An / Des Königl. Hoffrath Herrn / Hirt / Wohlgeboren / in Berlin.

Auf die mir von Ewer Wohllöblichen Comission vorgelegte Fragen kan ich folgendes antworten.

1. Ehe ein Schüler auf der Gallerie nach den Gemähden copirt, so muß er alle Zeichen Classen durch, nach den nackenden gezeichnet, und etwas in OehlFarben copirt haben, worüber Er ein Attestat seines Lehrers vorzuzeigen hat, es sei denn das Er als Kupferstecher nach den Gemählden zeichnet, oder en migniature mahlt.

2. Der Unterricht kan blos des Sommers statt finden, wegen der Kälte des Gebäudes. Die Anleitung ist practisch, in Ansehung der Farbenmischung, der Empathirung und Führung des Pinsels.

3. Die Zeit des Unterrichts ist alle Tage, früh von 8 bis 12 Uhr und Nachmittag von 2 bis 5 Uhr, die Sonn und Festtage ausgenommen. Die Zahl der Eleven ist nie über 8. gewesen, und es ist keine Zahl festgesezt.

4. Vorschläge zum Verbeßern des Studiums auf den Gallerien | 2 bestände darin, das, damit die Schüler mehr lernten, sie nur das Schöne Theilweise aus einem Gemählde, und nicht das ganze Stück copirten, das zu viel Zeit kostet, da selten ein Gemählde durchgängig schön zum studiren.

5. über den Fleiß, die Fortschritte und die Conduite der Schüler wird eine schriftliche Urte [Acte](?) geführt, wo die Stücke so sie copirt alle Herbst angezeigt.

6. Verbeßrungs Vorschläge bei dem Zeichnen nach den Leben weiß ich keine. was das Studium des Sommers nach der Natur zu mahlen, anbetrift, so hat es deswegen keinen Nuzen weil außer den beiden Stunden, der ganze Tag dadurch verlohren geht, und nur sehr wenige sind, die davon profitiren können, denn dieses Studiren hat nur dann seinen Nuzen wenn es ein einzelner für sich hat.

Potsdam / am 9 Mertz. 1798. J. G. Puhlmann.