Die commission, nachdem sie in Überlegung genommen hat, das paßendere Lokale für das königliche Museum anzugeben, ist nach einer Ocularinspection dahin überein gekommen, daß ein solches Lokale in jeder Beziehung und vorzugsweise das königliche Academiegebäude unter den Linden seyn würde: unter der Bedingung jedoch, daß das ganze Viereck einzig für das Museum, die beiden königlichen Academien - der Wißenschaften und der Künste -, und dann für die Schule der Anatomie und die vorhandene Sternwarte bestimmt würde. Hiernach würden alle Stallungen, Remisen und die Reitschule hieraus zu entfernen seyn.

Die Commission hat daher die[sic!] beiden unterzeichneten Committenten aufgegeben, den nähern Plan hierüber zu bearbeiten. - Nach reiflicher Überlegung, und in völligem Einverständniß ist dies geschehen; und wir haben hiemit die Ehre, die vorläufige Arbeit vorzulegen.

Anlage / des Gesammtbaues.

Der Gesammtbau erhielte folgende Abtheilung: A. Das Museum, B. Die Akademie der Künste. C. Die Akademie der Wißenschaften. D. Die Schule der Anatomie. E. Die Sternwarte. F. Die nöthigen Wohnungen für die Castellane und Wärter der verschiedenen Abtheilungen. (Doch in dem Museum würde keine Wohnung als die eines Portiers seyn.) | 2

A. Das Museum. Das Viereck mit der Ansicht nach den Linden würde das Museum ausschließend einnehmen: wovon das untere Stockwerk für die antiken Bildwerke bestimmt wäre: nämlich der ganze Querbau A. für die antiken Marmor, und die drey andern Seiten B. C. D. für die Abgüße der vorzüglichsten Alterthümer aus allen Sammlungen in Europa. In dem obern Stockwerke würden die kleinern Alterthümer und Kunstwerke, als: Münzen, Gemmen, Kleinerze, Mosaike, Gefäße, Lampen, Mummien u.s.w., dann alle zu der sogenannten Kunstkammer gehörigen Gegenstände, und ferner die Auswahl der gesammten Gemälde, die von Solly verkauften mit begriffen aufgestellt werden: nämlich in dem Raum E. die kleinern antiken und modernen Kunstwerke, in dem Raum F. die Gegenstände der Kunstkammer, und in den Räumen G. H. I. die Gemälde. Anmerkung I. Wir haben uns bemüht, für die Gemälde so viel Raum zu gewinnen, ohne benöthigt zu seyn, etwas von den Räumen E. und F. dazu zu nehmen, weil diese hiezu wegen ihrer Anordnung und Beleuchtung sehr unpaßend, und ihre Umänderung sehr schwierig gewesen seyn würde. Dagegen sind die für die von uns bezeichneten Gegenstände sehr paßend; und man gewinnt dabey den Vortheil, keine Veränderungen vornehmen zu dürfen, sondern nur auf den völligen Ausbau | 3 dieser Räume bedacht zu seyn, und ein paar Fenster zur erforderlichen Lüftung durchzubrechen. Anmerkung II. Für die Aufstellung der Gemälde wären die Räume H. I. ganz neu zu bauen, und die bereits hiefür gebauten Räume K. zeigen sich leider in einem Zustande, daß sie ohne sehr kostbillige Umänderungen nicht gebraucht werden können. Erstlich ist die hohe Fensteranlage nicht gut, und dieselben sind nothwendig tiefer in der Wand herabzuziehen, aber dies ist nicht alles: es zeigt sich nämlich, daß die Decken nicht sicher construirt sind, und iezt bereits den Einsturz drohen. Die Wölbungen müsten also abgenommen, und an deren stelle eine Decke und Dachung von Balkenwerk gemacht werden, wir hoffen nämlich, daß dies