Ich lebe der vollsten Ueberzeugung, dass die endliche Vollziehung des großen Geschäftes nur durch Einen Ordner zweckmäßig bewirkt werden kann; zwar unter der Oberaufsicht des Ministers, mit dem aber der Ordner nur persönlich zu verhandeln haben würde. - Eine solche Vollziehung ist das Werk des Geistes und kann wie jedes andere geistige Produkt, nur durch das Talent und das Studium eines Einzelnen zu einem harmonischen Ganzen sich gestalten. Alles, was die definitive Auswahl der Gemälde für das Museum - sei es aus der Solly'schen, aus der Giustianischen, wie aus den andern Königlichen Sammlungen -, alles was die Anordnung und Aufstellung in dem Museum und das zu druckende Verzeichnis nebst der Abfassung des größeren zu druckenden Werkes betrifft, hängt genau zusammen und kann nur von demjenigen zweckmäßig bewirkt werden, der mit dem Vertrauen und der Vollmacht versehen ist, ohne Rücksicht auf andere Meinungen und Ansichten definitiv zu entscheiden. Ungeachtet der vielen Vorarbeiten, denen ich mich seit mehreren Jahren unterzogen habe, mache ich deswegen keine Ansprüche auf eine solche Ordnerschaft. Würde aber die Wahl auf mich fallen, so könnte ich nur versprechen, meine Arbeiten mit Pünktlichkeit und nach meinen besten Kenntnissen fortzusetzen und zur Vollendung zu bringen.

Sollte aber die Wahl des Ordners Vorausgegangen war die Erweiterung der Einrichtungskommission für das Museum durch den Bildhauer Christian Daniel Rauch, die Maler Carl Wilhelm Wach und Heinrich Anton Dähling sowie den Restaurator Jakob Schlesinger im Oktober 1828, wodurch Hirt "als theoretischer Kopf der Museumskommission weiter an Einfluß verlieren sollte" (D2). Am 13. April 1829 trat Hirt dann endgültig aus der Museumskommission aus.
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auf einen Andern fallen
, würde ich blos mit der unterthänigen Bitte einkommen, daß Ew. Excellenz es gütigst vermittelten, daß Se. Majestät mich allergnädigst dispensirte, ferner irgend wie Antheil an den Einrichtungen des Museums zu nehmen.

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Schreiben Altensteins an den König, Berlin, 11. November 1828 [GStA PK, I. HA, Rep. 89 Geh. Zivilkabinett j. P. Nr. 20441, Bl. 185r-186r]:

Nach Erstattung meines allerunterthänigsten Berichts vom 28ten vorigen Monats über die von dem Geheimen OberBauRath Schinkel und Doctor Waagen gewünschte Berufung der Professoren Rauch, Dähling und Wach und des Malers Schlesinger zu den Geschäften der Einrichtung des Kunst-Museums hat der Hofrath Hirt mir seine Ansicht über diesen Gegenstand mitgetheilt, die mit der Meinung des p Schinkel und des p Waagen nicht übereinstimmet. Der p Hirt hält nämlich für nothwendig, daß die definitive Auswahl der Gemälde und die Ausarbeitung des systematischen Verzeichnisses durch Eine Person allein bewirkt werde, da ein solches Werk, wie jedes andere geistige Product nur durch das Talent und das Studium eines Einzelnen zu einem harmonischen Ganzen sich gestalten könne und erklärt sich zur Ausführung dieser wichtigen Arbeit bereit. Es ist gewiß, daß der p Hirt durch die bisherigen Geschäfte der Sonderung nach Epochen, Schulen, Classen und Meistern und durch die Aufnahme des vorläufigen Catalogs zu der Arbeit vollkommen vorbereitet ist und daß seine umfassenden Kunstkenntniße eine in ihrer Art vorzügliche Ausführung erwarten lassen; es ist auch bei seiner Rüstigkeit wohl nicht zu besorgen, daß ihm die Kraft zur Ausführung seines Vorhabens mangeln werde, endlich würde er auch seine Ansichten über die Aufnahme und Zurücksetzung mancher Bilder, so wie die Bestimmung einiger zweifelhafter Meister allein zu vertreten und sich gegen // die darüber öffentlich zur Sprache kommenden Bemerkungen persönlich zu vertheidigen haben, so, daß die kunstwissenschaftliche Verantwortlichkeit lediglich seine eigene Sache bliebe.
