An / des Königlichen wirklichen Geheimen [Textverlust: dirigie]/renden Minister, Ritter der höchsten [Textverlust: Orden] / Herrn Freiherrn von Altenstein / Excellenz. Mit Siegel
Gnädiger Herr!

Die unterzeichnete Commission hat so lange mit ihrem Berichte über die Versetzung der Gemälde der vormaligen Sollyschen Samlung aus dem Königlichen Akademiegebäude nach dem neuen Locale in der Behrenstraße gezögert, um Ew. Excellenz so viel möglich zugleich vollständigen Bericht über alles zu erstatten, was den jetzigen Zustand der Samlung und die ferner den Betreff derselben vorzunehmenden Arbeiten anlangt.

1. Bevor noch das neue Local gehörig zur Disposition der Commission stand suchte sie, um keine Zeit zu verliehren, die vorläufigen nothwendigen Anordnungen zu treffen. Diese bestanden vornehmlich in Folgendem. Erstlich waren die Tapeten, Spiegel und Kronleuchter abzunehmen und an sicheren Stellen in Verwahrung zu bringen. Zweitens waren in zwei Zimmern die Wände und Fußböden mit grober Leinwand zu überziehen. Drittens waren durch das ganze große Haus zum Schutz der Bilder gegen die Sonne Rouleaux zu machen. Viertens mußten die Mauren des rechten Flügels und des Hinterhauses, welche starken Reflex in die Zimmer der Restauratoren gaben, grau angestrichen werden.

2. Nach solchen Vorbereitungen im Hause ward so | 2

[Fehlt Bl. 79r - hier vorerst Text des Hirtschen Entwurfs eingefügt](?) gleich zum Transport geschritten, der durch die Sorgsamkeit des Herrn D. Waagen, und die thätige und verständige Mithülfe des Herrn Lamperi in kurzer Zeit vollführt war, und zwar so, daß alles ohne eine Beschädigung die der Rede werth wäre, vor sich gieng. Nach vorher getroffener Disposition der Commission wurden die Gemälde nach ihren verschiedenen Classen bey dem Transporte sogleich in den für sie bestimmten Räumen abgesezt, und dann näher geordnet, und so viel es sich thun ließ, an den Wänden aufgehängt, um dadurch Raum für die große Masse der Gegenstände zu gewinnen: welches uns auch in so fern gelungen, daß die Gemälde nicht mehr, wie früher in der Academie, übereinander liegen, sondern alle zum Licht stehen. Zwar mußte, um dieß zu bewirken, gleichsam jeder Winkel in dem großen Hause in Anspruch genommen werden. Hiedurch aber hat die Commission einen großen Vortheil für ihre ferneren Operationen gewonnen, deßen sie in dem Academielocale ermangelte.

3. Für die Restauration wurden die hiefür best-gelegenen Zimmer - meistens gegen die Nordseite, und alle zusammenhängend, gewählt; und zwar in einer Räumlichkeit, daß noch mehrere Restauratoren angenommen werden konnten, was wir früher schon sehr gewünscht hätten, wenn es in dem vorigen Lokale thunlich gewesen wäre. In Rücksicht des übrigen Lokales hat der Portier seine alte Wohnung inne, dem für den Bedarf des Atteliers und des ganzen Hauses angenommene Hausknecht ist ein Stübchen im Hintergebäude zugetheilt worden. Im rechten Flügel fanden sich noch ein paar paßende Zimmerchen für Herrn Dr. Waagen, der dadurch bequemer und genauer als früher die tägliche Aufsicht und Controlle über das Restaurationsattelier, so wie zugleich über die ganze Hausordnung führen kann. Mit dem Portier und dem Hausknecht haben wir bisher Ursache zufrieden zu sein, dagegen muß die Commission Ew Exzellenz gehorsamst bitten die frühere Zusage, daß dem Botenmeister Brandenburg, welchen nur interimistisch eine Wohnung im Hause gestattet, eine andere angewiesen werde, u hoffen bald möglichst geschehen und hiefür eine peremptorische Frist gesezt werde. Es ist dieses um so dringender, da der Botenmeister selbst den Tag über nicht zu Hause ist, da sich dann seine bereits großgewachsenen Kinder drei Mädchen und ein Junge unnütz umher treiben, bei neulichem Hinundherwandern im Hause und Lxxxx xxx schwer für Sicherheit zu waren ist. Zudem ist befunden worden, daß der Junge seine Lagerstätte auf einem schlechten Strohbette unter einer Treppe hat, die zu den Bildern führt, also die Feuersgefahr sehr groß ist, endlich wird auch über Unreinlichkeit und Verbreitung böser Gerüche dieser Familie sehr geklagt. | 3