angehen, und die wenigsten Unkosten verursachen würde. Es wäre aber dringend, daß eine solche Umändrung so bald wie möglich einträte, um in diesen Sälen auf künftigen Herbst die Kunstausstellung darin zu halten, und dann so gleich die Sollysche Sammlung dahin zu transportiren, damit sie in Zeit aus dem iezigen Lokale wegkäme. Ja der größere Theil dieser Gemälde würde dann schon gegen das Frühjahr 1823 zu Besehen aufgestellt werden können. Auch könnte um diese Zeit die Versezung des Antiken-Cabinets und der Kunstkammer aus dem Schloße in das neue Lokale statt finden. Anmerkung III. In dem untern Stockwerke | 4 des gemachten Neubaues haben sich unglücklicher Weise auch schwer zu tilgende Übel gezeigt. Der Salpeter, den der Boden enthält, wirkt nicht nur zerstörend auf alles Holzwerk, sondern die salzige Feuchtigkeit sitzt auch bis auf eine gewiße Höhe in dem Mauerwerk, und leidet schwer einen dauerhaften Anwurf. Diesem Übel muß so viel möglich gesteuert werden. Wir zweifeln aber, ob dies ganz zu erringen seyn werde; denn das Übel rührt nicht bloß von dem Salpeter her, sondern weil in dem ursprünglichen Bau zum Theil Mauersteine von schlechtem Thone und Brand gewählt worden sind, die gern die Feuchtigkeit anziehen. - Doch hören wir vom Prof. Rabe mit Vergnügen: daß an der vordern Seite gegen die Linden das ganze Erdreich bis auf acht Fuß Tiefe ausgegraben, und dann mit guter Erde ausgefüllt worden sey. Auch zeiget sich an dieser Seite bis iezt wenig Schaden, einige feuchte Balken in dem Mauerwerk ausgenommen, wo dann der Abputz schwer hält. Indeßen sind wir der Meinung, daß man hier (für iezt wenigstens) keine wesentliche Änderung eintreten laße, und daß die Aufstellungen ohne Nachtheil darin verbleiben können. Anders verhält es sich mit der Seite nach der Universitätsstraße. Hier zeigt sich die schädliche Wirkung des Salpeters überall, eben weil der Architekt, wie er selbst bekennt, den Boden allda nicht ausgraben ließ. Hier müßen nothwendig Änderungen eintreten, um die Räume gehörig brauchbar zu machen. Doch da eben diese | 5 Räume interimistisch von den Akademie der Künste und Akademie der Wissenschaften.
[Schließen]
beiden Königlichen Akademien
occupirt sind; so sind wir der Meinung, die Sache auf sich beruhen, und die Abänderung erst eintreten zu laßen, wenn die Academien in ihre neuzuerbauenden Lokalitäten einziehen könnten. Nur die Bibliothek der Academie der Wißenschaften würde fortzuschaffen seyn, und diese könnte wohl interimistisch in dem bereits geleerten untern Theil der Königlichen Bibliothek untergebracht werden. Um den Salpeterfraß theils ganz zu entfernen, theils ihn so viel möglich unschädlich zu machen, bemerken wir vorläufig nur so viel: daß wir es bey dem bloßen Ausgraben der mit Salpeter geschwängerten Erde nicht bewenden laßen würden. Sehr paßend dürfte - wenigstens bis auf eine gewiße Höhe - eine dünne Wand von 4 bis 5 Zoll dick, und in einem Abstande von zwey Zoll von der alten Mauer aufgeführt werden. Auch könnte ein waßerdichter Anwurf (aus Kalk und zerschlagenen Backsteinen (ohne Sand) nach Art der Alten bestehend) hiezu sehr viel beytragen. Soviel in Beziehung des bereits gemachten Baues und seiner nöthigen Umanderungen und Bestimmungen.