Von der anderen Seite tritt dagegen hervor, daß auch der p Schinkel, dessen Kunstkenntnisse sehr zu achten sind, mit den Gemälden nicht weniger bekannt geworden ist, daß der p Waagen, ein anerkannt gründlicher Kunstkenner, durch die tägliche Betrachtung während eines Zeitraums von sechs Jahren und durch die specielle Leitung der Restaurationen mit den Gemälden auf das Genaueste vertraut sein muß und daß sein Urtheil durch viele Berathungen mit dem Baron von Rumohr sehr zuverläßlich geworden ist, daß also beiden Männern eine gültige Stimme bei diesen Geschäften um so weniger abgesprochen werden kann, da sie durch die gewünschte Zuziehung mehrerer Sachverständigen bewiesen haben, daß sie die Schwierigkeiten und Wichtigkeit der auszuführenden Geschäfte vollkommen einsehen; ferner, daß einer gründlichen unbefangenen Berathung von mehreren sachkundigen Männern, im Allgemeinen mehr zu vertrauen ist als der Ansicht eines Einzelnen und daß das Resultat von jenen Berathungen von den Theilnehmern ebenfalls wird vertreten werden müssen, endlich auch noch, daß der Auftrag dieser Geschäfte an den Hofrath Hirt mit Ausschließung aller berathenden Theilnahme nicht ohne auffallende Zurücksetzung des p Schinkel und p Waagen er-//folgen könnte, die um so kränkender für sie sein müßte, da sich beide bisher der vorbereitenden Arbeiten mit dem lebendigsten Eifer unterzogen haben. Ich kann demnach der Idee des p Hirt nicht das Wort reden, obgleich ich gerne zugebe, daß auch durch ihn allein ein tüchtiges mit eigenthümlichen Verdiensten ausgestattetes Werk zu Stande kommen würde; ich erlaube mir vielmehr die Entscheidung über beiderseitige Anträge Ew. Königlichen Majestät Allerhöchstem Ermessen ehrfurchtsvollest anheim zu geben und bemerke nur noch allerunterthänigst, daß der p Hirt seiner Seits für eine berathende Theilnahme nicht gestimmt sein dürfte.
Berlin, den 11ten November 1828. [gez.] Altenstein
An / des Königs Majestät

Schreiben Altensteins an den König, Berlin, 10. März 1829 [GStA PK, I. HA, Rep. 89 Geh. Zivilkabinett j. P. Nr. 20441, Bl. 234r-237r]:

Ew: Königlichen Majestät haben mittelst Allerhöchster Kabinets Ordre vom 18ten November vorigen Jahres allergnädigst zu bestimmen geruht, daß AllerhöchstDero Entschließung auf meinen ehrerbietigsten Vortrag über den Vorschlag des Hofraths Hirt, die Einrichtung des Museums betreffend, so wie auch über die früheren Anträge des Geheimen Ober Bau Raths Schinkel und des Dr. Waagen, wegen Verstärkung der Kommission zur Einrichtung des Museums, bis zur Ankunft Sr: Königlichen Hoheit des Kron-Prinzen ausgesezt bleiben solle und mir befohlen, sodann die Ansicht Sr: Königlichen Hoheit über die Sache zu vernehmen und hiernach zu Ew: Königlichen Majestät weiteren allergnädigsten Entschließung zu berichten.
