An / des Königl. Geheimen Staats Raths / Herrn von Humboldt Hochwohlgebohren
Hochwohlgebohrner Herr Hochzuverehrender Herr Geheimer Staats Rath

Die Akademie der Wissenschaften machte sich zu ihrer Ehre die Freude, im Anfang Augusts des vorigen Jahres Ew. Hochwohlgebohrn W. v. Humboldt wurde am 4. August 1808 zum AM gewählt (Bestätigung am 15.08.1808). Am 29.03.1810 wurde er OM, am 05.03.1812 wiederum AM, im Februar 1820 OM.
[Schließen]
zum Mitgliede zu ernennen
, und hat gegenwärtig das Glück, in Ihnen Denjenigen zu verehren, welchem das gesamte Fach der Wissenschaften, und also auch die Akademie, allerhöchst übertragen worden ist. Erlauben Sie, daß wir, uns selbst glückwünschend, Sie der aufrichtigsten Hochachtung, welche die ganze Akademie empfindet, versichern, und mit desto größerem Zutrauen Denselben Folgendes vortragen dürfen:

Im September 1807 wagte die Akademie dem Könige vorzustellen: daß, wenn Se Majestät es gestatten wollten, sich ein zweckmäßigerer Plan zur Einrichtung der Akademie, von dieser selbst, würde entwerfen lassen. Sie erhielt das genehmigende gnädigste Cabinet-Schreiben d. d. Memel 15 October 1807, welches wir in Abschrift beilegen.

Die Akademie ernannte sofort zur Ausarbeitung des neuen Organisationsplans eine Commission, die, nachdem Ihr Herr Bruder nach Paris abreisete und an seiner Stelle ein anderes Mitglied der physikalischen Klasse erwählt worden, itzt aus uns Das Schreiben ist nur von sieben Mitgliedern unterzeichnet. Es fehlen Karsten und Eytelwein.
[Schließen]
neun Unterschriebenen
bestehet. Die im November des genannten Jahres angefangenen Arbeiten der Commission sind zwar noch nicht völlig beendigt, indem sie alle Punkte, sowohl die wissenschaftlichen, als die ökonomischen, umfassen sollen, und die Mitglieder durch ihre anderweitigen Berufsgeschäfte verhindert werden, ihre ganze Zeit diesem Geschäfte zu widmen. Indeß ist dasselbe so weit vorgerückt, daß nur noch die Redaction einiger Abschnitte fehlt, und in kurzer Zeit der ganze Plan der Akademie vorgelegt werden kann, | 2 worauf, nach deren Zustimmung, wir ihn höhern Orts einreichen werden.

Die ökonomischen Punkte veranlassen besonders deshalb eine große Schwierigkeit bei unsern Arbeiten, weil die Akademie an ihren bisherigen Einkünften vom Kalender Wesen, wegen der abgetretnen Provinzen so ansehnlich verliert, daß sie von dem Rest, weder die mit ihrer gegenwärtigen sehr mangelhaften Einrichtung verknüpften Ausgaben bestreiten, noch eine den jetzigen Verhältnissen der Wissenschaften angemessenere Verfassung, ohne anderweitige Zuschüsse zu erhalten, einführen kann. Wir haben uns daher pflichtmäßig bemüht, einestheils die Ausgabesätze möglichst zu beschränken und anderntheils Einnahme-Quellen auszumitteln, welche dem Staate selbst zu keiner Last gereichen. Es gehören dahin besonders Abgaben von reichen geistlichen Orden, Klöstern und Stiftern. Werden diese allerhöchsten Orts genehmiget, so wird es den öffentlichen Landes-Cassen eine große Erleichterung verschaffen, und die unumgänglich nothwendige Reform der Akademie desto eher bewerkstelliget werden können.

Wir nehmen uns die Freiheit, Ew. Hochwohlgebohren diese Lage der Sache anzuzeigen, und schmeicheln uns mit der Hofnung daß uns noch einiger Aufschub wird gegönnt werden, um den nach Ihres Herrn Bruders Siehe A. v. Humboldts Entwurf zur Reorganisation der Akademie vom 4. November 1807, in: Adolf Harnack: Geschichte der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Bd. 3: Urkunden, 1900, Nr. 187, S. 334-337, und dessen Aufsatz über die in der Akademie der Wissenschaften vozunehmenden Veränderungen vom 2. November 1807, in: ebd., Nr. 188, S. 338-340.
[Schließen]
Entwurfe
ausgearbeiteten Plan völlig zu Stande zu bringen, so wie er noch den besten Einsichten der Akademie dem gegenwärtigen Zustande der Wissenschaften angemessen ist.

Ihrer gütigen Mitwirkung uns dabei angelegentlichst empfehlend, verharren wir hochachtungsvoll Ew. Hochwohlgebohren gehorsamste Die Mitglieder der von der Königlichen Akademie p erwählten Comité [gez.] Gerhard [gez.] von Castillon [gez.] Klaproth. [gez.] Klein. [gez.] Hirt. [gez.] Biester. [gez.] Tralles.

Berlin, / den 10. Januar 1809.