Der neu zu bauende Theil des Museums. Wären die Veränderungen in dem bereits vorhandenen Baue, und zwar wie zu wünschen wäre, noch im Laufe dieses Jahres, vollendet; so würde die Ordnung des Aufbaues im Frühjahr 1823 an die Seiten H. I. kommen. Hiezu würde erfordert, daß die Gebäude, welche iezt diese Räume | 6 einnehmen, noch im Verlaufe dieses Jahres abgerißen würden, das ist: die Reitbahn, die Remisen, die Stallungen, die Wache an der Charlottenstraße, und der mittlere Pavillon an der Universitätsstraße. Denn wir können nicht anders opiniren, als daß alles was von altem Mauerwerk vorhanden ist, niedergerißen und die Materialien verkauft oder etwa zum Neubau anderer Ställe und einer neuen Reitbahn benutzt werden. Die Ursachen sind theils das schlechte Material selbst, und der Salpeter, weil altes und neues Mauerwerk verbinden wollen nur schlechtes Flickwerk wird, und die Erfahrung nur zu oft gelehrt hat, daß man, um Altes zu schonen, den ganzen Neubau verdorben hat. Dann können die neuen Anlagen nur zweckmäßig werden, wenn der Architekt durch das alte Mauerwerk keine Hinderung findet, und freye Hand hat. Auch wird der Betrag der Unkosten dadurch nicht viel beträchtlicher, und man erreicht den Zweck, der dem Bauherrn und jedem andern Freude machet. Bey dem Entwurf der neuen Risse ist auf die gröste Einfachheit Rücksicht genommen worden, bey der zweckmäßigsten Beleuchtung ist der Raum zur Aufstellung der Kunstwerke auf das Oekonomischste benutzt, und bey der Festigkeit würde sich die innere und äußere Ansicht gefällig, doch mehr zweckmäßig, als prachtvoll, darstellen, wenn in dem gemachten Neubau mit großen Unkosten alle Räume zerschnitten, und daher im Verhältniß ungeräumig und | 7 wenig gehörig erleuchtet erscheinen, so ist in diesen neuen Rissen dahin gesehen worden, das Beßere und Rechte auszumitteln. Im untern Stocke ist angenommen, daß die Säulen von Stein seyen, und die Scheidewände von nicht starken Mauerwerk. Das obere Stockwerk für die Gemälde würde ähnliche Scheidewände, aber diese nur von Holz haben, und die ganze Breite könnte ohne Säulen mit einem Hängewerk überdeckt werden. Doch scheint es, daß das Anbringen der Säulen (doch eher von Holz als aus Stein) viel zum guten Ansehen des Ganzen viel beytragen könnten, und die Unkosten um wenig vermehren, weil man dann keines Hangewerkes bedürfte. Dieser Bau könnte im Verlaufe des Jahres 1823 unter Dach gebracht werden, wenn alle Bestellungen dazu im voraus und in Zeit gemacht würden, damit kein Mangel an gutem Material einträte. Im Jahr 1824 könnte dann der Ausbau so weit fortschreiten, daß schon gegen das Ende desselben Jahres die Aufstellung der antiken Marmor, und der Gemälde aus den königlichen Schlößern vorgenommen werden könnte. - Mit diesem Bau wäre das Museum geschloßen. Anmerkung IV. In Rücksicht der Antiken, die der König besitzt, und für das Museum bestimmt hat, findet sich das Verzeichniß in der frühern Eingabe von Hirt, | 8 der dabey zugleich bemerkte, wie es mit dem Transportiren und Restauriren der Marmor zu halten wäre. Er schlug hiezu den Prof. Rauch vor. Denn es scheint der Vereinfachung des Geschäftes gemäß, daß dasselbe nur an Einen Mann überlaßen werde. - Auf jeden Fall wäre es nöthig, daß die Commission dies Geschäft in Zeit in Überlegung nähme, um sich mit dem Unternehmer zu verständigen und den Kostenbetrag auszumitteln. Das Nähere über die Art und den Gang eines solchen Geschäftes findet sich in der frühern Eingabe bezeichnet. Das wesentliche wäre der Überschlag der nöthigen Fonds hiezu, damit die Arbeit, einmal begonnen, nicht in Stocken