Seine Königliche Hoheit geruheten gegen mich zu äußern, daß Höchstdieselben die Uebertragung der Einrichtung des Museums an den Hofrath Hirt allein, bey dem großen Umfang und der Wichtigkeit der Sache, auch abgesehen von seinem weit vorgerückten Alter und deshalb leicht möglichen Zufällen, nicht für angemessen halten könnten, daß HöchstDieselben aber glaubten, daß auch bei einer Verstärkung der bestehenden Kommission zur Einrichtung des Museums, dessen Ausscheiden aus solcher ein bedeutender Verlust sein würde und daß, wenn Ew: Königliche Majestät hiernach für die Beibehaltung der jezt bestehenden Kommission und ihre angemessene Verstärkung zu entscheiden geruhen sollten, dem Hofrath Hirt sich bei einer gehörigen Eröffnung Allerhöchst-//Dero Bestimmung, dem Geschäft ferner als Mitglied der Kommission mit Nutzen unterziehen werde. Dabei aber äußerten Seine Königliche Hoheit die Ueberzeugung, daß mit dieser Maasregel allein nichts auszurichten sein dürfte, daß es dabei immer noch an seiner Einrichtung fehlen werde, welche in das Ganze des Museums und in die wichtigsten Theile desselben, die Gemälde-Sammlung, Einheit bringen und die Durchführung eines dem Zwecke ganz entsprechenden Planes verbürgen könne, und daß es zu dem Ende wünschenswerth sey, dem Museum im Ganzen, bey seinem so bedeutenden Umfang und seiner in so vieler Beziehung großen Wichtigkeit, einen Mann vorzusetzen, der durch Talent und Kunst-Liebe, so wie durch seine Erfahrung geeignet und durch eine ausgezeichnete Stellung befähigt sey, diesem Zweck zu entsprechen, zugleich aber auch für den wichtigsten Theil des Ganzen, die Gemälde-Sammlung, durch einen besonderen Director zu sorgen, der, in einem angemessenen Verhältniß zu dem Ersteren, geeignet sey durch seine ausgezeichnete Kunst-Kenntniß und seine Stellung den Streitigkeiten in der Kommission über diese Parthie des Kunst-Museums vorzubeugen, und so die Durchführung des Rechten bey der ersten Einrichtung, so wie die Erhaltung und gehörige Vervollkommnung nach erfolgter erster // Herstellung zu sichern. Ich theile die Ansicht Sr: Königlichen Hoheit vollkommen, überzeugt, daß es mir dadurch, daß einige ausgezeichnete Männer, in einer angemessenen Stellung an die Spitze des Ganzen und des wichtigsten Theils gebracht würden, gelingen dürfte den wichtigen Zweck bei der Errichtung des Museums möglichst vollständig zu erreichen. Seine Königliche Hoheit der KronPrinz waren bei der ersten Auffassung des Gegenstandes noch ungewiß, ob im Fall der Allerhöchsten Genehmigung des Planes im Allgemeinen, die Ausführung in Beziehung auf die von HöchstDenenselben dabei besonders berücksichtigten Personen, auf deren Wahl so viel ankomme, keine Schwierigkeiten finden dürfte, indem es Höchstdenenselben zweifelhaft war, ob solche zu der Uebernahme dieser Stellung geneigt sein mögten. Jezt aber glauben Seine Königliche Hoheit auch diese Schwierigkeit nach den erhaltenen Nachrichten beseitigt und HöchstDieselben haben Sich für nachstehenden Plan erklärt:
1) daß Ew: Königliche Majestät geruhen mögten die Leitung sämmtlicher Angelegenheiten des Museums, sowohl in Beziehung auf dessen jetzige erste Errichtung, als auch rücksichtlich dessen künftiger zweckmäßiger Erhaltung und Benützung, dem erst kürzlich von der Stelle eines General-Intendanten der Schauspiele // entbundenen Kammerherrn, Grafen von Brühl in einer dessen früheren Verhältniß entsprechenden Stellung zu übertragen, zugleich aber auch
2) Allergnädigst zu gestatten, daß dem Freyherrn von Rumohr, als den anerkannt ausgezeichnetesten Gemälde-Kenner, die Direction Ew: Königlichen Majestät sämmtlicher Gemälde-Gallerien und Gemälde so angetragen werde, daß derselbe bei einem angemessenen Rang-Verhältniß und Vergütung für seine Dienstleistung, die Direction der Gemälde Gallerie im Museum, sowohl in Beziehung auf deren jetzige Herstellung und Anordnung, als auch deren künftige Erhaltung, Vervollständigung und Benutzung, unter dem Grafen von Brühl, die Direction aller anderen Gemälde Gallerien und Gemälde Eurer Königlichen Majestät aber selbstständig übernehme.
