichen Mayestäten und Ihres Hauses - daher

Das große mittlere Fenster den König, die Königin, welche ihr kleinstes in Preußen gebornes Kind auf dem Arme hält, und die andern über der Zeileköniglichen Kinder vorstellt, und oben über denselben auf Wolken die verklärte Gestalt In lateinischer SchriftFriedrich II, vom Genius der Unsterblichkeit empor gehoben. Die einfache darunter gesezte Inschrift heißt: In lateinischer SchriftHeil den Rückkommenden! Heil dem Vaterland! -

Die beiden Fenster rechts und links stellen das eine den weiblichen In lateinischer SchriftGenius der Wißenschaft, und das andere den In lateinischer SchriftGenius der Kunst vor; gleichsam zum Empfange der Ankommenden niederschwebend und huldigend - Das Hauptsymbol der Wißenschaft ist die Fackel mit der transparenten Unterschrift: In lateinischer SchriftSie erhellet; und dasjenige der Kunst das Dreypaar der Grazien; Unterschrift: In lateinischer SchriftSie verschönert.

An den übrigen achtzehn Fenstern sind die Wißenschaften und Künste versinnlicht, welche die beiden Akademien zum Zweck haben, und zwar jede Kunst u. jede Wißenschaft durch irgend einen großen Mann, die in Lebensgröße und in bedeutenden Stellungen - nach der Idee der Propheten des Michel Angelo - gemalt sind, zugleich mit der In lateinischer SchriftHerme eines großen Mannes in demselben Fache im Alterthume. Bey der Wahl hat man durchaus auf berühmte Deutsche, und wo es paßte, auf solche über der ZeileRücksicht genommen, welche selbst ehedem Zierden der königlichen Akademieinnerhalb der Zeilen waren.

Alle diese Gemälde waren von Mitgliedern, Professoren, und einigen vorzüglichen Zöglingen der Kunstakademie aus- | 3geführt, ehe Se Mayestät bekannt machen ließen, daß Sie jede Freuden Bezeugung dieser Art von sich ablehnten.

Die Unkosten, welche diese Arbeit bisher machte, kann ich iezt nicht ganz genau angeben, weil ich denjenigen, der die Auslagen und Berechnungen über sich nahm, nicht zu Hause fand, aber so viel weiß ich, daß sie sich etwas über 400 Reichsthaler belaufen.

Die Unkosten, die noch zu machen wären, wenn die Erleuchtung statt finden sollte, sind noch auf 3 - 400 Reichsthaler berechnet. Auf jeden Fall würden aber die Gesammtunkosten die Summe von 800 Reichsthalern nie übersteigen.

In dieser Auslage hatte sich die Akademie der Wißenschaften durch einen allgemeinen Beschluß anheischig gemacht in so fern die Akademie der Künste (die in Geld nichts beytragen konnte) die Arbeiten selbst unentgeltlich übernehmen würde.

Hirt
den 3ten März -9.