geriethe. Anmerkung V. In Rücksicht der Gemälde aus den königlichen Schlößern, die oben aufzustellen sind, ist auf Befehl Ser Mayestät die vorläufige Auswahl auch bereits getroffen, und das Verzeichniß eingegeben. Diese Gemälde über 600 an der Zahl bedürfen im Ganzen geringer Ausbeßerungen, und sind fast durchaus mit paßenden Rahmen versehen. Das Wesentliche wäre, zur Zeit die Versezung der Gemälde an einen sachkundigen Mahler zu übergeben, der zugleich auch das Aufhängen der Gemälde nach Vorschrift besorgte. Ein solcher ist auch bey der Versezung und bey dem Aufhängen der Sollyschen Sammlung nöthig. In der Eingabe ist Professor Kubeil hiefür designirt worden. | 9 Anmerkung VI. Die Sollysche Sammlung bedarf aber wesentlicher Restaurationen. Der gröste Theil der Gemälde findet sich noch in dem Zustande, worin mehrere Jahrhunderte sie versezten. Viele bedürfen des Reinigens, viele zugleich sorgsamer Ausbeßerungen. Herr Solly hatte hierin den richtigen Sinn, keine restaurirten Gemälde zu kaufen, um das Genuine daran, und die Art der Meister genauer vor sich zu haben. Mit einem Theile derselben hat das Restaurationsgeschäft bereits unter Solly angefangen. Aber die Unkosten die Arbeit fortzusezen und zu beendigen sind nicht unbedeutend, und hiefür ist es wesentlich einen laufenden Fond auszusetzen, und zugleich die Weise auszumitteln, die Rahmen (welche wir in höchster Schlichtheit ohne Zierden und Laubwerk vorschlagen würden) dafür machen zu laßen. Was aber die Restauration und die dazu zu wählenden Restauratoren betrift, können die Unterzeichneten die Verantwortlichkeit nicht über sich nehmen, wenigstens nicht allein; sondern wir müßen wünschen, daß eine eigene Commission von drey academischen Mahlern niedergesezt werde, welche bey jedem Bilde mit dem Restaurator überlegen würden: was und wie erstlich zu reinigen, und dann nach der Reinigung zu restauriren sey. Denn es ist zu gefährlich, sich ausschließlich einem Restaurator, wenn er auch der geschickteste wäre, zu vertrauen. Zweytens müßte dieselbe Commission auch übernehmen, mit den Restauratoren bey jedem Bilde zu contrahiren; denn es ist nicht zu | 10 leugnen, daß solche manchmal sehr hohe Praetensionen machen die viel weiter gehen, als selbst die der ersten Mahler. Drittens müßte eine solche Commission die Restauratoren auch selbst wählen, und ihre Tauglichkeit prüfen; auch allenfalls sie entlaßen, wenn sie dem Erforderlichen nicht nachkämen. Hiezu erinnern wir: daß bis iezt ein Römer, Namens Teoli, manches restaurirte, dem man das Verdienst der Geschicklichkeit nicht absprechen kann. - Nicht so glücklich hatte früher ein hiesiger, Namens Geisler, Einiges unternommen. Indeßen würde dieser vielleicht doch bey weniger wichtigen Gegenständen, und unter Aufsicht der Commission, die ihn leitete, zu gebrauchen seyn. Dann wäre hier noch der bekannte Restaurator Bock. Einen für die Ausbeßerung altdeutscher und altniederländischer Gemälde geschickten Mahler, namens Fuchs, haben wir in Cöln kennen lernen, den man vielleicht zu diesem Zweck von dort her rufen könnte. Ferner hat sich zum Zweck der Restauration ein Franzose Namens Delahante, gemeldet, von deßen Geschicktlichkeit wir aber noch keine sichern Proben kennen. Es läßt sich jedoch voraussezen, daß er nach den nicht geringen Bedingungen, die er machet, eine bedeutende Erfahrung haben müße. Da der Arbeiten sehr viel sind, so wäre vielleicht auch mit diesem letztern zu unterhandeln. Jedoch könnten wir nur der | 11 Meinung seyn, daß jeder Restaurator sich der Commission der Mahler unterwürfe, und nach den angenommenen Principien arbeitete.