Nach den mir bekannten Eigenschaften der von Seiner Königlichen Hoheit dem Kron-Prinzen ausersehenen Männer, zweifle ich nicht an der möglichst vollständigen Erreichung des Zweckes durch solche, und halte mich verpflichtet, mich für die Allerhuldreichste Genehmigung des Planes ehrfurchtsvollest zu erklären. Wenn Ew: Königliche Majestät solchen allergnädigst zu beschließen geruhen, so wird es darauf ankommen:
a) das Verhältniß des Grafen von Brühl als // Intendant des Museums in Beziehung auf Gehalt und Rang näher festzustellen und durch eine Instruction oder vorerst wenigstens durch die Grundzüge dazu, dessen Verhältniß nach oben und nach unten näher zu bestimmen. Es dürfte seine Wirksamkeit erfordern, daß er, in Beziehung auf einen Theil seiner Wirksamkeit, unmittelbar unter Ew: Königlichen Majestät Befehlen stehe. Zugleich wird es aber auch nöthig sein, seine Stellung, in Beziehung zu dem Ministerium der Geistlichen-Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten, also der Behörde, von welcher die Kunst-Anstalten ressortiren und für welche, so wie für viele Theile der Wissenschaften das Museum von so unendlicher Wichtigkeit ist, näher festzusetzen, wobey es von AllerhöchstDero Allergnädigsten Entscheidung abhangen wird in wie weit alles Finanzielle und die Comptabilität dem Grafen von Brühl selbstständig oder unter der Einwirkung des Ministeriums übertragen werden soll. Zunächst diesem wird auch die Stellung des Grafen von Brühl, zu der Kommission wegen Herstellung des Museums, die nöthige Bestimmung erhalten und festgesezt werden müssen, daß gedachte Kommission, in Beziehung auf die Gemälde-Sammlung zunächst dem Freyherrn von Rumohr untergeordnet werde. //
b) In gleicher Art wird eine nähere Bestimmung über die Ernennung des Freyherrn von Rumohr zum Director Ew: Königlichen Majestät sämmtlicher Gemälde Gallerien und Gemälde, in Beziehung auf Rang und Entschädigung so wie dessen Instruction über seine Stellung zu dem Grafen von Brühl, rücksichtlich der Gemälde des Museums und seiner Wirksamkeit, in Beziehung auf sämmtliche übrige Gemälde Gallerien und Gemälde, erfolgen müssen.
c) Hiernach wird sich die Anordnung über die künftige Wirksamkeit des Ministeriums der Geistlichen und öffentlichen Unterrichts-Angelegenheiten und die Instruction der Kommission zur Einrichtung des Museums, so wie der sämmtlichen anzustellenden Inspectoren pp richten.
Für den Fall, daß Ew: Königlichen Majestät allergnädigst zu befehlen geruhen sollten, daß der Verfolgung des Plans näher getreten werden, scheint es wünschenswerth, daß vorerst nur über die Haupt-Grundzüge des Planes und über die Wahl der Personen, nach dem ehrerbietigst Vorgetragenen von AllerhöchstDenenselben allergnädigst entschieden werde. Es wird sodann erst zur Ausmittelung der speciellen Bestimmungen zur Durchführung des Ganzen und zum Entwurf der Instructionen geschritten werden können und es dürfte wünschenswerth sein, wenigstens über die Hauptpunkte in nähere Verhandlung mit den Personen zu treten, welchen von // Ew: Königlichen Majestät gewählt worden sind, um ihre Erfahrungen in solchen Geschäften zu benützen und ihre Wünsche zum Besten der Sache möglichst zu berücksichtigen. Es wird sodann möglich sein, das Ganze, vollständig vorbereitet zu Ew: Königlichen Majestät Allerhöchster Entscheidung und Genehmigung zu bringen.
Ew: Königlichen Majestät Allergnädigstem Befehle sehe ich ehrfurchtsvoll entgegen, ob und was AllerhöchstDieselben in dieser Beziehung mir allergnädigst aufzutragen geruhen wollen.
Berlin, den 10ten Maerz 1829.
[gez.] Altenstein.
An / Seine Majestät den König.