Die Commission kommt nun auf wichtigere Gegenstände, nämlich auf die Restauration und die Anfertigung der nöthigen Rahmen.

4. Obgleich wir uns bei der jetzigen größeren Uebersichtlichkeit der Samlung hinlänglich überzeugt haben, daß die Zahl der Bilder, welche entweder definitiv, oder doch fürs erste ohne Restauration im Museo aufgestellt werden können, sehr beträchtlich ist, und obschon auch die Anzahl der restaurirten Bilder verhältnißmäßig zu der seit Einrichtung des Atteliers verfloßenen Zeit bedeutend zu nennen; haben wir uns dennoch überzeugt, daß bei der Langwierigkeit dieses Geschäfts, wenn alles mit der Gewißenhaftigkeit gemacht wird, die uns Gesetz ist, die Kräfte der jetzigen Restauratoren dennoch nicht ausreichen würden, um die Hauptbilder zur Zeit der Vollendung gehörig in den Stand zu setzen. Unter diesen Umständen sahen wir uns genöthigt, die Werkstatt durch die Aufnahme von zwei neuen Restauratoren zu verstärken, nämlich durch Herrn Menschel, der auch schon früher Mehreres für das Museum gearbeitet hat, und uns als ein taugliches Subject bekannt ist, und durch Herrn Geisler, der ebenfalls noch unter Solly Einiges restaurirt hat. Er steht zwar dem ersten an Erfahrung und Geschicklichkeit nach, ist aber auch daher nur als Gehülfe angestellt, der unter der Aufsicht anderer zu arbeiten hat. Beide sind mit dem Anfang laufenden Monats eingetreten. Einen anderen Gehülfen haben wir endlich kürzlich an einem Schüler des Director Schadow junior gefunden. | 4 Hiernach besteht für jetzt das Personal des Restaurationsatteliers aus folgenden Mitgliedern.

1. Herr Schlesinger 2. Herr Koester Diese beiden sind die Leiter des Geschäfts und jeder erhält jährlich 3000 Rtlr. oder jeder monatlich 250 Rtlr.

3. Herr Xeller. Wir stellten ihn auf Empfehlung bereits im vorigen Jahre mit 125 Rtlr monatlich an, versprachen ihm jedoch eine Verbeßerung, in so fern er den Erwartungen der Commission entsprechen würde. Gegenwärtig, da die Proben von einem Jahre vor uns liegen, haben wir auf seine Anforderung kein Bedenken gefunden ihn von neuen auf zwei Jahr zu engagiren und zwar mit einer Vermehrung seines Gehalts von 25 Rtlr monatlich, welches 300 Rthlr mehr, also binnen zwei Jahren, 600 Rtlr macht. Wir haben uns aber bewogen gefunden ihm diese Zulage erst nach Ablauf der zwei Jahre zuzugestehen, um uns zu versichern, daß er sich in dieser Zeit nicht anderweitig engagirt. Der Gehalt des Hr. Xeller ist demnach auf 1800 Rtlr jährlich festgesetzt.

4. Herr Professor Hummel. Er erhält monatlich 100 Rtlr, ist aber auch zwei volle Tage in der Woche mit dem Unterrichte auf der Akademie beschäftigt.