B. Die königliche Akademie der Künste. Die Akademie der Künste, welche man früher nur zu oft mehr als ein Institut des Luxus und des Hofes, als eine Anstalt betrachtete, welche in jedem Staate, der auf höhere Bildung und Rang Anspruch machet, unerläßlich ist, occupirt iezt nur ein sehr dürftiges und bey weitem nicht zulängliches Lokale, ungleich geringer, als dasjenige war, welches sie früher hatte, und das selbst auch früher in mancher Hinsicht mangelhaft war. Ihre Verbindung mit dem Museum ist sehr zweckmäßig; und dieses zugleich die schönste Schule, wo der angehende Künstler, die vortrefflichsten Muster vor Augen, sich bilden kann. Nach unserm Plane findet dieselbe ihre Stellung an der Universitätsstraße bis zur Ecke der letzten Straße, und von da bis an die Sternwarte. Wir haben bey der baulichen Einrichtung nicht blos auf das Rücksicht genommen, was die Akademie iezt ist, sondern wie dieselbe nach vorläufigen Entwürfen, welche schon seit längerer Zeit bey einem hohen Ministerium eingegeben sind, constituirt werden soll. Hiernach ist für die Zeichnungssäle, sowohl in der Architektur, als in der Mahlerey und Bildkunst, gesorgt, so wie auch für jenen wißenschaftlichen Unterricht, welcher das Wesen der Kunst näher angeht. Dann ist ein geräumiger Saal zum Zeichnen und Mahlen nach dem Leben, und andere | 12 zum Zeichnen nach den Antiken und nach Gewändern. Dazu gehört das Versammlungszimmer für den Senat, ein Bibliothekraum mit dem Archiv, und der Kupferstich- und Zeichnungssammlung; ein paar kleinere Cabinete für Direktor und den Oekonomieinspector; nöthige Wohnung für den Kastellan und Wärter nebst den erforderlichen Gelaßen für Feuermaterial u.s.w. All dies ist in dem untern Stockwerk, und in den Zwischengeschoßen angenommen. Das ganze obere Stockwerk aber ist in Säle abgetheilt, zu den Ausstellungen nicht bloß für Kunstwerke, sondern auch für jene Produkte der Industrie, welche sich theils durch Erfindung, theils durch schöne und gefällige Formen, durch Eleganz und Ausführung auszeichnen, und dem Gewerbfleiße Ehre machen. Diese Säle sollen dann die fernere Bestimmung haben, den Zöglingen der königlichen Akademie zu dienen, welche in abgeschloßenen kleinen Werkstellen die Stücke für die Preisbewerbungen bearbeiten. Eine solche Einrichtung ist zwar bis iezt noch nicht vorhanden gewesen; allein sie ist wesentlich, wenn die vaterländische Kunst wahrhaft in's Leben treten soll. Anmerkung VII. Wir können nicht umhin bey dieser Gelegenheit zu bemerken, und zu wünschen, daß die verbeßerte Einrichtung der Kunstakademie möglichst bald in's Leben träte. Dies hält sich an kein bestimmtes Lokale; und alle die wesentlichen Einricht- | 13ungen könnten geschehen, ohne die Vollendung des projektirten Neubaues abzuwarten. Hiebey wäre erforderlich, diejenigen Zweige des Unterrichtes, welche nicht wesentlich academisch sind, von der Akademie gänzlich zu trennen, und dafür eine besondere Anstalt, wo sie wesentlich hingehören, zu gründen: wir meinen eine so genannte polytechnische oder Realschule. Eine solche Anstalt würde sich sehr paßend an das Ministerium der Gewerbe anschließen, und es scheint auch, daß der ietzige Chef dieses Ministerium sich seit längerer Zeit mit einer solchen Einrichtung beschäftige. Nach dieser Sonderung würde der Plan der neuen Einrichtung der Akademie selbst sehr vereinfacht; und keine Hinderung, scheint es, dürfte fernerhin die Ausführung desselben lähmen.

Die Academie der Wißenschaften. Die Academie der Wißenschaften, dies vortreffliche, und seit lange so ehrenvolle Institut für den preußischen Staat, hat ein großes und sehr anständiges Lokale aufgegeben, und ist iezt in ein sehr geringes versetzt. Nach dem Plane würde der Neubau derselben an die Seite der Charlottenstraße von der ietzigen Wache an bis zur Anatomie verlegt werden. In dem obern Stocke würde die Academie selbst ihre Einrichtung erhalten. In einem Theile des untern Stockes aber würde der Castellan wohnen, deßen Raum etwas ausgedehnter | 14 seyn müßte, da derselbe zugleich den Druck der akademischen Schriften zu besorgen hat. Hiebey ist angenommen: ein anständiger Vorsaal; ein großer Saal für die Gesammtsitzungen, der auch bey den öffentlichen Versammlungen diente; ein Zimmer für die Classensitzungen, ein Saal für die Bibliothek, zwey größere Räume zu Aufstellungen von Einsendungen, und zur Aufbewahrung eigener Gegenstände von physischen, mathematischen und andern Apparaten. Hiernach würde die Academie ihre frühere Räumlichkeit wieder erhalten. Vor der Hand aber würde sie in dem ihr iezt angewiesenen Lokale verbleiben. Nur wäre die Bibliothek, die in ihrem ietzigen Lokale leidet, nach dem leeren untern Raum der großen königlichen Bibliothek zu transportiren. Anmerkung VII. [sic!]Ich, der vorlesende, und Veteran der Akademie, kann bey dieser Gelegenheit nicht unbemerkt laßen: daß die Akademie der Wißenschaften, das erste wißenschaftliche Institut im Staate - in welches nur Männer aufgenommen werden, welche schon Beweise von der Erweiterung ihrer besondern Wißenschaft gegeben haben - die einzige Anstalt ist, welche durch die leztern Zeiten eine Schmälerung ihrer Einkünfte erlitten hat. Sie stand sich früher zwischen 30 bis 40 000 reichstaler jährlich, und iezt ungefähr auf 20 000 reichstaler, wovon der geringere zu den Be- | 15soldungen bestimmt ist, und der andere zu andern wißenschaftlichen Zwecken. Dazu kamen früher noch besondere Zuschüße von der Huld des Königes zur anständigen Besoldung neuer Mitglieder. Würde derselben der frühere Stand wieder gewährt werden, so könnte über die höhere Wirksamkeit kein Zweifel obwalten. - Noch mehr: es bleibt auffallend, da die Mitglieder jeder Staatsbehörde ihren Rang haben, und derselbe auch für die Professoren der Universitäten bestimmt ist, die Mitglieder des ersten wißenschaftlichen Instituts ohne Rang sind. In einem monarchischen Staate scheint aber solches für die äußere Ehre der Mitglieder nicht gleichgiltig zu seyn. Doch ich spreche über Dinge, die eigentlich nicht hieher gehören.

Die Schule der Anatomie. Diese würde den Raum von der Ecke der Charlotten- und lezten Straße bis zur Sternwarte einnehmen, was sie auch bis iezt hatte. Im Neubau würde der obere Stock dazu eingerichtet werden, und zwar nach einem verbeßerten Plane, worüber noch mit den Professoren dieser Anstalt Rücksprache zu nehmen wäre. Dabey müßte auch ein kleinerer Raum eingerichtet werden, wo für die Kunstzöglinge secirt würde, so wie es iezt schon zu geschehen pflegt. Das untere Stockwerk dieser Abtheilung würde sehr paßend für die Castallane und Wärter der verschiedenen Abtheilungen des Museums einzurichten seyn. Denn diese müßen in der Nähe, aber im Museum nicht selbst wohnen.