5. Herr Menschel. Er erhält 125 Rtlr monatlich. | 5

[Fehlt Bl. 80r - hier vorerst Text des Hirtschen Entwurfs eingefügt](?) Die iezt genannten sind die fünf eigentlichen Restauratoren, die das Geschäft als Professoren betreiben. Die nächst folgenden sind die Mahlengehülfen, das ist: solche, welche unter der Aufsicht der fünf Professoren leichtere Restaurationen zu machen haben, also: 6. Herr Geisler: erhält vorläufig monatlich 70 reichstaler; doch ist ihm eine Verbeßerung zugesichert, wenn er sich nach einiger Zeit als wahrhaft brauchbar zeiget.

7. Herr Butzki, ist schon seit längerer Zeit im Attelier; und da er sich seit dem brauchbarer gezeigt hat; so ist ihm von October an zu den frühern 45 reichstaler monatlich noch eine Zulage von 15 reichstaler zugestanden worden, daß er also monatlich 60 reichstaler erhält.

8. Herr Wollburg aus Preußen, Zögling der Academie, ist ebenfalls seit längerer Zeit in dem Attelier, früher bloß für die Vorarbeiten bestimmt. Seit einigen Monaten hat er aber auch mit dem Pinsel zu arbeiten angefangen, er bleibt aber vor der Hand bey demselben Gehalt von 45 reichstaler monatlich. So er aber für das Mahlen brauchbarer wird, ist ihm auch eine Zulage zugesichert.

9. Der neu angenommeneWohl Theodor Pelissier gemeint, der seit Mai 1824 im Restaurationsatelier arbeitete.
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Schüler
von Schadow - hat zwar so gleich unter Aufsicht mit dem Pinsel zu arbeiten angefangen, aber vor der Hand auch nicht mehr als 45 reichstaler monatlich erhalten, bis er sich in jeder Beziehung als brauchbar gezeigt hat.

Zu den vier genannten Mahlergehülfen kommen nun noch zwey Hauptgehülfen für die wichtigeren Vorarbeiten als für das Stechen, Radiren - natürlich immer unter strenger Aufsicht des Vorstehers Herrn Schlesinger. Diese sind: 10. H. Kromeyer und 11. Herr Neumeister - jeder mit 45 reichstaler monatlich, beide seit längerer(?) Zeit im Attelier

Dann sind noch zwey Lehrlinge angenommen: Verxxxxxx(?) als für das Ausstopfen der gereinigten Gemälde, und Ixxxxxx(?) für das Farbenreiben, und andere kleinere Dienste für die Mahler. Diese erhielten monatlich 4. und 6 reichsthaler monatlich. Iezt ist der ältere auf 10 reichstaler und der jüngere auf 8 reichstaler monatlich gesezt worden, indem sie sich immer mehr als brauchbar zeigen.

Mit diesem Personal und so constituirt hoffen wir die besten Resultate zu erhalten.

5. Nicht minder dringend, als die Restauration, ist die Anfertigung der nöthigen Rahmen. Dann xxxx gleich xxx(?) eine nicht geringe Anzahl mit brauchbaren Rahmen versehen sind, bleibt doch die Anzahl der einzurahmenden Gemälde immer sehr groß, wovon bis iezt nur einiges als Probe gemacht ist. Dies Geschäft darf nunmehr aber keinen längern Aufschub erleiden, wenn man zur Zeit der Aufstellung nicht in Verlegenheit gerathen soll. Wir erwarten also hierwegen bestimmten Auftrag von Ew. Excellenz, | 6 um mit den Arbeitern für die Anfertigung passender Rahmen nach den verschiedenen Classen abschließen zu können. Durch kleine Abweichungen in der Xxx(?)derung werden wir die allzugroße Einförmigkeit zu vermeiden wißen, ohne daß jedoch dadurch die Kosten im Ganzen vermehrt werden sollen.

Berlin den 21ten October 1826.

[gez.] Schinkel [gez.] Hirt