Die Sternwarte. Diese würde verbleiben, hauptsächlich für die Studirenden der Astronomie; und sehr bequem würde sich in den untern Theilen des Thurmes die Wohnung des Vorstehers einrichten laßen. | 16 Hier schließt sich die Übersicht der gesammten Baue, und die Ordnung, in welcher sie allmählig zu führen wären. Anmerkung VIII. Daß der Gesammtbau nur im Gange von Jahren zu Stand kommen könnte, zeiget schon der große Umfang. Aber sehr wünschenswerth wäre es, wenn die jährlich darauf zu verwendenden Summen fixirt würden. Ferner: wenn der genaue Kostenanschlag nach den einzelnen Abtheilungen fixirt wäre, würde es das wünschenswertheste seyn, den Bau in Unternehmung zu geben; doch nur an verständige und solide Männer, welche für die gute und zeitgemäße Ausführung Bürgschaft leisten könnten. Dadurch würde die Sicherheit gewonnen, daß der Bau nicht mehr kostete, als die Bedingung besagte, und daß alles in einer bestimmten Zeitfolge zu Stande käme. Anmerkung IX. Eine wesentliche Berücksichtigung ist die allmählige Räumung der Ställe und Remisen. Diese Räumung kann aber nicht vorgehen, bis nicht andere Lokale hiefür ausgemittelt sind. Für das erste würde jene Räumung nöthig seyn, wohin die neu zu bauenden Theile des Museums zu stehen kommen; dann der Theil, welcher für die Academie der Künste designirt ist, und endlich die Theile für die Academie der Wißenschaften, und die Anatomie. Nach dieser Folge müßten die Stallungen, Remisen, Wohnungen für die Leute, Reitbahn, | 17 im voraus erbaut werden. Daher wenn z. B. vielleicht schon künftigen Herbst, oder gegen das künftige Frühjahr die Reitbahn, die Stallung in dem innern Hofe, die an der Charlottenstraße mit Inbegriff der Wache, dann das Quergebäude mit dem Pavillon an der Universitätsstraße abzutragen wären; so würde es schon im Gange dieses Sommers nöthig seyn, die Stallgebäude und anderes Benöthigte an andern Stellen zu errichten. Hierüber dürften überdachte und schnelle Beschlüße zu nehmen seyn. Nach derselben Weise müßten die Stallbaue in den folgenden Jahren fortgesezt werden.

Berlin den 19ten April / 1822.

[gez.] Schinkel [gez.] Hirt. ___________________________________________________________________________________________________

Plan Schinkels für die Ausführung des Baus , 1822 [halbseitig beschriebene Folio, egh. Schinkel; ebd., unpaginiert, im Anschluss an den Hirtschen Entwurf]:

Plan / für die Ausführung der in den beiliegenden Zeichnungen entworfene Bauanlage für das Museum, die Academie der Künste, die Academie der Wissenschaften, die Schule der Anatomie, die Sternwarte / und die dadurch veranlassten Nebenbaue: die Reitbahn, die Wache, die Militairställe, die Prinzlichen Ställe und Remisen, in Rücksicht auf die Zeitfolge, auf die Vertheilung oder in beiliegenden Anschlägen berechneten Kosten und die Ausmittelung der Bau-Plätze.

Die Räume im gegenwärtig ausgebauten Theile des Academie-Gebäudes sind weder hinreichend die in das Museum gehörende Kunstschätze aus den Königlichen Sammlungen aufzunehmen, noch sind sie zweckmäßig darauf eingerichtet. Neue Änderungen in diesem Theile vorzunehmen ist höchst mißlich, weil die Solidität des Gebäudes durch die Verbindung alter und neuer Mauer, bereits sehr gelitten hat und eine nochmalige Umgestaltung nicht vertragen kann. Die Kosten für eine nach Umständen möglichst vollständige Verbesserung des Gebäudes sind in den beiliegenden Anschlage No 4. zwar berechnet, belaufen sich aber so hoch, daß deren Verwendung, unter den angeführten Umständen nicht anzurathen ist. // Am angemessensten ist es deßhalb diesen Theil des Gebäudes mit Ausnahme geringer Verbesserungen in seinem gegenwärtigen Zustand zu lassen und ihn für diejenigen Zweige der Sammlung zu brauchen welche weniger Räumlichkeit und ausgezeichnete Beleuchtung bedürfen. Die Einrichtung des Museums in dem projectirten neuen Bau des Flügels an der Charlottenstrasse und in dem großen Mittelgebäude A.B.C. welches die Höfe trennt, wäre demnach mit möglichster Beschleunigung einzuleiten. [Bemerkung alR: siehe Grundriss Ier Geschoss. / Blätter N. I. A und N. I. B] Hierzu gehört zuförderst die Räumung der Stallungen, Remisen, der Reitbahn und der Wache aus dem ersten Hof und deren Abbau auf einem andren Orte. Kein Platz ist dazu so geeignet als der in der Stallstrasse belegene auf dem Plan N° 5, mit den neuaufzuführenden Gebäuden verzeichnete Raum. Für einen anderen Theil der Prinzlichen Stallungen und Remisen, biethet sich der alte in guten Mauern stehende unvollendete Bau der Bäckerei auf der Inselbrücke, wie er auf dem Plane N° 6. mit der neuen Einrichtung vorgestellt ist, dar. Bemerkung. Der Ankauf des letzten Platzes ist weniger drückend, weil die Kaufsumme aus Königlichen Cassen in Königliche Cassen fließt. // Tritt die Allerhöchste Entscheidung hierüber gleich ein, so ist der Abbau dieser Gebäude größtentheils in diesem Jahre noch möglich. Mit dem ersten Frühjahr 1823 würde der Neubau begonnen und im selbigen Jahre unter Dach gebracht werden können, wenn in dem Jahre 1822 die nöthigen Vorkehrungen für Material pp getroffen würden. Im Jahr 1824 würde der Ausbau vollendet und am Ende desselben Jahres begönne man schon mit der Aufstellung der Kunstwerke in Bildern, antiken Marmor und Abgüssen, so daß mit dem Frühjahr 1825 das Museum in seiner ganzen Vollständigkeit dastände und genossen werden könnte. Die Kosten aller dieser Baue sind in den Anlagen berechnet und nach diesen Ausmittelungen der Betrag für die Fortsetzung der Bauanlage abgeschätzt worden. Soll der Bau regelmäßig fortgesetzt werden, so würden im Jahr 1824 schon Vorbereitungen zum Bau der academischen Lehranstalten der Künste gemacht werden und diese Gebäude im Plane H. D. E. in den Jahren 1825, 26, 27 vollendet. [Bemerkung alR: Blätter / siehe; N° I. A und N° I. B.] Im letzten Jahr begönnen die Vorarbeiten für den Bau der Academie der Wissenschaften, der Anatomie pp // und diese Gebäude, im Plane T G I. würden in den Jahren 1828, 29, 30 vollendet und damit die große Bauanlage geschlossen seyn. Bei den mancherlei Fehlern, welche sich in dem Flügel des jetzigen Academie-Gebäudes in der Stallstrasse finden, mögte es gerathen seyn, diesen in der Folge neu zu bauen und mit dem projectirten Flügel gegenüber an der Charlottenstrasse völlig in Übereinstimmung zu bringen. Vielleicht wäre es am vortheilhaftesten diesen Bau dann auf die Jahre 1825, 26, 27 in welchen die academischen Lehrgebäude aufgeführt werden, mit zu vertheilen. Nach diesem Plane ist die folgende Tabelle zur Übersicht der ganzen Angelegenheit entworfen: Die Pläne N° I. B und N° 4 B geben die in vieler Hinsicht vortheilhaften Modificationen des Entwurfs nach dem zuletzt gemachten Vorschlage genauer an. [gez.] Schinkel.